Leitungsamt und Berufung

Das Thema lautet: „Die Verantwortung der Gemeinde gegenüber ihren Leitern“. Und – diese Predigt ist gefüttert auch mit Gedanken eines echten Gemeindeältesten. Das macht sie sicher besonders nachdenkenswert.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Leitungsamt und Berufung
Reihe
Gemeindeleitung
Datum
17.01.2016
Länge
39:28
Bibelstelle
1. Timotheus 3,1-7; Hebräer. 13,17

Lesungstext

1. Timotheus 3,1-7

1 Das ist wahr: Wer eine Gemeinde leiten will, der ist bereit, eine schöne und große Aufgabe zu übernehmen.
2 Allerdings muss ein solcher Mann ein vorbildliches Leben führen; das heißt, er soll nur eine Frau haben, nüchtern und besonnen sein und keinen Anstoß erregen. Ihn muss Gastfreundschaft auszeichnen, und er soll andere gut im Glauben unterweisen können.
3 Außerdem darf er weder ein Trinker sein noch gewalttätig oder streitsüchtig; vielmehr soll er gütig und friedfertig seine Arbeit tun und nicht am Geld hängen.
4 Sein Familienleben soll geordnet sein, die Kinder sollen ihn achten und auf ihn hören.
5 Denn wie kann jemand, dem schon seine eigene Familie über den Kopf wächst, die Gemeinde Gottes leiten?
6 Er soll nicht erst vor kurzem Christ geworden sein; er könnte sonst schnell überheblich werden, und so hätte der Teufel ihn dahingebracht, dass Gott sein Urteil über ihn sprechen muss.
7 Ein Gemeindeleiter soll auch bei Nichtchristen in einem guten Ruf stehen, damit er nicht ins Gerede kommt und der Teufel ihn so zu Fall bringen kann.

Hebräer 13,17:

17 Hört auf die Leiter eurer Gemeinden und folgt ihrem Rat. Sie müssen einmal Rechenschaft über euch ablegen, denn sie sind für euch verantwortlich. Macht ihnen das nicht zu schwer; sie sollen doch ihre Aufgabe mit Freude tun und sie nicht als eine bedrückende Last empfinden. Dies würde euch nur selber schaden.

Predigt

Liebe Gemeinde,

Ich möchte heute morgen, wie angekündigt, eine Predigt zum Thema “Leitungsamt und Berufung” halten – als Vorbereitung auf die Berufung von Gemeindeleitern im März und als Erkennungshilfe für einen Vorschlag an den Berufungsausschuss. Sie bereitet die Berufungen zur Gemeindeleitung im November vor.
Diese Predigt und auch zwei weitere Predigten zum Thema Berufung von Gemeindeleitern findet man, wenn man auf unserer Homepage z.B. das Stichwort „Älteste“ eingibt…

Das Thema heute Morgen lautet: „Die Verantwortung der Gemeinde gegenüber ihren Leitern”

Und – diese Predigt ist gefüttert auch mit Gedanken eines echten Gemeindeältesten. Das macht sie sicher besonders nachdenkenswert.

Stellen Sie Sich vor, Sie schlagen eine christliche Zeitschrift auf und lesen dort unter der Rubrik “Stellengesuche” folgende Anzeige:

Gemeindeleiter sucht neue Gemeinde!
Suche neuen Wirkungskreis in christlicher Gemeinde. Voraussetzungen sind:

  • angemessene Bezahlung und Urlaubsregelung
  • regelmäßiges Gebet für mich
  • die Bereitschaft, sich von mir korrigieren zu lassen
  • Entgegenbringung von Anerkennung und Liebe
  • die Verpflichtung, in meiner Abwesenheit nicht schlecht über
    mich zu reden..

Freundliche Angebote bitte unter Chiffre – Nr…….

Niemand würde es wahrscheinlich wagen, eine solche Anzeige aufzugeben. Schließlich suchen sich nicht Gemeindeleiter ihre Gemeinden aus, sondern die Gemeinden suchen und berufen ihre Leiter – in der Regel.

Folglich stehen bei der Berufung eines Leiters nicht die Qualitäten einer Gemeinde im Mittelpunkt, sondern wir fragen: Welche Gaben hat der Leiter, die ihn für die Aufgabe befähigen, in der er der Gemeinde Jesus dienen soll?

So berufen wir Gemeindeleiter, Jungscharleiter, Teenkreisleiter, Hauskreisleiter, Kindergottesdienstleiter usw. – und freuen uns, wenn sie ihre Aufgabe in der Gemeinde wahrnehmen.

Nur selten allerdings beschäftigen wir uns mit der Frage, wie sie ihre Arbeit tun. Meistens erst dann, wenn sie Fehler machen oder vielleicht die in sie gesetzten Erwartungen nicht oder nicht mehr erfüllen. Denn wir haben durchaus genaue Vorstellungen davon, wie sie ihren Dienst verrichten sollen:

Gewissenhaft, beständig, vorbildlich und immer das Wohl der ihnen anvertrauten Menschen vor Augen. Sie sind ja schließlich unsere „Gehilfen zur Freude“ (so Paulus bekanntlich über sich selber in 2. Kor 1,24).

Dabei müssen wir feststellen, dass es heutzutage immer schwieriger wird, Menschen zu finden, die bereit sind, Leitungsfunktionen in der Gemeinde zu übernehmen – nicht ohne Grund übrigens.

Einer der Gründe liegt sicher darin, dass wir die Verantwortung der Leiter in der Gemeinde deutlich betonen. Somit entsteht eine große Erwartungshaltung gegenüber den Leitern. Mit dieser Erwartungshaltung wiederum wächst die Angst, im Leitungsdienst Fehler zu machen und zu versagen.

Im Gegenzug denken wir jedoch kaum darüber nach, welche Verantwortung wir als Gemeinde gegenüber unseren Leitern haben, obwohl uns Gott auch darüber nicht im Unklaren lässt.

Das fiktive Stelleninserat gerade eben ist nicht der Wunschzettels eines anspruchsvollen Pastors oder Gemeindeleiters, sondern nichts Geringeres als Gottes Anweisungen an die Gemeinde, wie wir mit den Leitern in der Gemeinde umgehen sollen.
Gott sagt uns in Hebr. 13,17:

Gehorcht Euren Lehrern und folgt ihnen; denn sie wachen über Eure Seelen , als die da Rechenschaft dafür geben sollen; damit sie das mit Freuden tun und nicht mit Seufzen, denn das ist nicht gut für euch.Hebr. 13,17

Also nicht nur die Leiter sollen den ihnen anvertrauten Menschen zur Freude helfen, sondern auch die Gemeinde ihren Leitern! Uuuups – schon einmal darüber nachgedacht?

Gott beantwortet die Frage, wie die Leiter ihren Dienst tun sollen, nicht mit einem Forderungskatalog. Natürlich ist ihre Aufgabe an Voraussetzungen gebunden, aber Gott sagt auch, dass es ganz wichtig ist, dass die Leiter der Gemeinde ihre Aufgabe mit Freuden tun können.
Denn Gott will nicht nur, dass die Gemeinde von ihren Leitern irgendwie versorgt wird – nein, sie soll gut versorgt werden. Der Dienst soll mit Leidenschaft und Hingabe geschehen. Dies ist grundsätzlich aber nur dann möglich, wenn dieser Dienst auch Freude bereitet.

Wie sonst könnte Paulus den Leitungsdienst als eine große und schöne Aufgabe bezeichnen (1. Tim 3,1)?
Leiter, die nur über Lasten stöhnen, schaden sich selbst und ihrem Amt – und letztlich auch der Gemeinde.
Damit dem möglichst nicht so ist, gibt Jesus der Gemeinde auch eine Verantwortung für ihre Leiter auf.

Lasst uns in 4-5 Punkten darüber nachdenken – Verhaltensweisen, die Jesus konkret von der Gemeinde erwartet:

1. Liebe den Gemeindeleitern gegenüber

Habt sie besonders lieb um ihres Werkes willen.1. Thess 5,13

In der Bibel gibt es mehrere Gebote, die uns zur Liebe gegenüber bestimmten Personengruppen auffordern, z.B. zur Feindesliebe, Bruderliebe, Liebe in der Ehe etc.
Was nun könnten Gründe für dieses spezielle Liebesgebot gegenüber den Leitern in der Gemeinde sein? Ich nenne einige:

  • Leiter tragen in der Regel mehr Lasten als andere
    Gemeindeglieder
  • ihre Entscheidungen haben oft weitreichende Auswirkungen
    auf die Entwicklung der Gemeinde – aber auch ihr Versagen
  • sie müssen stets bereit sein, ihre Entscheidungen vor Gott
    und der Gemeinde zu rechtfertigen
  • sie sind vermehrter Kritik ausgesetzt
  • auf ihnen ruht oftmals eine große Erwartungshaltung
  • viele Probleme können sie nicht mit der Gemeinde oder ihren
    Angehörigen teilen, da sie in vieler Hinsicht zu
    Verschwiegenheit verpflichtet sind.

Diese Aufgabe ist nicht leicht. Leiter können sie nur aus der Kraft und Liebe heraus tun, die allein Jesus Christus zu geben vermag.
Und doch möchte Gott ihnen auch einen Teil seiner Liebe durch die Gemeinde erweisen.
Diese Liebe bedeutet: „Ich bin für Dich!“ – Und sie hat unzählige Möglichkeiten, dies dem anderen zu zeigen.

Liebe setzt Kräfte frei und macht stark. So wie uns die Liebe Gottes immer wieder in Bewegung setzt, werden Leiter mit Hingabe ihre Aufgabe wahrnehmen, wenn sie die Liebe ihrer Gemeinde spüren, z.B. indem auch sie ab und zu gefragt werden, wie es ihnen geht, was sie erfreut oder belastet, wo man ihnen etwas abnehmen kann usw.

Meinen Gemeindeleiter liebhaben – das bedeutet allerdings nicht: „Ich bin immer Deiner Meinung.“ Nein, die Verantwortlichen sind auf die innere und äußere Beteiligung der Gemeinde angewiesen. Das gemeinsame Gespräch, Diskussionen und helfende Kritik sind nicht nur ein notwendiges Übel, sondern oftmals wichtige Voraussetzungen, um gemeinsam den Willen Gottes zu erkennen.
Aber gerade bei unterschiedlichen Standpunkten ist diese Liebe vonnöten, um bei aller Gegensätzlichkeit deutlich zu machen: “Ich bin dennoch für Dich! Ich stehe zu Dir. Meine Kritik ist nicht persönlich, sondern auf die Sache bezogen gemeint! Dich persönlich schätze ich.”

Nach jedem der einzelnen Gesichtspunkte formuliere ich jeweils Fragen, die auch zu Hause weiterbedacht werden können. Also:

  1. Halte Dir vor Augen, wie viele Leiter deine Gemeinde hat! Kannst Du sie in ihrer Verschiedenartigkeit bejahen und jedem innerlich zusprechen: Ich bin für Dich!?
  2. Welche Möglichkeiten hast Du, um den Leitern zu zeigen, dass Du für sie bist?

2. Intensives Gebet für die Gemeindeleiter

Liebe Brüder, betet für uns!1. Thess. 5,25

Paulus war wohl einer der herausragenden Leiter in der Gemeinde Jesu. Die Wirksamkeit seines Dienstes aber wusste er in unmittelbarer Abhängigkeit zu den Gebeten seiner Geschwister. Dabei pflegte er selbst ein vorbildhaftes Gebetsleben, wie persönliche Aussagen deutlich machen. Seine Briefe sind immer wieder durchzogen von der Aufforderung: Betet für mich!
Das hat seinen Grund. Der Widersacher Gottes ist dort am erfolgreichsten, wo es ihm gelingt, die Leiter der Gemeinde zu beeinflussen. Hier kann er der Gemeinde Jesu am meisten Schaden zufügen. Demzufolge wird er die Leiter der Gemeinde massiv mit seinen Verführungskünsten umwerben.
Es klingt banal, aber die drei Bereiche, in denen die Gefährdung geistlicher Leiter am größten ist, sind:
Geld – Sex – Macht

Leider gibt es nicht wenige geistliche Leiter, die in diesen Bereichen gescheitert sind und dadurch trotz der danach erfolgten Vergebung Jesu ihre Wirksamkeit im Reich Gottes verloren haben.

Deshalb hat die Gemeinde die Aufgabe, für ihre Leiter um Bewahrung zu beten:

  • vor den Verlockungen des Wohlstands und Konsums
  • vor sexueller Unreinheit in Gedanken und Taten
  • vor Machtstreben und Machtmissbrauch
  • vor Selbstgefälligkeit und Egoismus.

Die Gemeinde soll für ihre Leiter im Gebet eintreten:

  • damit sie ihre Aufgabe mit Hingabe und Freude erfüllen
  • damit sie immer wieder mit dem Geist Gottes erfüllt werden,
    um den Willen Jesu zu erkennen und zu tun
  • damit sie die Kraft haben, auch Niederlagen und
    Enttäuschungen zu bewältigen und dabei nicht mutlos zu
    werden
  • damit sie Weisheit haben oder gewinnen im Umgang mit den
    ihnen anvertrauten Menschen

Die Gemeinde soll versuchen, ihre Leiter immer besser kennen zu lernen, um möglichst konkret für sie beten zu können.

Fragen:

  1. Weißt Du, was die Leiter Deiner Gemeinde bewegt, worüber sie sich gerade freuen und worüber sie sich Sorgen machen?
  2. Dankst Du regelmäßig für die Einzelnen Leiter Deiner Gemeinde und bringst Du sie und ihre Anliegen vor Jesus?

3. Erweis von Ehre dem Gemeindeleiter gegenüber

Die Ältesten, die gut vorstehen, die halte man zweifacher Ehre wert…1. Tim 5,17 a

Ehre ist hier gleichzusetzen mit Anerkennung oder Achtung.

Ein Freund erzählte mir folgendes. Er sagte:
“Wenn meine Frau einem lieben Menschen eine Freude bereite will, dann malt sie ihm ein Bild. Zunächst macht sie sich Gedanken über das Motiv, dann fertigt sie eine Skizze an und radiert immer wieder daran herum, bis der Entwurf ihren Ansprüchen genügt. Anschließend erfolgt der Auftrag der Farbe – Pinselstrich für Pinselstrich, bis das Bild vollendet ist. Schließlich sucht sie noch einen passenden Rahmen aus, hüllt das Geschenk in Geschenkpapier und bindet eine Schleife darum.
Und nun stell Dir vor, sie verschenkt das Bild. Der Beschenkte reißt das Geschenkpapier herunter, wirft einen kurzen Blick auf das Bild und beginnt, ohne sich weiter zu äußern, ein belangloses Gespräch übers Wetter.”

Was für eine enttäuschende Reaktion, oder finden Sie nicht? Wie viele Bilder würde diese Frau – oder Sie selber – nach diesem Erlebnis noch malen und verschenken wollen?

Übertragen wir das auf die Leiter und Mitarbeiter unserer Gemeinde.
Wie viel Arbeit und Vorbereitung steckt in den verschiedenen Veranstaltungen unserer Gemeinde? Hauskreise, Gottesdienst, Kindergottesdienst in mehreren Gruppen, Abendmahl, Gemeindebrief, Büchertisch, die Buchhaltung, verschiedene Putz – und Tischdienste und vieles andere mehr…
Unzählige Aufgaben, die von vielen Mitarbeitern in großer Treue Woche für Woche getan werden. Und viele von uns nehmen in diesen Bereichen auch Leitungsfunktionen wahr.

Nehmen wir diesen Einsatz nicht oft als ganz selbstverständlich hin und beruhigen uns damit, dass diejenigen es ja nicht für Menschen, sondern „für Jesus“ tun? Was für ein bescheuerter Gedanke. Denn auch, wenn sie es für Jesus tun, müssen wir uns fragen, ob wir die Mühe und Arbeit, die dahinter steckt, überhaupt noch wahrnehmen.
Wie schnell entwickelt sich sogar unter uns ein Anspruchsdenken, das vieles für selbstverständlich hält und nur noch auf Dinge reagiert, die nicht so laufen, wie wir uns das wünschen und vorstellen. Mit Kritik sind wir dann sofort zur Stelle.
Jesus hat uns viele Leiter und Mitarbeiter gegeben, die in vielen Bereichen der Gemeinde ihre Kraft investieren. Freuen wir uns nicht nur darüber, sondern zeigen wir es ihnen doch auch! Das ist die beste Vorbeugung gegen Resignation.

Der amerikanische Pastor Bob Logan hat auf einem Seminar, bei dem es um Gemeindewachstum ging, folgendes gesagt: Das Verhältnis von Lob zu Kritik in der Gemeinde sollte immer im Verhältnis 10 : 1 stehen – zehn Ermutigungen, eine Kritik; dann wieder zehn Ermutigungen, eine Kritik. Unsere vornehmste Aufgabe ist es, andere in ihrem Dienst zu ermutigen. Versuchen Sie das doch nur ein einziges Mal, nach diesem Verhältnis zu handeln.

Anerkennung beinhaltet auch, den anderen in seiner Persönlichkeit zu akzeptieren und somit auch die Art und Weise, wie er seine Aufgabe tut. Viele Mitarbeiter und Leiter sind schon entmutigt worden, weil sie an anderen Personen gemessen wurden und nicht an ihrer ganz persönlichen Hingabe an Jesus.
Solch ein Vergleichen kann den Betroffenen sehr weh tun und widerspricht völlig dem Willen Jesu. Wir sollen doch nicht Kopien unserer Vorgänger oder “Gemeindekollegen” werden, sondern den Leib Christi durch unsere Andersartigkeit bereichern und weiterprägen.

Fragen:

  1. Nimmst du die Mühe und Arbeit der Leiter und Mitarbeiter Deiner Gemeinde noch wahr?
  2. Wie kannst Du ihnen für ihren Dienst Anerkennung zeigen und sie ermutigen – vielleicht schon heute Morgen?

4. Gehorsam dem Gemeindeleiter gegenüber

Gehorcht Euren Lehrern und folget ihnen, denn sie wachen über Eure Seelen, als die da Rechenschaft dafür geben sollen.Hebr. 13,17 a

Wieder ein Begriff, der heutzutage negativ befrachtet ist. Wir leben in einer Zeit, in der Autoritäten in Frage gestellt werden. Das liegt sicherlich auch in der Vergangenheit unseres Landes begründet, in der blinder Gehorsam einen schrecklichen Weltkrieg und unsägliches Leid zur Folge hatte.

Doch eine Gesellschaft kann ohne allgemein anerkannte Autorität auch nicht existieren. Dahingehende Versuche sind in den letzten Jahren kläglich gescheitert. Menschen müssen anderen Macht über sich anvertrauen, damit diese leiten können. Auch die Gemeinde Jesu muss dies. Die Gemeinde Jesu kann ohne Autorität ebenfalls nicht existieren. Sie muss Gott und seine Gebote anerkennen. Sie haben höchste Autorität, höchste Bedeutung und Vollmacht. Aber Gemeinde muss auch Menschen ihr Vertrauen schenken und ihnen Leitungsbefugnis übertragen. Menschen, denen Gott die Leitung in seiner Gemeinde anvertraut hat, sind von ihm dazu autorisiert (bevollmächtigt). Das heißt: ihre Entscheidungen und ihr Reden haben insbesondere dort Gewicht, wo es um Fragen der Lehre und Ethik innerhalb der christlichen Gemeinde geht.

Dabei ist es wichtig, dass Leiter diese Autorität nicht kraft eines besonderen Amtes haben, sondern aufgrund eines speziellen Dienstes, den sie tun. Sie haben keine Befehlsgewalt, aber sie bitten und ermahnen an Christi Stelle.
Sie dürfen nicht nur, nein, sie müssen in der Gemeinde dafür sorgen, dass die Autorität Gottes, der Gehorsam Jesus gegenüber, durch das Leben der Christen in allen Bereichen bezeugt und nicht in Frage gestellt wird.

Und weil die Sünde vor Gott nicht bestehen kann, haben die Gemeindeleiter auch je und dann die traurige Pflicht, Glieder der Gemeinde zu ermahnen, zu konfrontieren und auszuschließen, wenn diese in Sünde leben und nicht bereit sind, umzukehren und die Vergebung Jesu in Anspruch zu nehmen. Dies ist die letzte Möglichkeit der Gemeinde, um Betroffenen ihre Situation vor Augen zu halten und sie zur Umkehr zu rufen.
Um diese oft nicht leichte und verantwortungsvolle Aufgabe eines Leiters tun zu können, bedarf es eines besonderen Schutzes. Dieser ist formuliert in 1. Tim 5,19. Dort steht:

Wider einen Ältesten nimm keine Klage an ohne zwei oder drei Zeugen.1. Tim 5,19.

Was bedeutet das nun? Nun – Kritik und Klage über einen Leiter darf nicht hinter vorgehaltener Hand geschehen. Wenn jemand etwas gegen einen Leiter vorzubringen hat, das sich nicht im persönlichen Gespräch ausräumen lässt, so ist die Angelegenheit vor der Öffentlichkeit der Gemeinde zu klären. Aber damit hier nicht jeder nach Belieben und Mißbelieben den Leitern eines übers Haupt geben und seine Unzufriedenheit ausdrücken kann, gilt die Zeugenregelung. Ich muss schon eine gut begründete Anfrage gegen einen Leiter haben. Und sie sollte von anderen in der Gemeinde bezeugbar sein. Wenn das nicht möglich ist, sollte ich lieber die Zeit nutzen, für die Leiter meiner Gemeinde zu beten – und ansonsten meinen Mund halten.

Fragen:

  1. Bin ich bereit, die von Gott gegebene Autorität der Gemeindeleiter anzuerkennen?
  2. Wie gehe ich mit Entscheidungen der Gemeindeleitung und ihrem persönlichen seelsorgerlichen Rat um?

Liebe Gemeinde,

am Ende dieser Predigt voller guter Gedanken eines langjährigen Gemeindeleiters (wie ich am Anfang sagte), möchte ich nun noch ein paar weitere Gedanken eines langjährigen Gemeindeleiters zitieren, über die eine Gemeinde und ein Kandidat gewiss in Ruhe einmal nachdenken sollten. Und dann, liebe Mitglieder, betet – und nennt einen oder zwei Namen – und legt den Berufungszettel in das Fach des aktuellen Leiters des Berufungsausschusses, Erich Abt.
Also – ich zitiere:

– Aus eigenem Erleben und aus der Beobachtung der Geschehnisse in den christlichen Gemeinden weiß ich, wie viel Geringschätzung und Misstrauen der Gemeindeleitung immer wieder entgegengebracht werden.

 

– Das biblische Verständnis von Gemeinde und Gemeindeleitung dringt immer seltener durch; es gibt einen spürbaren Verlust an Autorität und Respekt gegenüber dem Pastor und den Ältesten.

 

– Es ist zu manchen Zeiten kein fröhliches Amt, Gemeindeleiter in einer Gemeinde zu sein. Es ist oft ein Amt der Last und der Sorgen und der Tränen.

 

– Aber es ist auch wahr: nicht zuerst die Schafherde bestimmt darüber, wo der beste Weidegrund liegt, noch darüber, wann die Wanderung dorthin beginnt. Dies zu entscheiden ist eine der Aufgaben der von Gott eingesetzten Hirten.

 

– Wenn Du also meinst, dass Gemeindeleiter nur von der Gemeinde beauftragte Diener seien oder zu sein haben, nicht aber zugleich Aufseher, Steuermänner und Hirten, dann stelle Dich für eine Kandidatur nicht zur Verfügung.

 

– Ohne eine breite Unterstützung kann ein Gemeindeleiter dieses Amt nicht ausüben. Denn das gilt sehr deutlich: Die Gemeinde kann niemals dauerhaft gegen den Willen ihrer Glieder geleitet werden. Berufene brauchen das Vertrauen und die liebevolle Unterstützung ihrer Gemeinde.

 

– Deshalb geht es bei der Berufung eines geistlichen Gemeindeleiters nicht um die Wahl eines Vereinsvorstands. Es geht auch nicht um die reine Durchführung eines demokratischen Prozesses.

 

– Es geht im Leitungsdienst der Gemeinde um: Dienst, Aufsicht, Steuerung und Führung – diese Aufgaben sind fest mit dem Amt eines Gemeindeleiters verbunden.

 

– Und vor allem: es geht bei solch einer Berufung immer zuerst darum, dass Gottes Wille geschehe.

Deshalb, liebe Gemeinde: betet, denkt nach und schreibt Euren Vorschlag. Gemeinsam werden wir in der Lage sein, Gottes Willen zu erkennen.

Amen

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