Das Hohelied der Liebe

Der Bibeltext, über den ich heute Morgen predigen werde, wird von vielen Menschen das „Hohelied der Liebe“ genannt. Ich predige also über ein Thema, das sich allgemein an uns alle wendet, die aber gerade auch Ehepartnern gilt, die von der Liebe Gottes, der Agape, leben.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Das Hohelied der Liebe
Reihe
Datum
27.09.2015
Länge
32:16
Bibelstelle
1. Korinther 13, 1-13

Lesungstext

1 Wenn ich in allen Sprachen der Welt, ja, mit Engelszungen reden kann, aber ich habe keine Liebe, so bin ich nur wie eine dröhnende Pauke oder ein lärmendes Tamburin.
2 Wenn ich in Gottes Auftrag prophetisch reden kann, alle Geheimnisse Gottes weiß, seine Gedanken erkennen kann und einen Glauben habe, der Berge versetzt, aber ich habe keine Liebe, so bin ich nichts.
3 Selbst wenn ich all meinen Besitz an die Armen verschenke und für meinen Glauben das Leben opfere1, aber ich habe keine Liebe, dann nützt es mir gar nichts.
4 Liebe ist geduldig und freundlich. Sie ist nicht verbissen, sie prahlt nicht und schaut nicht auf andere herab.
5 Liebe verletzt nicht den Anstand und sucht nicht den eigenen Vorteil, sie lässt sich nicht reizen und ist nicht nachtragend.
6 Sie freut sich nicht am Unrecht, sondern freut sich, wenn die Wahrheit siegt.
7 Liebe ist immer bereit zu verzeihen, stets vertraut sie, sie verliert nie die Hoffnung und hält durch bis zum Ende.
8 Die Liebe wird niemals vergehen. Einmal wird es keine Prophetien mehr geben, das Reden in unbekannten Sprachen wird aufhören, und auch Erkenntnis wird nicht mehr nötig sein.
9 Denn unsere Erkenntnis ist bruchstückhaft, ebenso wie unser prophetisches Reden.
10 Wenn aber das Vollkommene da ist, wird alles Vorläufige vergangen sein.
11 Als Kind redete, dachte und urteilte ich wie ein Kind. Jetzt bin ich ein Mann und habe das kindliche Wesen abgelegt.
12 Jetzt sehen wir nur ein undeutliches Bild wie in einem trüben Spiegel. Einmal aber werden wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen. Jetzt erkenne ich nur Bruchstücke, doch einmal werde ich alles klar erkennen, so deutlich, wie Gott mich jetzt schon kennt.
13 Was bleibt, sind Glaube, Hoffnung und Liebe. Die Liebe aber ist das Größte.

Predigt

der Bibeltext, über den ich heute Morgen predigen werde, wird von vielen Menschen das “Hohelied der Liebe” genannt. Ich predige also über ein Thema, das sich allgemein an uns alle wendet, die aber gerade auch Ehepartnern gilt, die von der Liebe Gottes, der AGAPE, leben. Gott segne uns jetzt beim Zuhören.

1 Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, /
hätte aber die Liebe nicht, /
wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.
2 Und wenn ich prophetisch reden könnte /
und alle Geheimnisse wüsste /
und alle Erkenntnis hätte; /
wenn ich alle Glaubenskraft besäße /
und Berge damit versetzen könnte, /
hätte aber die Liebe nicht, /
wäre ich nichts.
3 Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte /
und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, /
hätte aber die Liebe nicht, /
nützte es mir nichts.1. Korinther 13, 1-3

Haben Sie das gemerkt? Hier wird von den höchsten Werten des Christseins geredet. Alles, was für einen jeden Christen wichtig und von höchster Bedeutung ist, wird hier aufgezählt: Weissagungen, Gotteserkenntnis, der Glaube, die Opferbereitschaft, Hingabe. Und immer wieder kommt der kurze, trockene Satz danach: „…und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts.“

Wie ein Blitz schlägt das in diese hohen und heiligen Sätze ein: „…und hätte der Liebe nicht!“ Damit steht und fällt alles. Das ist das Entscheidende. Die Liebe ist offensichtlich nicht eine besonders schöne Zutat, so wie ein Gewürz einem Essen noch den richtigen Pfiff gibt. Und sie ist auch nicht die schöne Krönung der Krone, die goldene Spitze auf dem Gebäude des Christentums. Nein, ohne diese Liebe, die in der Bibel als die agape, als die göttliche Liebe genannt ist, ist alles, was für einen Christen Bedeutung und Wert hat, null und nichtig, ohne Bedeutung, wertlos, leer, umsonst.
Und das Schlimme ist ja offensichtlich: nicht nur die christlichen Werte und Güter sind ohne Liebe null und nichtig. Paulus redet in der Ich – Form: Er sagt nicht: ohne Liebe ist mein Glaube wertlos, ohne Liebe ist meine Gotteserkenntnis wertlos! Er sagt: „Ohne Liebe bin ich wertlos.“ Ich als Person, als Christ vor Gott und als Mensch vor den Mitmenschen bin wertlos, bin ein Nichts, eine Null für Gott und für die Menschen – wenn ich nicht getrieben und erfüllt bin von der Agape Gottes.

Hier geht es um die Basis, nicht um Dekoration und um kleine Schmutzstellen auf der ansonsten so reinen Weste. Hier geht es um die Grundlagen meiner Existenz: „…und hätte der Liebe nicht“ – damit steht und fällt alles.

Ich möchte drei Fragen an dieses Wort Gottes richten:

Die erste Frage: Welche Liebe ist denn hier gemeint?

Das Wort „Liebe“ ist ja heute so abgegriffen wie eine Münze, die schon durch viele Hände gegangen ist und deren Wert man kaum noch erkennen kann. Es reden so viele von der Liebe, und keiner weiß genau, was der andere mit diesem schillernden Begriff meint. Er ist abgenutzt und unklar. Hier muss uns Gottes Wort aus dem Gesamtzusammenhang und auch aus dem biblischen Text heraus sagen, was gemeint ist.

Auch die christliche Liebe kann ja sehr leicht mit allerlei Arten von Liebe verwechselt werden. Wie oft verwechseln wir Liebe mit Freundlichkeit? Wie oft verwechseln wir Liebe mit Hilfsbereitschaft, mit Höflichkeit, mit Taktgefühl? Wie oft verwechseln wir auch Liebe mit Sympathie? Wie oft mit Gutmütigkeit oder gar mit Weichlichkeit und Schwäche? Mit allen möglichen menschlichen Gefühlen und Charaktereigenschaften wird die Liebe verwechselt. Und für viele Menschen reduziert sie sich heute auf solch vergängliche Seitenzweige wie Erotik oder Sexualität.
Die Bibel spricht von einer anderen Liebe. Jesus sagt in Joh 15: „Gleichwie mich mein Vater liebt, so liebe ich Euch auch. Bleibet in meiner Liebe. Das ist mein Gebot, dass Ihr Euch untereinander liebt, gleichwie ich Euch liebe.“

Also kann es auch hier in diesem Text nur um eines gehen: um die göttliche Liebe, um die Liebe des Vaters und um die Liebe Jesu. Die göttliche Liebe kann einmal die Liebe Gottes zu uns sein – und sie kann unsere Liebe zu Gott sein; und als Wirkung der Göttlichen Liebe können wir uns auch untereinander lieben, wie es der Jünger Johannes sagt. Das ist also etwas ganz anderes als die sogenannte christliche Nächstenliebe. Die sieht doch dann oft genug so aus: da strenge ich mich an, ich lächle krampfhaft und versuche, mit aller Gewalt Liebe auszustrahlen, dann überfalle ich den anderen mit meiner gezüchteten Liebe und dränge sie ihm auf und stülpe sie ihm über. Und der andere reagiert verärgert. Er schüttelt diese Liebe erschrocken ab; er zieht sich zurück und flieht gar vor dieser Liebe – wie jemand, der mit allen Mitteln zu einem guten Essen gedrängt wird und dreimal nachfassen muss, obwohl er nach dem ersten Mal schon genug hat. Der andere zieht sich zurück von dieser aufdrängerischen Liebe. Warum?

Der andere merkt, dass unsere Liebe nur gezüchtet ist, nur produziert, um einen bestimmten Zweck zu erreichen. Der andere spürt die menschliche Quelle dieser Liebe. Und das ist die Frage auch heute Morgen an Dich: woher kommt die Liebe, die Dein Leben prägt?

Ist es die Liebe, die von Gott ausgeht, die er geschenkt hat? Oder ist es die menschliche Liebe – und sei sie noch so fromm? Die Liebe, die hier gemeint ist, kann also nur Gabe, kann nur Geschenk sein. Geschenk Gottes.

In den folgenden Versen wird diese Liebe sehr persönlich geschildert. Es werden ihr, wie einer Person, menschliche Eigenschaften zugeschrieben. Die Liebe ist langmütig; die Liebe ist freundlich, die Liebe freut sich der Wahrheit usw. Überall, wo hier das Wort „Liebe“ steht, könnten wir auch das Wort „Jesus Christus“ einsetzen. Diese Liebe Gottes, die Agape, ist also keine abstrakte Sache, sondern sie ist, wie auch das Ziel unseres Glaubens, verkörpert in einer Person – in der Person Jesus Christus: So sagt es auch Joh 3,16: „So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab.“ In Christus zeigt sich, was das für eine Liebe ist. An seinem Leben, an seinem Reden und Tun und noch viel mehr an seinem Sterben am Kreuz können wir diese göttliche Liebe erkennen. Wir können als Christen nicht von Liebe reden, ohne von Jesus Christus reden zu müssen. Durch ihn, durch sein Leben in uns, werden wir befähigt, auch so zu lieben. Er ist unser Vorbild, Maßstab und Quelle. Und deshalb können wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. Die Antwort auf unsere Frage, welche Liebe denn hier gemeint ist, kann also nur lauten: Es ist nicht die Liebe als menschliche Tugend gemeint, sondern die Liebe Gottes, die sich in der Person Jesus Christus zeigt, die uns fähig macht, Gott zu lieben und unseren Nächsten. Und zwar „von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüte und von allen Kräften.“ Diese Liebe ist Gabe und Aufgabe zugleich. Darum heißt es: Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.

Eine zweite Frage: Warum denn gerade die Liebe?

Warum wird gerade dieser Schwerpunkt gesetzt? Warum kommt es gerade auf die Liebe an? Warum ist die Liebe, die Agape, dieser andere köstlichere Weg über die Gnadengaben hinaus, die vorher genannt werden?

Die Sprachenrede galt als höchste Gabe in der Gemeinde in Korinth. Beim Sprachenreden, beim Lob Gottes in fremden Sprachen, war man ganz mit Gott verbunden; dort wurde höchste Einheit und Gemeinschaft mit Gott erlebt. Und das soll wertlos sein ohne Liebe?

Wer von uns wünschte sich denn nicht, dass er weissagen könnte, dass er alles wüsste, dass er auf alle Fragen eine Antwort geben könnte. Wer wünschte nicht, einem Leidenden die Frage nach dem Warum des Leides zu beantworten zu können? Wer wünschte sich nicht, alle Erkenntnis zu haben, tiefste Gotteserkenntnis, die all die Dinge schaut, die für normale Sterbliche nicht zugänglich sind? Und das alles soll ohne Liebe wertlos sein?

Wie hoch wird bei uns der Glaube eingeschätzt! Wie sehnen wir uns nach einem Glauben, der Berge versetzt, der die Berge unserer Sorgen und Zweifel beiseite schieben kann. Dieses unerschütterliche Vertrauen eines Abraham oder eines Daniel in der Löwengrube. Ist das nicht das entscheidende? Ist das nicht das Höchste und Beste?
Nein, sagt Pls, denn: ohne Liebe ist auch ein solcher Glaube wertlos.

Und im dritten Vers geht es um die christliche Nächstenliebe. Ja, wer tut das schon: all seinen Besitz an die Armen verteilen und dabei selbst arm werden? Wünschten wir uns nicht diese Hingabe, die alles den anderen gibt und nichts für sich behält? Ist das nicht die praktizierte Liebe schlechthin? Offensichtlich nicht! Auch wenn es wie Liebe aussieht, kann ich es auch ohne Liebe tun – aus Pflicht, aus Gehorsam, aus einem schlechten Gewissen heraus. Ich kann mein Hab und Gut verteilen und alles den Armen geben und kann dabei nur meine Opferbereitschaft lieben, meine Bescheidenheit, meine Demut, meine Nächstenliebe – ich liebe nur mich selbst und habe keinen Funken der göttlichen Liebe mitbekommen. Und ohne Liebe ist auch das null und nichtig.

Und dann, zum Schluss des Abschnittes, geht es um das Höchste, um die tiefste und einschneidendste Erfahrung, die ein Christ machen kann: „…und ließe meinen Leib brennen..“ – es geht um den Märtyrertod. Wenn ich mein Leben für Gott weggebe und den schmerzlichen Tod des Märtyrers auf mich nehme – ja, bin ich denn dann nicht der beste Christ, den es gibt? Gibt es noch etwas Besseres, noch etwas Höheres? Und wieder schlägt hier dieser Blitz ein: „…und hätte der Liebe nicht“, dann ist auch das umsonst. Dann bin ich vergeblich gestorben.
Das bedeutet: ich kann sogar zum Märtyrer werden ohne Liebe. Dann liebe ich wieder nur meine eigene Opferbereitschaft, dann liebe ich meinen Mut, meinen Drang zum Martyrium. Ohne die göttliche Liebe muss auch dieses höchste Opfer wertlos bleiben. Es zählt nicht.

Begreifen wir nun, warum die Liebe so wichtig ist, warum die Liebe der entscheidende Punkt ist – und nicht der Glaube und nicht unsere wahre und richtige Lehre und nicht unsere gute Theologie? Die Liebe – und nicht unsere sorgfältig vorbereiteten Predigten, nicht unsere Hauskreisabende. Nicht unsere Jahrestermine überhaupt – was es auch sein mag. Wenn wir nicht von dieser göttlichen Liebe bewegt und getrieben werden, dann können wir das alles abblasen.

Deshalb aber heißt die Antwort auf die Frage: Warum denn gerade die Liebe? ganz einfach: weil es nicht anders geht, weil wir ohne die Liebe gar nicht auskommen. Wenn Gott uns nicht geliebt hätte, nicht so geliebt hätte, dass er seinen Sohn für uns sterben ließ – dann könnten wir einpacken. Wir leben buchstäblich von der Liebe Gottes Wenn er seine Liebe zurückzieht, dann ist es aus mit uns und dieser Welt. Das ist die Hölle: der Ort, wo Gottes Liebe nicht mehr wirkt. Wo es keine Chance mehr gibt, keine Vergebung, keinen Neuanfang, keine Hoffnung mehr. Warum bleibt gerade die Liebe? – Weil es nicht anders geht, liebe Gemeinde. Wir brauchen sie zum Leben. Wir haben ja nichts anderes, was uns am Leben hält, wenn alles andere untergeht.

Nun noch eine dritte Frage: Wie wirkt sich diese Liebe aus?

Darüber, wie Gottes Liebe zu uns aussieht, ist schon oft gepredigt worden. Sein Opfer am Kreuz auf Golgatha steht unübersehbar und unüberhörbar vor uns. Aber wie sieht unsere Liebe zu Gott aus? Der Theologe Dietrich Bonhoeffer meint dazu: „Gott lieben heißt: sich an ihm freuen, gern an ihn denken, gern zu ihm beten, gern vor ihm und mit ihm allein sein, voll Ungeduld auf ihn warten, ihn nicht betrüben, ihm nicht wehtun, einfach froh darüber werden, dass wir ihn kennen und mit ihm reden dürfen.”

Das Gefühl gehört also mit dazu. Die Liebe zu Gott ist kein leidenschaftsloser, blinder Kadavergehorsam, sondern da ist Freude und Liebe und Hingabe an den einen großen, reichen und guten Gott. Das war schon im Alten Testament so, und das ist auch im Neuen Testament so. So heißt es zum Beispiel in 5. Mose 6,5 und dann als Zitat in Matth 22,37: „Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüte und mit allen Deinen Kräften.“

Wir dürfen lernen, uns aufrichtig über Gott zu freuen, wie sich ein Kind über seinen Vater freut.

Das mag für den einen heute gelten im Singen von modernen Lobpreis-Chorussen, und für den anderen ganz woanders in der Stille. Da sind wir Menschen bekanntlich sehr verschieden. – Aber dass wir Gott und Jesus liebhaben, mit Herz und Verstand, das wünscht er sich von uns. Lasst uns das doch ganz neu wieder wollen und dann tun.

Nun aber noch: die Liebe zum anderen Menschen, zum Mitchristen, zum Nächsten in der Welt – wie sieht die aus? Natürlich drückt sich unsere Liebe zu Gott auch immer in unserer Liebe zum Bruder in Christus, zur Schwester in Christus aus. Johannes sagt: „Wenn jemand sagt, er liebe Gott und liebt seinen Bruder nicht, der ist ein Lügner.” Wir können Gott nicht lieben, ohne den Bruder zu lieben.

Nur – was bedeutet das denn jenseits eines theoretischen Satzes? Was heißt das in meinem Alltag? Vor allem: was bedeutet dies einem Menschen gegenüber, der mir total schwer fällt? Nun, ich brauche dazu eigentlich nur die Verse 4 – 8 in 1. Kor 13 vorzulesen – da steht ja alles drin – und zwar ganz einfach und klar. Besser kann ich das nicht predigen. Bitte nun also einmal ganz empfindsam zuhören. Und dabei bitte an einen Menschen denken, der mir am meisten von allen auf den Geist zu gehen vermag:

4 Die Liebe ist langmütig, /
die Liebe ist gütig. /
Sie ereifert sich nicht, /
sie prahlt nicht, /
sie bläht sich nicht auf.
5 Sie handelt nicht ungehörig, /
sucht nicht ihren Vorteil, /
lässt sich nicht zum Zorn reizen, /
trägt das Böse nicht nach.
6 Sie freut sich nicht über das Unrecht, /
sondern freut sich an der Wahrheit.
7 Sie erträgt alles, /
glaubt alles, /
hofft alles, /
hält allem stand.
8 Die Liebe hört niemals auf. /
Prophetisches Reden hat ein Ende, /
Zungenrede verstummt, /
Erkenntnis vergeht.
Aber – die Liebe hört niemals auf.1. Korinther 13, 4-8

Diese Verse kann ich aber auch ganz persönlich weiterdenken, – so wie es einmal der christliche Dichter Ulrich Schaffer formuliert hat:

die liebe ist langmütig und freundlich:
sie hat auch noch geduld,
nachdem sie etwas 100-mal gesagt hat

die liebe eifert nicht:
sie kennt keine eifersucht
sie beneidet den andern nicht
und versucht auch nicht alles nachzumachen

die liebe treibt nicht mutwillen:
sie nutzt niemand aus, weder
die schwachen noch die starken

die liebe bläht sich nicht auf:
sie sagt nie: sieh mal was ich mit
in unser verhältnis gebracht habe
sieh mal wer ich bin und du?
oder: ohne mich wärst du gar nichts

die liebe stellt sich nicht ungebärdig:
sie ärgert den andern nicht
und ärgert sich auch nicht über ihn
er ist geschöpf gottes mit dem gott etwas vor hat

die liebe sucht nicht das ihre:
du bist für ihn da und er ist für dich da
und ihr beide seid für gott da

die liebe lässt sich nicht erbittern:
sie sagt nicht: das war das letzte Mal
wenn du noch einmal …
das war deine letzte chance
ich mache nicht mehr mit

die liebe rechnet das böse nicht zu:
das zu schnelle wort
das eingeschnappte schweigen
das böse wird nicht aufgestapelt

die liebe freut sich nicht über die ungerechtigkeit
aber sie freut sich über die wahrheit:
sie deckt nicht zu
sie lässt nicht gras drüber wachsen
sondern sie bereinigt und vergibt
sie verkauft auch nicht die
wahrheit um des lieben friedens willen
sie ist auch nie ungerecht
und für sie gibt es keine wahrheit ohne liebe

die liebe verträgt alles:
auch wenn sie nicht versteht
warum der andere plötzlich
so eigenartig geworden ist
wenn mit ihm scheinbar nicht mehr auszukommen ist

die liebe glaubt alles:
sie nimmt den andern beim wort
auch wenn sie ausgenutzt wird
sie ist nicht ironisch und meint was sie sagt

die liebe hofft alles:
sie gibt die hoffnung
dass gott etwas aus dem andern machen kann nicht auf
gegen vererbung und charakterschwäche
setzt die liebe gottes verändernde macht

die liebe duldet alles:
sie hält das unmögliche aus
sie hält das ungerechte aus
und wenn alles zusammenzubrechen scheint:
ehe familie glaube gemeinde beruf
dann blüht die liebe als große hoffnung über den trümmern

die liebe hört niemals auf

Konkret genug? Konkret genug, um ein Spiegel und auch ein Mutmacher für mich zu sein? – Gott segne mich und Dich im Alltag unseres Lebens – in der Liebe zu Christus – und in der Liebe zum anderen. Und momentan vielleicht sehr aktuell: in der Liebe zum Fremden, zum Flüchtling, zum Asylsuchenden.

Amen

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