Von Lebenslügen und Selbsttäuschungen

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Immer wieder kann man beobachten , dass Menschen falschen Entscheidungsmotiven aufsitzen. Das könnten dann sogenannte Lebenslügen gewesen sein.

Daten

Prediger
Klaus Gundelbacher
Thema
Von Lebenslügen und Selbsttäuschungen
Reihe
Datum
16.10.2016
Länge
Bibelstelle
Diverse
Klaus Gundelbacher

Lesungstext

Diverse, siehe Predigt.

Predigt

Ich sammle Winterlandschaften, am liebsten in Aquarell, dieses Bild soll aber nicht zur Dekoration dienen, sondern ich brauche es heute für die Predigt.
Ich habe dieses Thema ausgewählt, weil ich es spannend finde, darüber nachzudenken.
Emotionale und verstandesmäßige Gründe sind die Hauptursachen für unser Handeln bzw. und Nicht-Handeln.-
Wir überlegen: was ist richtig, was ist wichtig, vernünftig, was macht mir Spaß usw.
Nur kriegen wir das halt nicht immer so hin, da sind wir schon mal egoistisch, stur, ängstlich oder sonst irgendwas und halten das dann für die die richtige Entscheidung.
Immer wieder kann man beobachten , dass Menschen falschen Entscheidungsmotiven aufsitzen. Das könnten dann sog. Lebenslügen gewesen sein.
Ich möchte hier auch ganz bewußt von Selbst- täuschungen sprechen, nicht nur von Lebenslügen.
Was sind eigentlich Lebenslügen, bzw. wann spricht man von Lebenslügen?
Wie schon der Name sagt: es handelt sich um Lügen, um Lügen die die Menschen sich selbst vorsagen und auch noch glauben, obwohl sie es eigentlich besser wissen müssten.
Ich weiß es nicht, ob jeder Mensch davon betroffen ist, aber eine Neigung zur Selbsttäuschung dürfte wohl jeder von uns haben.
Und es müssen auch nicht immer die ganz großen Themen sein, die das Leben dann mehr oder weniger stark beeinflussen.
Wie kann es also sein, dass man sich selbst belügt und sich dann auch noch glaubt, und im Extremfall auch noch sein Leben beeinflussen läßt oder sogar darauf gründet?
Der Gründe gibt es etliche:

  • Sicherheit: Die Wahrheit macht mir Angst – ich schiebe sie lieber weg.
  • Vereinfachung: Die Wahrheit ist zu kompliziert – ich mache sie mir etwas handlicher.
  • Trost: Die Wahrheit ist zu grausam – ich baue mir eine tröstlichere Welt.
  • Schönfärberei: Die Wahrheit ist zu hässlich – ich beschönige sie lieber.
  • Scham: Die Wahrheit beschämt mich – ich decke sie lieber zu.
  • Betäubung: Die Wahrheit schmerzt zu sehr – ich halte das nicht aus.
  • Projektion: Ich will nicht Täter sein – jemand anders ist schuld
  • Verleugnung: Es kann nicht sein, was nicht sein darf

Es gibt auch Lügen, die andere uns sagen und denen auch geglaubt wird und die oft großen Schaden anrichten können.
z.B.: „aus dir wird nie was“, „das schaffst du nicht“, „du bist wirklich nichts Besonderes“, „du schaust überhaupt nicht gut aus“
Hier sollte man von Flüchen sprechen, die dann zum Nährboden von Lebenslügen werden können.
Hier einige Beispiele von Lebenssituationen, bei denen Lebenslügen auftreten können:
Ehrlicherweise müßte man sagen:
Ich habe aus finanziellen oder Sicherheits-Gründen einen Beruf gewählt, der nicht meinen wirklichen Fähigkeiten und Interessen entspricht. Das war ein Fehler.
Man sagt sich aber möglicherweise:
Hätte ich nicht immer so bescheuerte Vorgesetzte gehabt, hätte ich trotz alledem viel mehr erreichen können und hätte meine wahren Fähigkeiten zeigen können.
Das Arbeitsleben ist nun mal hart, da muss man auch was aushalten können. Ärger und Probleme gibt es nunmal überall.
Man müßte sich eingestehen:
Ich habe mir Mühe gegeben, ein guter Vater, eine gute Mutter zu sein. Aber wenn ich das Ergebnis anschaue, muss ich feststellen, ich habe so oft versagt.
Man sagt sich aber vielleicht:
– So schlimm war das auch wieder nicht, alle Eltern machen nun mal Fehler, ich mußte in meiner Kindheit auch einiges ertragen und bin trotzdem was geworden.
Es ist heute so modern zu sagen: du mußt es nur richtig wollen, dann kannst du alles erreichen.
Aber es wird halt nur eine Goldmedaille vergeben, es gibt nur einen Chefposten in der Firma zu besetzen.
Was machen die, die es nicht geschafft haben, jetzt mit ihrem Erfolgsrezept ?

Ich habe nur nach Befehl gehandelt. Man wollte halt seine Karrierechancen nicht gefährden.
Aber….. unser Innerstes läßt sich nicht belügen.
Tief drinnen wird die Wahrheit eingesperrt, aber man kann sie dadurch nicht loswerden.
Sie meldet sich mit Traurigkeit, Verkrampfung oder gar mit einer Krankheit.
Ich habe versucht, das Problem der Lebenslügen etwas deutlich zu machen und man kann und darf die Frage stellen:
Macht man sich eigentlich schuldig, wenn man mit Lebenslügen herumläuft ?
Mein Antwort: mit der Lebenslügen als solche eher nicht, kommt vielleicht drauf an,
ABER: und jetzt wird es schon konkreter; Lebenslügen führen sehr oft zu Fehlverhalten, zum eigenen Schaden und zum Schaden anderer, man wird eher schuldig.
Durch Hochmut, Rücksichtslosigkeit, etc.
Und somit trägt man hier eine Verantwortung.
Zu den Selbsttäuschungen möchte ich hier ganz bewußt eine bestimmte Haltung zu Schwächen und Wunden aus der Vergangenheit zählen.
Das ist das Verharmlosen und Kleinreden von Problemen, bei der es dann zu keinen Lösungen und Heilungen kommt, kommen kann.
sooooo schlimm ist das auch wieder nicht – ich muss mich halt bemühen und zusammen reißen.
Ich schaff das schon – irgendwie, dazu brauche ich keine Seelsorge oder gar eine Therapie.
Ich spreche jetzt hier auch aus ganz eigener Erfahrung.
In Wirklichkeit hatte ich Angst, mich der Realität zu stellen.
Um Verletzungen die Menschen irgendwann einmal erlitten haben zu heilen, kommt man in der Seelsorge nicht drum herum,
– noch einmal hinein in den Originalschmerz zu gehen,
– und noch einmal Tränen vergießen.
Und diesem Schmerz wollte ich aus dem Weg gehen.
Lebenslügen „dienen“ oft als Schmerzvermeidung und Überlebensschutz.
Der „Stern“ hat vor Jahren eine Untersuchung bei Menschen gemacht, die durch Fehler, den Tod von anderen Menschen verursacht haben.
Typus: der Arme wird doch jetzt seines Lebens nicht mehr froh !
Denken wir an so jemanden wie den Fahrdienstleiter von Bad Aibling.
Der „Stern“ wollte wissen, wie leben diesen Menschen mit ihrer Schuld.
Das Ergebnis war: die allermeisten der Verursacher haben sich in eine Lebenslügen geflüchtet, einfach um weiter leben zu können.
Nur eine Minderheit stellte sich der Schuld und trägt diese Last mit sich herum.
Was geht also bei der Mehrheit der Unglücksverursacher vor ?
Es müssen gewöhnlich mehrere Faktoren zusammen kommen, damit ein Unglück mit schlimmen Folgen passiert.
Beispiel:
Ein Lkw-Fahrer schläft am Steuer ein und fährt in ein Stau-ende.
Der Fahrer:
Ein Kollege hat sich krank gemeldet und ich mußte noch mal auf den Bock. Ich befand mich noch in der Probezeit, wenn ich abgelehnt hätte, wäre ich wahrscheinlich nicht übernommen worden. Nach 12 Stunden Arbeit bin ich halt eingepennt,
Mein Chef ist der eigentlich Schuldige.
Und so kann man fast immer Umstände, kleinere Fehler anderer finden, die ein Geschehen mit verursacht haben.
Auf die stützt sich der Hauptschuldige um das eigene Versagen kleiner zu machen, die Fehler der Anderen größer.
Damit kann man die Verantwortung dann umso leichter abschieben. Das Leben wird damit wieder erträglicher, weil man die Schuldfrage verteilt.
Das Vertrackte an den Lebenslügen ist eben, dass darin immer auch eine Teil-Wahrheit enthalten ist.
Dieses Muster begegnet uns schon auf den ersten Seiten der Bibel.
Als Gott den Adam fragte, ob er vom Baum der Erkenntnis gegessen habe, antwortete dieser:
Die Frau, die du mir zur Seite gestellt hast, hat mir zu essen gegeben.
Ja, hätte Gott den Menschen nicht erschaffen, gäbe es auch keine Probleme. So kann man natürlich auch argumentieren, aber das hilft nicht weiter.

Aber nicht nur Individuen, also einzelne Menschen neigen zur Selbsttäuschung.
Gruppen wie Firmen, Familien, Vereine, warum nicht auch Kirchengemeinden..
Und da heißt es z.B.
„Wir sind die Größten, uns kann keiner und das bleibt auch so“,
„unsere Familie ist was Besseres“
Oder „wir sind nichts Besonderes“ „wir gehören da nicht dazu“
„in unserer Gemeinde ist alles in Ordnung, andere können sich ein Beispiel an uns nehmen“
In der Fernseh-Talkshow von Alfred Biolek war mal ein Gast der behauptete: Es ist die größte Lüge zu sagen; dass wir alle Sünder sind.
Das Publikum gab ihm mit heftigem Klatschen seine Zustimmung.
Danach müßte aber die Welt doch ziemlich sündenfrei sein.
Ich kann mir diesen Beifall nur so erklären, dass jeder ein anständiges Leben führen möchte und ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft sein. Ich klau keiner Oma die Handtasche, ich bin doch ein Guter.

Sogar ganze Völker sind vor Lügen nicht gefeit.
Stichwort: die Türkei und der Tod von 1,5 Millionen Armeniern.
Ein Türke der hier von Völkermord spricht, ist dann kein Türke mehr und muss mit Strafe rechnen.
Aber auch unser Volk hat genug schreckliche Erfahrungen mit kollektiven Lebenslügen gemacht.
Sündenböcke wurden gesucht und die Juden wurden als solche gefunden, denn sie sind die eigentlich Schuldigen, dass es uns so schlecht geht.
Dies und anderes führte zum Holocaust, und zu einem Krieg mit 55 Millionen Opfern.

Suchen wir doch mal in der Bibel nach Menschen, die sich nicht immer richtig einschätzen konnten.
Beispiel König David
Ein mächtiger Herrscher und König zu sein, das macht natürlich etwas mit einem.
Das führt fast zwangsläufig dazu, dass man sich – und das als ein ausgewiesener Mann Gottes – einfach zu viel herausnimmt und glaubt z.B. die Ehe anderer missachten zu können. Einem König steht doch so etwas hin und wieder zu.
Beispiel Petrus
Petrus: immer vorneweg. Ich habe den Laden im Griff. Ich bin der wichtigste Jünger von Jesus. Auf mich kann er sich immer verlassen.
Obwohl er immer wieder mal den Mund zu voll genommen hat, sieht er keinen Grund zur Korrektur.
Ich selbst habe die schlechte Angewohnheit der Aufschieberitis (Prokastrination) und habe eine jahrzehntelange Erfahrung damit. Vieles was einem unangenehm vorkommt, wozu man keine Lust hat, wird vor sich her geschoben.

Schauen wir uns jetzt mal das Fehlverhalten unserer Helden an:
David verguckt sich in Bathseba, der Frau eines seiner besten und treuesten Offiziere, und bricht mit ihr die Ehe.
Um die unliebsamen Folgen seines Tuns zu vertuschen, beordert er den Ehemann, nach Hause zurück, in der Hoffnung, er komme dabei seinen ehelichen Pflichten nach. Die Vaterfrage wäre dann keine Frage mehr.
Nein, sagt er, solange Krieg herrscht, schlafe ich im Lager, nicht zu Hause.
Der nächste Plan aber funktioniert. Er wird auf ein Himmelfahrtskommando geschickt und Uriah kommt dabei um.
David rechtfertigte sein Verhalten vielleicht so:
Die Überlebenschance gesund und heil wieder zurück zu kommen, lag bei mindestens 25%. Er muss irgendwie nicht vorsichtig genug gewesen sein, selber schuld.
Er, der sonst alles mit Gott besprochen hat, schwieg Gott gegenüber.
In Psalm 32 lesen wir, dass es ein quälendes Schweigen war.
GN-Bibel: erst wollte ich meine Schuld verschweigen; doch davon wurde ich so krank, dass ich von früh bis spät nur stöhnen konnte..
Gott mußte erst Nathan zu David schicken, der ihn anhand eines Gleichnisses mit der Wahrheit konfrontierte, damit dieser sein Tun endlich erkennen konnte.
Übrigens, ein hoch interessantes Beispiel, wie man in einer Schamkultur einem Herrscher die Wahrheit nahebringt. Wir fragen uns bei dieser Geschichte, warum sagt er ihm nicht direkt und unverblümt, dass er da ganz schönen Mist gebaut hat. Man konnte einem Hochgestellten wie ihm die Wahrheit nicht einfach so hinknallen, wie man das heute bei uns machen würde. Wir hier leben heute in einer Schuldkultur.
… und Petrus …
Jesus spricht beim letzten Abendmahl davon, dass sich die Jünger von ihm abwenden werden.
Darauf Petrus: Herr, du kannst sicher sein, Ich lass dich niemals im Stich.
Und… kurz darauf, streitet er ab, jemals etwas mit Jesus zu tun gehabt zu haben.
Eine Dienerin, eine Frau stellt ihn in einer brenzligen Situation zur Rede.
„Du warst doch auch mit Jesus zusammen. Gib es doch zu, du gehörst zu ihm !!!“
Das ist eine sichere Methode – gerade in einer Schamkultur – einen Mann dazu zu bringen, vor anderen, etwas zuzugeben, was unangenehme Folgen haben könnte. Eine Frau, eine Dienerin beschuldigt den stolzen Petrus.
„sei ruhig, ich weiß gar nicht wovon du sprichst.“
Und zack.. sitzt er in der Falle.
Er wird nochmal und nochmal angesprochen.
Doch einzugestehen, dass er Jünger Jesu war und auch noch zugeben zu müssen, dass er gerade gelogen hat, das geht gar nicht, das ist zu viel für ihn.
Sogar zu einem Schwur läßt er sich hinreißen.
Nachdem der Hahn krähte, erinnerte sich Petrus schlagartig, was ihm Jesus kurz vorher prophezeite. Es muss ihn wie ein Blitzschlag getroffen haben.
Nun zu mir und dem Maler dieses Bildes:
Ich kannte diesen Maler über viele Jahre, ich mochte ihn sehr. Er war ein höchst sympathischer und liebenswerter Mann.
Sein Name Klaus Kriechbaum, er arbeitete zunächst als Maler im väterlichen Maler-Betrieb. Wurde Kirchenmaler, Aquarellmaler, Farbberater und Sgrafitto maler,
eine Technik, bei der man Bilder und Schriften in den nassen Putz einer Fassade ritzte.
Er war mit Leib und Seele Maler. Gläubig obendrein.
Als er an MS erkrankte, führte das dazu, dass er immer weniger seine Hände benutzen konnte. Für einen Herzblut- Maler eine Katastrophe.
Sein Zustand verschlechterte sich so sehr, dass er in ein Pflegeheim mußte.
Einmal besuchte ich ihn dort, dann nicht mehr. Etliche Jahre lang.
Als ich mich letztes Jahr Ende Mai dazu aufraffte, nach ihm zu schauen und im Heim anrief, ob ich ihn besuchen kann, hieß es: der Klaus ist vor zwei Tagen gestorben.
Trauer und Schock und Wut über mich selber.
Ich empfand, mein Verhalten war schlicht und einfach unverzeihlich. Er hätte sich so sehr auf Besuche gefreut.
Ich mußte mein Versagen Gott bekennen und bat um Vergebung.
Meine Selbsttäuschung bestand darin, dass ich mein Verhalten vor mir verharmloste, statt dem Problem auf den Grund zu gehen und der Aufschieberitis konstruktiv zu begegnen.
Dass ich mir nicht klar genug machte, dass man so eigentlich nicht verantwortungsvoll leben kann.

Von Petrus lesen wir, dass er voller Verzweiflung bitterlich weinte, als ihm sein Verrat bewußt wurde. Er war zutiefst erschüttert.

Wie es mit David weiterging, lesen wir auch im Psalm 32:
Meine Schuld verschwieg ich nicht länger vor dir . Endlich hat er sein Herz vor Gott ausgeschüttet.

Wie ging Deutschland mit seiner Schuld um:
Unser Land bekennt sich zu seinem schrecklichen Versagen und übernimmt dafür die Verantwortung, gerade im Hinblick auf die Judenvernichtung.
Erstaunlich, aber auch nötig, ist die Tatsache, dass die Leugnung der Massenmorde unter Strafe gestellt ist.
Denn es gab und gibt immer wieder Versuche, dieses Geschehen anzuzweifeln und klein zu reden.
Es wurden höchstens 1 Million Juden umgebracht hieß es schon mal.
Und wenn man bedenkt, was die Amis mit den Indianern gemacht haben, da sind wir doch auch nicht schlimmer.
Eine neue Lebenslügen lauert.
Keine Regierung der BRD hat seit dem 2. Weltkrieg versucht, das Geschehene klein zu reden. Die DDR schob die ganze Verantwortung auf die Faschisten. Schon auch interessant.

Und wie ging Gott mit diesen Schuldbekenntnissen um ?
Wie reagiert Gott auf ehrliche Umkehr ?
Und jetzt wird es richtig spannend.
Gott vergibt David, allerdings erlebt er einen Zerburch mit seiner Familie und wird gedemütigt.
Meine Schuld verschwieg ich nicht länger vor dir …und du, ja du befreitest mich von der Last meiner Sünde.
Und er ist sich der Vergebung so bewußt, dass er – noch mitten im Schlamassel seines Tuns steckend – so zu Gott spricht:
Du wirst meine Ehre wieder herstellen, sodass ich meinen Kopf erheben kann.

Wie ging Jesus mit Petrus um:
Bei einem Treffen nach der Auferstehung:
Jesus fragt Petrus dreimal: Hast du mich lieb. Dreimal, so oft wie er ihn verraten hat. Es ist kein Vorwurf bekannt. Kein Abbruch der Beziehung.
Nach jedem JA, bekam er einen Auftrag und wird als hochrangiger Mitarbeiter eingesetzt. Jemand, der so sehr versagte. Trotz allem wurde Petrus eine hohe Verantwortung übertragen.
Stellen wir uns das in der heutigen Wirtschaft vor.
Da legt ein Unternehmer drei krachende Pleiten hin verbunden vielleicht mit etlichen Korruptionsvergehen.
Und so einer wird dann als Vorstandsvorsitzender eines Großunternehmens eingesetzt. Unvorstellbar, so einer ist gewöhnlich für immer erledigt.
Auch meine Geschichte geht noch weiter.
Ich sah dieses Bild zum ersten Mal vor ca. 20 Jahren und habe es nicht mehr vergessen.
Immer wieder, über all die Jahre, kam mir dieses Bild in den Sinn.
Eines Abends im letzten November – ein halbes Jahr nachdem der andere Klaus starb –hörte ich eine innere Stimme, ich solle den Namen des Malers, Klaus Kriechbaum googeln.
Der Impuls war sehr intensiv und klar und deutlich.
Ich tat es, fand zuerst seine Todesanzeige und dann…erschien dieses Bild auf dem Bildschirm, es wurde von einem Kunsthändler über Ebay zum Verkauf angeboten.
Mir blieb schier die Luft weg und bekam so große Augen.
Ein paar Tage später hielt ich es in meinen Händen.
Wir ließen es rahmen und jetzt hängt es über unserem Essplatz.
Es hängt dort nicht nur, weil es mir gefällt, sondern auch zur Mahnung und zur Heilung.
Ich verstand Gottes Handels so: Schau mal ins Internet, da ist etwas für dich. Lass uns nach vorne schauen.
Es macht mir wirklich keinen Spaß über mein Versagen zu sprechen.
Aber es macht Spaß, von Gottes Barmherzigkeit zu erzählen.
Und wie ging Gott mit unserem Land um.
Aus heutiger Sicht kann getrost sagen werden, dass unser Land besonders gesegnet ist.
Dass der Zusammenbruch der DDR ohne einen Schuss geschah, ist nicht natürlich erklärbar. Wenn man bedenkt, dass auf jeden geschossen wurde, der sich der Mauer nähert.
Alle Kasernen im Land wurden in Bereitschaft versetzt und die Soldaten standen mit entsicherten Gewehren bereit, Demonstrationen notfalls mit Waffengewalt zu beenden.
Kein Schuss wurde abgefeuert.
Das war mehr als eine glückliche Fügung, Christen die das miterlebten sprechen von einem Wunder.
Bislang wurden wir vor größeren Terroranschlägen bewahrt, wie jetzt gerade wieder in Chemnitz.
Ob da nicht Gott eine schützende Hand über uns hält ? So viel wurde schon rechtzeitig entdeckt.

Um Mißverständnisse zu vermeiden, möchte ich sagen, dass Lebenslügen natürlich nicht als Ursache für alles Schlechte in der Welt verantwortlich gemacht werden können.
Aber wir stehen schon in einer Verantwortung.

An den aufgezeigten Beispielen will ich zeigen, wie Gott in biblischen Zeiten wirkte und wie er heute noch wirkt und mit uns umgeht.
Ich möchte Mut machen, dass wir uns unseren Selbsttäuschungen stellen, dort wo wir eigentlich wissen, dass wir der Realität ausweichen.
Das kann schmerzhaft sein und traurig.
Aber, unser Herr Jesus will auch unser Arzt sein, wir sind nicht allein.
Jörg Zink, hat im Psalm 34 den Vers 19 folgendermaßen übersetzt:
Der Herr ist nahe bei denen, die an sich selbst verzweifeln
Gemeint sind die, die sich ihren Schwächen und Fehlentscheidungen stellen und die unter ihnen leiden. Ohne Ausflüchte, ohne Ausreden.
Weiter heißt es in diesem Vers:
Er hilft denen, die unter ihrer Schuld zerbrechen und er nimmt die Schuld von ihrem Herzen.
Ich lese z.Zt. ein Buch mit alten Kriminalfällen in Bayern.
Dort wird von einem Mörder berichtet der zum Schafott geführt wird und dabei eine Bibel bei sich hat, sie streichelt und sie küsst. Diesem Mann wurde ganz sicher seine Schuld von Gott vergeben, und auch von seinem Herzen genommen.
Es kann auch sein, und es kommt häufig genug vor, dass S.T. gar nicht also solche bemerkt werden, weil sie ein Teil von einem selber wurden.
Ist halt so, ich bin halt so.
Wer sich erst einmal in Ruhe selbst erforschen möchte, dem kann ich ein Buch von den erfahrenen Seelsorge-Therapeuten Dirk & Christa Lüling wärmstens empfehlen: Ein neues Herz will ich euch geben.
Um seinen Ecken und Kanten auf die Spur zu kommen, können auch Hinweise von nahe stehenden Menschen hilfreich sein. Endlich mal die „Beobachtungen“ der Ehefrau ernst nehmen.
Auch in der Gemeinde pflegen wir mehr oder weniger enge Kontakte.
Interessant finde ich die Aufmunterung die Paulus im Kolosserbrief 3,16 ausspricht:
Belehrt einander und bringt euch zur Vernunft. Tut dies in aller Weisheit (Basis Bibel)
Ich möchte Mut machen zur Seelsorge und falls nötig zu einer seelsorgerlichen Therapie.
Jesus möchte in die Wahrheit führen, aber nicht um uns zu demütigen, sondern um einen Heilungsprozess zu beginnen.
Ganz individuell, voll Liebe und Barmherzigkeit. Er will keinen Umkehrer verletzen, er will ihn und sein Herz gesund machen.
Er ist nicht der Ankläger.
Letzten Sonntag sangen wir das Lied: „Wo ich auch stehe“, darin heißt es:
„Ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.“
Ich glaube ich hörte es im ERF, dass es Menschen gibt, die mit dieser Aussage ein Problem haben. Die sich das nicht vorstellen können, wie gnädig und barmherzig Gott ist. Wie schade.
Wir sollten uns immer wieder die Geschichte vom verlorenen Sohn ins Gedächtnis rufen, um uns an die Vergebungsbereitschaft unseres Vaters im Himmel zu erinnern.
Als der verlorene Sohn krachend scheiterte, wagte dieser sich – zerlumpt und verlaust – wieder nach Hause zurück, um als Knecht anzuheuern und seine ganze Schuld zu bekennen.
Die Reaktion des Vaters kann in dieser Geschichte 1:1 auf Gott übertragen werden. Dieser sah die Reue und er freut sich nur, dass sein Kind wieder in seinen Armen liegt.
Kein Vorwurf, nicht einmal ein: Du hast mir zwar wehgetan, aber ich bin froh, dass du wieder da bist. So eine Aussage wäre schon eine Riesensache gewesen. Nichts dergleichen.
Dieses gar-nicht-darauf-eingehen sagt sooo viel aus.
Mit dieser Geschichte will Jesus den Menschen auch sagen, wenn ihr es ehrlich meint, wird euch Gott vergeben. Und keiner kann sagen, „aber das, was ich getan habe ist zu schlimm um vergeben zu werden“.
Und es gibt auch keine Altersgrenze um sich von Jesus heilen zu lassen.
Zur Heilung ist es nie zu spät.

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