Nicht resignieren – die Signale stehen auf Hoffnung

Nicht resignieren! – das ist ein Aufruf zur Hoffnung. Und der Grund für diesen Aufruf: die Signi, die Zeichen stehen auf Hoffnung. Warum, das möchte ich heute morgen deutlich zu machen versuchen.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Nicht resignieren – die Signale stehen auf Hoffnung
Reihe
Datum
15.03.2015
Länge
25:28
Bibelstelle
1. Könige 19, 3-5
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

3 Da packte Elia die Angst. Er rannte um sein Leben und floh bis nach Beerscheba ganz im Süden Judas. Dort ließ er seinen Diener, der ihn bis dahin begleitet hatte, zurück.
4 Allein wanderte er einen Tag lang weiter bis tief in die Wüste hinein. Zuletzt ließ er sich unter einen Ginsterstrauch fallen und wünschte, tot zu sein. „Herr, ich kann nicht mehr!“, stöhnte er. „Lass mich sterben! Irgendwann wird es mich sowieso treffen, wie meine Vorfahren. Warum nicht jetzt?“
5 Er streckte sich unter dem Ginsterstrauch aus und schlief ein. Plötzlich wurde er wachgerüttelt. Ein Engel stand bei ihm und forderte ihn auf: „Elia, steh auf und iss!“

Predigt

Liebe Gemeinde,

in der Zeit, als Kriege noch überschaubar waren und die Söldnerheere Mann gegen Mann kämpften, als ein Musikkorps die dahinstürmenden Soldaten ermutigte, sich gnadenlos auf die Feinde zu stürzen – da waren sie immer mit dabei: die Träger der Fahne, des Signums, des Zeichens, das vor oder hinter den losstürmenden Soldatenheeren hergetragen wurde, um zu markieren: bis hierher sind wir schon vorangekommen. Und wo z.B. das Signum, das Feldzeichen des Römischen Adlers, stand, da war das Heerlager nicht weit, und die Front ganz nah. Solch ein Feldzeichen hatte Signalwirkung: hier stehen wir. Bis hierher sind wir vorgedrungen.

Wenn aber das Kriegsglück wechselte und die eigenen Linien zusammenbrachen, wenn der Rückzug nötig war, dann wanderten die Signi, die Zeichen, mit zurück: es wurde re-signiert! Die Feldzeichen wurden zurückgenommen. Man überließ das Feld dem herandrängenden Feind. –
Aus diesem Umfeld also kommt unser Begriff „Resignation, resignieren“. Ein Mensch also, der resigniert hat, ist auf dem Rückzug. Er kämpft nicht mehr, er setzt sich nicht mehr auseinander. Er flieht. Er überlässt seinem Feind das Feld. Er gibt Leben preis. Er hat aufgegeben. Er hat die Hoffnung auf einen Sieg verloren.
„Nicht resignieren!“ – dieser Ruf ist deshalb ein Ruf der Ermutigung. Ein Ruf zur Umkehr! Ja, ein Ruf zur Umkehr. Denn wer resigniert, läuft in die falsche Richtung. Er überlässt sein Leben anderen – Kräften und Menschen, der Angst, seiner Hilflosigkeit.

Nicht resignieren! – das ist ein Aufruf zur Hoffnung. Und der Grund für diesen Aufruf: die Signi, die Zeichen stehen auf Hoffnung. Warum, das möchte ich heute morgen deutlich zu machen versuchen.

1. Die Signi, die Zeichen unserer Welt stehen auf „Resignation“

Es gibt genügend Beispiele in der Geschichte, die deutlich machen, dass ein Keim von Hoffnungslosigkeit ein ganzes Heer in die Resignation treiben konnte. Stalingrad im Zweiten Weltkrieg mag solch ein Beispiel sein. Ohne Hoffnung kann ich nicht siegen. Ohne Hoffnung kämpfen heißt irgendwann: resignieren müssen.

Derzeit gibt es in unserer Welt ohne Zweifel sehr überschaubar hoffnungsvolle Zeichen. Die Feldzeichen dieser Welt sind nicht auf Hoffnung aufgestellt. Es gibt so viele ungelöste Fragen und Probleme auf diesem Planeten, die sich auch mit dem Verschrotten von Raketen nicht beheben lassen. Der Arm-Reich-Konflikt scheint hoffnungslos! Ökokatastrophe und Ozonloch sind Schlagworte, die die Freude an der schönen Natur rauben. Und die Radikalisierung des Islam ist seit dem Jahr 2001 ein wachsender Grund für ausgiebige sorgenvolle Schlaflosigkeit. Da können Kraft und Mut zum Kämpfen verloren gehen. Da kann ein ganzes Volk resignieren.

Und dann? – Dann ist da kein luftleerer Raum, oh nein. Dann ist da Hoffnungslosigkeit. Und die ist der erste Schritt zur Resignation. Und wo ich resigniere, also zurückgehe und fliehe, da wird der Raum vom Feind eingenommen. Da breitet sich alles das weiter in meinem Leben aus, wovor ich Angst habe.
Deshalb wirkt sich Resignation so verheerend aus! Erkämpftes, vielleicht unter großen Opfern erkämpftes Areal, wird aufgegeben!

So eine Stimmung kann sich überall ausbreiten. Im persönlichen Leben, wie auch im Leben und Erleben einer Gemeinde. Und wenn diese Stimmung einmal steht, ist sie sehr schwer wieder umzukehren. Leiter haben Verantwortung dafür, wie sie die Stimmung in der Gemeinde beeinflussen – wo auch immer sie leiten mögen.

Denn: ein Mensch, der resigniert hat, der braucht keine Parolen. Und dass der Spruch „Mit Gott keine Resignation!“ so auch nicht stimmt, werden wir gleich sehen. Aber: Hoffnung brauchen wir! Hoffnung, die den Sieg möglich macht und den Kampf lohnt.
Bis dahin jedoch ist es oft ein längerer Weg Sehen wir nun einmal nach in der Bibel. Ich lese aus 1. Kö 19,3-5, und wir werden feststellen:

2. Die Signale unseres Lebens schalten oft auch auf Resignation.

1 Ahab erzählte Isebel alles, was Elija getan, auch dass er alle Propheten mit dem Schwert getötet habe.
2 Sie schickte einen Boten zu Elija und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das antun, wenn ich morgen um diese Zeit dein Leben nicht dem Leben eines jeden von ihnen gleich mache.
3 Elija geriet in Angst, machte sich auf und ging weg, um sein Leben zu retten. Er kam nach Beerscheba in Juda und ließ dort seinen Diener zurück.
4 Er selbst ging eine Tagereise weit in die Wüste hinein. Dort setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Er sagte: Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine Väter.
5 Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein. Doch ein Engel rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! 1. Könige 19, 1-5

Schauen wir uns einmal diesen Mann Elia an. Er war ein Prophet. Ein Mann, mit dem Gott, der Herr dieses Kosmos, engen Kontakt hielt. Und Elia hatte kurz zuvor gekämpft. Voller Hoffnung; siegesgewiss. Im Namen Gottes.
450 Propheten des Götzen Baal waren besiegt und getötet worden. Der fremde Kult war der Lächerlichkeit preisgegeben worden. Feuer war vom Himmel gefallen und hatte das Altaropfer Elias angezündet. Das Volk stand auf Elias Seite. Das war ein großer Sieg. Aber wie das so ist. Die Signale unseres Lebens schalten oft und schnell auf Resignation. Der König Ahab hatte Isebel, seiner Frau, davon berichtet. Isebel schäumte vor Wut. Und nun war Elia auf der Flucht vor ihrem Zorn. Er hatte resigniert. Jetzt, da man ihm nach dem Leben trachtet, da hat ihn alle Hoffnung verlassen. Da setzt er sich unter einen Wacholder und wartet – wartet auf den Tod…

So schnell kann Sieg in Verzweiflung umschlagen; so schnell wird aus mutigem Kampf Resignation.
Können Sie den Elia verstehen, da unter dem Wacholder? Sind Sie auch ein Mensch, der genauso reagieren kann? Aus einer schönen Erfahrung, aus der Hoffnung heraus resignieren? Hoffnungslos dasitzen – wie Elia?

Ein kleiner Ehekrach – und alle alten Wunden sind aufgerissen. Und dann: Resignation!
Ein beruflicher Misserfolg. Und alles ist grau in grau.
Eine schlimme Nachricht aus der Zeitung. Und aller Mut hat uns verlassen.

Resignation – das ist eine halbherzig durchgesetzte Entscheidung; eine angezweifelte Versöhnung; Resignation kann sein der Weg in die seelische Krankheit; der Rückzug aus dem pulsierenden Leben in die kleine Kammer meines Ich. Der Bauernhof in der heilen, noch heilen Welt, an den ich dauernd denke; oder auch der Abend bei Tee, Strümpfestricken und Small Talk.

Resignation heißt also: ich traue weder mir noch einer anderen Macht, auch Gott nicht, zu, dass sich noch etwas ändern könnte. Ich finde mich ab. Ich höre auf zu kämpfen. Ich blicke in die falsche Richtung. Die Signale unseres Lebens schalten so oft auf Resignation. Worauf sind Deine Signale geschaltet?

3. Die Feldzeichen Gottes setzen neue Akzente!

Der Mann da unter dem Wacholderstrauch legt sich hin und will sterben. In ihm ist schon alles tot. Und er wäre wohl auch gestorben – oder er hätte als Schatten seiner selbst weitergelebt – wie so viele resignierte Menschen, wenn – wenn Gott nicht wäre. Gott lässt Elia nicht so schnell sterben. Auch uns nicht. Gott macht Menschen wieder wach. Gott schickt seinen Engel, einen Verkündiger seiner Frohbotschaft. Er setzt neue Akzente. Der Engel hält Elia am Leben. Und dann sorgt Gott dafür, dass neue Hoffnung in Elia wächst und er wieder zu einem mutigen Kämpfer Gottes wird. Er stellt sich der Auseinandersetzung mit Isebel und erlebt: Gott behält den Sieg.

Gott hat da seine ganz persönliche Weise mit jedem Menschen. Aber eines möchte er jedem resignierten Menschen schenken: die Gewissheit seiner Macht und seiner Gegenwart in diesem Welt und in unserem Leben. Denn diese Gewissheit allein gibt neue Hoffnung. Alles andere sind nur Parolen. Neue Hoffnung aber lässt gehen. Wer Gott vertraut, hat die besten Voraussetzungen, Resignation zu überwinden.

Ich weiß nicht, wer von uns wo resigniert hat, aufgegeben.
Der eine vielleicht in Bezug auf die vor ihm liegende Zeit des Alterns. Die Kräfte nehmen immer mehr ab – worauf da noch hoffen?
Der andere in Krankheit – es ist ja doch alles vorprogrammiert.
In der Ehe, im Beruf – dauernde Enttäuschungen lassen resignieren.
Und auch Menschen, die sich in ihrem Herzen zu Jesus Christus als zu ihrem Herrn bekennen, können in diesem Herzen noch genügend Platz haben für ganz viel Resignation. Für eine Selbstaufgabe. Nicht mehr kämpfen. Warten auf den Tod.
Gott aber setzt neue Akzente. Gott lässt Resignierte nicht seelisch oder physisch so vor sich hin sterben.
Gottes Signi, seine Feldzeichen stehen auf Hoffnung. Und sein Hauptsignum heißt: Zukunft!

4. Das Hauptfeldzeichen Gottes ist eingerammt: Durch Hoffnungslosigkeit zu neuen Lebensperspektiven!

Gott hat sich aller Resignierten angenommen, die vor ihren Lebensproblemen zurückweichen. Gott hat sich auch all derer angenommen, die einen aussichtlosen Kampf führen gegen Gegner, die viel zu mächtig sind. Gott hat sein Feldzeichen aufgestellt. Sein Hauptsignum. Er sieht dem römischen Adler auf der Standarte (Sie kennen das sicher von Asterix) nicht sehr ähnlich. Es ist sogar auf den ersten Blick ein Zeichen der Hoffnungslosigkeit schlechthin, des aussichtslosen Kampfes, der verlorenen Schlacht.

Das Hauptfeldzeichen Gottes sieht nicht nur aus wie ein Kreuz – es ist das Kreuz. Gott selber hat sich an dieses Kreuz schlagen lassen. Und die, die ihre Nägel durch seine Hände und Füße trieben, glaubten, sie hätten ihn damit erledigt. Feixend standen sie unter dem Kreuz Jesu und meinten, die Welt von einem Lügner und Gotteslästerer befreit zu haben. Sie ahnten nicht, dass sie mit diesem Mann ihre letzte Hoffnung ans Kreuz nagelten. Sie begriffen nicht, dass sie mit ihm ihr eigenes trauriges, verlogenes, gescheitertes Leben an die Balken hefteten. Und wäre Jesus am Kreuz bloß gestorben – es wäre denen damals und uns heute nichts mehr geblieben als die Resignation. Jeder hätte sich gleich unter seinen Wacholderstrauch legen können, um zu sterben. Alle vermeintlichen Siege wären nur Scheinsiege geblieben.

Gott aber rammte sein Hauptsignum in den Boden. Man konnte Jesus noch gerade abhängen vom Kreuz und in ein Grab legen – da war er auch schon auferstanden! 500 Menschen wurden Zeugen der Auferstehung Jesu Christi.

Und bis heute werden Menschen immer wieder Zeugen der Veränderung, die mit resignierten Menschen vor sich geht, wenn sie ihren resignierten Blick wenden, wenn sie äußerlich und innerlich umkehren zu Gottes Hauptfeldzeichen für Hoffnung. Denn wo das Hauptsignum Gottes steht, da ist sein Heerlager. Da ist neue Kraft für jeden Resignierten. Da knistert es vor Erwartung auf den letzten endgültigen Kampf gegen alle Resignation. Gegen alle Hoffnungslosigkeit in dieser Welt. Dann, wenn Jesus Christus wiederkommt und alle Feinde als endgültig besiegt herausstellt.

Haben Sie, hast Du, ob Christ oder Nichtchrist, in irgendeinem Lebensbereich resigniert? Aufgegeben? Keine Hoffnung mehr?
Sie haben recht, Du hast reicht – heute morgen und von dieser Stelle aus ist nicht der Ort für schnelle oberflächliche Antworten. Es gibt genügend christliche Parolen zum Thema Resignation, die nichts bewegen außer – Selbstbetrug. Man muss sich jede Lebenssituation genau betrachten. Jede Resignation ist anders. Jeder braucht seine individuelle Ermutigung, seinen ganz persönlichen Zuspruch. Seine besondere Vergebung von seinem Berg Schuld. Heute morgen aber ist ja auch noch Zeit – zum Nachdenken und zum Reden miteinander. Und Gott liebt das Individuelle. Er geht auf jeden von uns ganz persönlich ein. Aber sein Feldzeichen steht. Und es signalisiert: Hoffnung für jeden Menschen. Auch für Dich.

Bei aller Vorsicht und Unterschiedlichkeit ist eines allerdings letzte verbindliche Wahrheit der guten Nachricht: seit Gott sein Hauptsignum als Siegeszeichen eingerammt hat, das Kreuz Jesu Christi, braucht es für keinen Menschen mehr bleibende Resignation zu geben. Gottes Hoffnung reicht für jede Hoffnungslosigkeit aus. Und wer seinen Blick und sein Leben von Rückzugsgedanken löst, wer also von der falschen Denkrichtung umkehrt und sich dem Hauptfeldzeichen Gottes zuwendet, für den gibt es wieder sichere Hoffnung – und einen Sieg zu gewinnen.

Der auferstandene Herr Jesus Christus blickt uns alle, vor allem die Resignierten hier in diesem Raum heute morgen sehr freundlich an und sagt uns: „Komm! Kehr um von deiner Resignation. Stell das Feldzeichen Deines Lebens neben das Hauptsignum Gottes, neben mein Kreuz. Und laß Dir neue Hoffnung schenken.“

Gott segne jeden heute morgen mit dieser Frohen Botschaft für sein Leben. Machen Sie Ihr Leben fest an der Hoffnung Christi. Es lohnt sich. Auch ganz neu und wieder von vorn.

Amen

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