Strand und Flaggen

Lotse – Vertrauen und Hoffnung auf Jesus & Flaggen – zeigen, was ich glaube

Wir sind auch gemeindlich im Urlaubsmodus. Und im Gemeindebrief habe ich versucht, Euch weit hinauf an die Nordseeküste mitzunehmen und ein wenig über Strandgut, Flaggen und Lotsen in meinem und Deinem Leben nachzudenken.
Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Lotse – Vertrauen und Hoffnung auf Jesus & Flaggen – zeigen, was ich glaube
Reihe
Predigten im Urlaub
Datum
05.08.2019
Länge
23:21
Bibelstelle
Matthäus 10, 27-32
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

27 Was ich euch im Dunkeln sage, das gebt am helllichten Tag weiter! Was ich euch ins Ohr flüstere, das ruft von den Dächern. 28 Habt keine Angst vor den Menschen, die zwar den Körper, aber nicht die Seele töten können! Fürchtet vielmehr Gott, der beide, Leib und Seele, dem ewigen Verderben in der Hölle ausliefern kann. 29 Welchen Wert hat schon ein Spatz? Man kann zwei von ihnen für einen Spottpreis kaufen. Trotzdem fällt keiner tot zur Erde, ohne dass euer Vater davon weiß. 30 Bei euch sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. 31 Darum habt keine Angst! Ihr seid Gott mehr wert als ein ganzer Spatzenschwarm. 32 Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde ich mich auch vor meinem Vater im Himmel bekennen.

Predigt

Dort, an der Nordsee, möchte ich auch heute Morgen mit dieser Urlaubspredigt bleiben. Früher sind wir mit unseren noch kleineren Kindern gern auf die Ferieninsel Langeoog gefahren. Und dort, im Haus Bethanien, das unserem Diakoniewerk angehört, war ich dann ein „Kurpastor“. Das bedeutete, dass ich immer ordentlich gekleidet sein sollte und zu den Mittags – und Abendmahlzeiten eine kleine Andacht geistlichen Inhaltes hielt. Ich erinnere mich noch gut an manchen Schweinsgalopp mit der ganzen Familie weg vom Strand und hin zum Mittagessen, vorher umziehen und dann an den gedeckten Tisch. Das Essen war immer super; der Kleidungsstress für die Familie oft heftig. Aber ich erinnere mich gern an diese Zeit. Das letzte Mal waren wir in dieser Mission im September 2001 auf der Insel. Zwei Tage nach unserer Rückkehr nach Unterföhring explodierten zwei Verkehrsflugzeuge in den Twin Towers – und eine neue Zeitrechnung setzte ein…

Davon wollte ich aber heute Morgen nicht weiter berichten. Wohl aber zwei Themen aus dem Bereich der Nordseeschifffahrt möchte ich mit Ihnen zusammen bedenken und auf unser geistliches Leben anwenden. Also:

1. Jesus – der Lotse auf unserem Lebensschiff?

Lotse – für manchen steckt hinter diesem Wort vielleicht nur der Name eines unbedeutenden chinesischen Politikers für Schifffahrt und Heringsfangquoten: Lot-se. Da liegt er dann aber falsch. Auf den großen Pötten, die auf die Seehäfen zusteuern, sind sie aber regelmäßig zu finden – die bestens ausgebildeten, fahrwasser- und hafenkundigen Experten, die die großen Schiffe an das richtige Anlegekai und wieder hinaus ins offene Meer geleiten! Vielleicht erinnert sich der eine oder andere aber auch noch an das Bild im Geschichtsbuch:

Der greise Bismarck in Seeuniform verlässt das kaiserliche Schiff. Der Untertitel: „Der Lotse geht von Bord!“ Damals war das ein Hinweis auf ein folgenschweres Ereignis in der preußischen Politik. Einer der wichtigsten Männer damals hatte abgedankt.

Der Loste geht von Bord (Dropping the Pilot (John Tenniel))
Der Loste geht von Bord (Dropping the Pilot (John Tenniel))

Lotsen sind Teilzeitkapitäne in kritischen Zeiten. Dann übernehmen sie an Bord die Verantwortung und das Kommando. Ist das Schiff wieder in freiem Wasser, dann passiert das immer wieder völlig normal und emotionslos: der Lotse geht von Bord; und der Kapitän ist wieder ganz Herr der Lage.

Nehmen wir diesen Zusammenhang einmal als Bild:
Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit – mancher kennt dieses Lied ja vielleicht.

Da ist also das Schiff Gemeinde unterwegs. Strahlender Sonnenschein. Gute Laune an Bord. Die Mannschaft kümmert sich gemütlich um Kurs und Takelage. Plötzlich: Verschlechterung des Wetters: STURM! Und was noch schlimmer ist: je näher man der Küste kommt – gefährliche Klippen! Da kennt sich niemand aus! Alle geraten in Panik. wie soll man unbeschadet da durch? Da ertönt der Ruf: Ein Lotse muss her! Einer, der sich auskennt. Einer, der jetzt die Verantwortung übernimmt. Sofort funkt man zur Leitstelle; bald hört man das Tuckern eines kleinen Schnellbootes. Das Fallreep knallt herunter. Der Lotse übersteigt die Reling. Der Kapitän übergibt ihm die Verantwortung. Bald sind die Klippen durchfahren. Der Lotse hat seine Schuldigkeit getan. Der Lotse kann gehen.
Und ich frage Sie: Kann das ein Bild sein für Ihre und meine Beziehung zu Jesus – er als der Lotse auf unserem Gemeinde- und Glaubensschiff?

Noch ein Bild – diesmal aus der Bibel:

13 Mann in einem kleinen Boot. Hoher Seegang. Die Segel eingezogen. Alle schöpfen Wasser, was sie können. Aber es besteht kaum Hoffnung. Und zu allem Überfluss: einer schläft bei diesem Sturm seelenruhig den Schlaf des Gerechten. Ungeachtet des ganzen Chaos um ihn herum schläft Jesus. Und erst als seine Jünger ihn in höchster Not um Hilfe bitten, wacht er auf, stillt den Sturm und tadelt die Jünger. Warum haben sie ihn geweckt? Ist denn nur ein wachender Jesus ein helfender, bewahrender? Genügt denn nicht schon seine Anwesenheit, um zu bewahren; um Vertrauen zu können?

Jesus - der Lotse auf unserem #Glaubensschiff? Klick um zu Tweeten

Für viele Menschen ist Jesus Christus solch ein Lotse! In kritischen Zeiten und Situationen, dann, wenn ich nicht mehr weiter weiß, dann hole ich mir diesen Lotsen. Ein Stoßgebet zum Himmel – und er übernimmt die Führung. – Das tut er übrigens wirklich. – Danach bin ich dann nochmals davongekommen. Und dann darf der Lotse wieder gehen. Und wir sind wieder eigener Herr und Kapitän unseres Lebens.

Mancher glaubt so sein Glaubenschiff sicher in Gottes Hafen einzubringen. Er wird nur an einem Irrtum scheitern! Denn: Lotse will Jesus nicht sein. Er mag nicht gerufen und fortgeschickt werden, ganz nach unserem Belieben! Er möchte dauernd an Bord sein. Und er möchte nicht irgendwo unter Deck sei Kämmerlein haben, wo er Unterkunft findet. Jesus will auf die Kommandobrücke! Er möchte in den Entscheidungsbereich unseres Lebens. Er möchte Kapitän sein, oder, wie die Bibel sagt: der Kyrios, der Herr unsres Lebens. Denn Jesus weiß: Unser Glaube braucht nicht den Lotsen, sondern den Herrn! Den Herrn unseres Lebens! Und hier fallen Entscheidungen! Viele können sich nämlich gut abfinden mit einem Jesus Christus als dem großen Lotsen. Rufen und wegschicken; rufen und wegschicken – ja, das kann ich akzeptieren. Aber Jesus in der Kommandozentrale – als der Herr meines Lebens? Besser nicht! Besser nicht!

Vielleicht denkt der eine oder andere hier auch so. Aber – warum eigentlich? Wir sind doch nicht die Kapitäne unseres Lebens! Uns fehlen sowohl die Ausbildung als auch der Überblick! Die vielen gescheiterten Lebensschiffe machen das doch deutlich! Schauen wir uns doch um: so viele menschliche Wracks und Wrackteile, kaputte Ehen, zerstörte Familien, liegengebliebene Existenzen! Irgendwann funktioniert das mit der Selbststeuerung des Lebens nicht mehr! Deshalb betont das Neue Testament und wird nicht müde, es zu betonen: Herr meines Lebens muss Jesus Christus sein! Und er will es sein. Er wartet darauf, dass Menschen ihn rufen; nicht als Lotsen, sondern als Herrn. Er kommt und bringt eine Verheißung mit: „Siehe, ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt!“
Deshalb dieses Bild vom Lotsen – er erinnert uns daran, was Jesus nicht sein will: nicht Lotse, sondern der Herr auf der Kommandobrücke! – Alles klar?
Und nun ein zweites Beispiel aus der Seefahrt:

2. Flagge zeigen – deutlich machen, wofür ich stehe

„Flagge zeigen“ – das hieß früher in Seekriegszeiten: Irgendwann, im günstigen Augenblick, sich dem Gegner zu erkennen geben, um ihn zu entern. Möglichst lange den anderen über die eigene Nationalität im Unklaren lassen. Sollte der sich doch in Sicherheit wiegen – bis es zu spät war!

Und die schwarze oder blutrote Fahne der Seeräuber kennen wir auch, wenn auch nicht mehr aus der eigenen Anschauung. Wo sie früher am Topmast wehte, war höchste Gefahr im Verzug. Auch die Seeräuber zeigten Flagge.

Flagge zeigen – dieser Begriff ist in unsere Umgangssprache übernommen worden. Und er meint genauso wie auf hoher See: seine Identität erkennbar machen. „Zeigen Sie doch endlich einmal Flagge!“ – das heißt: „Machen Sie mir deutlich, was Sie meinen, was Sie denken, wo Sie stehen, wofür Sie Sich halten lassen wollen.“
Flagge zeigen, das heißt: Mut haben, sich auf eine, auf seine eigene Position festnageln zu lassen und dazu stehen, auch zu seinen Fehlern und Schwächen. Manchmal keine leichte Sache.

Nun steht das im Evangelium auch etwas anders! Dort heißt es in Matth 10,32f:

„Wer vor den Menschen zu mir hält, für den will ich vor meinem Vater im Himmel auch eintreten. Wer mich aber vor den Menschen nicht kennen will, für den kann ich auch vor meinem Vater im Himmel nicht einstehen.“

Das ist aber doch ein klarer Hinweis Jesu zum Thema „Flagge zeigen!“ Jesus Christus möchte, dass diejenigen, die sich still und für sich zu ihm bekennen, dies auch in der Öffentlichkeit tun. Wissen Ihre Nachbarn eigentlich, Ihre Arbeitskollegen und Freunde, Ihre Bekannten, dass Sie Jesus Christus angehören? Haben Sie schon „Flagge“ gezeigt?

Flagge zeigen – warum ist das so wichtig?
Matth. 10 nennt ein paar Gründe:

a. Jesus vor den Menschen bekennen, weil Jesus uns vor Gott bekennt!

Die Bibel macht unmissverständlich deutlich: es wird am Ende aller Tage einen Augenblick geben, an dem jeder Mensch Gott gegenübersteht. Und der heilige Gott – das macht die Bibel deutlich – wird Sie und mich nur dann hereinlassen in seine Herrlichkeit, wenn sein Sohn Jesus Christus vor Sie und vor mich hintritt und vor seinem himmlischen Vater sich zu uns bekennt. Nur das wird uns dann retten können. Und Jesus versichert uns: das will ich tun, wenn Ihr mich bekennt vor den Menschen!

b. Wer vor den Menschen den Mund hält, der hat im entscheidenden Moment keinen Fürsprecher!

Dazu eine kleine Geschichte:
„Ich stelle mir vor: Ich stehe mit meinem Leben vor Gott. Und mein Lebensfilm rollt vor mir ab. Szene für Szene, gute Taten und böse Gedanken. Ich erkenne mich wieder – und schäme mich entsetzlich. Ich möchte weglaufen; ich halte das nicht aus – mein Leben. Mein Scheitern, meine Sünde, meine Feigheit, meinen Hochmut, meine sinnlosen Sorgen, meine Todesgedanken, den Schrecken meiner Phantasie. Irgendwann die letzte Szene. Kein Bilderbuchtod. Ein jämmerliches Sterben voller Zweifel und Angst vor der kommenden Dunkelheit. Und dann redet Gott. Und er fragt nur diesen Satz: „Wer tritt für ihn ein? Zu wem gehört er?“ Und da herrscht Totenstille. Ich spüre, wie alles auf ein befreiendes, erlösendes Wort wartet. Ich spüre, wie alle auf Jesus blicken. Und dann wage ich ihn anzuschauen. Aber: er schweigt! Und ich spüre: er schämt sich. Er schämt sich zu bekennen: „DER GEHÖRT ZU MIR!“ Und ich kann ihn so gut verstehen. Aber wenn er jetzt nicht den Mund aufbekommt, wenn er mich jetzt nicht aus dieser schrecklichen Lage, vor dem drohenden Gericht, erlöst mit diesem einen Satz, dann ist es für alle Ewigkeit aus mit mir!“

Verstehen Sie: das Bibelwort in Matth 10 hat auch noch eine Umkehrung! Jesus sagt dort ganz deutlich: Wer mich vor den Menschen verschweigt, den werde ich am Gerichtstag auch verschweigen. – Er, Jesus, sagt das wirklich! Warum? Nicht, um uns dann eins auszuwischen; aber Jesus weiß: wer mich sowenig wichtig und wert nimmt, dass er den Mut nicht findet, Flagge zu zeigen, der hat im Entscheidenden nichts begriffen. Der hat mich noch nicht in sein Lebenszentrum hineingenommen.
Lassen Sie uns das einmal so hören: wer nicht Flagge zeigt im Glauben an Jesus, der identifiziert sich noch nicht total. Und Jesus sagt: „Genau darum geht’s! Ich will Euch ganz! Ich möchte Kapitän in eurem Leben sein, nicht nur Lotse. Und nur wenn Ihr das zulasst, dann werdet Ihr mich vor den Menschen bekennen. Dann werden sie Euch auf Schritt und Tritt abspüren, dass Ihr zu mir gehört. Und dann bekennt das doch auch frei und offen: Ich gehöre mit meinem ganzen Leben Jesus Christus!“

c. Flagge zeigen – einfach aus Liebe zu Jesus Christus

Wenn ich jemanden sehr lieb habe, kann ich mich frei und offen zu ihm bekennen. Wenn ich von einer wichtigen Persönlichkeit geschätzt werde, ist es mir oft sogar sehr lieb, mich zu diesem Menschen zu bekennen.

Jesus Christus ist die wichtigste Persönlichkeit dieser Welt; und er hat soviel für mein Leben getan, dass ich ihn dafür sehr liebhaben kann. Jesus möchte, dass ich ganz einfach aus Liebe zu ihm Flagge zeige: ich gehöre Jesus Christus.

Und indem Jesus das von mir erwartet, beschenkt er mich gleichzeitig. Er beschenkt mich gerade durchs Bekennen meines Glaubens mit Glaubensgewissheit. Was ich vor anderen bekannt habe, ist mir selber im Bekennen noch einmal ganz klar geworden. Außerdem vertieft das Bekenntnis zu Jesus die Freude am Vertrauen.

Und schauen Sie – ich wünsche mir das für mein eigenes Leben – und ich wünsche es jedem von Ihnen – auch nach dieser Ferienzeit 2018:

– dass wir in der klaren Erkenntnis „Ich gehöre Jesus Christus!“ dem Sohn Gottes auch die Kommandobrücke unseres Lebens überlassen – als dem Kapitän Ihres Lebensschiffes.

– und dass wir alle den Mut finden und behalten – und Gelegenheiten nutzen – Flagge zu zeigen und Jesus Christus zu bezeugen.

Denn keine Sache ist es mehr wert, sich zu ihr zu bekennen und darüber zu sprechen, als die Frohe Botschaft von Jesus Christus!
Gott segne Sie alle / er segne Dich dabei!

Amen

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