An Gottes Segen ist alles gelegen

Auf alten Häusern sieht man manchmal über der Eingangstür einen Spruch: „An Gottes Segen ist alles gelegen.“ Dass jeder von uns dort steht und dahin kommt, wo Gottes heilender Segen ihn erreicht – das wünsche ich mir sehr! Dazu segne Sie alle unser Gott, der Allmächtige und Barmherzige, Vater, Sohn, Heiliger Geist.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
An Gottes Segen ist alles gelegen
Reihe
Datum
11.09.2016
Länge
08:39
Bibelstelle
4. Mose 6, 24-26
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

24 ‚Der Herr segne dich und bewahre dich!
25 Der Herr wende sich dir in Liebe zu und zeige dir sein Erbarmen!
26 Der Herr sei dir nah und gebe dir Frieden!‘

Predigt

Liebe Gemeinde,

in unserem Gottesdienst geht es heute Morgen wieder um etwas ganz Wesentliches: um das Gebet für Menschen und um das Segnen. Wir beten für Kinder und Mitarbeiter, auch für Lehrer, die zum ersten Mal oder gerade wieder begonnen haben mit dem Kindergarten oder dem schulischen Unterricht. Und in jedem Gottesdienst, den die Gemeinde feiert, taucht er mindestens einmal auf: der Segen – nämlich am Schluss, bevor der Gottesdienst endet. Aber sich unter den Segen zu stellen, heißt ja noch nicht, dass uns bewusst ist, was da Sonntag für Sonntag geschieht; und damit, dass wir Kinder segnen, ist noch nicht klar, was dieser Segen für uns und vor allem für Gott bedeutet. Deshalb lassen Sie uns heute Morgen nachdenken über dieses Geschenk Gottes – über das Segnen.
Biblische Grundlage ist dabei für mich der Aaronitische Segen, den die meisten noch kennen dürften:

Der Herr segne Dich und behüte Dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden. Amen
4. Mose 6,24-26

1. Segnen heißt: Tun, was der Herr Jesus Christus selber an uns Menschen getan hat

Eine Segenshandlung ist nicht die Erfindung von ein paar Kirchenvätern, denen es um etwas wirksam Kultisches ging. Der Segen wurde nicht erst erfunden und mit Sinn gefüllt, als die Gemeinde Jesu nach der Himmelfahrt Jesu begann. Nein, Jesus selber hat gesegnet. Er hat segnend an uns Menschen gehandelt. Das wird ganz deutlich bei der Segnung der Kinder. Die Jünger wollten die Mütter wie Störenfriede behandeln – damals; aber Jesus holt sie alle zu sich hin und legt den Kindern die Hände auf, segnet sie. Er sagt ausdrücklich in Matth 19: “Lasst die Kinder zu mir kommen und verwehrt ihnen das nicht. Denn solchen gehört das Himmelreich. Und er legte die Hände auf sie und zog von dort weiter.” (Matth 19,14)

Eine andere Art von Segen ist es, als er, am Kreuz hängend, für seine Feinde bittet: “Vater, vergib ihnen – denn sie wissen nicht, was sie tun.” (Lk 23,34)

Und in Lukas 24, 50 heißt es in Bezug auf die Jüngerschar: „Er führte sie aber hinaus nach Bethanien und hob die Hände auf und segnete sie.“

Jesus selber hat also die alttestamentliche Form des Segnens aufgenommen und seiner Gemeinde geschenkt. Und wir, wenn wir einander segnen – wir tun, was Jesus getan hat und wozu er uns ermutigt. Ist uns das immer bewusst, wenn wir Segen spenden und Segen empfangen – dass nämlich Jesus selber uns das Segnen vorgemacht hat? Weil das so ist, deshalb hat jedes Segen in der Gemeinde Inhalt, Kraft und Sinn. Deshalb:

2. Segnen heißt: mit der Macht Gottes in meinem Alltag rechnen

Überall da, wo Segensworte in der Gemeinde gesprochen werden – beim Abendmahl, bei der Kindersegnung, bei der Taufe der Gläubigen, am Ende eines Gottesdienstes oder wie heute zu Schulbeginn – überall dort nimmt der Gesegnete etwas wesentliches mit – nämlich die Gewissheit: der lebendige Gott ist in meinem Alltag dabei. Er geht mit; er sieht mich. Er hat mich lieb. Gott reagiert auf den Segensspruch. Der Segen ist nicht Hoffnung oder Wunsch – dann wäre er vielleicht nur ein frommer Wunsch – Nein, der Segen ist Zuspruch! Gottes Liebe zu jedem Einzelnen aber ist nicht passiv -sie ist sehr aktiv: Nochmals der Aaronitische Segen: „Der Herr segne Dich und behüte Dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir Frieden!”

Schauen Sie: was nehmen wir da alles mit in den Alltag unseres Lebens. Gott behütet mich! Gott macht es hell in meinem Leben. Gott ist mir gnädig. Er vergibt mir Schuld und fängt Tag für Tag neu an mit mir. Gott schenkt mir unvergleichlichen Frieden. In einer Welt des Unfriedens durch und durch lebe ich im Frieden mit dem Schöpfer der Welt – in seinem ´Schalom`.

Das alles spricht dieser aaronitische Segen in mein Leben hinein aus. Das nehme ich mit. Und ich finde – selbst wenn in einem Gottesdienst Predigt und Lesungen fehlen würden – wie viel empfinge ich dann noch durch den Segen im Gottesdienst.
Lassen Sie uns das ganz deutlich sehen: Segnen heißt: mit der Macht Gottes im Alltag ganz real rechnen.

Schon deshalb ist der Segen, wo immer er im Gottesdienst auftaucht, nicht eine formelhafte Einfügung in eine christliche Veranstaltung. Das darf der Segensspruch auch niemals werden. Das Segenswort will mir bewusst machen: Gott geht mit mir. Er begleitet mich bis in die Tiefen meiner Seele. Und gerade dorthin will Gott in seiner segnenden Kraft gelangen. Gerade dort soll mich sein Trost erreichen, seine Kraft, seine Liebe und Hilfe. Gerade hier brauche ich seinen Segen und Zuspruch. Lasst uns ganz neu dankbar werden für dieses Geschenk Gottes.

3. Ein Gesegneter sein heißt: Segen weitergeben

Zur Zeit des Alten Testamentes waren Menschen, die offensichtlich von Gott Gesegnete waren, wie ein Magnet für andere. Gern wurden sie von anderen aufgesucht. Schon die Nähe eines gesegneten Menschen tat wohl. Der andere hatte das Gefühl, etwas mitzubekommen von dem Segen Gottes, der auf diesem Menschen ruhte. Sogar die Feinde dieses Gesegneten kamen zu ihm, um an seinem Segen Anteil zu bekommen. Ein Erzvater Abraham sucht, so 1. Mo 14, die Nähe des Königs Melchisedek, um sich von ihm segnen zu lassen. Ein anderes Beispiel ist Joseph im feindlichen Ägypten. Sein Sklavenhalter Potiphar wurde gesegnet mit Wohlstand, Gelingen, Ruhe und Ausgeglichenheit. So heißt es in 1. Mo 39,5. Es wird also ganz deutlich hier: Ein Gesegneter sein heißt: Segen weitergeben an die Umgebung.

Und ich frage einmal sehr kritisch zurück: wie ist das bei uns? Sonntag für Sonntag gehen wir als Gesegnete nach Hause. Spürt unsere Umgebung das? Nehmen die Menschen in unserer Nachbarschaft, im Beruf, im Alltag halt, etwas wahr von dem Segen Gottes, der uns geschenkt wurde? Heute sicher nicht zuerst im Zuwachs an Wohlstand (dann wären gesegnete Menschen als Nachbarn sehr beliebte Zeitgenossen; man würde sich um uns reißen), aber: Ruhe verbreiten, eine freundliche Atmosphäre schaffen, ein weiterbringendes Gespräch anfangen, eine Atmosphäre der Hoffnung wider die Resignation fördern, Mut vermitteln zum Weiterdenken in den Horizont des Glaubens hinein – das heißt ein Segen sein für andere!

Und: spüren Menschen heute Morgen, dass Gottes Segen über diesem Gottesdienst, über der hier versammelten Gemeinde liegt? Wirkt sich das aus bis in unsere Befindlichkeit jetzt, in diesen Augenblick, hinein?

Den Segen Gottes habe ich nicht nur allein für mich. Nur ein Gesegneter kann segnen. Aber er soll das auch. Wir leben als Gesegnete in dieser Welt auch, um Gottes gute Geschenke weiterzugeben. In dem Maße, wie wir das tun, werden die Menschen um uns herum etwas spüren von Jesus und seiner Macht – heute, morgen, jeden Tag. Der Segen Gottes erfüllt mit Freude und Hoffnung.

Ich habe heute Morgen versucht, deutlich zu machen, welches Geschenk Gott uns im Segnen macht. Es ist wichtig für uns zu begreifen, was für ein Geschenk wir weitergeben, wenn wir mit erhobenen Händen, mit aufgelegten Händen, mit gefalteten Händen und wie auch immer, segnen. Ich wünsche es mir und jedem von uns heute Morgen, dass der Segen Gottes auf uns kommt, uns erfüllt, uns Freude und Hoffnung erhält und uns fördert.
Wichtig aber ist – und bitte vergessen Sie das nicht: ob der Segen Gottes uns erreicht, ob wir als Gesegnete leben – das entscheiden wir, jeder für sich – in unseren Herzen. Dort nämlich, wo unser Gehorsam dran ist. Gehorchen wir Gott und Jesus Christus? Oder gehorchen wir uns und anderen Menschen? An dieser Stelle hängt auch der Segen Gottes.

Auf alten Häusern sieht man manchmal über der Eingangstür einen Spruch: „An Gottes Segen ist alles gelegen.“ Dass jeder von uns dort steht und dahin kommt, wo Gottes heilender Segen ihn erreicht – das wünsche ich mir sehr! Dazu segne Sie alle unser Gott, der Allmächtige und Barmherzige, Vater, Sohn, Heiliger Geist.

Amen

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