Symbolbild "Weinstock und Reben": Nahaufnahme von Trauben an einer Reben, an einem Weinstock.

Weinstock und Reben – Teil 3

Ich habe vor einigen Tagen festgestellt: die kleine Abendmahlspredigtreihe über die Bibelstelle, die mit dem Thema „Weinstock und Reben“ zu tun hat, ist noch immer nicht ganz abgeschlossen worden. Das ist schade, und zwischen Teil 1, Teil 2 und dem heutigen Teil 3 liegt eine Menge Zeit. Heute aber dennoch: „Weinstock und Reben, Teil 3“.

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Weinstock und Reben – Teil 3
Reihe
Weinstock und Reben
Datum
03.06.2018
Länge
18:59
Bibelstelle
Johannes 15, 1-8
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer. 2 Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. 3 Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe. 4 Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. 6 Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer und sie verbrennen. 7 Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. 8 Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.

Predigt

Wir haben bei Teil 2 – dies zur Erinnerung – damals geendet mit diesem Gedanken:

Wenn wir als Nachfolger Jesu Christi dies wirklich immer ernst nehmen – dass Jesus nämlich immer dabei ist; immer – als unser Ermutiger! – dann werden wir mit vielem Schwierigem im Leben allgemein, aber natürlich auch im Umgang miteinander, vielleicht auch einmal mit den schlimmsten Streitigkeiten untereinander, auch in der Ehe, viel besser fertig werden. Im Bewusstsein der dauernden Gegenwart Jesu in unserem Leben – das war das Thema des letzten Teils, liebe Gemeinde – im Bewusstsein der dauernden Gegenwart Jesu in unserem Leben rechnen – davon lebt die christliche Gemeinde Tag für Tag und Woche für Woche. Das soll sie prägen. Im Umgang miteinander und im persönlichen Glauben.

Heute morgen geht es noch um zwei Gedanken:

2. Bleibe in meinem Wort – sagt Jesus Christus

Bleiben im Wort Gottes ist mehr als ein schönes Gefühl. Es schließt zum Beispiel auch Gehorsam mit ein. Nicht immer will Jesus das von uns, was wir gerne von ihm hören möchten. Bleiben in Jesu heißt: ich bin bereit, den Willen Gottes zu tun! Das heißt dann auch: Bleibet in meinem Wort. Und das bedeutet: ich höre vorbehaltlos auf das Wort Gottes. Das gilt z.B. überall dort, wo es sich um die Bibel dreht: in Gottesdiensten, Hauskreisen, in der Jungschar, in der Teeniearbeit usw.
Und dabei geht es ganz sicher nicht darum, ob die Menschen, die ich überall dort treffe oder die dort reden, meine Wellenlänge haben. Es geht aber darum, dass mir als Christ ein für allemal klar wird: Gott will mit mir reden. Und er tut das auf vielfältige Weise und durch ganz unterschiedliche Menschen. Und hören heißt eben nicht: konsumieren und anschließend abschalten. Bleiben in seinem Wort heißt: Hören, wie nur Jünger hören können.
Jünger aber hören, indem sie umsetzen, was sie gesagt bekommen. Nicht großspurig, sondern Zug um Zug. Aber bemerkbar.
Lassen Sie uns also nicht vergessen: es steht in einem unmittelbaren Zusammenhang: im Wort Jesu bleiben – und seinen Willen gehorsam tun. Denn – das hat dann unübersehbare Wirkungen. Wenn alle Christen genau das täten, was Jesus Christus will, dann würde die weltweite Ausstrahlungskraft der Gemeinde Jesu exorbitant ansteigen. Oh, wenn es doch so käme. Warum nur kommt von dem kräftigen Strom göttlichen Wortes so oft nur ein dünnes Rinnsal in unseren Herzen an – und zur Anwendung?

Bitte verinnerlichen Sie zusammen mit mir diesen kurzen Gedanken – und leben Sie ihn: Bleiben im Wort Jesu –und nach seinem Willen fragen. Nach seinem Willen fragen – und ihn dann auch tun. Denn nur dann funktioniert auch das Dritte:

3. Bleibe in der reinigenden Pflege des Weingärtners – sagt mir Jesus Christus

Setzen wir einmal voraus: wir sind lebendige Rebenzweige. Wir stehen in enger Verbindung zum Weinstock Jesus Christus. Wir bringen Frucht – nicht immer gleich sichtbar, aber doch vorhanden. Dann betrifft uns die reinigende Pflege unseres Gottes, dem wir dienen. Und dann sind wir genau die Leute, die mit Problemen rechnen müssen. Denn dann heißt es: „Wenn eine Rebe Frucht bringt, dann wird sie von meinem Vater gereinigt, damit sie noch mehr Frucht bringt.“

Wenn ein Winzer eine Rebe reinigt, dann entfernt er alle wild wuchernden Zweige der Rebe. Sie wird möglichst kurz gehalten, damit alle Kraft in die Trauben, in die Frucht geht.
Wenn wir nun auch diesen Vergleich voll auf uns beziehen, dann können wir uns vorstellen: Reinigen, Abschneiden der verdorrten oder wuchernden Zweige – das kann sehr unangenehm sein. Wie ungern lasse ich Gott an den Wildwuchs in meinem Glauben heran – an die Spezialgebiete, die ich hege und pflege, und die mich gerade deshalb so oft am Bleiben in Jesus hindern. Meinen Wildwuchs an theologischer Sonderlehre; oder den im Umgang mit meinem Geld. Wußten Sie übrigens, dass die Übersetzung des Lateinischen „privare“ nichts anderes bedeutet als: rauben. Mit all dem, was ich also für privat erkläre, begehe ich oft genug einen Raubzug bei meinem Herrn Jesus Christus. Ich beraube Gott viel häufiger, als ich meine.
Deswegen lassen Sie uns nicht zu sehr verwundert sein, wenn wir das alles im eigenen Leben erfahren: Krankheit, Leid, Verlust, Gefahr, berufliche Probleme – mit all dem kann unser Gott mit uns am Werke sein, der dadurch den Wildwuchs an uns bekämpfen will, damit wir weiter gute Versorgungsstränge der Frucht sind, der Menschen, die Gott durch uns segnen will. Gottes Ziel für unser Leben ist nicht, möglichst viel Verdorrtes zu finden, abzuschneiden und zu verbrennen. Gottes Ziel ist ein fröhliches, dankbares, fruchtbares, entprivatisiertes, vom Wildwuchs befreites Leben.
Hier liegt die Zukunft meines Christseins. Hier liegt die Zukunft der Gemeinde Jesu.
Denn niemals im Himmel zählt, was wir vorzuweisen haben, sondern was wir sind: Reben – in der engen Verbindung an Jesus. Deshalb: Bleiben Sie mit aller Kraft an Jesus dran.

Amen.

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