Leitungsamt und Berufung

Pastor Gerd Ballon klärt zum Thema Leitungsamt und Beruf auf, wie es in der Bibel zu finden ist. Diese Predigt ist die erste von 3 zum Thema Gemeindeleitung.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Leitungsamt und Berufung
Reihe
Gemeindeleitung
Datum
25.01.2012
Länge
40:53 Minuten
Bibelstelle
1. Timotheus 3,1-7

Lesungstext

1 Das ist gewißlich wahr: So jemand ein Bischofsamt begehrt, der begehrt ein köstlich Werk. 2 Es soll aber ein Bischof unsträflich sein, eines Weibes Mann, nüchtern, mäßig, sittig, gastfrei, lehrhaft3 nicht ein Weinsäufer, nicht raufen, nicht unehrliche Hantierung treiben, sondern gelinde, nicht zänkisch, nicht geizig, 4 der seinem eigenen Hause wohl vorstehe, der gehorsame Kinder habe mit aller Ehrbarkeit, 5 (so aber jemand seinem eigenen Hause nicht weiß vorzustehen, wie wird er die Gemeinde Gottes versorgen?); 6 Nicht ein Neuling, auf daß er sich nicht aufblase und ins Urteil des Lästerers falle. 7 Er muß aber auch ein gutes Zeugnis haben von denen, die draußen sind, auf daß er nicht falle dem Lästerer in Schmach und Strick.

Predigt

Liebe Gemeinde,

Ich werde heute Morgen, wie angekündigt, eine erste Predigt zum Thema „Gemeindeleitung“ halten und damit ein Thema ansprechen, das derzeit für alle Gemeindeglieder unserer Gemeinde wichtig ist: Wir werden im März zwei neue Gemeindeleiter zu berufen haben, nachdem Albrecht Noller und Siegfried Richter auf eigenen Wunsch aus der Gemeindeleitung ausscheiden werden. Die Mitglieder unserer Gemeinde sind gebeten, sich umzusehen und eigene Vorschläge an den Berufungsausschuss zu machen. Heute Morgen und am kommenden Sonntag möchte ich Entscheidungshilfen anbieten, indem ich über dieses Thema „Leitungsamt und Berufung“ predige.

Ich werde im Verlauf des heutigen Morgens zu manchen Fragen eine Antwort versuchen. Außerdem besteht weiterhin in den nächsten Wochen die Möglichkeit zu persönlichen Rückfragen an die derzeitige Gemeindeleitung. Und am wichtigsten ist sicherlich, dass wir miteinander, Gemeindeglieder und Freundeskreis, für die Vorentscheidungen und für die Mitte November stattfindende Berufung beten! Gott segne uns dann bei unserer Auswahl!

1. Zum Namen

Im NT tragen die Leitungspersonen den Namen „“ oder „“ = „Bischof“. Während die Jerusalemer Gemeinde den Namen „Presbyter“ gebrauchte (in Abhängigkeit zur Synagoge), benutzten Paulus und Petrus den „Episkopos“ – Titel, so wie die grie Gesellschaftsordnung ihn anbot. Diese Namen wurden wechselweise benutzt. Die Tradition der FeG spricht deshalb auch wechselweise von Ältestenkreisen (Presbytheroi) oder von Leitungskreisen (Episkopoi). Die Aufgaben sind in der Regel nicht unterschieden!

Parallel zu den Gemeindeleitern oder Ältesten hat es – das macht der 1. Tim deutlich – in der Gemeinde Jesu auch das Amt des „“, des Gemeindehelfers, gegeben. Die Anforderungen an die Diakone sind sehr ähnlich denen an die Ältesten.

2. Wie ist es zum Dienstamt der Ältesten und Diakone gekommen?

Vermutlich ist Apg. 6 – die Berufung der sieben Diakone – der Geburtsort des Dienstamtes der Gemeindeleiter! Die Diakone wissen sich nicht allein für die Versorgung der Gemeinde zuständig. Sie sind auch bald unterwegs in Sachen Evangelisation (Philippus) und verwickelt in Lehrgespräche in der Synagoge (Stephanus).
Die erste Erwähnung von „Ältesten“ finden wir dann in Apg 11,30 (Paulus und Barnabas geben die Kollektensammlung in die Hände der Jerusalemer Ältesten).

3. Viele Formen von Gemeindeleitung – aber nur einen Auftrag: Weidet die Herde Gottes

Welche Aufgabe hat eine Gemeindeleitung? Im NT wird dieser Auftrag so beschrieben: „Weidet die Herde Gottes!“ Die Gemeindeleitung trägt also in erster Linie Verantwortung für Menschen, vor allem für die Menschen, die zu Gottes Herde, zu Gottes Volk gehören. Also: Verantwortung für die Menschen ist wichtiger als Verantwortung für Sachen, Programme und Veranstaltungen. Das ist sehr wichtig.
In unserer Gemeinde haben wir vor einem Jahr die Verantwortlichkeiten so geregelt, dass der weiter entstehende Diakonenkreis sich stärker mit den Sachen befasst, eben mit Programmen, Veranstaltungen und Gemeindeorganisation. Der Ältestenkreis will sich besonders auf die seelsorgerliche Betreuung der Mitarbeiter und Glieder der Gemeinde beziehen; er möchte vorbildhaft für die Gemeinde beten, die Verantwortung in der Seelsorge beachten und die Perspektiven und Schwerpunkte des Gemeindelebens voraus bedenken. Aber gemeinsam bleibt beiden Kreisen dieses: “Weidet die Herde Christi!” Das aber ist nicht immer einfach durchzuhalten.

Eine Gemeindeleitung kann sich schnell falsch verstehen als eine Art Organisationskomitee für das Jahresprogramm und den Terminkalender, für Finanzen und Rechtsfragen. Zur Gemeindeleitung gehört die Sorge um die Seelen ja ebenso wie die Verantwortung für viel Geld, viele Arbeitsformen, viele Bereiche. Manchmal aber verschiebt sich der Verantwortungsbereich schleichend. Und auf einmal merkt man: Die seelsorgerlichen Fragen sind an den Rand gedrängt. Dann heißt es korrigieren. Denn: wer immer die örtliche Gemeinde leitet, muss sich messen lassen an dieser Vorgabe des NT: „Weidet die Herde Gottes.“ Jeder, der einer Gemeindeleitung angehört, ist ein Unterhirte des Erzhirten, des guten Hirten Jesus Christus.
Weiden heißt Nahrung geben, führen und bewahren. Die Gemeindeleitung ist dafür verantwortlich, dass in der Gemeinde durch die Verkündigung des Wortes Gottes „Wort des Lebens“ vermittelt wird und die Gemeinde auf die gute Weide des Wortes Gottes geführt wird. Die Gemeindeleitung, bestehend aus Ältestenkreis und Diakonenkreis, hat aus dem Wort Gottes heraus den Weg für die Gemeinde zu suchen und zu finden, sie fällt die wesentlichen Entscheidungen, die die Gemeinde betreffen – und orientiert sich dabei am Wort Gottes. Und die Gemeindeleitung achtet darauf, dass kein Schaf sich von der Herde entfernt und unter die Räuber fällt, den Wölfen ein Fraß wird oder in den Dornen umkommt (Das heißt konkret: Besonders Älteste müssen bereit sein, auch heiße Eisen anzufassen und sich Zeitströmungen innerhalb der Gemeinde zu widersetzen, wenn diese nach Einschätzung der Ältesten den Maßstäben Gottes zuwiderlaufen. Eine manchmal sehr mühsame und belastende Haltung).

4. Die Gemeindeleitung wächst gemeinsam mit ihrer Gemeinde – innerlich und äußerlich

Dass ein begabter Mann oder eine begabte Frau dann, wenn sie in die Gemeindeleitung hinein von der Gemeinde bestätigt worden sind, eine innere Entwicklung durchmachen, stellt klar, dass vorhandene und wichtige Begabungen für diesen Dienst sich im Laufe der Dienstzeit vervollkommnen oder stärker herausbilden. Ein neuer Ältester, ein neuer Diakon, muss nicht vollkommen sein im absoluten Sinn. Die Gemeinde wird an ihn – oder an sie (denn Ältestenkreis und Diakonenkreis können ja auch sehr bewusst begabte Frauen umfassen) – einen hohen Maßstab anlegen. Aber sie wird daran denken müssen, dass vieles sich auch im Gemeindedienst der Ältesten und Diakone weiterentwickelt und dass ein Mensch an seiner Aufgabe weiterreift. Wer den vollkommenen Ältesten berufen will, sollte sich vorher darüber klar werden, dass dann auch nur ein vollkommenes Gemeindeglied das kann. Wer den Maßstab für Gemeindeleiter so hoch hängt, dass kein Gemeindemitglied mehr heranragt, wird nie zu einer stabilen Gemeindeleitung finden. Verstanden, oder?

Nun ist es wichtig, dass eine Gemeindeleitung – gemeinsam mit ihrer Gemeinde – aber auch äußerlich wächst. Wir kennen das aus der Geschichte der ersten Christen. Die Gemeinde in Jerusalem wurde zunächst von den 12 Aposteln geleitet, bis die Gemeinde weiter wuchs. Dann heißt es: zusätzliche Diakone wurden eingesetzt, um die Arbeit zu verteilen. Später gab es zusätzlich Älteste usw.
Eine Gemeinde, die wächst, braucht einen arbeitsfähigen, aber ausreichend großen Kreis von Menschen, der zwei Dutzend Arbeitszweige führen muss, ohne dann die Übersicht zu verlieren. Das vor einiger Zeit veröffentlichte Organigramm, das auch am „Schwarzen Brett“ aushängt, ordnet diese Verantwortlichkeiten in sinnvoller und überschaubarer Weise.

Dabei bleibt zu beachten: Eine Gemeinde kann nur so viele Älteste und Diakone berufen, wie sich auch Menschen finden, die die entsprechenden Voraussetzungen mitbringen – und das sind in einer Gemeinde immer weniger, als man glaubt. Man kann den einen oder anderen auf Zeit hinzu wählen, um sichtbare Begabungen zu prüfen, aber man wird keine Ungeeigneten hinzuberufen – nur um die Zahl zu erhöhen. Auch das wollen wir beachten, wenn wir bis Ende Januar unsere Wahlvorschläge machen.

5.Wer soll zur Gemeindeleitung gehören?

Sehet Euch um! Apg 6,3

Sondert mir aus! Apg. 13,2

Christus beruft und befähigt Menschen dazu, seinen Leib in der örtlichen Gemeinde zu leiten. Aber er beteiligt uns Menschen daran, dass die, die er erwählt und befähigt hat, in die Leitungsverantwortung der Gemeinde hineinberufen werden.
Dass Gott die Leitenden selber beruft, bewahrt die Gemeinde davor, dass sie sich selbst nach menschlicher Willkür Leiter gibt. Dass die Gemeinde bei dieser Auswahl beteiligt wird, bewahrt uns als Gemeinde davor, dass sich Menschen selbst in die Verantwortung hineindrängen, die nicht dazu geeignet sind (und dabei u.U . große Worte machen, dass sie von Gott berufen seien).
Das Miteinander von göttlicher und menschlicher Erwählung wird konkret, wo Gott die Wirksamkeit in Leitungsaufgaben an bestimmte geistliche Voraussetzungen bindet.

Diese sind am knappsten zusammen gefasst in Apg 6,3: Weisheit, ein guter Ruf, Fülle des Heiligen Geistes. Diese Voraussetzungen finden sich sinngemäß schon im Alten Bund: „Weise, verständige, erfahrene Männer will ich Euch zu Häuptern setzen.“ (5. Mose 1,13)
Die Voraussetzungen zu Leitungsaufgaben werden dann in den Pastoralbriefen weit umfangreicher entfaltet, aber der Dreiklang von Apg 6,3 ist grundlegend.
Notwendig ist der Heilige Geist – das lebendige, ungestörte Verhältnis zu Gott.
Notwendig ist weiter eine bestimmte Gnadengabe (z.B. das Charisma der Weisheit).
Notwendig ist schließlich die Bewährung des gelebten Glaubens im Alltag: der gute Ruf vor Christen und Nichtchristen.
An diese Voraussetzung ist jede Berufung zur Leitung gebunden. Eine Gemeinde kann also nicht aus der Zahl ihrer Mitglieder einige „nette Leute“ herausstellen und mit der Leitung beauftragen. Zuerst ist die Frage nach der Voraussetzung zum Dienst zu klären. Danach geschieht Berufung; auf diese hin erfolgt Beauftragung und Einsetzung zum Dienst.
Mitarbeiter werden also in Verantwortung eingesetzt. Übernehme ich diese Verantwortung aber, dann heißt das auch: Es ist nicht in mein Ermessen gestellt, ob ich eine Aufgabe wahrnehme oder nicht. Ich habe mich verpflichtet und bin nun verpflichtet, sie wahrzunehmen, ob sie schwierig ist oder leicht fällt. Man kann das abgekürzt so formulieren: „Gemeindeglieder dürfen – Verantwortliche müssen …!“

Wenn wir uns die Voraussetzungen für den Dienst der Ältesten doch einmal anschauen, dann sind sie beschrieben in einem der Pastoralbriefe, in 1. Tim 3,1-7

Es ist ein wahres Wort: „Wenn jemand die Leitung einer Gemeinde erstrebt, so wünscht er sich eine große Aufgabe.“ Ein Gemeindeleiter, soll ein Mann sein, an dem es nichts auszusetzen gibt. Er darf nur einmal verheiratet sein. Er muss nüchtern, besonnen und ehrbar sein. Er muss gastfrei sein und lehren können. Er soll kein Trinker oder gewalttätiger Mensch sein, sondern ein freundlicher und friedliebender Mann. Er darf auch nicht am Geld hängen. Er muss ein guter Familienvater sein und Kinder haben, die ihn achten und ihm gehorchen. Denn wenn jemand seine eigene Familie nicht zu leiten versteht, wie kann der dann die Sorge für die Gemeinde Gottes übernehmen? Er darf nicht gerade erst Christ geworden sein; sonst wird er zu stolz, und der Teufel bringt ihn so weit, dass Gott ihn verurteilen muss. Auch außer halb der Gemeinde muss er in gutem Ruf stehen; man sollte nichts Belastendes über sein Vorleben erzählen können. Sonst kann ihm der Teufel daraus einen Strick drehen.

Dabei ist mir eines besonders wichtig zu betonen: Es geht hier ja nicht um ganz besondere Voraussetzungen für Älteste und Diakone. Es geht um Voraussetzungen, die von jedem Gemeindeglied, von Dir und von mir, erwartet werden – von einem Gemeindeleiter oder Ältesten aber besonders und beispielhaft. Also:
Ein untadeliges Verhalten, Einehe, Nüchternheit, Gastfreiheit – das wird von jedem von uns erwartet – von einem Ältesten besonders.
Kein Säufer, nicht gewalttätig, gütig, nicht streitsüchtig, nicht geldgierig – das wird von jedem von uns erwartet – von einem Ältesten aber besonders.
Dem eigenen Haus gut vorstehen und seine Kinder zu Gehorsam und Ehrbarkeit erziehen – das wird von Dir genauso erwartet – von mir oder einem Ältesten aber besonders. Denn – um das hier einmal festzumachen: Wie soll jemand die Gemeinde gut leiten und führen können, wenn er in seiner Familie dem Chaos nicht wehren kann?!

Ein guter Ruf nach außen – das ist eine Erwartung an jeden Christen – besonders aber an Älteste und Diakone; denn sie vertreten die Gemeinde nach außen und schaden dem Ruf Christi, wenn sie dunkle Stellen in ihrem Leben aufweisen.

Potentielle Älteste und Diakone werden sich fragen lassen müssen:

Wie ist es mit dem offenen Haus des Mitarbeiters? Wie geht er mit seiner Familie um? Und welches Zeugnis hat er etwa bei seinen eigenen Kindern?
Oder: ist er bereit, um seines Dienstes in der Gemeinde willen – der ja Zeit und Kraft erfordert – auf eine weiterhin steile berufliche Karriere zu verzichten oder sich mit einem geringeren Einkommen zu begnügen, als er im Weiterkommen erzielen kann?
Oder: wie ist es mit seinem Mut, das Wächteramt, das Seelsorgeamt ohne zu zögern wahrzunehmen, wie es sein Auftrag ist? Wird er den Mut haben, schwierige Gespräche zu suchen und zu führen? Wird er auf Schuld hinweisen und nicht locker lassen, sie zu klären?

Also: Vorsicht vor einer Aushöhlung des Ältestenamtes durch ein Leichtmachen der Voraussetzungen.

Vorsicht aber auch vor einer Überhöhung der Voraussetzungen des Ältestenamts. Es hilft uns nicht – ich sage es nochmals – die Messlatte so hoch zu hängen, dass für ein Jahrzehnt kein Ältester und Diakon mehr zu finden ist, der bereit wäre zu dieser Verantwortung. Das hilft einer Gemeinde dann doch auch nicht.

Und nicht vergessen: Gemeindeleiter sollen integrieren, nicht spalten. Menschen, die im Gespräch oder in der Begegnung immer gleich polarisieren und die dickköpfig ihre Meinung durchzuboxen versuchen, anstatt hinzuhören und zuzuhören, was der andere meint und denkt, die sind als Gemeindeleiter schwierige Leute. Nach Möglichkeit Frieden halten und fördern, das kann auch nicht jeder in der Gemeinde, der Leitungsgaben besitzt.

6. Eine Gemeinde leiten, will gelernt sein

Wenn jemand neu in Leitungsverantwortung gerufen wird, mag er viele Erfahrungen und Begabungen mitbringen; aber: er muss lernen, eine Gemeinde nun zu leiten. Das ist nur in der Praxis möglich.

Also: in einer erweiterten Gemeindeleitung heißt es: Lernen und zusammenzuwachsen!
Wenn wir miteinander Gemeinde leiten wollen, dann muss jeder den gleichen Informationsstand haben. Man muss miteinander reden oder telefonieren. Wer in der Sitzung mit Neuigkeiten überfallen wird, kann kaum auf Anhieb sachgemäß entscheiden. Kontakt setzt Vertrauen voraus. Wenn man Angst hat, dem anderen etwas zu sagen, weil man meint, er trickst einen zwischendurch aus, oder wenn man schweigen muss, weil der andere vertrauliche Informationen ausplaudert, sind Schwierigkeiten vorprogrammiert. Also: Vertrauen und Vertrauenswürdigkeit sind wichtige Voraussetzungen für einen Gemeindeleiter.
Zusammenleben braucht Zeit und menschliche Nähe. Älteste und Diakone müssen Zeit haben, am Gemeindeleben teilzunehmen. Wer nicht intensiv daran teilnimmt, weiß nicht, was in der Gemeinde wirklich läuft. Man braucht ausreichend Zeit zu den Sitzungen, damit nicht nur das Notwendigste abgehandelt werden kann, sondern Zeit für Grundsätzliches und Geistliches bleibt. Und wenn die Zeit der Sitzungen zu kurz ist, muss man ein Wochenende freihalten für eine Tagung oder eine Klausur, um beieinander zu sein zum Reden und zum gemeinsamen Studium der Bibel. Also: Diakone und Älteste müssen im Zentrum der Gemeinde und des Gemeindelebens stehen oder zu stehen kommen. Und sie sollen Menschen sein, die Zeit haben und einsetzen wollen für ihre Aufgabe!

7. Wie gehen Gemeindeleitung und Gemeinde miteinander um?

Manchmal wird von Gemeindeleitern der Auftrag zum Weiden der Herde falsch verstanden. Älteste meinen dann, die Gemeinde wäre nichts weiter als eine Herde, die selber unfähig zum Denken ist und lediglich den Weisungen der Unterhirten zu folgen habe. Das führt aber sehr schnell zu einem ungeistlichen und einsamen Leitungsverhalten, das den Kontakt zu den Bedürfnissen und Meinungen in der Gemeinde verliert. Die Bibel verbietet uns aber, Herren der Gemeinde zu sein. Die Gemeinde ist deshalb nicht der Baukasten der Ältesten für ihre jeweiligen Vorstellungen und persönlichen Glaubensansichten.
Paulus hat das in 2. Kor 1,24 ganz deutlich gesagt: „Wir sind nicht Herren über Euren Glauben, sondern Gehilfen zu Eurer Freude.“ Ein Wort, das mir sehr wichtig ist. Gemeindeleiter sind dazu da, der Gemeinde zur Freude im Glauben zu helfen. Der Ältestenkreis z.B. muss auf Stimmen von außerhalb hören. Gemeindeleiter müssen den Mut haben, gute Ideen anzuerkennen, auch wenn andere und Nichtälteste sie vertreten. Kluge Älteste ziehen denjenigen in die Verantwortung mit hinein, von dem die Anregung kommt, anstatt alles selber zu tun. Denn erst dann merken sie, wer wirklich mitarbeiten will und wer vielleicht nur gern meckert.
Kluge Gemeindeleiter beteiligen die Gemeinde immer an wichtigen Entscheidungen. Der Leitungskreis muss die Gemeinde fragen, wenn er etwas von der Gemeinde will. Wo ich als Gemeindeglied zahlen muss, will ich gefragt sein. Wo ich mitmachen soll in besonderen Arbeiten und Einsätzen, will ich ebenfalls gefragt sein. Damit ist nicht die Autorität der Leitung in Frage gestellt. Wer leitet, darf und muss andere Gemeindeglieder auch einmal im Namen des Herrn zur Mitarbeit rufen oder vor dem Bösen warnen. Oft sind das aber die Ausnahmen. Ansonsten heißt es: die Entscheidung in allen wichtigen Fragen liegt bei der Gemeinde. Wenn das nicht so bleibt, wird ein Ältester leicht überheblich und boxt seine eigene theologische Auffassung durch im Glauben, den Willen Gottes zu tun. Unsere Mitgliederversammlungen werden dadurch vielleicht je und dann länger. Aber: ich selber habe gelernt: eine Gemeinde, die sich ernst genommen fühlt im Entscheidungsprozess, arbeitet auch lieber mit und steht zu den Entscheidungen besonders, in denen sie gefragt worden ist, oder?
Deshalb: Gemeindeleiter zwingen die Gemeinde auch nicht, wenn Entscheidungen nicht ausgereift sind. Sie beten stattdessen mit der Gemeinde um Übereinstimmung. Wenn ein Entschluss gründlich und unter Gebet erwogen wurde und einmütig zustande kommt, kann auch heute Gemeindeleitung wirklich den Willen des Heiligen Geistes ausfüllen – sie ist dann „Exekutivorgan“ des Heiligen Geistes. Ich wünsche uns als Gemeinde, solche Gemeindeleiter zu berufen und zu bestätigen. Das wäre ein Gewinn für uns alle.

8. Wie soll es um die familiäre Situation des Leiters bestellt sein?

Der Apostel Paulus macht in einem seiner Briefe sehr deutlich: Um des Dienstes für Jesus und um des Engagements des Reichs Gottes willen wäre es besser, unverheiratet zu bleiben. Paulus, selber unverheiratet, hat hier deutlich zu machen versucht: der unverheiratete Mensch hat oft viel mehr Zeit für das Reich Gottes übrig als der Verheiratete in der Verantwortung für Ehepartner und Kinder. Das ist bemerkenswert und auch für unser Thema nicht unwichtig. Nur: wir wollen da nicht blauäugig sein! Es gilt: Unverheiratete, die nichts anderes als Freizeit im Kopf haben, sind genauso unbrauchbar für die Leitung einer Gemeinde wie Verheiratete, die sich in ihre Familie oder in ihre Hobbies vergraben.
Älteste und Diakone brauchen Zeit für den Dienst für Gott, für ihr Reden mit Gott und fürs Gebet. Unterhirte Christi kann ich nicht so nebenbei sein.

Das heißt aber: das Leitungsamt hängt nicht ab vom Ledigsein oder von der Familienbindung. Und es hängt in unserer Gemeinde und nach Auffassung der allermeisten Gemeindeglieder auch nicht am Geschlecht. Wir suchen in unserer Gemeinde nach Männern und Frauen, verheiratet oder ledig, die von Gott begabt und berufen sind, Unterhirten und Diener zur Freude aller zu sein.
Und ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass Jesus uns in einigen Monaten eine einmütige Entscheidung für neue Gemeindeleiter schenkt. Wir brauchen sie dringend.

Deshalb denken Sie als Gemeindemitglieder viel nach. Lesen Sie nochmals in Hilfsmitteln nach. Beten Sie intensiv und vertrauensvoll. Es geht um die Zukunft unserer Gemeinde. Es geht um Gottes Reich. Gott segne Sie in Ihrem Nachdenken. Und hören Sie vor dem Abgeben Ihres Vorschlagsblattes doch auch noch auf die Predigt am kommenden Sonntag.
Ich selber vertraue darauf, dass Gott uns miteinander die Menschen zeigen und schenken wird, die er meint und uns in die Gemeindeleitung schenken will – als Diakone und Diakoninnen und nun, im März dieses Jahres, als Älteste.

Amen

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