Ostern. Kreuz, leeres Grab und Fisch

Das leere Grab

Der heutige Ostersonntag will nichts anderes, als in uns ganz neu die unbändige dankbare Freude darüber zu wecken und wach zu halten, dass der Tod besiegt ist! Dass ewiges Leben auf uns wartet. Dass Hoffnung und Zukunft sich über das Grab hinaus erstrecken. Dass unser Heil erst dann wirklich sein wird.

Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Das leere Grab
Reihe
Datum
01.04.2018
Länge
24:59
Bibelstelle
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Predigt

Wir schreiben das Jahr 2023. Unter der Leitung eines erfahrenen Archäologen und Kenners der jüdischen Geschichte, Norman Brown, begibt sich eine gut ausgerüstete Expedition ins Heilige Land. Ihr Ziel: Endlich Klarheit schaffen. Seit wenigen Monaten geht in der Welt ein Gerücht um, man hätte das Grab Jesu gefunden. Nun hat es diese Gerüchte seit zwei Jahrtausenden gegeben. Immer wieder hat irgendein Altertumsforscher „sein“ Grab Jesu ausgemacht. Kaum jemand glaubte bisher an die Identität solcher Grabstätten mit der historischen Stelle, wohin man den Leichnam Jesu von Nazareth gelegt haben sollte.

Aber diesmal, diesmal ist es irgendwie anders. Vieles deutet darauf hin, dass der Fundort der echte sein kann. Die vor zwei Jahren aufgefundene alte Handschrift mit der sensationell genauen Grabbeschreibung scheint deckungsgleich mit den Einzelheiten der Gegend, als auch mit dem Innern des Grabes. Und etwas sehr Schwerwiegendes brachte Norman Brown auf die Idee dieser Expedition: es hatte eine große Spaltung in den christlichen Kirchen gegeben. Ein unübersehbarer Auflösungsprozess unter den Glaubensgemeinschaften, die diesen Jesus Christus als den Auferstandenen bezeugt hatten – über Jahrtausende bezeugt hatten – ist zu beobachten.
Und das alles hat mit diesem aufgefundenen Grab zu tun. Denn – und das ist das mysteriöse: so überzeugend die Übereinstimmung mit der Grabesbezeichung – so erschütternd der Fund: im Grab lag ein Leichnam. Etwa 2000 Jahre alt. Einbalsamiert. Gut erkennbar die Nägelmale an Händen und Füßen. Ein Gekreuzigter also. Und man entdeckte auch: dem Mann war eine Seitenwunde beigebracht worden. – Offenbar hatte man den Leichnam Jesu gefunden. Und das jetzt – um Ostern 2023…..


Was würde das für Sie bedeuten, wenn das wahr wäre? Wenn das gar am heutigen Tag und in dieser Woche als Pressemeldung und in den Nachrichtenmedien um die Welt ginge? Der Leichnam Jesu entdeckt! Was würde da in Ihrem Lebenszentrum passieren? Was würde mit Ihrem Auferstehungsglauben geschehen? Mit welchem Jesus Christus hätten Sie bis heute gelebt? Wo wäre der Jesus von Nazareth, der Zimmermannssohn, gekreuzigt vor Jerusalem? Und was wäre mit Ihrer Auferstehungshoffung? Könnten Sie noch weiter an Jesus Christus, den auferstandenen Herrn, glauben? Welche Erfahrungen könnten Ihnen Sicherheit schenken?

Nun gibt es Menschen, gläubige Christen, die sagen schon heute: „Ach was, das Grab Jesu ist nicht das Entscheidende. Ob heute, Ostern 2018, ein Leichnam im Grab liegt, oder nicht – wen stört’s? Wichtig sind doch die Berichte von Jesu Erscheinungen. Dass der Auferstandene sich seinen Jüngern gezeigt hat, dass er den Emmausjüngern erschienen ist, dass er sich noch des weiteren einigen hundert Menschen als der Auferstandene geoffenbart hat – darum geht’s doch! Das zählt! Vom leeren Grab berichten doch nur die Evangelisten Mt, Mk, Lk und Joh. Sonst niemand im NT. Und ob Paulus davon gewusst hat, ist sehr fraglich!“

Es gibt also Christen – und ich will deren Glauben sehr ernst nehmen – die sagen: „Klar, Jesus ist auferstanden. Er lebt. Er ist Herr. Aber ob nun das Grab leer ist, oder nicht – das ist nicht entscheidend.“

Gegen diese Überzeugung möchte ich meine eigene Überzeugung stellen. Denn ich bin anderer Meinung. Ich würde durch den originalen Grabfund mit der einbalsamierten Leiche des Jesus von Nazareth sehr wohl in meinem innersten Glauben erschüttert werden können. Und ich sehe als Begründung dazu die Argumente im NT selber: Das leere Grab ist wesentliches Verkündigungszeichen der Auferstehung Christi. Und das Grab kann nur leer sein, denn Christus ist auferstanden! Gott hat Christus ganz auferweckt. Auch den geschundenen Leib. Es wird kein Grab geben, in dem der Leichnam Jesu liegt – weder heute, noch in fünf Jahren noch überhaupt! Christus lebt! Das Grab ist leer. Das ist Osterbotschaft für 2018. Und dazu möchte ich nun einige Gesichtspunkte nennen:

1. Das leere Grab – missverständlich ohne Erscheinungsberichte

Dieser 1. Predig-tGesichtspunkt ist allerdings ein Stück Einschränkung der Bedeutung des leeren Grabes. Stellen Sie sich vor – es gäbe keine Berichte von der Erscheinung Jesu im Jüngerkreis, zu Emmaus, vor den Frauen. Stellen Sie sich vor, man hätte nur die Beobachtung des leeren Grabes Jesu überliefert.
Das wäre allerdings sehr wenig. Und sehr missdeutbar. Wo wäre Jesu Leichnam dann hingekommen? Am Ende hätten doch die Jünger den Leichnam beiseite geschafft, um dann zu bezeugen: Jesus ist auferstanden. Oder könnte dann das Ganze nicht doch Halluzination von ein paar verängstigten Jüngern und Jüngerinnen gewesen sein? Wer kann schon in solcher Bedrängnis wirklich sicher sein in Bezug auf seine Sinne? Könnten Sie’s? Weiter: wenn Jesus wirklich auferstanden wäre – wo wäre er jetzt? Was hätte das Ganze zu bedeuten? Und selbst die Botschaft des Deute – Engels am Grab wäre zu wenig: „Er ist auferstanden. Er ist nicht hier!?“ Ja, wo denn dann?

Nein! Das leere Grab an sich besagt noch gar nichts. Es ist verwirrend. Es bedarf der Erscheinungen des auferstandenen Jesus. Weil aber, wie uns die Evangelien, die Briefe des NT etc. bezeugen, Jesus als der Auferstandene vielen Menschen erschienen ist – mit Nägelmalen vor Thomas z.B. – deshalb ist es gar kein Problem, das leere Grab zu erklären. Dem Erscheinen Christi zu Emmaus gibt das leere Grab Rückendeckung. Und es vertieft die Botschaft des auferstandenen Christus. Dazu nun die weiteren drei Gesichtspunkte.

2. Das leere Grab sagt: Jesus von Nazareth ist der Christus, ist der Auferstandene.

Was wir heute von dem erhöhten Herrn wissen, von unserem Herrn und dem Herrn seiner Gemeinde, das wissen wir aus den Berichten der Evangelien über das Leben Jesu. Wir dürfen sagen: So wie Jesus damals mit Menschen umgegangen ist, so geht er heute mit mir um. Das, was Jesus von Nazareth damals gesagt und gelebt hat, das gilt es heute für mich zu sagen und zu leben. Die Liebe Jesu von Nazareth zu den Menschen, vor allem den Sündern, diese Liebe hegt auch der Auferstandene und Erhöhte für mich und für jeden, der ihm vertraut oder auch nicht vertraut. Das leere Grab bezeugt uns 2018 die Identität des Auferstandenen mit dem historischen, gekreuzigten und ins Grab gelegten Jesus. Deshalb ist der Jesus, mit dem wir es heute zu tun haben, uns wohlbekannt, vertrauenswürdig und wert, geliebt zu werden. – Ein Leichnam im Grab Jesu würde uns hier in große Identitätsnot bringen. Wer wäre denn dann der Auferstandene, wenn der heilende, segnende, liebende Jesus von Nazareth noch im Grabe läge!? Ein schrecklicher Gedanke!

Und das andere: Das leere Grab bezeugt uns auch: hier hatten nicht bloß ein paar Menschen eine Vision. Auferstehung und Erscheinung Jesu – das ist nicht bloß Einbildung. Die Jünger zu Emmaus, die Frauen am Grab, sind nicht Opfer einer Verwechslung oder einer Taschengaukelei.

Auferstehung Jesu löst sich drittens auch nicht auf in rein geistliche Gefühle und Gedankenspiele ohne Realität!

Nein – der historische Zimmermannssohn Jesus von Nazareth ist identisch mit dem Auferstandenen Jesus Christus, unserm Herrn und Herrscher dieser Welt 2018!

Das sagt das leere Grab. Und deshalb kann es nur leer sein. Deshalb aber ist das leere Grab für uns wesentlich!

3. Das leere Grab sagt: Hier ist etwas Außerordentliches geschehen!

Ostern ist nicht in menschliche Begriffe zu fassen. Ostern hat zu tun mit umstürzenden Erschütterungen, die in unsere raum – zeitliche Welt hinein brechen. Ostern wirft alle Gesetzmäßigkeiten über den Haufen, zerbricht alle Maßstäbe unseres Denkens. Dafür steht das leere Grab. Visionen hatte es immer gegeben. Falschmeldungen auch. Und Erlöserfiguren, die gen Himmel aufgefahren sein sollten, ebenfalls. Das alles hatten menschliche Hirne sich ausdenken können.

Im Grab aber hatte der blutige Leichnam Jesu gelegen. 5 Wunden hatte dieser Leichnam mindestens getragen. Und tot war er wirklich gewesen. Denn das Blut Jesu war bereits zersetzt, als der römische Hauptmann seine Seite öffnete. Also hatte man ihn vom Kreuz genommen. Er war in eine Grabeshöhle gelegt worden. Der Stein lag schwer davor. Die Soldaten bewachten den wichtigen Toten. Niemand dachte an Großartiges. Die Pharisäer rechneten höchstens mit Betrügereien der Jünger; deshalb die Wachen.

Aber dann – macht Gott Ostern. Was da geschieht, lässt sich nicht in menschliche Begriffe fassen. Da passiert Gottes umstürzendes Eingreifen in unsere Welt. Da wird noch einmal deutlich, dass da am Kreuz wirklich nicht nur ein guter Mensch gehangen hat, sondern Gott selber in seinem Sohn. Da macht Gott unmissverständlich deutlich, dass es ihm mit Jesus um alles ging. Ostern sagt: Hier ist nichts mehr zu erklären. Hier braucht auch gar nichts mehr erklärt zu werden. Hier ist Gott an seinem Werk. Da kann der Mensch nur staunen. Und vielleicht macht die Frage nach dem leeren Grab dies auch deutlich: wo Gott handelt, da wird Begreifen schwer. Da sind die Fragen und Zweifel die Folge. Aber da wird zu Ende geführt. Von Gott. Ganz. Da aufersteht Gottes Sohn eben ganz. Da ist auch der irdische Leib weg. Denn Jesus lebt. Er ist auferstanden. Das Grab ist leer. – Deshalb.

4. Das leere Grab sagt: Gott verheißt Auferstehung der Toten!

Schließlich hat die Botschaft vom leeren Grab einen Verheißungscharakter auf die Endzeit hin. Die Auferweckungstat Gottes in Jesus Christus, so sagt das leere Grab, greift mit schöpferischer Urgewalt eben auch nach der irdischen Materie, nach der Körperlichkeit, nach unserer irdischen Daseinsform. Gott will mehr als nur ein bisschen Hoffnung im irdischen Leben. Gott will mehr als veränderte Menschen im Jetzt des Lebens: Das leere Grab ist Garant dafür, dass es Gott um den ganzen Menschen geht. Gott will Auferstehung von den Toten. Die Auferstehung des ins Grab gelegten toten Jesus von Nazareth, das leere Grab wird darum zu einem grandiosen Vorzeichen einer kommenden Auferstehung der Toten, einer in Aussicht stehenden Weltverwandlung ohne Beispiel. Die Öffnung des Grabes durch Gottes Macht wird zur eigentlichen Garantie der Überwindung der Todesherrschaft. Das offene Grab gibt also unserer Hoffnung Nahrung, dass Gott uns nicht im Grab lassen wird, sondern dass ein neuer Himmel und eine neue Erde auf uns warten. Das ist die wunderbare Botschaft des leeren Grabes. Kein Erscheinungsbericht des Auferstandenen, sei es zu Emmaus, sei es im Garten am Grabe, sei es hinter den verschlossenen Türen der Jüngerversammlung, kann das so deutlich bezeugen und herausstellen, wie das leere Grab dies in aller Klarheit tut: Gott verheißt Auferstehung der Toten. In Jesus hat begonnen, was uns allen gilt. Da leere Grab bezeugt die durchdringende Kraft von Ostern.
Das leere Grab gehört zur Geschichte des Jesus von Nazareth, der als Gottes Sohn heute im Himmel thront.

Und der heutige Ostersonntag will nichts anderes, als in uns ganz neu die unbändige dankbare Freude darüber zu wecken und wach zu halten, dass der Tod besiegt ist! Dass ewiges Leben auf uns wartet. Dass Hoffnung und Zukunft sich über das Grab hinaus erstrecken. Dass unser Heil erst dann wirklich sein wird.

Wenn diese Freude uns wieder neu erfüllt, dann hat Jesus wieder in uns handeln können. Dann hat seine Botschaft vom leeren Grab das Glaubensfundament neu gefestigt. Dann hat Vertrauen auf Jesus festen Grund.

Machen Sie auch Sich selber nichts vor: das leere Grab bleibt leer! Denn es gibt keinen, der darin liegen kann. Sagen Sie Ja zu einem Christus, der heute lebt!

Gott segne uns so in diesem Jahr zu Ostern.

Und Gott schenke es, dass Jesus möglichst bald wiederkommt.

Maranatha – Herr, komme bald!

Bis dahin bleiben Glaube, Hoffnung Liebe, diese drei. Vor allem aber die Liebe zu dem auferstandenen Herrn Jesus Christus und zu seiner Gemeinde!

Amen!

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