Einzigartig

Einzigartig – das ist nicht nur dieses Treffen heute Morgen, das ja so noch nie stattgefunden hat und das auch für die Zukunft durchaus nicht einzigartig bleiben muss.

„Einzigartig“ – so lautet das Oberthema der diesjährigen Internationalen Gebetswoche. Einzigartig – das ist gewiss unser Vater im Himmel, das ist unser Herr Jesus Christus, das ist der Heilige Geist, dessen Gegenwart wir heute Morgen sehr benötigen – und der uns auch zugesagt ist.

Einzigartig – das ist aber auch beziehbar auf das, was Gott vor 500 Jahren geschenkt hat durch den Thesenanschlag Martin Luthers an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg – und vor allem durch das, was an Reformatorischem dadurch entstanden ist.

[Aus technischen Gründen konnte leider keine Audio-Aufnahme angefertigt werden.]

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Einzigartig – Predigt zur internationalen Gebetswoche 2017
Reihe
Datum
15.01.2017
Länge
Bibelstelle
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Predigt

Die Internationale Gebetswoche hat dieses Thema nun aufgegriffen, indem an den Abenden der letzten Woche die vier Exklusivpartikel Luthers das Thema waren. Was das ist? Das wissen Sie gewiss, nur Sie kennen die vier Themenbereiche vermutlich nicht unter diesem Namen. Gemeint sind diese vier:

Solus Christus – Christus allein – die Hoffnung für die Welt
Sola Gratia – Die Gnade allein – unsere Chance
Sola Scriptura – Die Bibel allein – unsere Grundlage
Sola Fide – der Glauben allein – unsere Antwort auf Gottes Angebot

Einzigartig ist auch, dass Luther durch Gottes Geist offensichtlich Formulierungen für diese vier Exklusivpartikel gefunden hat, die herausstellen, wie einzigartig Christus, die Gnade, die Bibel und der Glaube sind: denn obwohl das „Sola“, das „Allein“, nicht im grie Text stand, hat Luther folgerichtig übersetzt: Christus allein, die Gnade allein, die Bibel allein, der Glaube allein.

Ich durfte mich entscheiden, welchen dieser vier Artikel ich heute Morgen in den Mittelpunkt stellen wollte – und ich habe mich für die Grundlage entschieden: die Bibel allein, das Wort Gottes – dieser Schatz, aus dem wir alles Wissen und Verständnis über Gott, seinen Sohn Jesus Christus und den Heiligen Geist schöpfen.

Wenn Sie mich übrigens fragen: „Glaubst Du, Gerd Ballon, eigentlich an die Bibel?“ – dann muss ich folgerichtig sagen: „Nein, ich glaube nicht an die Bibel. Ich glaube eigentlich nicht an etwas, sondern ich glaube und vertraue dem Herrn Jesus Christus, ich vertraue dem Vater unseres Herrn Jesus Christus und ich lebe täglich – und gewiss mehr, als ich je glauben kann – von dem Geschenk des Heiligen Geistes, von seinem Trost, seiner Ermahnung, seiner Vergewisserung meines Glaubens. Mein Glaube ist aber, anders als alle religiösen Auffassungen nicht auf Dogmen, reine Inhalte oder Dinge und Sachen fixiert, sondern er ist Ausdruck einer ganz persönlichen Lebensbeziehung zu Gott. Die Einzigartigkeit der Größe und Macht Gottes lässt mich ständig staunen, so oft ich mir das bewusst mache. Die Einzigartigkeit der Liebe und Vergebung Jesu Christi lässt mich demütig Danke sagen, wann immer der auferstandene Herr Jesus mein Herz berührt. Und die Einzigartigkeit der Gegenwart des Heiligen Geistes Gottes in dieser Welt, in der Gemeinde Jesu und in meinem kleinen Leben lässt mich neuen Mut fassen – auch beim Blick auf den sich verdüsternden Horizont der aktuellen und zukünftigen Ereignisse in dieser Welt.

Diese personale und persönliche Lebensbeziehung zu Gott – die ist es, die die Einzigartigkeit des Evangeliums in dieser Welt ausmacht. – Und deshalb glaube ich nicht an die Bibel in einem religiösen Sinn. Und ich habe bis heute keine Lust darauf, über die Irrtumslosigkeit der Schrift hin und her zu streiten, vor allem, weil die Bibel selber sie nirgendwo betont. Ich habe aber große Lust, dieses Grundlagenbuch heute Morgen mit Ihnen ein ganz klein wenig anzuschauen und zu sehen, was an Einzigartigem dabei für uns deutlich wird.

Vorher zwei kurze Vorbemerkungen.

Wir haben derzeit Sonntag für Sonntag viele afrikanische Christen aus Nigeria und anderen Ländern Afrikas in unseren Gottesdiensten, und wir haben allen Grund, das zu genießen. Es bereichert unseren eigenen Glauben. Aber manchmal kommen sonntags morgens auch Moslems zu uns. Vor kurzem passierte es, dass jemand aus der Gemeinde vom Mikrofon aus einen Bibeltext aus seiner Bibel vorlas. Dann setzte die Person sich wieder auf ihren Platz und legte ihre Bibel auf den Fußboden neben sich. Das beobachtete ein pakistanischer Moslem, und sofort machte er dramatische Zeichen in Richtung dieser Person: niemals das heilige Buch auf den Boden legen. Das ist doch ein Sakrileg. Und er beruhigte sich erst, als die Bibel aufgehoben und auf dem Schoß gehalten wurde. – einmal abgesehen davon, dass wir immer Grund haben, gut auf unsere Bücher zu achten und sie zu schonen: die Bibel ist kein Heiliges Buch, dem etwas Magisches innewohnt. Das macht mich und Dich frei im Umgang mit ihr. Ich bin nicht Knecht des Buches, sondern die Bibel dient mir zur Erkenntnis Gottes.

Auf der anderen Seite erschrecke ich immer mehr angesichts gerade der Kenntnislosigkeit, in der Glaubende heute ihre Beziehung zu Jesus gestalten. Wir leben mit einem Evangelium, das dürftiger nicht sein kann – und das viele Christen deshalb auch als kraftlos und wirkungslos erleben. Ich frage mich manchmal, wie die christliche Gemeinde die nächsten dreißig Jahre geistlich überleben wird, wenn sich hier nicht Grundlegendes ändert.
Und deshalb nun noch vier kurze Gesichtspunkte zum Thema Grundlagen: Sola Scriptura – wenn Gottes Wort zu mir redet…

1. Einzigartig und Sola Scriptura: Gottes Wort sagt mir zuverlässig: Gott kennt mich wirklich!

Kennen wir einander? Wir schauen dem anderen doch nicht hinter die Stirn! Wir bleiben einander bei aller Menschenkenntnis im Letzten doch verborgen und unbekannt. Und es wäre schlimm, wenn wir jeden unserer Gedanken und jedes unserer Gefühle vom anderen sofort erkannt wüssten! Stellen Sie Sich das einmal vor. Wir kämen uns ausgeliefert vor. Wir würden krank. Und doch bleibt in uns die Sehnsucht, einander besser kennenzulernen; unseren Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Nicht um uns zu enttarnen, sondern weil wir den anderen so lieben und mögen. Es tut Menschen, die einander sehr lieben, weh, zu spüren, dass das letzte Kennen und Erkennen in dieser Welt nicht geschehen kann. Hier aber enthüllt sich ein Stück unseres Menschseins. Und hier sagt Gottes Wort mir und Dir: Gott kennt mich. Einer, ein einziger, eben Gott, kennt mich durch und durch. Jeden Fetzen meines Seins kennt Gott.

Manchem macht das vielleicht Angst. Ich sozusagen vor dem Röntgenschirm Gottes? Wird mich seine Strahlung nicht töten? Wie sollte ich vor ihm bestehen können? Aber – dieser Gedanke will mich nicht ängstigen! Er will mich in diesem Bereich meines Menschseins befreien. Gott kennt mich! Einer ist da, vor dem brauche ich mich nicht zu verstecken. Da kann ich alle Masken fallen lassen. Da darf ich auch einmal hemmungslos weinen. Denn Gott kennt auch meine Gefühle. Gott hält diese Gefühle aus. Er schaut nicht verschämt weg. Er tröstet. Er hilft. Gott kennt mich. Das hilft mir leben! Vor einem brauche ich mich nicht zu verstecken.

2. Einzigartig und Sola Scriptura: Gottes Wort bezeugt mir: Gott schützt mich!

Wenn es etwas gibt, was uns Menschen den Atem abschnüren kann, dann ist es die Ungeborgenheit und Schutzlosigkeit unseres Daseins. Diese Schutzlosigkeit, diesen Ansturm von Gefahren zu überwinden, das macht einen riesigen Teil unseres Lebensalltags aus. Wie viel Energien müssen wir auf den Ausgleich unserer Schutzlosigkeit verwenden! Wie viel Kraft auf das Unterdrücken oder Auflösen von Sorgen und Lebensproblemen. Wenn uns das nicht mehr gelingt, erkranken wir. Die meisten seelischen Krankheiten sind im tiefsten Grunde unbewältigte Ungeborgenheitsgefühle! – Und besonders in der aktuellen Bedrohung durch Selbstmordattentäter auch in Deutschland ist spürbar, wie groß unser Sicherheitsempfinden doch ist. Mangelndes Sicherheitsgefühl macht krank – seelisch und körperlich. Das betrifft uns – und das betrifft die Angst um Menschen, die ich liebe.

Wenn Angehörige zu spät nach Hause kommen; wenn ein versprochener Anruf ausbleibt; wenn der Tod in benachbarte Familien eingreift. Ein großer Teil unserer Trauer über andere ist begründet in der Angst vor der eigenen tödlichen Bedrohung. Wir weinen über den Tod eines Menschen – und beweinen im Grunde gleich unseren eigenen unausbleiblichen Tod, unsere Ungeborgenheit, mit. Und wir sind so uneinsichtig, manchmal lieber dem Gerede über mehr und immer mehr Sicherheit in der Parteien zuzustimmen, als einmal zu erinnern: Sola Scriptura! Unsere Bibel verstaubt im Schrank, anstatt dass wir einmal nachschlagen und zu lesen: Gott schützt mich! Gott umgibt mich und meine Lieben von allen Seiten! Er hält seine Hand über mir.
Das ist der totale Schutz! An jeder meiner verletzbaren Flanken steht Gott. Ich bin geborgen, behütet, geschützt. Ich darf aufatmen. Ich kann das Albträumen aufgeben. Ich kann Verwandte in Gottes Schutz befehlen und ruhig einschlafen. Ich kann Sorgen vor Gott aussprechen und mich unter seine Hand befehlen. Eine der brennendsten Fragen meines Menschseins ist gelöst. Begreifen wir wieder die Kraft dieses Buches? Das ist kein Entwicklungsroman; das ist die Beschreibung der Schutzräume meines Lebens. Das ist die Grundlage unseres Wissens über Gott. Sola scriptura! Gott sei Dank – oder?

3. Einzigartig und Sola Scriptura: Gottes Wort bezeugt mir: Gott will mich!

200.000 Kinder in einem Jahr. Eine große Stadt in Deutschland jährlich. Ausgerottet. Nicht gewolltes Leben – durch Abtreibung vernichtet.

Volle Wartezimmer der Psychiater: „Ich kann mich nicht annehmen! Ich will mich so nicht!“

Können Sie sich selber so wollen, so annehmen, wie Sie sind? Ihren Körper, Ihr Gesicht, Ihre Haut, Ihre Organe, Ihre Gefühle, Ihren Charakter, Ihre Art, Probleme zu lösen, Ihre Art, Menschen zu begegnen? Wollen Sie Sich?
Ich habe für mich die Erfahrung gemacht: zu einer Selbstannahme meines Ich bin ich erst wirklich vorgestoßen, als ich erkannte: Gott will mich so! Er hat mich so gemacht! Bis in die Feingliedrigkeit meines Körpers, bis in die Windungen meines Gehirns hinein. Gott will mich. Er will, dass ich lebe. Er will mich so, wie ich gestaltet bin! Das macht so frei!

Die mangelnde Selbstannahme führt zur Verachtung des eigenen Lebens, führt auf lange Sicht zur Vernichtung meiner nicht gewollten Existenz. Und in jedem Menschen stecken Minderwertigkeitsgefühle! Keiner hat keine!!

Gottes Wort sagt mir: Gott will Dich! Gott liebt Dich auch, wie Du bist! Er mäkelt nicht dauernd an mir herum! Er lacht nicht über meine Schwächen! Er redet nicht hinter meinem Rücken über meine Fehler. Er hat mich schon längst angenommen. Denn er hat mich gemacht. In meiner Unterschiedlichkeit von anderen. In meiner Behinderung – körperlich, seelisch, geistig und geistlich. Mit allen meinen Grenzen. Gott will mich! Wer an dieser Stelle gelitten hat oder leidet, weiß, wie sehr Gottes Wort hier befreit!

4. Einzigartig und Sola Scriptura: Gottes Wort bezeugt mir: Gott rettet mich!

Die Bibel wäre es wirklich nicht wert, gelesen zu werden, wenn wir nicht auch dies darin fänden: Gott rettet mich!
Geborgenheit, Annahme, Liebe, Gewolltsein – das alles wäre schön für einige Zeit – aber dann? Die letzten Fragen, die Unsicherheit über den Sinn und Zweck meines Hier-auf-dieser-Welt-Seins würden noch lange nicht ausgeräumt!

Aber das sagt die Scriptura, das Wort Gottes eben auch: Gott gibt sich nicht mit halbherzigen und unfertigen Sprüchen ab. Gott macht ganze Sache. Gott rettet. Gott schafft den Tod ab. Gott setzt ewiges Leben ein.

Und das wird spätestens in den 27 Büchern des NT herrlich entfaltet! Gott rettet jeden einzeln. Jesus Christus, sein Sohn, hing an einem Kreuz. Er wurde in den Abgrund gestürzt. Er hatte den bösen Weg, von dem hier die Rede ist, zu beschreiten. Jesus Christus ist gestorben für meine Fehler, für meinen falschen Weg. Wir aber werden von Gott gerettet. Wir dürfen ewige Wege gehen. Ziel -, planvolle Wege! Wir dürfen – umkehren. Wir sind gerettet! Denn selbst das verwirrende Netz unserer Schuld wird von Gott zerrissen durch Vergebung! Gott macht ganze Sache! Gott rettet mich!

Und – eigentlich ist dieses Buch nur deshalb geschrieben! Eigentlich ist es nur deshalb so dick, damit wirklich jeder Mensch auf ganz verschiedene Weise gesagt bekommen kann: Gott rettet Dich! Gott gibt Dir eine neue Chance! Jetzt! Lies selber nach im Wort Gottes, in der Bibel!
Da wirst Du alles exklusiv Wissenswerte finden – eben über diese Exklusivpartikel:

Solus Christus – Christus allein – die Hoffnung für die Welt
Sola Gratia – Die Gnade allein – unsere Chance
Sola Scriptura – Die Bibel allein – unsere Grundlage
Sola Fide – der Glauben allein – unsere Antwort auf Gottes Angebot

Denn Gott ist einzigartig. Und er hat sich uns in Christus zugewandt. Gott sei Dank. Für Christus, für seine Gnade, für die Schrift, für den Glauben, für Martin Luther, für mein und Dein Leben.

Alles das ist – Einzigartig. Amen

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