Heiligung in der Gemeinde

Liebe Gemeinde, gelebte Heiligung ist Gottes Rezept für ein blühendes eigenes geistliches Leben und für ganz viele positive Entwicklungen zwischen mir und meinen Mitchristen und zu den Menschen in unserem Lebensumfeld. Es gibt keine Alternative zu gelebter Heiligung.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Heiligung in der Gemeinde
Reihe
Heil – Heilung – Heiligung
Datum
02.08.2015
Länge
15:53
Bibelstelle
Hebräer 12, 12-15
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

12 Darum macht die erschlafften Hände wieder stark und die wankenden Knie wieder fest
13 und ebnet die Wege für eure Füße, damit die lahmen Glieder nicht ausgerenkt, sondern geheilt werden.
14 Strebt voll Eifer nach Frieden mit allen und nach der Heiligung, ohne die keiner den Herrn sehen wird.
15 Seht zu, dass niemand die Gnade Gottes verscherzt, dass keine bittere Wurzel wächst und Schaden stiftet und durch sie alle vergiftet werden,

Predigt

Liebe Gemeinde,
Kurze Erinnerung:

  • a. Im Mai stand am Ende der Predigt die Frage: „Spürst Du auf dem Grunde Deines Herzens die tiefe Sehnsucht nach der Erkenntnis des Willens Gottes und die Sehnsucht nach der Kraft, diesen Willen auch zu tun, koste es, was es wolle? Und was, wenn das bei Dir nicht mehr so ist?“
  • b. Im Juni lautete der letzte Satz: „Heiligung ist nicht in Dein Belieben gestellt. Sie ist Deine geistliche Lebensaufgabe. Der Herr Jesus wünscht sich von ganzem Herzen veränderte Menschen. Ist das jedem hier ganz bewusst?“

Heute Morgen nun lassen Sie uns nachdenken über das Thema:

1. Heiligung in Bezug auf Gott

a. Begriffsbestimmung von Heiligung und Heiligkeit

Heiligkeit ist durchaus keine Qualitätsbezeichnung für besonders fromme Christen. Und Heiligung ist nicht etwa der Weg dorthin. Heilige sind keine Hochleistungssportler auf geistlichem Weg. Es geht auch nicht um das Erreichen eines geistlichen Gipfels.

Denken wir doch an das Israel des AT. Israel war Gottes heiliges Volk. Warum? Weil es besonders gehorsam, klug und rein war?
Im Gegenteil. Gott sagt seinem Volk irgendwann, dass er es gerade deshalb ausgewählt habe, weil es das unbedeutendste Volk im nahen Osten sei (5. Mo 7,6.7). Und was den Gehorsam Israels anbetrifft: die Bibel ist voll mit traurigen Beispielen größten Ungehorsams und schlimmer Sünde. Nein, Israel war heilig, weil: es war beschlagnahmt, herausgerufen von Gott. Also ist es immer die Tat Gottes, die Heiligkeit schafft. Heiligkeit ist ein von Gott geschaffener Zustand, eine Seinsweise. Durch Gottes gnädige Tat abgesonderte Menschen heißen Heilige.
Heiligkeit ist, um hier zu definieren, der Stand des Heiligen, Dein und mein geistlicher Stand; und der angemessene Weg eines Heiligen ist die Heiligung.

Denn Gott sagt: Weil Ihr Heilige seid, deshalb lebt auch in der Heiligung.
Heiligung ist deshalb niemals Perfektionismus. Es wird in Bezug auf die Heiligung niemals eine Siegerpose geben, und auch keine Siegerehrung mit dem 1., 2., oder 3. Platz und Medaillen.
„Im Vollzug der Heiligung leben“- das heißt: mitgehen, wenn der Heilige Geist uns neu gestalten will in Gottes Bild. Ohne Stufenplan, ohne „Hauruck“, und „Jetzt muss ich aber mal“, sondern einfach so, im konsequenten, aber eben auch wirklich im konsequenten Leben mit Gott.
Wenn Du Dich bekehrt hast, wenn Du ein Gerecht Gemachter bist, dann lebst Du jetzt bereits im Status der Heiligung, dann gestaltet der Heilige Geist jetzt schon Dein Leben. Du kannst Dich zwar gegen diese Gestaltung sträuben. Aber durch besondere Aktivitäten den Heiligen Geist zur Eile antreiben, das kannst Du eben auch nicht!
Was heißt das weiter?

b. Biblische Heiligung kann nicht theoretisch für sich selbst betrachtet werden! Es gibt sie nur konkret.

Das sagt die Bibel uns immer wieder: Gott selber ist das Maß und Ziel unserer Heiligung. Heiligung muss ganz konkret werden; sie hat mit unserem Alltag zu tun. Heiligung ist bestimmt von dem Erschrecken vor dem Heiligen Gott. Wenn wir diesen Schrecken vor der Heiligkeit Gottes verlernt haben, haben wir den Bezug zur Heiligung sowieso verloren. Verstehen wir das: wer Gott nicht mehr fürchtet – wer nicht mehr gottesfürchtig ist; der wird automatisch sein Bedürfnis nach Heiligung herunterfahren. Der ist dann vielleicht nur noch unterwegs auf einer christlichen Himmelsleiter, aber er weiß nicht mehr, wie gelebtes Christsein ganz konkret aussehen soll. Und vielleicht besteht ein Zusammenhang heute zwischen dem allgemein zu beobachtenden Rückgang von gelebter Heiligung bei Christen und der Gestaltung eines Gottesbildes, das den Heiligen Gott frei räumt von aller Heiligkeit und ihn kuschelig und sehr nahbar macht, distanzlos und ein bisschen trendy.

Ich möchte das einmal verdeutlichen an einem mir wichtigen Bereich unseres Gemeindelebens. Es gibt so viele schöne Anbetungslieder, die die Heiligkeit Gottes preisen und hervorheben. Manchmal wird wortwörtlich gesungen von dem Hintreten in den Thronsaal Gottes, in seine unmittelbare Gegenwart. Und ich singe viele dieser Lieder sehr gern. Aber sie anhaltend zu singen, muss noch nicht automatisch dazu führen, dass als Konsequenz daraus bei mir gelebte Heiligung wird. Genau das ist es, was mich manchmal in Zeiten der Anbetung unruhiger macht als vorher. Denn was ist, wenn hier für mich persönlich etwas auseinander klafft zwischen dem Suchen der Gegenwart Gottes in anbetenden Liedern und der gelebten geheiligten Hingabe in der Verantwortung für diese Gemeinde und der Hingabe an den in ihr anwesenden Gott. Konkret will das heißen: in der Anbetung finden wir vor Gott zur Einheit der Heiligen vor seinem Thron – ein wunderbares Geschenk; – im Alltag der Gemeinde aber laufen wir Gefahr, an der ganz praktischen Enttäuschung aneinander zugrunde zu gehen.
Da spüren wir bei uns den wirklichen Wunsch, vor Gottes Thron zu treten und ihn anzubeten. Und eine Stunde später können regelmäßig dieselben Menschen, ich und Du, den Herrn Jesus dadurch irritieren, dass wir weitermachen wie bisher. In unserer Null – Zeit, die wir mit Christus verbringen. In unserer Art, wie wir über Mitchristen, auch Leiter reden. In unserer Großzügigkeit im Übersehen von Mitarbeiterlisten. Liebe Gemeinde, gelebte Heiligung ist Gottes Rezept für ein blühendes eigenes geistliches Leben und für ganz viele positive Entwicklungen zwischen mir und meinen Mitchristen und zu den Menschen in unserem Lebensumfeld. Es gibt keine Alternative zu gelebter Heiligung. Alles andere macht uns menschlich und geistlich auf Dauer krank. Und genau da will Gottes Wort uns helfen zurechtzukommen.

Heute; morgen; jeden Tag. Wir werden noch weiter darüber nachdenken. An den Abendmahlssonntagen in diesem Jahr.

Amen.

Kommentar verfassen