Münzen als Symbol für Schätze

In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis

Wer von Euch hat schon einmal mit Geo-Cashing gearbeitet, um Schätze zu finden?

Ich selber habe damit noch keine Erfahrungen gemacht. Ein Kollege hat als Folge eines solchen Herumstreifens im abschüssigen Wald monatelang einen komplizierten Bruch ausheilen müssen.
Also – Vorsicht ist geboten.

Einfacher war es für einen, von dem eine kleine Geschichte erzählt und von dem auch der erste Punkt dieser Predigt handelt.

Geschätzte Lesezeit: 9 Minuten

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis
Reihe
Datum
29.07.2018
Länge
29:31
Bibelstelle
Kolosser 2, 3
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

3 In ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen.

Predigt

1. Wer Schatz hört, denkt meist an Nachgraben und Suchen

“Eine Legende erzählt von einem alten Juden aus Krakau mit dem Namen Eisik Jekel. Er hatte in seinem Leben viel Schweres erlebt, war aber darüber nicht bitter geworden. Vielmehr hatte er sich ein kindliches Vertrauen auf Gottes Güte und seine Macht bewahrt. Er war alt und sehr arm. Aber in seinem Herzen lebte die Sehnsucht, etwas Großes für Gott tun zu können. Eines Nachts träumt er, dass Gott ihm befiehlt, er solle nach Prag wandern, dort an der Brücke zum königlichen Schloss würde er einen Schatz finden. Eisik Jekel erwacht, bindet sich seine zerfetzten Sandalen unter die Füße, wirft sich den alten Mantel über und wandert den weiten Weg nach Prag. Dort sucht er die Brücke zum königlichen Schloss und findet sie schwer bewacht. Jeden Morgen zieht die Wache auf, und jeden Tag streift Eisik Jekel um die Brücke herum und hält Augen und Ohren offen. In seiner Glaubenseinfalt sucht er den Schatz. Gehorsam wartet er, bis er ihn findet. Nach einigen Tagen fällt dem Hauptmann der Wache der alte Jude auf, und er spricht ihn an: „Suchst du etwas? Bist du mit jemandem verabredet? Wartest du auf jemanden?“ Eisik erzählt ihm seinen Traum. Da lacht der Hauptmann und nennt ihn einen Narren: „Träume sind Schäume. Du bist ein Dummkopf. Dann müsste ich ja auch töricht sein und losgehen. Denn mir träumte vor Jahren, ich solle nach Krakau wandern und dort bei einem alten Juden, der Eisik Jekel heißt, unter dem Ofen nach einem Schatz graben. Nein, das ist doch Dummheit!“ Eisik Jekel verbeugt sich, nimmt den Mantel zusammen, wandert nach Hause, gräbt unter seinem Ofen und findet einen großen Schatz. In seiner Freude baut er für Gott ein wunderschönes Bethaus.”

Und vielleicht hat der eine oder andere eine moderne Schatzsuche miterlebt wie etwas diese – nur als Beispiel natürlich:

Ein nebliger Donnerstagmorgen in FFB. Aldi liefert seine neuen Angebote aus. Wieder einmal ist ein PC darunter. Auch Du bist interessiert und triffst eine halbe Stunde vor Öffnung des Ladens ein. Es ist nicht zu fassen. Eine große Menschentraube steht bereits vor der Tür. Und sie wächst von Minute zu Minute. Kurz vor neun Uhr steigt die Spannung auf den Siedepunkt. Und dann stürzt sich die Menge auf die Regale. Auch Du greifst Dir einen Computer. Zum Glück brauchst Du diesmal Deine Schusswaffen-Attrappe nicht. Niemand, der sich vor Dir aufbaut und zu Dir sagt: “He, Kleiner, das da ist mein PC. Gib ihn mir freiwillig, wenn Du weiterhin bei Aldi einkaufen willst.”

Ja – “Bei Aldi liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.”

Nein, nicht bei Aldi, sondern einzig und allein “in Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis!” Aber – und das ist sonderbar: bei ihm steht niemand Schlange. Die Nachfrage nach ihm hält sich in Grenzen. Selbst fromme Leute bekommen keine glänzenden Augen mehr, wenn sie von Jesus Christus reden. Woran liegt das? Was läuft hier falsch?

2. Wie uns die Vorfreude auf den göttlichen Schatz vermasselt wird

Woran liegt es, dass selbst viele Fromme so lustlos vom Glauben singen und reden? Warum gibt es so viele gelangweilte Christen? Manche sehen so aus, als hätte Gott keine Überraschungen mehr für sie bereit. Sie scheinen nichts von ihm zu erwarten. In einigen Gottesdiensten sieht man seltsam stumpfe Gesichter, die großen Choräle von der Freude Gottes singen. Sie scheinen diese Freude nie erfahren zu haben. Woran liegt das denn nur?

Lassen Sie uns zunächst einen Blick auf die ersten Adressaten dieses Verses und Briefes werfen. Es sind Christen in Kolossä, die diese Worte ja in einem Brief lesen, den ihnen der Apostel Paulus schreibt. Paulus macht sich offensichtlich Sorge um sie. Die Kolosserchristen werden umgarnt von Leuten mit verführerischen Angeboten. Sie verbreiten faszinierende Philosophien, erzählen geheimnisvolle Engelgeschichten und geben einprägsame Vorschriften der Lebensgestaltung weiter.
Kennen wir das auch? Trotz unserer modernen Welt hat sich an der Verführungsstrategie des Widersacher Gottes bis heute nichts geändert. Dramatische Geschichten von Engeln und spirituellen Kräften finden auch heute großes Interesse, und so mancher Zeitgenosse erwärmt sich eher für religiöse Vorschriften als für das gnadenvolle Evangelium von Jesus Christus. Gerade gelangweilte Fromme sind hier im höchsten Maße gefährdet. Wer von Jesus nichts mehr erwartet, der ist reif für den Aberglauben.

Ich sehe vor allem zwei mögliche Ursachen für diesen Zustand, und wenn wir jetzt darauf zu sprechen kommen, sollten wir uns selbst in den Blick nehmen.

a. Wir haben uns schon so daran gewöhnt!

Das Problem der Gewöhnung – das ist sicher einer der Hauptgründe für eine gelangweilte Grundhaltung von uns Schatzsuchern.
Man gewöhnt sich an alles, auch an die große Gnade und Barmherzigkeit Gottes. Gottes Geschenke können uns mit der Zeit so vertraut werden, dass wir das Staunen darüber verlieren. Das ist ein allgemeines Problem, das wir kennen – auch in anderen Lebensbereichen. Was tun? Nichts anderes, als immer wieder einander erinnern. Dieser Vers in Kol 2,3 hilft uns dazu. Wir dürfen uns deutlich machen, was für einen Schatz wir mit Jesus Christus von Gott geschenkt bekommen haben! Ein Schatz, der nicht verdirbt! Ein Schatz, zu dem wir jedermann einladen dürfen!

b. Wir leben mit der falschen Erwartung an den Schatz

Wenn ich ein Geschenk empfange, dann packe ich das ganze zunächst erwartungsvoll aus. Wenn ich nach einem Schatz gegraben habe und vielleicht dabei bin, die Truhe zu heben, dann warte ich erwartungsvoll auf den Augenblick, da der Riegel aufgesprengt ist und ich den Deckel hebe. Und oft erwarte ich von einem Geschenk, dass es dann mein Leben verändert, einfach indem es seine Wirkung verbreitet.
Reichtum verändert bekanntlich. Wirklich?

Was ich Ihnen jetzt gestehen muss, beschämt mich sehr. Ich erinnere mich genau: Ich habe vor einigen Jahren zu Weihnachten ein Pulsmessgerät geschenkt bekommen. Und von jemand anders ein Buch mit der Anleitung zu einer gesunden Körperbetätigung. Ich habe beides ausgepackt und mich darüber gefreut. Nun halte ich einen Schatz in Händen. Und jetzt? Ich könnte jetzt in der falschen Erwartung leben, dass sich nun allein durch diesen Schatz mein Wohlbefinden und mein Körpergefühl ändern. Erwartungsvoll sitze ich da, schaue auf das Geschenk mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen in der Messtechnik und der Sportkunde. Aber – nichts wird sich ändern. Erst wenn ich selber aktiv werde, das Pulsmessgerät anlege, mich sachkundig mache und dann regelmäßig jogge oder “walke”, werde ich die Wirkung spüren. Ich selber, mein Wille und Engagement sind gefragt. Und nun das Beschämende: ich habe es wirklich so gemacht: ich habe das Ding bis heute noch nicht wirklich benutzt. Ich habe manches verändert in meinem Leben – aber das nicht. 18 Jahre lang schon. Und ich kann noch nicht einmal versprechen, das zu ändern…

Und das schlimmste: so kann ich auch mit den Schätzen an Weisheit und Erkenntnis umgehen, die Jesus für mich bereithält. Ich warte darauf, dass sich eine Änderung meines Denkens und Handelns von selber einstellt. Ich bin doch Christ, höre das Wort Gottes, bin in einer Gemeinde und einem Hauskreis. Also – warum ändert sich nichts in meinem Leben, in meinen Einstellungen, in meinem Gefühl?

Das Problem liegt dann in meiner falschen Erwartung. Das, was Jesus mir mitteilen will, fordert meine ganze Konzentration, meinen Willen, meine Kraft. Was also kann ich besser machen, damit mir der Schatz Christi nicht verborgen bleibt?

Erstens soll ich dem Vater im Himmel für seinen Sohn Jesus danken. Danken macht empfindsam für das anvertraute Geschenk und hilft mir, wieder ein Gespür für das zu bekommen, was mir inzwischen zu alltäglich und selbstverständlich geworden ist.

Zweitens soll ich dabei ehrlich sein. Geistliche Defizite müssen zugegeben werden. Gerade langjährigen und angesehenen Christen fällt das schwer. Aber wer an seiner Selbsttäuschung festhält, schreibt damit seinen Zustand fest. Ohne das ehrliche Eingeständnis meiner inneren Armut gibt es keine neuen Erfahrungen. Jesus sieht mich doch auch so, wie ich bin. Ich darf ihm das doch dann auch so bekennen.

Drittens soll ich beten, dass Gott mir eine große Sehnsucht nach seinen Schätzen ins Herz gibt und meine inneren Augen für sie öffnet (Epheser 1, 18!). “Ihr erhaltet nichts, weil ihr nicht bittet!”, schreibt Jakobus (Jakobus 4, 2). Nicht zu fassen, welche Zusagen uns Jesus für das Gebet in seinem Namen macht (Johannes 14, 13.14)! Warum nehmen wir sie so selten in Anspruch? „Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen“, sagt er seinen Jüngern (Johannes 16, 24). Sagt er das auch zu mir?

Und ich frage Dich: Hast Du das schon getan? Oder musst Du Dich genauso schämen, wie ich mich wegen des Pulsmessgerätes schämen muss? Sei ehrlich mit Dir selber.

3. Der genaue Fundort ist: in Jesus Christus!

“In Christus” – schreibt Paulus. Das heißt doch: alle anderen Fundorte scheiden aus. Das sei auch jenen gesagt, die meinen, über Jesus Christus hinaus müsse es noch mehr geben. Solche Leute treten manchmal sehr fromm auf und wollen uns Erkenntnisse vermitteln, die mit besonderen Frömmigkeitsübungen und Geistesfahrungen verknüpft sind. „Du bist zwar bekehrt, aber etwas Wichtiges fehlt dir“, sagen sie, um uns auf Weisheiten und Erkenntnisse über Jesus Christus hinaus hinzuweisen. Aber es gibt keine geistlichen Schätze außerhalb von ihm. In ihm haben wir alles, und zwar endgültig. Das gilt es auszupacken und zwar hier und jetzt. Wer auf andere Fundorte verweist, bringt uns mit menschlichen oder dämonischen Dingen in Verbindung, aber keinesfalls mit dem guten Reichtum Gottes.

Also: Allein das Maß unserer Hingabe an Christus entscheidet über das Maß seiner Fülle in uns. Je mehr wir uns ihm entziehen, desto weniger werden wir von seinen Schätzen entdecken. Hingabe an Christus ist der einzige Zugang zur Schatzkammer Gottes, also Hingabe an den, der jetzt beim Lesen dieser Zeilen neben mir steht und ebenso bei allen, die diesen Predigttext hören. Wir können gar nicht real genug von ihm denken. Seine Wirklichkeit sprengt unser gesamtes Vorstellungsvermögen. Sein Reichtum an Weisheit und Erkenntnis übertrifft alles, was jemals in dieser Welt erkannt und gewusst wurde. –

Wir sind so stolz auf unsere Informationsgesellschaft. Unsere Computer arbeiten immer schneller und effektiver. Unsere Kommunikation läuft immer rasanter.

Das aber, was wirklich wichtig ist und meinem und Deinem Leben hilft, das liegt verborgen in Christus – bereit, gefunden, angewandt und von mir und Dir gelebt zu werden. In Christus haben wir alles, wirklich alles, was unsere Seele, unser Herz, unser Verstand, unser Gemüt, unser Körper brauchen, um wirklich zu leben.
Zum Beispiel: seine uneingeschränkte Liebe zu uns; seine übergroße Ermutigung; seine Zuversicht in die Zukunft unseres Lebens, seine nicht endende Vergebung, seine weisen Informationen über das, was unsere Seele heil macht und erhält; seine Perspektive für diese Welt und für Deine und meine konkrete Zukunft im Himmel; seine gute Herrschaft über unseren Willen und Gehorsam,
.- alles das lohnt sich gesucht, gefunden und gelebt zu werden.

Was davon hast Du in Deinem Leben wirklich gefunden und eingebaut? Oder – hast Du in dieser Hinsicht geschlafen?

Nochmals also: wie komme ich am besten und sichersten heran an den Schatz?

Ich kehre zurück zu der kleinen Geschichte am Anfang.
Eisik Jekel – einige werden sich noch erinnern – macht sich auf den Weg, um einen Schatz zu finden. Erwartungsvoll wartet er an der Brücke zum königlichen Schloss, weit weg von zuhause. Wo auch sonst soll es Schätze zu finden geben als in der Nähe des Schlosses. Und dann – dann führt Gott ihn zurück nach Hause, dorthin, wo er schon immer war und gelebt hat. Nur – jetzt weiß er erst, was für ein Schatz sich ganz in seiner Nähe befindet. Jetzt sucht er unter seinem Ofen, dort, wo er vielleicht so oft schon gesessen und sich gewärmt hat. Nun aber erkennt er den wahren Reichtum in seinem kleinen Leben. Gott offenbart ihm den Schatz.

Liebe Gemeinde, mir sagt Kol 2,3 in Verbindung mit dieser Geschichte sehr deutlich: Alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis, die Christus mir bereithält, die finde ich ganz in meiner Nähe, wenn ich auf ihn, auf Gott, höre; ihm wirklich zuhöre und entdecke, was sein Wort mir an Reichtum schenken will. Ich finde dann, wenn ich mir Zeit nehme zur Stille mit Christus und seinem Wort. Das schaffe ich nicht jeden Tag; einmal in der Woche ist allerdings auch zu wenig. Aber während dieser Zeit mit Christus, da spricht Gott so oft so deutlich zu mir und beschenkt mich mit seinem Reichtum und mit Erkenntnis über mich selber, die ich sonst nirgendwo finde. Da tröstet er mich und macht mir Mut, nicht auf meine Grenzen zu schauen, sondern auf seine Kraft. Da zeigt er mir, dass auch ich kleiner Hirte mich unter den Mantel des großen Hirten begeben darf, weil Er, Christus, der Herr der Gemeinde ist; weil er alles tut, und ich ihm nur ein bisschen helfen soll. Da setzt er meine Maßstäbe wieder richtig. Das tut so gut. Das ist ein Schatz für mich.
Du, wo gräbst Du gerade? Gräbst Du? Packst Du auch aus? Und – wird Christus Dich beschenken können? Gott segne Dich mit diesem Wort und mit Willen und Engagement zur persönlichen Veränderung, denn: In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis – auch für Dein Leben! Und Gott sei Dank: wir können wir alle, jeder von uns, jederzeit anfangen mit der Schatzsuche, falls wir vor lauter “Zeitmangel” damit bisher noch nicht angefangen haben.
Nur bitte – lasst es uns endlich tun. In Christus liegt soviel Reichtum. Lass ihn nicht liegen. Grabe – und finde – Tag für Tag. Gott segne Deine Stille mit Jesus, Deine Zeit in Hauskreisen, Deine Gespräche mit anderen Christen, Deine Gottesdienste – und die vielen anderen Möglichkeiten zur Schatzsuche im Wort Gottes.

Amen

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