Meine Zeit steht in Deinen Händen!

Auf meinem Terminkalender steht ein Bibelwort auf dem Außenumschlag – und das schon seit vielen Jahren: “Meine Zeit steht in Deinen Händen!” In Zeiten großer Zeitbelastung ist es für mich schon oft eine Mahnung und eine freundliche Erinnerung gewesen: Gott ist Herr über meine Zeit!

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Meine Zeit steht in Deinen Händen!
Reihe
Datum
03.01.2016
Länge
16:49
Bibelstelle
Psalm 31, 16

Lesungstext

16 Was die Zeit auch bringen mag, es liegt in deiner Hand. Rette mich vor meinen Feinden und Verfolgern!

 

Predigt

Liebe Gemeinde,

auf meinem Terminkalender steht ein Bibelwort auf dem Außenumschlag – und das schon seit vielen Jahren: “Meine Zeit steht in Deinen Händen!” In Zeiten großer Zeitbelastung ist es für mich schon oft eine Mahnung und eine freundliche Erinnerung gewesen: Gott ist Herr über meine Zeit!

Aber es hat mich auch immer wieder erinnert: meine Lebenszeit ist begrenzt! Ich bin nicht ewig auf der Erde. Ich möchte meine mir zur Verfügung stehende Lebenszeit gut nutzen und gestalten – zur Ehre Gottes! Täglich weist der Spruch auf dem Terminkalender mich darauf hin!

Und dieser Vers aus Ps. 31 sagt mir auch: Gott hat – und nicht ich – alle Zeit der Welt, und darin auch meine Zeit, in seiner Hand. Wir glauben nämlich oft, die Zeit wäre in unseren Händen. Wir meinen, wir hätten die Zeit im Griff, wir könnten mit ihr jonglieren und sie uns optimal einteilen! Offensichtlich ist es aber umgekehrt: wir sind in den Händen der Zeit. Sie hat uns! Wir kriegen die Zeit nicht in den Griff. Wir sind Schwächlinge und Versager, wenn es um den Umgang mit der Zeit geht. Deshalb ein erster Gesichtspunkt:

1.Sich nichts vormachen!

Es gibt so viele berechtigte Argumente für schlecht eingeteilte Zeit in unserem Leben.

Da sagt eine Mutter: “Ich arbeite angestrengt. Das bin ich meiner Familie als Mutter schuldig. Aber da bleibt so gut wie keine Zeit für mich. Abends falle ich wie tot ins Bett!”

Ein Ehemann und leitender Angestellter: “Ich muss meinen Vorgesetzten beweisen, dass ich unentbehrlich bin. Schließlich muss ich ja für meine Familie sorgen.“

Alles berechtigte Argumente, oder? Aber – sind es nicht oft auch organisatorische Probleme, die meine Zeit verschlingen? Ein paar Dinge besser überlegt, anders geordnet – und schon habe ich wieder Möglichkeiten zum Gespräch mit Menschen, zum Zuhören, zu Besuchen und Einladungen; zum Dabei sein in der Gemeinde, aber auch zur Entspannung und zum Sport, der wirklich meinen Körper gesund erhält!

Eine Frage auf christlichen Zeitseminaren zur besseren Zeiteinteilung ist immer wieder:

Was ist meine spezielle Gabe?

Wie viel Zeit setze ich ein, um diese Gabe zu verstärken?

Was muss ich wirklich allein und selber tun?

Was muss überhaupt erledigt werden?

Kann auch jemand anders das erledigen?

Das sind sehr kritische Fragen! Und jeder, der einmal darüber nachgedacht hat, weiß, wie schwer es ist, hier zu strukturieren und wichtige Aufgaben anderen Menschen zu überlassen, anstatt sie wie bisher selber zu tun.

Wenn wir hier nur ein wenig nachdenklicher und ehrlicher mit uns umgehen würden – wir hätten viel mehr Zeit zur Verfügung!

Machen wir uns doch lieber vor Gottes Augen bewusst: Übereifer in Beruf – und auch in der christlichen Gemeinde können eigentlich nicht auf der Linie Gottes mit unserem Leben liegen. Denn das alles raubt mir die Zeit für das wichtigste: für den Umgang mit Gott – in seinem Wort, in der Gemeinde; aber gerade auch für den Umgang mit der Familie.

Und ich glaube, gerade Menschen mit wichtigen geistlichen Aufgaben in der Gemeinde Gottes werden an ihren eigenen Ehepartnern und Kindern am meisten schuldig! “Ich habe keine Zeit für Dich! Ich brauche die Zeit doch für den Herrn!” – darf ein Ehepartner, darf ein Kind dies ständig hören – ohne Alternativangebot? Also dran denken: sich nichts vormachen!

2.Bekennen und Erkennen

Was nützt aber nun alles Bewusst Machen, wenn das Erkannte nicht ausgesprochen wird? Wo liegt der Schlüssel zu mehr Zeit?

Liegt er vielleicht in dem offenen Gespräch mit Jesus – über Schuld und Versagen gerade hier? Über unsere Bequemlichkeit, uns verändern zu lassen? Über unsere Angst, vor anderen nicht bestehen zu können? Über unsere Unfähigkeit, für unsere beruflichen Sorgen und Ängste vertrauensvoll zu beten?

Warum reden wir mit Jesus nicht über unser Bestreben zu fliehen – vor Gesprächen z.B. – weil sie uns unangenehm sind?

Und wirklich schwierig wird dieses Thema erst, wenn ich tatsächlich die Prioritäten meines Lebens wieder zurückverfolge auf den Lebenssinn, den Gott uns gibt.

Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, die Bedeutung unseres Lebens im Beruflichen festzumachen, dass wir kaum noch wahrnehmen, wo Gott uns bedeutungsvoll machen will.

Warum leben Christen auf dieser Erde? Die Bibel macht deutlich: der Beruf ist nötig, damit ich mich und meine Familie ernähren kann. Manchmal ist er leichter, manchmal schwerer. Und er raubt mir viel Kraft und Leben. Der Psalm sagt das so: “Unter Kummer schwinden meine Jahre dahin. In Seufzen vergehen meine Jahre.”

Natürlich sollen wir unseren Beruf verantwortungsvoll und gut ausüben. Aber: beruflich können andere die gleiche Arbeit ähnlich gut tun.

Die Welt wird aber ärmer durch jeden Christen, der seine erste Lebenspriorität verliert: ein lebendiges Zeugnis zu sein für das Leben aus Gott. Darin, hörst Du, darin bist Du unersetzbar. Dort will Gott vor allem Dich und Deine Zeit. Dazu vor allem hat er Dir Zeit geschenkt. Deshalb lebst Du auf dieser Welt.

Und diese Priorität meines Lebens kann zu interessanten Fragen führen, z.B.:

– Kann ein beruflicher Wechsel mir mehr Zeit für meinen Dienst für Gott bringen – oder nur mehr Macht, Ansehen und Geld?

– Kann ein Verzicht auf noch mehr Gehalt und Einfluss und ein Anhalten auf der Karriereleiter mir mehr Zeit bringen – für meine Familie, für ein lebendiges Zeugnis vor Gott – und wie gehe ich mit dieser Frage um?

Wenn immer mehr Menschen, auch Christen, samt ihrer Familien kaputtgehen, dann doch wohl hier – im Umgang mit diesen Fragen.

Wenn das lebendige Zeugnis für Gott immer leiser wird – dann doch wohl hier – im Umgang mit diesen Fragen.

Der ehrliche Umgang mit diesen Prioritäten meines Lebens ist sehr schwer, wirklich: sehr schwer. Gelingen kann das nur im wirklich innigen Gespräch mit meinem Herrn. Deshalb:

3.Aus der Ruhe ins wirkliche Leben hinein!

Jesus möchte uns zuerst einmal ganz viel Zeit schenken. Zum Nachdenken, zum Klären. Er möchte, dass wir zur Ruhe kommen, erst einmal zur Ruhe.

Denn wenn all unserem Tun nicht die Ruhe vorausgeht, sind wir unfähig, “menschlich” zu arbeiten und zu leben. Das Geschenk der Ruhe gibt uns Kraft zum Leben und zur Arbeit.

Ruhe ist mehr als Unterbrechung der Arbeit, mehr als Erholung, Pause, Wochenende. Ruhe ist ein Pol unseres Lebens, ein Hinweis darauf, dass Arbeit, Leistung, Hektik, Ehrgeiz, großes Schaffen – dass all das nicht die einzige Bestimmungen unseres Lebens sind. In der Ruhe darf ich mir klarwerden, wer ich wirklich bin. Vor Gott. Und von Gott her vor den Menschen. In der Ruhe schenkt Jesus mir Perspektiven, Möglichkeiten, Korrektur. Zur Ruhe kommen, das wird viel kreativer, viel lebendiger sein als unser Rennen von Aktivität zu Aktivität. Aus der Ruhe heraus werden manche unpopulären Entscheidungen möglich. Denn in der Ruhe will mir der begegnen, der meine Zeit in seinen Händen hat. Dem sie gehört. Der alles übersieht. Der weiß, wo ich diese seine Zeit sinnlos oder gut einsetze.

Um zu wissen, was ich in mein Leben hinein nehmen, was ich herauslassen soll, brauche ich Ruhe für ein Gespräch mit dem Meister meiner Zeit.

Wann hatten wir die in den letzten Monaten und Wochen? Wann hat sich das letzte Mal entscheidend etwas geändert in Deinem Leben – durch Nachdenken aus der Ruhe heraus?

Deshalb: wie wollen wir mit unserer Zeit vor Jesus weiterleben? So wie bisher? Das ist oft am leichtesten. Deshalb bleibt alles ja so oft und so lange so, wie es ist. Und deshalb hat dieses Argument ja immer noch diese magische Anziehungskraft: “Ich habe keine Zeit!” Keine Zeit für vernünftige Gespräche in der Familie. Keine Zeit, andere einzuladen. Keine Zeit, zur Ruhe zu kommen. Keine Zeit, Gott in seinem Wort zu suchen. Keine Zeit für den Gottesdienst. Keine Zeit, irgendwo mitzutun. Keine Zeit, um für meinen Körper zu sorgen und mich sportlich irgendwie zu betätigen!

Jesus Christus sagt: “Deine Zeit steht in meinen Händen.” Wir haben also genügend Zeit, um ein von Gott gesegnetes Leben zu führen. Wir haben meistens nur zu wenig Mut zu den richtigen Konsequenzen. Wir ahnen sie, aber wir vollziehen sie nicht.

Lassen Sie uns doch wieder stärker mit dem Bewusstsein unserer vielen Zeit leben. Und lassen Sie uns aufpassen auf dieses Sätzlein: “Ich habe keine Zeit!” – und uns immer dann, wenn es uns über die Lippen kommen will oder gekommen ist, nochmals überprüfen, ob es nicht ehrlicher z.B. heißen muss: “Ich habe keine Lust”. “Ich habe nicht den Mut” – Das ist es doch oft. Und darüber kann man ja reden. Warum nicht auch einmal keine Lust oder keinen Mut haben.

Zeit aber – Zeit haben wir oft satt und genug!

Gott segne jeden von uns hier mit einer von ihm gesegneten neuen Zeiteinteilung – zu seiner Ehre, zu unserer Freude!

Amen

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