Das Brotwunder – heute erlebt!

Haben Sie je und dann auch schon einmal geschwächelt angesichts einer großen Herausforderung – im persönlichen Leben, im Beruf, vielleicht auch im Alltag unserer Gemeinde?

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Das Brotwunder – heute erlebt!
Reihe
Brotwunder
Datum
31.05.2015
Länge
25:26
Bibelstelle
Lukas 9, 10-17
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

10 Die zwölf Jünger kehrten zu Jesus zurück und erzählten ihm, was sie auf ihrer Reise getan hatten. Jesus nahm sie mit in die Stadt Betsaida. Dort wollte er mit ihnen allein sein.
11 Die Menschen erfuhren aber schnell, wo Jesus war, und folgten ihm in Scharen. Er schickte sie nicht fort, sondern sprach zu ihnen über die neue Welt Gottes und heilte die Kranken.
12 Es war spät geworden. Da kamen die zwölf Jünger zu Jesus und sagten: „Es wird Zeit, dass die Leute gehen, damit sie in den umliegenden Dörfern und Höfen übernachten und etwas zu essen kaufen können. Hier gibt es doch nichts!“
13 „Gebt ihr ihnen zu essen!“, forderte Jesus sie auf. „Aber wir haben nur fünf Brote und zwei Fische!“, entgegneten die Jünger. „Oder sollen wir etwa für all die Leute Essen besorgen?“
14 Es hatten sich etwa fünftausend Menschen um Jesus versammelt. „Sagt ihnen, sie sollen sich in Gruppen von je fünfzig Personen setzen!“, ordnete Jesus an.
15 Und so geschah es.
16 Jesus nahm die fünf Brote und die zwei Fische, sah zum Himmel auf und segnete sie. Er teilte Brot und Fische, reichte sie seinen Jüngern, und die Jünger gaben sie an die Menge weiter.
17 Alle aßen sich satt. Als man anschließend die Reste einsammelte, da waren es noch zwölf volle Körbe.

Predigt

Liebe Gemeinde,

haben Sie je und dann auch schon einmal geschwächelt angesichts einer großen Herausforderung – im persönlichen Leben, im Beruf, vielleicht auch im Alltag unserer Gemeinde.

Es gibt ja immer wieder solche Herausforderungen; und manchmal stehen wir davor und fragen uns: wie kann und wie soll ich das schaffen? Wie bewältige ich das – mit meiner kleinen Kraft?

Als wir vor zwei Jahren die Chagall – Ausstellung planten, habe ich das manchmal so empfunden. Denn damals ging es ja nicht nur um ein paar Bilder; es ging um die Begegnung mit Menschen, und es ging darum: wie können wir das Evangelium von Gottes Errettung unseren Gästen so vermitteln, dass sie es verstehen und zum Nachdenken kommen?

Und die Frage bleibt ja bis heute: wie schaffen wir es, wir als ein Teil der Gemeinde Jesu in dieser Generation und dieser Welt, dieser Stadt: Menschen gewinnen für den Weg hinter Jesus Christus her?

Deshalb möchte ich – auch im Blick auf den Ökumenischen Kirchentag in einigen Wochen – mit Ihnen, mit euch zusammen ein Bibelwort anschauen, das sehr ermutigend sein kann für jeden hier von uns: Lukas 9, 10-17

Ich denke, der Sachverhalt ist klar: eine zuhörbereite Menschenmenge, die der Predigt des Jesus Christus zuhört und langsam hungrig wird, als es auf den Abend zugeht; eine Gruppe vorsichtig – ängstlicher Jünger, die trotz soeben gemachter großer Erfahrungen kein Vertrauen in das Wenige setzt, was sie hat; und ein Herr, der als Gottes Sohn ein Brotwunder tut. Und der durch dieses Wunder Glauben wecken will – an sich selber als das Brot des Lebens und an das, was er bewirken kann.

Wenn wir heute Brot des Lebens für uns selber empfangen wollen, dann müssen wir fragen: Was meint Jesus heute Morgen für uns? Welche Ermutigung hat er für mich? Welchen Hinweis? Welche Herausforderung? Welche Fragen?
Schauen wir uns doch einmal selber an heute Morgen: Was haben wir heute dabei? Was haben wir mitgebracht?

1. Wir, für uns allein genommen, haben nichts!

Was haben wir mitgebracht? Und wie stehen wir vor den Menschen? Vor den Menschen unseres Ortes, vor den Menschen unserer Generation, die ganz anderes brauchen als einen Laib Brot? Wie stehen wir vor Menschen, die innerlich leer gebrannt sind, die nach Leben hungern? Die Hilfe brauchen und nach Antworten suchen, die ihnen heute kaum noch einer geben kann? Wie stehen wir vor denen, die sich gut fühlen und über das Angebot des Glaubens lachen? Die Menschen, mit denen wir zusammenleben, scheinen ja oft sehr stark und lebenssicher zu sein.

Und – wir stehen davor und fühlen uns so oft so hilflos! So wie die Jünger damals vor 5000 Menschen. Das war doch Wahnsinn damals. Ja, wusste Jesus eigentlich, was er da sagte: „Gebt Ihr ihnen zu essen!“

„Wir?“ fragten die Jünger. „Wir sollen all den Menschen zu essen geben? Wir kennen doch gar nicht ihre Menüwünsche!! Ja, was sollen wir ihnen geben? Wo wir doch oft zu wenig für uns selber haben!? Wo wir oft genug von der Substanz leben, von der Hand in den Mund!“

Wie oft erlebe ich selber meine Hilflosigkeit. Immer wieder geht es mir so:

  • wenn in der Seelsorge die Traurigkeit im Raum steht! Was jetzt antworten?
  • wenn Menschen einen Angehörigen verloren haben – wie jetzt angemessen reden?
  • wenn ein Mensch nach Liebe sucht – welche Gefühle reichen denn dann aus?
  • wenn mich einer nach meine Glauben fragt – was soll ich Überzeugendes sagen?
  • wenn ich spüre: jetzt bist Du dran! Jetzt wäre ein günstiger Augenblick, von dem zu erzählen, was Dich erfüllt – stumm bin ich da!

Ich für mich allein genommen habe eigentlich – das spüre ich immer wieder – so gut wie nichts, das ich einsetzen kann! –
So erleben wir uns doch oft genug! Und dann sitzt der Kloß in der Kehle. Und die Faust am Herzen!

Außerdem werden wir auch zugeben müssen: auch geistliche Höhenflüge reichen nicht lange! Die Jünger damals kamen ja gerade von einer tollen Erfahrung zurück. Sie waren begeistert gewesen! Sie hatten erlebt, wie durch Gottes Macht Wunder geschehen, Heilungen passiert waren. Gerade eben noch erlebt. Und nun? Sendepause! „Lass das Volk gehen, „ so sagen sie.
Und damit ist alles gesagt! Auch für uns, oder? Wir haben nichts! Wir können nur sehr kurze Zeit von geistlichen Erlebnissen zehren! Mitarbeiterfreizeiten, Schulungen, Kongresse und Seminare – das alles brauchen wir sehr! Es gehört zum Alltag der Gemeinde dazu – auch die Höhepunkte!

Und doch: wir haben so gut wie nichts! Immer wieder diese Erfahrung! Immer wieder – wenn’s doch drauf ankommt!

Nur: stehenbleiben brauchen wir hier nicht! Auf diese Weise zählen wir nur unsere Verwundungen! Wer hier steht oder stehen bleibt, der hat noch nicht verstanden, was damals passierte! Der ist noch nicht aufgewacht in diesen Bibeltext hinein! Denn der sagt uns: „Geh weiter! Zähle Deine Segnungen, nicht Deine Wunden!“

2. Wir, von Jesus beim Wort genommen, haben nicht nichts!

Die Jünger damals hatten nicht nichts! Sie hatten fünf Brote und zwei Fische! Das war erst einmal etwas! Wir stehen nicht mit leeren Händen da! Wir heute Morgen haben auch etwas! Auf diesem Hintergrund sollen wir das hören: Fünf Brote und zwei Fische! Und Jesus könnte heute Morgen auch zu uns sagen – und ich glaube, dass er es zu uns sagt: „Gebt Ihr ihnen zu essen!“ Er sagt es – und vielleicht haben ein paar seiner Jünger damals ihn auch für verrückt erklärt! Was sollte denn das nun schon wieder? Wollte Jesus sich lustig machen? Oder was sollte das heißen?

Nein, wir heute Morgen haben etwas: 5 Brote und zwei Fische. Was heißt das übertragen? Vielleicht:

  • 5 Gebetserhörungen und zwei Mut machende Erfahrungen
  • fünf materielle Werte, die ich verschenken kann, und zwei Menschen, die für mich beten!
  • fünfzig Gehilfen zur Freude um mich herum, und zwanzig gute lesenswerte Bücher zum Weiterverleihen;
  • zwei Mut machende Traktate und fünf tröstende Gedanken;
  • fünf Hoffnungen und zwei gute Ideen…

Wir heute Morgen haben etwas. Und sagen Sie bloß nicht, Sie hätten nichts! Das haben die Jünger damals auch zugeben müssen: fünf und zwei – das hatten sie!

Nur – es war dann doch so wenig! Viel zu wenig für die Aufforderung, die vor ihnen stand!

Verlangt Jesus auch zuviel von uns? Meinen wir, wir müssten uns erst einmal selber stärken, um Kraft zu bekommen für die Anforderungen, die vor uns liegen?

Wir können natürlich so stehen bleiben vor dem, was wir haben – oder es uns selber einverleiben. Aber dann bleiben die Menschen, die uns umgeben, weiter hungrig. Hungrig nach dem ewigen Leben. Deshalb:

3. Wenn Jesus segnet, was wir haben, dann werden viele satt.

Wie war das eigentlich damals? Warum sagte Jesus das: „Gebt Ihr ihnen zu essen?“ Hatte er das rhetorisch gemeint? Lag ein spöttischer Zug um seine Lippen, als er seine Jünger anredete? Wartete der förmlich darauf, dass sie sagten: „Herr, wir nicht. Mach Du!“

Oder war es etwa ganz anders? Meinte Jesus das nicht ernst damals? Hätten die Jünger diese Probe nicht auch bestehen können? Jesus sprach ihnen doch mutig zu! So, als ob er sagen wollte: „Ihr habt in den letzten Tagen Eure Erfahrungen mit dem Glauben gemacht! Ihr habt die Kraft Gottes doch am eigenen Leibe miterlebt. Ihr kennt auch mich, euren Herrn, lange genug! Gebt Ihr ihnen zu essen! Euer weniges ist genug! Wendet es an!“

Und hätten die Jünger nicht so wie Jesus die Vollmacht Gottes erbitten können, um dann auszuteilen und schließlich 12 Körbe voll übrig zu haben? Hätte das alles nicht auch passieren können? Ich stelle mir vor, wie groß die Freude Jesu gewesen wäre, wenn damals auf seinen Auftrag hin die Jünger gesagt hätten: „Herr, ja, wir haben ja gerade erlebt, wie mächtig Du bist. Kranke haben wir geheilt; die Kraft des Evangeliums haben wir erlebt. Ja, Herr, wir – wir wagen es. Segne Du aber zuvor unsere Gaben. Teile Du sie auf. Dann werden wir sie an die 5000 Menschen verteilen. Herr, allein sind wir völlig hilflos angesichts dieser Massen! Aber wenn Du das wenige, was wir haben, segnest, dann muss es reichen. Denn Du hast immer genug für alle!“ –

So haben die Jünger damals nicht gesprochen. Sie haben, wie so oft, in Verzagtheit gehockt und wiederum eine Möglichkeit verpasst, im Vertrauen auf Jesus ihr Weniges ausreichen zu sehen!

Und wir? Wir sitzen heute vor unseren fünf Broten und zwei Fischen. Vor meinen. Vor Deinen. Allein schaffen wir’s nicht. Aber wollen wir nicht glauben: Wenn Jesus segnet, was wir haben, dieses „Fünf + Zwei“ – in der Seelsorge, im Gespräch, in der Familie, in der Nachbarschaft, im Beruf – dann werden viele satt! Das unsere reicht aus! Wirklich! Sagen Sie in Ihrem Herzen „Ja“. Ja zu dem wenigen. Ja dazu, dass es wirklich wenig ist! Ja aber auch zu dem: „Gebt Ihr ihnen zu essen.“ Jesus segnet. Jesus bricht das Brot!
Und was passiert?

4. Wer sein Weniges einsetzt, lebt in der Fülle!

Die Jünger verteilen. Die Menschen essen. Und essen. Und essen. Und essen. Und dann werden die Reste eingesammelt. Und zwölf Körbe kommen zusammen! Und bitte: die Jünger sind nicht wie Rotkäppchen durch die Reihen gegangen mit Henkelkörbchen und so. Die zwölf Körbe waren Körbe! Große Erntekörbe!

Die Jünger hatten das wenige verteilt! Alle waren satt geworden. Und die Jünger – waren umgeben von der Fülle! Auch sie wurden ganz satt.

Darf ich Sie fragen:
Wie groß ist oft die Angst der Jünger Jesu heute, nicht auf ihre Körbe zu kommen. „Ich kann nicht immer nur geben! Ich brauche auch etwas für mich!“ – „Ich brauche auch noch mal Zeit für mich selber! Ich brauche auch Brot für mein geistliches Leben!“ – „Immer nur Evangelisation! Das hält keiner aus!“

Ich möchte diese Sätze und die dahinter liegenden Gefühle wirklich stehen lassen! Und ich verstehe auch, welche Erfahrungen und Gefühle bei denen dahinterliegen, die das so sagen!

Aber ich möchte auch hören und sehen, was vor unserem geistlichen Auge und Gehör da vor den 5000 Menschen abgelaufen ist: die Jünger haben ihr weniges gegeben. Vielleicht zunächst mit knurrendem Magen und mit der Sorge: „Wir gehen – wieder einmal – leer aus!“ Und am Ende hatten sie selber das meiste! Keiner hatte zwölf Körbe voll übrig. Aber die Jünger! Sie selber hatten am Ende das meiste von dem, was sie taten! Sie waren die meistbeschenkten Menschen!!

Lassen Sie uns doch nicht immer auf Menschenworte hören. Was Jesus Christus sagt, das zählt! Was Jesus Christus uns durch 12 volle Körbe sagen will, das zählt!

Und damit erinnern wir uns noch einmal an die einzelnen Gesichtspunkte dieser Predigt:

„Wir, für uns allein genommen, haben doch so gut wie nichts!“
Wir sind nicht der Herr Jesus! Wir sind die Verteiler! Aber wir brauchen auch nicht zu organisieren.

Wir haben – mit dem Segen Jesu – genug – für alle! Auch für uns!

Wenn Jesus segnet, was wir haben, dann werden viele satt.

Wer sein Weniges einsetzt, lebt in der Fülle.

Denn der Schatten Jesu ist der Schatten eines Weinstocks. Und im Schatten dieses Weinstocks und ganz fest an ihm bleiben – das heißt heute Morgen: verstanden haben. Das heißt Frucht bringen. Das heißt: mit dem wenigen alle satt machen. Das heißt: Erfüllung finden. Hast Du verstanden, wenn Du Jünger des Herrn Jesus bist?? Du hast genug, um alle Menschen Deines Lebenskreises satt zu machen! Du hast das Evangelium von Jesus Christus. Das ist die Fülle!! Denk noch einmal daran:

  • 5 Gebetserhörungen und zwei Mut machende Erfahrungen
  • fünf materielle Werte, die ich verschenken kann, und zwei Menschen, die für mich beten!
  • fünfzig Gehilfen zur Freude um mich herum, und zwanzig gute lesenswerte Bücher zum Weiterverleihen;
  • zwei Mut machende Traktate und fünf tröstende Gedanken;
  • fünf Hoffnungen und zwei gute Ideen…

Und – hast Du auch verstanden, wenn Du noch nach Erfüllung suchst? Wenn Du satt werden willst in diesem Leben? Wenn Du Hilfestellung suchst in Fragen und Sorgen? Jesus Christus möchte Dir schenken, was Du zum erfüllten Leben brauchst.
Aber – das ist ein neues Thema für eine neue Predigt. Und deshalb möchte ich am Sonntag, dem 28. Juni, in drei Wochen also, nochmals predigen über die Speisung der 5000 – dann aber aus der Sicht der Menschenmasse, die satt wird. Ich lade Sie herzlich ein, dann dabei zu sein.

Amen

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