Kreuz, gemalt. Symbolbild "Die Auferweckung des Lazarus - einmal anders"

Die Auferweckung des Lazarus – einmal anders

Vor zwei Wochen haben wir in meiner letzten Predigt über die Auferweckung des Lazarus nachgedacht. Heute Morgen soll es um denselben Bibeltext gehen – allerdings unter einem ganz anderen Vorzeichen: Die Auferweckung des Lazarus – einmal anders. Sie dürfen ein wenig gespannt sein.

Geschätzte Lesezeit: 11 Minuten

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Die Auferweckung des Lazarus – einmal anders
Reihe
Datum
13.05.2018
Länge
38:20
Bibelstelle
Johannes 11, 32 – 44
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

32 Als Maria dorthin kam, wo Jesus war, und ihn sah, fiel sie ihm zu Füßen und sagte zu ihm: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.
33 Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert.
34 Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh!
35 Da weinte Jesus.
36 Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte!
37 Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb?
38 Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war.
39 Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, entgegnete ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag.
40 Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?
41 Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.
42 Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herum steht, habe ich es gesagt; denn sie sollen glauben, dass du mich gesandt hast.
43 Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus!
44 Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden und lasst ihn weggehen!

Predigt

Wer heute diese Wundererzählung hört, reagiert darauf meistens mit einer Aussage und einer Frage.
Die Aussage macht froh: Jesus hat den Tod besiegt! Er hat ihn samt der Sünde ganz sicher am Kreuz besiegt, an dem er selber hing. Das ist ja schon eine österliche Botschaft! Jesus hat den Tod aber auch ein paar Mal öffentlich besiegt, solange er noch unterwegs war in Israel. In diesen Versen z.B., aber auch bei der Auferweckung des Jünglings zu Nain. Und Jesus machte damit unmissverständlich deutlich: Auch über den Tod habe ich, der Gottessohn, Macht. Mehr noch: ich habe ihn besiegt. Fortan braucht keinen Menschen mehr die letzte Todesfurcht zu quälen, der mir vertraut. Dies ist die überaus frohe Botschaft dieser Verse.

Die Frage lautet dann oft so: Kann es das auch heute noch geben? Und dürfen die Gläubigen heute darum beten?

Dazu ist zu sagen, dass schon der Blick ins NT deutlich macht, dass Totenauferweckungen zu den großen Ausnahmen unter den Wundern zählten. Und in den ersten Gemeinden ist nur eine berichtet: als Paulus einen jungen Mann, der – und das gab´s damals so wie heute – während seiner Predigt eingeschlafen und vom Fenstersims herabgestürzt war, wieder zum Leben erweckt. Es gibt in der neueren Missionsgeschichte Berichte von Missionaren, die Tote auferweckt haben sollen. Aber auch das sind Ausnahmen. Und wir müssen im Weitergeben dieser Berichte sehr vorsichtig sein. Ich persönlich glaube und höre aus dem NT heraus, dass die wenigen Auferweckungsberichte nicht dazu ermuntern, es ähnlich zu versuchen, sondern dass sie hinzielen auf diesen wichtigen Satz: Jesus Christus hat den Tod besiegt. Er befreit auch seine Gemeinden von der letzten Todesgewalt. Er ist auferstanden von den Toten; und er garantiert eine Totenauferweckung aller Menschen am Jüngsten Tag – allerdings: den einen zum ewigen Leben – den anderen zum Gericht.

Diese Sätze sind für mich lebenswichtig. denn sie lassen uns unseren Tod überleben in der berechtigten Hoffnung der Auferstehung von den Toten am Jüngsten Tag. Amen.

Dieser Teil der Predigt ist damit zu Ende.

Die Auferweckung des Lazarus – einmal anders – dieser Teil beginnt nun erst.

Denn, liebe Gemeinde – es hat seit dem Kommen Jesu Millionen von Totenauferweckungen gegeben. Tausende passieren täglich auf dieser Welt. Totenauferweckungen von viel größerer Bedeutung als der des Lazarus. Ich meine die Erweckung von Menschen aus dem geistlichen Tod. Und diese Totenauferweckungen allerdings sind Verheißung und Auftrag Jesu an seine Gemeinde!

Hier möchte ich heute Morgen die Predigtaussagen festsetzen und Sie bitten: Lassen Sie uns einmal schauen: Was dürfen wir lernen aus diesem Wort für unseren Umgang mit den uns umgebenden Menschen? Welches ist unsere Rolle bei der Auferweckung geistlich Toter? Welches ist dagegen die Aufgabe Jesu?
Das Ganze möchte ich hineinsagen in den Rahmen evangelistischen Nachdenkens in unserer Gemeinde. Und erinnern möchte ich zunächst an eine kleine Schachtel mit einem sehr wertvollen Inhalt, die wir Sonntag für Sonntag vor uns auf dem Altartisch sehen – und meist nicht beachten…

So, und nun möchte ich die Verse von der Auferweckung des Lazarus bildhaft auslegen. Ich sehe diesmal 5 Gesichtspunkte:

1. Unsere Reaktionen auf den geistlichen Tod der Menschen

Na, wie reagieren wir meist auf den geistlichen Tod der vielen Menschen um uns herum?

a. Wir sind sprachlos

Auch der Anblick geistlichen Todes macht viele Christen sprachlos. Sie sind schockiert angesichts so viel Unglaubens, so großer Ablehnung der Frohen Botschaft. Sie sind erschrocken angesichts der Macht des Tödlichen in unserer Welt. Wir schauen uns um und sehen die große geistliche Not – und wir sind sprachlos. Es kommt uns vor lauter Hilflosigkeit nichts Vernünftiges mehr über die Lippen. Kein Trost; kein Hoffnungsschimmer. Die Botschaft vom Leben aus Gott bleibt uns so oft im Halse stecken! Schlimm ist das, wenn wir das konkret einmal erleben… oder…

b. Wir jammern

Man kann ja soviel jammern über das tödliche Elend in der Welt. Christen stimmen die Totenklage an, ohne den Kampf gen das Tödliche wirklich begonnen zu haben. Wir jammern über den Unglauben des Ehepartners, der Familie, der Nachbarn. Wir jammern gemeinsam. Und gemeinsames Klagen verbindet ja so. Nur: es macht auch mutlos. Wir legen die Waffen des Glaubens aus der Hand. Und anstatt dem geistlichen Tod zu begegnen, ihm die Stirn zu bieten und mit geistlichen Waffen dagegen zu kämpfen, werden wir jammervoll stumm… oder…

c. Wir ziehen uns in einen dogmatischen Glauben zurück

Maria und Martha formulieren in diesen Versen glasklare Bekenntnisse zu Gott und zur Macht Jesu. Sie wissen als jüdische Gläubige genau, was sie zu denken haben vom Tod und von dem, was dann kommt. Nur: an das Wunder der Totenauferweckung glauben sie nicht mehr. Das Leben ihres Bruders geben sie verloren – und das im Angesicht Jesu. Sie haben einen Glauben, der gut dogmatisch ist. Sie wissen so viel. Aber sie wenden es im konkreten Fall nicht an.

Und das schlimme: ein nur dogmatischer Glaube tötet alle missionarischen Möglichkeiten, wenn er Glaubenssätze stammelt, wo festes Vertrauen zu Jesus nötig wäre. Jemand hat gesagt: „In jedem Gottesdienst begegnet das Wort Gottes uns durch die Vermittlung des Heiligen Geistes. Und dieses Wort ist wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt.“ Ein starker Satz! Nur: wenn ich nicht mehr damit rechne, dass heute Morgen eine geistliche Totenauferweckung in diesem Gottesdienst passieren kann, dann glaube ich an diesen Satz doch gar nicht mehr. Alles das, was ich von Gott weiß, muss aber, liebe Gemeinde, doch konkret bleiben, z.B. in dem Gebet: „Herr, wenn es sein kann, dann gib, dass heute morgen ein Mensch neu anfängt mit dem Glauben und Vertrauen.“

Sonst stehen wir ums Grab herum wie die Menschen damals bei Lazarus und sind erschüttert angesichts der Macht des Tödlichen – und erwarten nichts mehr.

Darf ich das einmal sagen: Wer heute Morgen spürt, er sollte sein Leben ganz persönlich Jesus Christus anvertrauen, der kann sich jetzt schon innerlich darauf vorbereiten. Ich möchte am Schluss dieser Predigt gern für ihn beten. Ein kurzes Heben der Hand wird dann genügen – und Du wirst geistlich auferstehen.

Rückzug in einen dogmatischen Glauben aber macht hilflos. Und eine vierte Reaktion der Gemeinde kann sein:

d. Jesus muss es machen

Jesus allein kann Tote auferwecken – stimmt ja. Und dann – stehen wir wie Neugierige bei einem Unfall herum und schauen zu, wie sich ein anderer für das Opfer einsetzt. Oder so wie damals die Menschen vor dem Grab des Lazarus. Das hört sich so fromm an: „Jesus muss es machen“ – aber es ist in diesem Fall eine Verantwortungslosigkeit, nur einfach herumzustehen, denn…

2. Es geht hier um unsere Aufgabe – bevor das Wunder der Auferweckung eines geistlich Toten geschieht

Was ist die Aufgabe der Gemeinde im Angesicht geistlichen Todes? Am Grabe des Lazarus sagt Jesus: „Hebt den Stein weg!“

Hebt den Stein weg. Als Jesus selber im Grab lag, da konnte kein Mensch einen Stein mehr bewegen. Da musste Gott selber handeln. Aber hier sagt Jesus: „Hebt den Stein weg!“ Das ist unsere Vorarbeit bei der Erweckung geistlich toter Menschen.
Was aber kann das konkret heißen?

Das kann meinen, dass meine Aufgabe vor der Auferweckung geistlich Toter sein kann, zum Beispiel anderen Menschen Steine aus dem Weg zu räumen, die sie hindern könnten, den Ruf Jesu zu hören und ihm zu gehorchen.

Steine wegräumen – das mögen beim einen Zweifel sein. Wie viel können da oft verständnisvolle, liebevolle Gespräche helfen, um Steine wegzuräumen und dem anderen den Weg zum Leben leichter zu machen – ja, diesen Weg vielleicht sogar frei zu machen zur Begegnung mit Jesus.

Steine wegräumen – das kann bedeuten, dem anderen in Liebe zu begegnen, ihn anzunehmen, ihm zu zeigen: ich habe keine Angst vor Dir. Ich meide dich nicht, weil Du Gott ablehnst und über meinen Glauben lachst. Ich gehe nicht fort. Ich bleibe bei Dir. Sag mir: wo kann ich Dir helfen?

Steine wegräumen – das mag heißen: bis in die Gottesdienste einer Gemeinde hinein eine Atmosphäre des Lebens zu verbreiten, aber auch noch nicht erweckte Menschen besonders herzlich willkommen zu heißen. Denn da, wo Wort Gottes gesagt, gesungen, gelesen wird, da geht es ums Leben. Da kann Totenauferweckung passieren.

Wie sieht das aus bei Dir, bei uns? Sind wir an der Arbeit? Räumen wir Steine weg? Machen wir den Weg zum Grab des anderen frei? Was tun wir, damit Jesus herankommt an einen Menschen, der Erneuerung und ewiges Leben genauso nötig hat wie wir? Denn Jesus möchte auferwecken.
Sag mal, hast Du schon Deinen Zettel mit dem Vornamen eines Menschen dort in der Box auf dem Altartisch? Mit Gebet fängt es zumindest an.

Vergessen Sie nicht: Steine wegräumen – unsere Aufgabe! Jesus sagt uns: Räumt den Stein weg! Und dann?

3. Warten können auf das, was Jesus tun wird

Jetzt müsste er doch verstanden haben! Jetzt müsste sie doch den Schritt tun und Glauben wagen! Nach dieser Predigt. Nach diesem Gespräch. Hat sie denn die DVD nicht richtig gehört? Wir haben doch alles getan, um ihm Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Was ist denn nun – warum passiert denn nichts?

Schauen Sie: wir sind in unserem Einsatz für einen anderen Menschen so oft so ungeduldig. Aber: wenn die Steine aus dem Weg geräumt sind, dann heißt es warten! Und den anderen nicht bedrängen. Ihm die Zeit lassen, die Jesus ihm lässt. Wenn Jesus einen Menschen auferwecken will, dann bestimmt er auch Zeitpunkte!

Warten im Angesicht geistlichen Todes kann schon sehr schwer fallen. Gerade wenn ich den anderen sehr lieb habe. – Das können Seelenqualen sein. Denn wir wissen: wenn ein Mensch sich nicht erwecken lässt, dann hindert er Jesus Christus ja daran, ihm zu vergeben, ihn neu zu machen, ihm sein Himmelreich zu schenken. Da fällt es schwer zu warten.

Aber – die Menschen damals am Grab konnten auch nichts anderes als dieses: den Stein wegrollen, den Weg zu Jesus freimachen für Lazarus – und dann gespannt warten.

Warten heißt für uns als Nachfolger Jesu Christi ja nicht: die Hände in den Schoß legen. Wir können, ohne nachzulassen, beten für die Menschen, deren geistliche Auferweckung wir uns von Herzen wünschen – unsere Kinder, Eltern, Partner, Nachbarn, Kollegen, Mitschüler. Warten und beten – das sind wunderbare Möglichkeiten, wenn ich nur daran festhalte: Jesus Christus ist am Werk. Er ist an der Arbeit in dieser Welt. Und er will noch viele, viele erretten und aus der Grabkammer ihres selbstgesteuerten Lebensersatzes heraus befreien. Deshalb: lassen Sie uns die Wartezeit nutzen und beten und hoffen. Und dann:

4. Was wir nicht können, tut Jesus. Er ist der Herr über jede Art von Tod

Jesus kann ja – wirklich. Liebe Gemeinde, es ist ja gar nicht unsere Aufgabe, Tote aufzuwecken. Keine noch so gute Predigt kann das. Kein noch so einfühlsames Gespräch. Die besten Argumente versagen kläglich – wenn nur wir ins Grab hineinrufen: „Lazarus, komm heraus!“ Und ich frage einmal: wie oft überfordern sich gläubige Menschen total, indem sie versuchen, ganz allein vom geistlichen Tod zu retten. Indem sie verzweifelt ins Grab hineinbrüllen: „Lazarus, komm heraus!“ Wie unsinnig von uns zu glauben, dass das unsere Aufgabe sein könnte.

Nein, Jünger Jesu rollen Steine vom Grab. Sie schaffen Hindernisse weg. Sie warten und nutzen die Zeit zum erwartungsvollen betenden Blick auf Jesus. Und dann – handelt Jesus Christus als der Herr über Leben und Tod. Er, Jesus, ruft hinein in die geistliche Grabkammer, in der ein unerweckter Mensch liegt: „Lazarus, Helmut, Wilfried, Elke, Gerd, Peter – komm heraus!“

Und das Wunder kann nicht größer sein als das hier in Joh 11, wenn dann ein Mensch dem Ruf Jesu gehorcht und sich aus seiner geistlichen Totenstarre erhebt, um neue Schritte auf Jesus Christus hin zu wagen.

Drastisch beschreibt der Prophet Hesekiel dieses Ereignis mit dem Bild zweier Herzen: das Herz aus Stein wird aus dem Menschen herausgelöst. Und das Herz aus Fleisch wird eingepflanzt.

In Joh 3 wird für dieses Wunder der Erweckung eines menschlichen Lebens das Wort „Wiedergeburt“ gebraucht.

Wenn ein Mensch dem Rufen Jesu folgt, dann wird er ganz neu! Geistliche Totenauferweckung ist Neuschöpfung. Und das ist ein Ereignis von großer emotionaler Kraft. Da jubeln nicht nur die Engel im Himmel. Da weinen Menschen auf Erden vor Freude, wenn sie miterleben, wie ein Mensch sein Leben neu an Jesus Christus festmacht! Da ist der Tod besiegt. Und die Schuld vergeben. Da darf gejubelt werden – auch auf Erden. Wann haben wir, wann hast Du so ein Ereignis das letzte Mal gefeiert? Wann? Der Ort, an dem Christen großes erwarten, ist das offene Grab und ein rufender Herr. Und dann?

5. Es geht um unsere Aufgabe – nach dem Wunder der Auferweckung eines geistlich Toten

Lazarus kommt damals wankend aus seiner Grabkammer. Tücher und Binden behindern ihn. Er kann kaum erste Schritte gehen in sein neu geschenktes Leben hinein. Deshalb der Auftrag Jesu an seine Jünger: Löst die Binden und helft ihm gehen!

Wenn ein Mensch Ja sagt zum Leben; wenn er dem Ruf Jesu folgt und sich sein Leben noch einmal neu schenken lässt, dann braucht er Menschen, die ihm dabei helfen, die ersten nächsten Schritte zu tun. Dann sind da so viele Dinge, die geklärt werden können – und müssen. Dinge, die ihn vorher schon gehindert haben zu leben – aber jetzt erst spürt er es deutlich.

Vielleicht Bindungen an Menschen und Dinge, die ihn an die alte Existenzform fesseln wollen. Solange er nur im Grab gelegen hat, hatte er gar nicht gespürt, wie gefesselt er eigentlich war. Aber jetzt, da er wirklich lebendig ist, merkt er auf einmal, wie ihn vieles stolpern lässt – und: wie wenig Erfahrung er hat im Vorwärtsgehen. Er braucht Hilfe.

Und hier sind die dran, die als Jünger Jesu leben. Sie sollen echte Lebenshilfe geben; sie sollen helfen beim Abnehmen der Binden und Bindungen! Sie sollen den Erweckten stützen, wenn Zweifel kommen. Sie sollen ihn aber auch zu langsamen Schritten im Glauben und zu Besonnenheit mahnen, wenn der neu auferweckte Mensch zu schnell vorangehen und sich überfordern will.

Wo passiert das alles, all diese Hilfestellung? Es geschieht ganz sicher in der Gemeinschaft der Gemeinde Jesu. Im Zusammenleben, im gemeinsamen Lernen in der Gemeinde ist der Platz, von Bindungen freizuwerden, sich neu einzukleiden. In der Gemeinde kann ein Mensch lernen, die neue Lebensform eines an Jesus Christus Glaubenden zu erlernen. Und je länger er in dieser Lebensform lebt, umso kräftiger, erfahrener, selbständiger wird er. Desto weniger Stützung ist nötig. Desto mehr geistliche Kraft gewinnt er selber. Paulus hat uns das ja auch so schön klargemacht in dem Bild von Milch und fester Speise. Menschen, die Jesus vertrauen lernen, dürfen wachsen im Glauben, sie sammeln Informationen und werden immer selbständiger und reifer. Lazarus konnte irgendwann selber ausschreiten und gehen. Und seine Helfer konnten sich wieder anderen Aufgaben zuwenden.

Tja, liebe Gemeinde – die Auferstehung des Lazarus – einmal anders.

Deutlich wird: die Auferweckung geistlich toter Menschen übernimmt Jesus Christus selber. Er allein hat dazu die Macht, kein anderer.

Die Gemeinde Jesu und in ihr der einzelne Christ, Du und ich, soll Steine vom Grab rollen, Hindernisse aus dem Weg räumen und später helfen, Binden und Bindungen zu lösen und festen Tritt im Glauben zu finden.

Und die jeweiligen Lazarusse? Der Lazarus damals konnte nichts dagegen tun, dass er auferweckt wurde. Er gehorchte dem Ruf Jesu. Bei denen, die Jesus Christus geistlich auferwecken will zu einem neuen Leben, ist das – leider – anders. Sie können „Nein“ sagen. Sie können den Ruf Jesu weiter überhören. Sie können einfach weiter geistlich tot bleiben. Jeder hier in diesem Raum weiß hoffentlich, was er will. Aber jeder, der noch nicht Christ ist im Sinne des Neuen Testamentes; jeder, der noch nicht in einer persönlichen Beziehung zu Gott lebt, soll wissen, dass er die Chance hat, sich auferwecken zu lassen. Auch heute morgen.

Darf ich deshalb sagen: wenn Du jetzt spürst: Jesus ruft in Dein geistliches Grab hinein Deinen Namen und danach: Komm heraus – dann komm doch.

Ich möchte dann für Dich beten, jetzt gleich. Und ich lade Dich ein, Ja zu sagen zu Jesus. Hebe kurz Deine Hand, bevor ich jetzt mein Gebet für Dich beginne. Zeige Jesus, dass Du lebendig bist oder es heute werden möchtest – heraus aus dem geistlichen Grab, in dem Du bisher liegst. Und wir wollen Dir helfen, die Binden loszuwerden und zum Laufen zu kommen im Glauben.

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