Karfreitag – Gottes kurzer Prozess

Wenn jemand heute den Begriff „Kurzer Prozess“ hört, dann denkt er vielleicht gleich an eine kriminelle Handlung: „Sie haben mit ihm kurzen Prozess gemacht.“ – Dann ist da jemand vielleicht gleich hingerichtet oder beseitigt worden.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Karfreitag – Gottes kurzer Prozess
Reihe
Datum
25.03.2016
Länge
24:35
Bibelstelle
Matthäus 27, 1-5 und 11-30

Lesungstext

1 Am frühen Morgen fassten alle Hohenpriester und führenden Männer des Volkes den Beschluss, Jesus töten zu lassen.
2 Sie ließen ihn fesseln und übergaben ihn Pilatus, dem römischen Statthalter.
3 Als Judas, der Verräter, sah, dass Jesus zum Tode verurteilt werden sollte, bereute er bitter, was er getan hatte. Er brachte den Hohenpriestern und den führenden Männern des Volkes die dreißig Silbermünzen zurück.
4 “Ich habe eine große Schuld auf mich geladen und einen Unschuldigen verraten!”, bekannte er. “Was geht uns das an?”, gaben sie ihm zur Antwort. “Das ist deine Sache!”
5 Da nahm Judas das Geld und warf es in den Tempel. Dann lief er fort und erhängte sich.

11 Jesus wurde zu dem römischen Statthalter Pilatus gebracht. Der fragte ihn: “Bist du der König der Juden?” Jesus antwortete: “Ja, du sagst es!”
12 Als nun die Hohenpriester und die führenden Männer des Volkes alle möglichen Anklagen gegen ihn vorbrachten, schwieg Jesus.
13 “Hörst du denn nicht, wie schwer sie dich beschuldigen?”, fragte Pilatus.
14 Aber Jesus erwiderte kein Wort. Darüber wunderte sich Pilatus sehr.
15 Der Statthalter begnadigte jedes Jahr zum Passahfest einen Gefangenen, den sich das Volk selbst auswählen durfte.
16 In diesem Jahr saß ein berüchtigter Verbrecher im Gefängnis. Er hieß Barabbas.
17 Als sich nun die Menschenmenge vor dem Haus des Pilatus versammelt hatte, fragte er sie: “Wen soll ich diesmal begnadigen? Barabbas oder Jesus, euren Messias?”
18 Denn Pilatus wusste genau, dass die führenden Männer des jüdischen Volkes das Verfahren gegen Jesus nur aus Neid angezettelt hatten.
19 Während Pilatus die Gerichtsverhandlung leitete, schickte ihm seine Frau eine Nachricht: “Unternimm nichts gegen diesen Mann. Er ist unschuldig! Ich habe seinetwegen in der letzten Nacht einen furchtbaren Traum gehabt.”
20 Inzwischen aber hatten die Hohenpriester und die führenden Männer des Volkes die Menge aufgewiegelt. Sie sollten von Pilatus verlangen, Barabbas zu begnadigen und Jesus umzubringen.
21 Als der Statthalter nun seine Frage wiederholte: “Wen von den beiden soll ich freilassen?”, schrie die Menge: “Barabbas!”
22 “Und was soll mit Jesus geschehen, eurem Messias?” Da brüllten sie alle: “Ans Kreuz mit ihm!”
23 “Was für ein Verbrechen hat er denn begangen?”, fragte Pilatus. Doch ununterbrochen schrie die Menge: “Ans Kreuz mit ihm!”
24 Als Pilatus sah, dass er so nichts erreichte und dass der Tumult nur immer größer wurde, ließ er eine Schüssel mit Wasser bringen. Für alle sichtbar wusch er sich die Hände und sagte: “Ich bin am Blut dieses Menschen nicht schuldig. Die Verantwortung dafür tragt ihr!”
25 Die Menge schrie zurück: “Ja, wir und unsere Kinder, wir tragen die Folgen!”
26 Da gab Pilatus ihnen Barabbas frei. Jesus ließ er auspeitschen und zur Kreuzigung abführen.
27 Die Soldaten brachten Jesus in den Hof des Statthalterpalasts und riefen die ganze Truppe zusammen.
28 Dann zogen sie ihm die Kleider aus und hängten ihm einen scharlachroten Mantel um.
29 Aus Dornenzweigen flochten sie eine Krone und drückten sie ihm auf den Kopf. Sie gaben ihm einen Stock in die rechte Hand, knieten vor ihm nieder und riefen höhnisch: “Es lebe der König der Juden!”
30 Sie spuckten ihn an und schlugen ihm mit dem Stock auf den Kopf.

Predigt

In Kriegszeiten machte man kurzen Prozess mit Fahnenflüchtigen oder anderen angeblichen Verbrechern. Ein Standgericht wurde gebildet, dem Angeklagten wurde sein Vergehen vorgelesen. Danach erschoss man ihn.

Ein „Kurzer Prozess“ ist in der Regel eine ungerechte Angelegenheit, voller menschlicher Willkür und oft brutal.

Wenn ich das Thema heute Morgen am Karfreitag 2016 so genannt habe: „Gottes kurzer Prozess“ – dann natürlich nicht, um Gott an den Pranger zu stellen und ihm Vorwürfe zu machen. Denn Gott bleibt unschuldig an dem allen, das sich am Karfreitag um das Jahr 33 nach Christi Geburt innerhalb der Mauern und vor den Toren der Stadt Jerusalem ereignet hat. Die Bibel macht ja im Gegenteil deutlich: Gott ist Opfer, nicht zuerst Handelnder. Der Sohn Gottes, Jesus Christus, ist es ja, der gefangengenommen, verhört, gefoltert und schließlich gekreuzigt wird. Nicht Gott macht kurzen Prozess mit jemandem – Menschen machen kurzen Prozess mit Gott. Die Evangelien schildern, wie heftig man damals mit Jesus Christus umgegangen ist.

Nur – die Bibel macht auch deutlich, dass Jesus Christus eben nicht in die Hände der Menschen gefallen wäre, wenn er das nicht gewollt und mit seinem himmlischen Vater so abgestimmt hätte. Jesus war bereit zur Passion Christi. Und Gott war in dem allen der letztlich Handelnde. Das möchte ich später, am Schluss der Predigt noch einmal aufgreifen.

Also – Gottes kurzer Prozess hat mit den Menschen zu tun, die damals Jesus den Prozess machen. Aber es hat auch zu tun mit dem lebendigen Gott, der niemals zum Opfer geworden wäre, wenn er nicht Ja zu diesem Schicksal gesagt und die Vorbereitungen dazu getroffen hätte. Also – ein nicht unkomplizierter Fall.

Aber auch ein Fall, der von großer Wichtigkeit für uns ist. Deshalb feiern wir ja auch am heutigen Morgen Karfreitag.

Dieser Begriff hat ja mit Leiden und Weinen zu tun. „Karen“ dieses alte deutsche Wort beschreibt ja: da wird getrauert, gelitten. Am Karfreitag trauern Christen um ihren Herrn Jesus Christus, sie machen sich seine Qual am Kreuz bewusst. Gleichzeitig aber sind sie erfüllt von Dankbarkeit dafür, dass Gott ihnen durch dieses Leiden den Himmel öffnet und den Zugang zu sich freimacht.

Zunächst aber – leidet die Schöpfung unter den brutalen Folgen dieses kurzen Prozesses.

Ich möchte heute morgen mit Ihnen aus einem Kapitel des Neuen Testaments, aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 27, den Bericht anschauen, in dem beschrieben wird, wie Jesus verraten wird, wie er in dem unsäglichen Unrechtsprozess fertig gemacht wird, gefoltert wird, aufgehängt wird, stirbt.

Alles fängt damit an, dass Jesus von einem seiner engsten Freunde verraten wurde, von Judas. Als Judas, der ihn verraten hatte, dann aber sieht, dass Jesus zum Tode verurteilt wird, bereut er das bringt die 30 Silberlinge den Hohenpriestern und Ältesten zurück. Er merkt: das ist nicht richtig gewesen. Und er sagt: „Ich habe Unrecht getan, dass ich unschuldiges Blut verraten habe. Die aber sprachen: Was geht uns das an? Da sieh du zu!“ Ein brutaler Satz ist das bis heute: „Was geht uns das an? Da sieh du zu!“

Vorher war er ihnen eine Hilfe gewesen. Man hatte ein Geschäft machen können: Judas lieferte ihnen Jesus aus, und er bekam dafür Geld. Aber nun – plötzlich steht er da mit seinem vor die Wand gerannten Leben, mit seiner Verzweiflung, mit seiner Ratlosigkeit. Er merkt, dass er sich und andere zu Grunde gerichtet hat – und jetzt sind sie alle weg und auf der anderen Seite. „Da siehe du zu! Was geht uns das an?“
Judas und die Hohenpriester. Menschen, die zu uns sprechen am Karfreitag 2016. Aber sie sind nicht die Einzigen.

Da ist auch Pilatus, der mächtigste Mann am Platz – aber im Herzen ein Feigling! Wir lesen in Matthäus 27 alles darüber. Pilatus sprach mit Jesus, als der Prozess läuft. Er versucht, irgendwie raus zu kriegen, was mit Jesus los ist. Und im Grunde weiß er ja: an diesem Menschen ist kein Unrecht und es gibt keinen Grund, den zu verurteilen. Er hat aber eine blanke Angst um seine Karriere, und er weiß, ich muss hier irgendwie rauskommen und meine Karriere schützen. Ich bin ja schon einmal strafversetzt worden hierher nach Galiläa. Das darf mir kein zweites Mal passieren. Deshalb aber interessiert ihn nicht Recht und Gerechtigkeit. – Gottes kurzer Prozess!

Pilatus ist der mächtigste Mann am Platz. Aber er hat kein Rückgrat. Hier heißt es: „Pilatus sprach zu ihnen: Was soll ich denn machen mit Jesus, von dem gesagt wird, er sei der Christus? Sie sprachen alle: Lass ihn kreuzigen! Er aber sagte, was hat er denn Böses getan? Sie schrien aber noch mehr: Lass ihn kreuzigen! Als aber Pilatus sah, dass er nichts ausrichtete, sondern das Getümmel immer größer wurde, nahm er Wasser und wusch sich die Hände vor dem Volk und sprach: Ich bin unschuldig an seinem Blut. Seht ihr zu!“

Pilatus weiß genau, was Recht und Gerechtigkeit ist. Es ist völlig klar, was zu sagen und tun wäre. Aber er hat Angst um seine Karriere, und da beugt er das Recht und vollzieht dann vor aller Augen diese lächerliche Zeremonie. Er wäscht die Hände in Unschuld. Bis heute ist dieser Satz ein Modellsatz des Schuldlosen, der sich heraus windet aus der Situation: „Ich wasche meine Hände in Unschuld!“. Danach gibt Pilatus Jesus den Soldaten preis.
Wir lesen im Evangelium: „Da nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus mit sich in das Prätorium (also in das Gebäude dort) und sammelten die ganze Abteilung um ihn und zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel an und flochten eine Dornenkrone und setzten sie ihm aufs Haupt und gaben ihm ein Rohr in seine Hand und beugten die Knie vor ihm und verspotteten ihn und sprachen: Gegrüßet seist du, der Juden König! Und spuckten ihn an und nahmen das Rohr und schlugen damit auf seinen Kopf.“

Es gab dieses Spottkönigsspiel damals zur Zeit Jesu. Ein Bericht zu den römischen Soldaten lautet: „Die hatten ja viel Langeweile, die saßen ja viel rum und dann haben sie gewürfelt und einer hat verloren und der wurde zum Spottkönig. Mit dem haben sie dann Spott getrieben. Und irgendwann, wenn es die Gelegenheit gab, dann gab der Hauptmann ihnen einen richtigen, zum Tode Verurteilten, zum Quälen. Dann haben sie es mit dem in echt getrieben.

Und dieser Echte, liebe Zuhörer, das war damals Jesus. Pilatus lieferte den römischen Soldaten Jesus aus, damit sie so richtig ihre Brutalität und ihren Spaß haben können; und dann spucken sie ihn an, foltern ihn und – und das Ganze umrahmt von grölendem Gelächter. Gottes kurzer Prozess. Es hat sich nichts geändert bis heute

Es kommt aber noch schlimmer. Wir lesen in dieser Geschichte, wie sie Jesus abführen und kreuzigen, wie sie ihn annageln an zwei grobe Balken, aufrichten auf der Müllkippe von Jerusalem.

Zusammen mit zwei Verbrechern rechts und links, die auch exekutiert wurden unter dem Gejohle des Volkes, unter dem Spott der Intellektuellen und der einfachen Leute. Aber eben auch dies ist wahr: unter dem Kreuz von Jesus stehen die Gebildeten und die religiöse Elite Jerusalems und verspotten den ächzenden, stöhnenden, verblutenden Gott. Sie lachen ihn aus und sagen: „Du hast doch anderen geholfen, hilf dir selber, steig herab, wenn du Gottes Sohn bist. Dann glauben wir.“ – Gottes kurzer Prozess.

Und schauen Sie – deshalb denken wir heute Morgen wieder über dieses Ereignis vor 2000 Jahren nach: es hat mit mir und mit Dir zu tun. Denn – dazu sind wir fähig – Du und ich. Noch nicht mal der Schmerz eines Menschen kann verhindern, dass die Brutalität der mehr oder weniger Gebildeten durchschlägt. Die Bibel ist wie ein Spiegel, der schonungslos aufdeckt, wer wir sind. Gottes kurzer Prozess, diese wenigen Stunden Verhör, Schikane und Kreuzigung, hat stattgefunden zu unserem Besten. Unvorstellbar, aber wahr. Gottes kurzer Prozess rettet uns das Leben. Bis zum bitteren Ende.

Denn als die Menschen ihn dann angenagelt haben, da kommt eigentlich der Tiefpunkt. Jesus schreit: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Der Sohn Gottes selber stellt diese Frage: „Warum?“ – Das ist ja auch eine Frage, die wir gern stellen, wenn wir in Not geraten sind: Warum? Warum hat Gott mich verlassen? – Nur – wir lesen in diesem Bericht über die Kreuzigung Jesu nicht, dass Gott ihm eine Antwort gibt. Nichts wird damals am allerersten Karfreitag erklärt. Jesus schreit und stirbt. Die, die ihn hingerichtet haben, sind froh, dass er tot ist und dass sie jetzt endlich Ruhe haben; und seine Freunde laufen alle weg und verstecken sich – aus Angst vor Verfolgung durch die Römer.

Und die Anhänger Jesu, seine Jünger, sind damals verzweifelt. Sie hatten doch gehofft und geglaubt, er könnte der Schlüssel zum Leben sein. Er könnte ihr Leben erneuern. Er könnte eine Welt der Gerechtigkeit schaffen. Er könnte sich durchsetzen. Aber – man hatte ihren Messias fertig gemacht.
Lesen Sie einmal die Texte des Neuen Testamentes, wie diese verstörten, verängstigten Nachfolger, sich verkriechen in der Altstadt von Jerusalem. Am Ende steht zunächst nur: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Und Gott – antwortet nicht. Er antwortet nicht. Gottes kurzer Prozess ist zu Ende. Jesus wird, tot wie er ist, irgendwann noch vor Beginn des Sabbat, also am Nachmittag dieses schrecklichen Tages, vom Kreuz abgenommen, in ein Höhlengrab gelegt, notdürftig in Tücher gewickelt und über den Feiertag allein dort liegen gelassen. Ein paar Soldaten sollen vor dem Grab sicherstellen, dass die Totenruhe nicht gestört wird. Gottes kurzer Prozess ist zu Ende. Gott schweigt.

Aber – Gott ist nicht tot. Er tut was. Hier wird nichts erklärt. Der ganze Schmerz der ganzen Ratlosigkeit, die offenen Fragen, die wie blutende, schmerzende Wunden da sind – und keine Hoffnung. – Aber – und das ist die Vorwegnahme eines explodierenden Lebens – am Ostermorgen, an dem übernächsten Tag morgens in der Frühe, handelt der ewige Gott am Leichnam des gekreuzigten Jesus und tut das, was niemand tun kann und wozu es keine Parallele in der Weltgeschichte gibt. Er weckt den toten Gottessohn auf. Das Grab öffnet sich. Jesus lebt.

Wenn Sie, liebe Besucher dieses Gottesdienstes, irgendwo sehen wollen, dass Gott allmächtig ist, dann blicken Sie auf das Kreuz, an dem Jesus stirbt. So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass der sich selbst, seinen einzig geborenen Sohn, gab. Und das ist jetzt wieder ganz wichtig. Denn der kurze Prozess Gottes ist Ihre und meine Rettung. Gott gibt seinen Sohn. Er gibt ihn hin. Jesus trug, da lässt die Bibel keinen Zweifel, stellvertretend für uns unsere Schuld. Unser Elend. Die ganze Brutalität unseres Daseins, in Gedanken und Taten. Alles, was sich an ihm aus getobt hat, ist letztlich unsere eigene rettungslose Bosheit. Alles, was in uns steckt: Das Böse, das Unrecht, alle Lieblosigkeit. Das alles tobt sich an ihm aus. Gott selbst trägt es, nimmt es auf seine Schultern und nimmt es in seinen Tod, in sein Grab hinein. Er trägt das alles für uns.
Das ist der Kraftakt Gottes. Deshalb nennt die Bibel ihn, Jesus Christus, das „Lamm Gottes“ – für uns gekreuzigt. Er trägt alle Last und Verzweiflung, allen Hochmut und alle Arroganz aller Menschen, die selbst heute noch behaupten: ich brauche Gott nicht.

Und dann, liebe Besucher dieses Gottesdienstes, passiert das Unvorstellbare: Gott bestätigt Jesus Christus als seinen Sohn, als Teil seiner selbst. Denn dann begegnet er den Verzweifelten, den Ratlosen, den Enttäuschten, die nicht mehr wissen, was wahr und was Schein ist: Jesus wird auferweckt. Er steht auf aus dem Grab. Und selbst seine Jünger brauchen ihre Zeit, bis sie kapieren: Wir leiden nicht an Einbildung, Halluzinationen, irgendwie an Träumen. Gott hat Jesus auferweckt! Das hier ist nicht die Wiederbelebung eines klinisch Toten, sondern der Durchbruch in Gottes Herrlichkeit, der Durchbruch durch die Todesmauer! Ein für allemal! Plötzlich begreifen sie: Die Dunkelheit am helllichten Tag, die sie für ein merkwürdiges Naturereignis gehalten haben, ist das prophetische Zeichen, das angekündigt wurde durch die Propheten des Alten Testamentes, dass nämlich der Gerichtstag Gottes ein finsterer, ein dunkler Tag sein wird.

Sie begreifen: An diesem Kreuz hat Gott das Gericht vollzogen, das ich verdient habe. Jesus Christus starb für meine Lüge, für meine Menschenverachtung, für meine Rücksichtslosigkeit, meine Kälte, meine Menschenfurcht. Gottes kurzer Prozess hat stattgefunden, damit ich nicht mehr daran sterben muss. Für mich hat er das Gericht getragen.

Denn am Ende passierte mit der Kreuzigung Jesu etwas Unerhörtes: Im Tempel, so berichtet uns das Evangelium, zerriss der Vorhang, der den Bereich des Heiligen, wo die Priester die Opfer dar brachten, vom Allerheiligsten trennte. Dieser Bereich war bis dahin das äußere Zeichen der versprochenen Gegenwart des ewigen, heiligen Gottes. In seine Nähe durfte niemand, außer einmal im Jahr der oberste Priester.
Aber an diesem Tag, als Gottes kurzer Prozess zu Ende geht, da zerreißt der Vorhang – als symbolisches Zeichen: Nun ist die Tür offen, heißt das. Du, jeder hier in diesem Raum, darf kommen zum Herzen Gottes, zum Innersten, zum Heiligtum. Dorthin, wo Gottes Herz seiner Liebe schlägt.
Gegen allen Hass und alle Menschenverachtung sollst du hören: Gott sagt JA! Er kommt nicht mit philosophischen oder theologischen Erklärungen darüber, dass ja dies alles mit dem Leid dieser Welt doch sein Rechtes hat. Er tut etwas. Gottes kurzer Prozess.
Mitten in dieser Welt steht dieses Kreuz mit den ausgebreiteten Armen Gottes, um uns mit unseren Tränen, mit unseren Ratlosigkeiten, mit unseren Schmerzen in die Arme zu schließen. In die Arme des Gottes, der unsere Schmerzen kennt wie keiner. Gott sei Dank für diesen Prozess. Und Gott sei Dank für seine Wirkung auf alles, auf wirklich alles in dieser Welt. Du und ich, wir sind gerettet. Weil Jesus Christus für uns gestorben ist. Gott hat kurzen Prozess mit Jesus gemacht, um uns in Ewigkeit mit seiner Liebe umgeben zu dürfen. Gott sei dank. Gott sei Dank für diesen Karfreitag 2016.

Amen

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