#GaK2018 | Woche 4: Frustriert daheim!

#GaK2018 | Predigt | Frustriert daheim!

Heute Morgen machen wir wieder einen Hausbesuch in der Familie des Vaters und seiner beiden Söhne. „Frustriert daheim“ – das ist das Thema unserer vierten Predigt über unser GaK – Thema in diesem Jahr. Und dank der guten Vorbereitung der Arbeitsheftlektion durch Christa Hornisch konnten die Hauskreise in der letzten Woche ja schon aufmerksam nachdenken über die Verse 25-32.

Geschätzte Lesezeit: 11 Minuten

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Frustriert daheim!
Reihe
Gemeinsam auf Kurs 2018
Datum
18.03.2018
Länge
31:15
Bibelstelle
Lukas 15, 25-32
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

25 Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz.
26 Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle.
27 Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat.
28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu.
29 Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte.
30 Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet.
31 Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein.
32 Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.

Predigt

Uns interessiert also heute Morgen der ältere dieser beiden Brüder. Wir treffen ihn gerade bei der Feldarbeit. Verschwitzt steht er vor uns. Wir unterhalten uns mit ihm. Im Gespräch wird deutlich: dieser ältere Sohn des Vaters in Luk 15 ist der angepasste, eingegliederte, liebe Sohn gewesen. Nicht daran zu denken, dass er einen schlimmen Streich gespielt hat. Vom Hof ist er nicht weggegangen. Vater brauchte ihn. Und er braucht ihn auch jetzt. Jahraus, jahrein hat er die Felder bestellt; aufs Gesinde geachtet und sich eingesetzt, damit unterm Strich genügend herauskam zum Leben. Ob er mit diesem Leben zufrieden sei, fragen wir ihn. Doch, ja. Er hat es doch gut hier. Er hat sein geregeltes Leben. Sein Vater ist mit ihm zufrieden. Was will er mehr? Ob er denn gar nichts vermisse? Vermissen? Nein, was sollte er denn vermissen? Er hat doch alles: eine liebe Frau; Kinder, die einigermaßen geraten. Nein, vermissen würde er eigentlich nichts. Wie wir auf diese komische Frage kämen?

Wir lassen ihn bei seiner Arbeit zurück, den älteren Sohn. Wir gehen zurück zum Hof. Dort hat sich einiges getan in der Zwischenzeit. Man bereitet ein Fest vor; alle sind in Aufregung, denn: der Jüngste ist zurückgekehrt. Er galt lange Zeit als vermisst. Keiner – außer seinem Vater – hatte noch daran geglaubt, dass er jemals zurückkommen würde. Und nun ist er da. Und die Freude ist groß.

Am Abend kommt der zufriedene ältere Sohn heim. Und auf einmal scheint er doch ein wenig unzufrieden zu werden. Und einige Zeit später dann: nicht wiederzuerkennen, dieser brave Landmann von vorhin. Und hier beginnt unser Bibeltext:

Als ich diese Verse las, ist mir der Titel eines Buches von Peter Strauch, dem früheren Präses unseres Bundes der FeG, eingefallen: „Warum leben wir eigentlich nicht?“
Und ich möchte jetzt einmal herausfordernd formulieren – und nun zusätzlich zu den vier Schritten, Umkehr zu vermeiden, diese:

Drei Schritte, am Leben vorbei zu leben

1. Ich degradiere das von Christus geschenkte Leben zur Banalität

Ich werde auch heute Morgen versuchen, so persönlich wie möglich auch mein Leben einzubeziehen in die Fragen dieser Predigt. Und es wäre gut, wenn jeder heute Morgen auch sehr ehrlich auf sein eigenes Leben im Glauben blickt, auf seine Erwartungen an Gott, auf seine Enttäuschungen mit Gott und mit dem Glauben. Also: Schaug´n mer mal, dann seg´n mer scho.

Was war das Problem damals für den älteren Sohn? Hatte er nicht alles, was er zum Leben brauchte? Konnte er nicht zufrieden sein? Er hatte die Nähe seines Vaters, er hatte Anteil an seinem Gut. Das gemästete Kalb stand schon längere Zeit in seinem Stall. Und als es geschlachtet wird zum Fest für seinen Bruder, da – ist er zornig.

Warum hat Jesus dieses Gleichnis damals weitererzählt – über die Ankunft des jüngeren Sohnes hinaus? Er tat es wohl auch deshalb, um uns heute zu warnen vor einem weiteren Schritt in die falsche Richtung; er tat es, um uns zu erlösen von der Gefahr, das von Christus geschenkte Leben zu einer Banalität zu machen, indem wir an einem von Gott geschenkten erfüllten Leben vorbei leben. Vielen von uns heute Morgen hier Sitzenden geht es wie mir: wir haben vor langen Jahren schon das Leben aus Christus entdeckt, haben die große Umkehr vollzogen und folgen nun schon lange nach. Jahraus, jahrein sind wir in der Nähe Gottes. Jahraus, jahrein in Gesprächskontakt mit ihm. Jahraus, jahrein erfahren wir Vergebung der Sünden, empfangen jeden neuen Tag als eine neue Chance von Christus. Wir haben uns so daran gewöhnt. Und ganz langsam ist es dabei zu passieren: die Sache mit Jesus wird zur banalsten Angelegenheit der Welt. Wir bleiben zufrieden. Wir haben unser Auskommen. Und unsere Ruhe. Und leben am Leben vorbei. Das unbegreifliche Ereignis des ChristWerdens und ChristSeins ist langweilig und hausbacken geworden. Es gehört einfach zu uns, aber – große Gedanken machen wir uns nicht mehr. Und jetzt tragen wir unseren Glauben an Jesus. Und wir tragen ihn auf – wie ein altes Hemd. Ab und zu gewaschen, gedankenlos vom Stapel genommen und übergestreift. Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr.

Klar – es wird uns je und dann sogar peinlich, wenn jemand Neues, der frisch zum Vertrauen an Jesus durchgedrungen ist, euphorisch vom Wunder seiner Neuschöpfung redet. Wir denken: „Lass den mal schön. In ein paar Jahren merkt der auch: an den Glauben kann man sich gewöhnen.“

Was dann in lichten Augenblicken erschreckt, ist die Erkenntnis: ich bin dabei, die Freude über die Bekehrung eines Sünders zu verlieren. Wenn mir jemand von einem anderen berichtet, der zum Leben gefunden hat, indem er Christus gefunden hat – dann lächle ich anstandshalber, tue fröhlich. Aber in meinem Herzen heißt das Urteil: „Wie banal. Lass den erst mal in die Jahre kommen.“

Kennen wir diese Gedanken und Gefühle? Warum leben wir eigentlich nicht wirklich? Warum ist nicht jeder Tag ein neues, überschäumendes Geschenk Gottes, der in Christus vergibt – Tag für Tag neu? Warum spielen wir Wunder herunter, anstatt uns an ihnen heraufzuhangeln zu den Ausblicken auf das von Christus geschenkte Leben?

Sind wir vielleicht schon je und dann neidisch auf einen, um dessen Bekehrung soviel TamTam gemacht wird? Obwohl der so lange das Leben in vollen Zügen genossen hat, das ich mir versage? Kennen wir das manchmal bei uns, wenn wir ehrlich in uns hineinhorchen? Ich degradiere das von Christus geschenkte Leben zur Banalität.
Und der Vater, der den einen Sohn wiedergefunden hat und den anderen nicht verlieren will, der sagt uns: „Du, lass es nicht zu, dass Dein Christsein zur faden Sache wird. Freu dich doch weiterhin über die Wunder Gottes! Feiere das Fest mit – das Fest der Freude über jeden, der ins überfließende Leben hinein gerettet wird! Feiere mit! Und bleib nicht abseits stehen! Tauche wieder ein ins Leben- aus Christus.“

Der zweite Schritt, am Leben vorbei zu leben:

2. Ich benutze das von Christus geschenkte Leben als Podest für Bessergestellte

Ich versuche mir vorzustellen, was der ältere Bruder in seinem Herzen gedacht haben mag. Er mag gedacht haben: Ich hab’s ja gewusst. Mein lieber jüngerer Bruder war ja immer schon ein Tunichtgut. Der mit seiner Suche nach Leben! Er hätte beim Vater bleiben sollen. Er hatte hier doch alles. Rennt einfach weg, geht mit Huren ins Bett, zecht mit hirnlosen Idioten, die nur auf sein Geld aus sind. Aber da bin ich doch anders. Mein Bruder hat mich immer bieder und langweilig genannt. Aber jetzt zeigt sich, wer recht hatte. Ich bin treu. Treu auch meinem Vater. Auf mich kann er sich verlassen. Auf die Treue kommt’s an im Leben, ja, ja! usw. usw.

Und ich frage wieder in mich hinein: Gibt es solche Gedanken auch in meinem Leben? Lebt mein Anteil Pharisäertum nicht auch in mir? Ich sage manchmal den Satz: „Es ist eine Dummheit, nicht erkennen zu wollen, dass Jesus Christus lebt.“ Und ich meine damit: Das Evangelium ist die vernünftigste Sache der Welt. Aber – sage ich damit nicht auch: „Alle Ungläubigen sind Dummköpfe. Aber ich, ich habe begriffen. Ich tue brav und treu meine Pflicht. Ich arbeite hart im Schweiße meines Angesichtes für Jesus. Und die da? Geben sich solchen Lächerlichkeiten hin, wie das Leben in der Welt sie bietet.“
Kennen wir solche Gedanken? Gedanken, denen die Demut genauso fehlt wie z.B. der Behauptung, dass nur Christen eine glückliche Ehe führen können; dass echte Freundschaft nur unter Christen möglich ist; dass Glück etwas ist, was nur die Christen gepachtet haben?

Oh, wenn es doch so wäre! Aber gerade Christen haben da Grund, an ihre Brust zu schlagen und zu sagen: „Herr vergib mir, dass bei mir so vieles im Argen liegt, denn ich bin ein sündiger Mensch.“

Kann es sein, dass die Christenheit sich solch ein Podest gebaut hat, um aus dieser Höhe heraus vergessen zu können, dass so viele am Leben vorbei leben? Dass der Krampf regiert und nicht die Freude?

Und ich frage noch weiter: Spricht hier nicht auch je und dann der blanke Neid? Ich blicke auf die Lebemenschen meiner Zeit, die mit Frauen und Geld und Karrieresprossen nur so um sich werfen. Und ich sage: „Das alles will ich nicht und brauche ich doch gar nicht.“ Oh, wenn es doch nur immer so wäre in den frommen christlichen Herzen. Aber wie, wenn da wieder ein Schritt sichtbar würde, Umkehr zu vermeiden? Wenn da Neid spürbar wäre. „Ich brauche das alles nicht – aber wehe – wehe, wenn ich’s kriegen könnte.“

Ich wäre so froh, wenn dieser zweite Schritt uns alle hier nicht berührte, weil er gar nicht unser Problem wäre. Denn der Vater, der den einen Sohn wiedergefunden hat und den anderen nicht verlieren will, der sagt uns: „Du, du bist als Christ wirklich nicht besser als die Menschen ohne Gott. Aber – ich freue mich über einen Sünder, der Buße tut, weiterhin so sehr, wie ich mich darüber freue, dass du mir treu gedient hast. Nicht mehr, aber auch nicht weniger! Du, freue dich doch mit! Und bleib nicht abseits stehen! Tauche wieder ein ins Leben. Ich schenke Dir doch soviel! Genieße, was ich Dir schenke, aber lass das mit den frommen Sprüchen und dem dahinter liegenden Neid. Das hast Du nicht nötig!“
Der dritte Schritt, am Leben vorbei zu leben:

3. Ich raube dem von Christus geschenkten Leben die Weite, die Festlichkeit und die Freude

Dieser Punkt ist der letzte, aber nicht der unwichtigste. Vielleicht liegt in ihm für manche von uns genau der Schritt verborgen, der uns hindert zu leben.

Was sagt der ältere Sohn? Mich erschreckt die Enge und die Enttäuschung am Leben, die aus ihm herausschreit:
„Ich habe mich für Dich kaputt geschuftet, all die Jahre! Du hast all meine Kraft und Energie, alle meine Lebensträume bekommen. Nie habe ich auch nur die kleinste Ungenauigkeit gezeigt! Und Du hast mir mein ganzes Leben über nichts gegönnt!“

Und wie anders die Antwort des Vaters:
„Mein Sohn, schon immer gehörte alles Dir, sowie mir auch. Nichts war Dir vorenthalten. Nichts, was nicht uns beiden gehört.“

Liebe Gemeinde, da stand ein gemästetes Kalb im Stall. Gemästet, um irgendwann als Festmahl zu dienen. Warum hat der ältere nie daran gedacht, es zu schlachten? Der Vater hätte sich gefreut.

Warum hat der ältere Sohn nie daran gedacht, ein Fest zu geben, sich am Leben, an seinem Schicksal, an der Nähe des Vaters zu erfreuen und zu feiern? Mir sitzt ein Kloß im Hals, wenn ich an das nicht gelebte Leben dieses Mannes schaue. Treu gedient hat er, hart geschuftet. Und das gemästete Kalb fraß im Stall und wurde fett.

Und ich kriege ein komisches Gefühl, wenn ich mir verdeutliche: „Das könnte mein Leben sein: Umgeben von der Lebensfülle des göttlichen Vaterhauses – und ich friste ein Dasein als mürrischer Pflichtmensch. Ich tue treu meinen Dienst in der Gemeinde – und schimpfe insgeheim über mein schweres freudloses Los.“

Warum leben wir eigentlich nicht in der Fülle? Warum neigen so viele Christen dazu, die von Gott geschenkte Weite eng zu machen durch selbstgebastelte Gesetzlichkeit, durch unbiblische Verbote, durch Maßregeln und die Verherrlichung eines mürrischen Pflichtdaseins? Hilft ihnen das alles vielleicht aus der Unsicherheit und der Herausforderung göttlicher Freiheitsgabe in die enge Sicherheit eines kleinen, überschaubaren Lebens zu gelangen? Je mehr ich verteufele, desto weniger kann mich verunsichern; desto weniger Entscheidungen brauche ich zu treffen. – Was ist denn wahr an dem Wort: „Wen Christus freimacht, der ist recht frei!“?

Es stimmt mich immer wieder sehr besorgt zu erleben, dass manche christliche Gemeinde viel Zeit darauf verwendet zu entdecken, wo überall der Teufel seine Finger im Spiel hat und wo überall okkulte Belastungen stecken könnten, anstatt die Freiheit der Kinder Gottes zu verkünden und zu leben und das Feiern nicht zu vergessen.

In mancher Gemeinde und aus manchen Christenherzen würden Jesus und seine Apostel heute ausgeschlossen, weil sie zu sehr die Freiheit, die Gott gewährt, mit mutigen Schritten durchmessen haben.

Bei der Hochzeit zu Kana hat Jesus nicht nur in einer Nische sitzend herzergreifend für die Bekehrung der betrunkenen Sünder gebetet und mit Petrus darüber getuschelt, wie freizügig sich doch einige Frauen gekleidet hatten. Er hat mitgefeiert und sich an dem freudigen Anlass der Hochzeit mitgefreut.

Er hat den Lazarus nicht nur deshalb gesund gemacht und ins Leben zurückgeholt, um damit ein Glauben weckendes Wunder zu tun, sondern – weil er als der Schöpfer auch das irdische Leben bejahte und liebte und seine Freude an lebendigen Menschen hatte.

Warum leben so viele Christen eigentlich nicht aus der Fülle Gottes?

Viele Christen haben so schnell beruhigende Antworten angesichts des Todes. Jesus – hat Blut geschwitzt angesichts von Leiden und Sterben.

Manche Christen – glücklicherweise und sicher nicht in unserer Gemeinde – betonen so sehr den Dienst für Jesus, dass man glauben möchte, dass sie kein Gefühl mehr dafür haben, wie gut ein Stück Kalbfleisch oder eine deftige Schweinshaxe schmeckt, wie schön ein lauer Abend in den Bergen ist, wie wertvoll ausgelassenes Lachen und ein gemütlicher Abend mit Freunden bei Spiel und Witz sein kann. „Lass kein unnützes Wort aus Deinem Munde kommen“ heißt es da – und sofort erstirbt die Freude. Wer so denkt, dem wünsche ich nur, dass er mich niemals bei ausgelassenem Spiel in Gesellschaft von Freunden erleben möge. Da kommen mir auch nicht nur geistliche Worte aus dem Mund. Wo das Leben ist, werden auch Christen fröhlich und ausgelassen. Und sie dürfen und sollen es.

Und indem ich das sage, erschrecke ich, wie selten das alles in meinem Leben noch passiert und wie oft sich Negatives in mein Denken einschleicht…

Es war ein Dietrich Bonhoeffer, der meinte, dass es unangemessener Unfug sei, von einem in den Armen seiner Frau ruhenden Mann zu erwarten, dass er in diesem Moment an die Ewigkeit dächte oder sich andere fromme Gedanken machen könnte, anstatt sich ausgiebig an ihrem Körper zu erfreuen.

Warum erleben wir eigentlich nicht die Fülle Christi?

Warum nur, liebe Gemeinde, geht es den Mastkälbern so gut? Warum ging es dem Mastkalb damals besser als dem älteren Sohn? Nicht etwa, weil der Vater, selber vielleicht Veganer, das Kalb unter Naturschutz gestellt hätte oder das Feiern verboten hatte – sondern weil der Sohn selber es sich untersagt hatte, es zu schlachten und ein Fest zur Ehre seines Vaters zu feiern.

Ich hätte hier noch so manche Fragen – an mich, an den Glauben, an die Festlichkeit und Freude der Christen. Ich weiß bei alledem auch: es ist nicht ungefährlich, von der Freiheit Gottes zu reden, ohne von den Grenzen Gottes zu sprechen.

Ich glaube nur, die Grenzen sind uns oft gut vertraut. Wie aber gehen wir mit der Freiheit Gottes um? Ist sie es nicht auch wert, hervorgehoben zu werden?

Der Vater jedenfalls, der den einen Sohn wiedergefunden hat und den anderen nicht verlieren will, der sagt uns: „Du, alles, was mein ist, ist Dein. Das Kalb im Stall; Dein Leben, deine Freude, deine Genussfähigkeit, deine Körperinstrumente zum Empfinden von Glück und höchster Freude. Genieße Dein Leben. Werde nicht klein und mürrisch und unzufrieden. Genieße zu meiner Ehre, was ich Dir Tag für Tag schenke. Denn nur das hilft Dir, Dich über jeden zurückgekehrten Bruder, über jede zurückgekehrte Schwester so richtig von Herzen zu freuen, wenn sie umkehren! Nur das hilft Dir, Schritte weg zu tun von einer Leben einengenden Richtung in eine lebensbejahende, das Leben feiernde Richtung! So bleibst Du bewahrt davor, Christsein als Banalität zu nehmen oder pharisäerhaft zu glauben, besser zu sein als andere!“

Warum leben wir eigentlich nicht?
Gott hat schon am Anfang der Zeit im Paradies Grenzen gesetzt. Diese Grenzen wollte er unbedingt beachtet wissen.
Aber indem er dem Menschen seine Grenzen zuwies, hat er ihm auch das Paradies eröffnet!!

Denn – wie grenzt Gott damals denn ein? Haben Sie´s noch in Erinnerung? Er zieht keinen Zaun ums Paradies. Er zieht einen Zaun um den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Hätte der Mensch diesen klitzekleinen Zaun respektiert – er hätte das Paradies nicht verlieren müssen. Der weite Raum des gottgeschenkten Lebens wird von Gott in seiner Gnade auch heute im Wesentlichen erhalten – für mich und für Dich.

Warum leben wir eigentlich nicht? Welche Antwort gibst Du?

Gott segne Dich mit beidem: Mit ganzem kindlichen Gehorsam gegenüber seinen Geboten – und mit einer sich nie erschöpfenden Freude an der Weite des Lebens aus Christus. Schlachte Dein Mastkalb und feiere, bevor Du Gott irgendwann vorwirfst, dass es noch lebt oder dass es für einen anderen geschlachtet wird. Gott segne Dich mit seiner göttlichen Freude.

Sitz doch nicht – frustriert daheim!!!

Amen

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