Umkehr zur Freude - Komm, mach mit!

Umkehr zur Freude – Komm, mach mit!

Freude – das ist aber auch das Thema, das die Menschen unserer Umgebung aus ganz unterschiedlichen Sichtweisen heraus in ihren Denkmittelpunkt rücken. Man will Freude – und davon soviel wie möglich. Nur – schaut man sich einmal die Menschen an, dann macht man oft genug eine bedrückende Feststellung: Gesichter, Gesichter, Gesichter – nur: eines lässt sich auf den wenigsten Gesichtern wirklich ablesen: deutliche Zufriedenheit oder strahlende Freude. Nun mag ich ja selber beim Gang durch die Stadt mein Verbrauchergesicht zeigen, ohne große Anteilnahme für meine Umgebung. Aber die zur Schau getragene Interesselosigkeit und Unnahbarkeit auf den Menschengesichtern – hat sie Sie vielleicht auch schon je und dann erschreckt!

Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Umkehr zur Freude – Komm, mach mit!
Reihe
Urlaubspredigten
Datum
12.08.2018
Länge
28:59
Bibelstelle
Apostelgeschichte 8, 26 – 39
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

26 Ein Engel des Herrn forderte Philippus auf: »Geh in Richtung Süden, und zwar auf der Straße, die von Jerusalem nach Gaza führt und nur selten genutzt wird.« 27-28 Philippus machte sich sofort auf den Weg. Zur selben Zeit war auf dieser Straße auch ein Mann aus Äthiopien mit seinem Wagen unterwegs. Er war ein Hofbeamter der Königin von Äthiopien, die den Titel Kandake führte, ein Eunuch, der ihr Vermögen verwaltete. Eben kehrte er von Jerusalem zurück, wo er als Pilger im Tempel Gott angebetet hatte. Während der Fahrt las er im Buch des Propheten Jesaja. 29 Da sprach der Heilige Geist zu Philippus: »Geh zu diesem Wagen und bleib in seiner Nähe.« 30 Philippus lief hin und hörte, dass der Mann laut aus dem Buch Jesaja las. Er fragte den Äthiopier: »Verstehst du eigentlich, was du da liest?« 31 »Nein«, erwiderte der Mann, »wie soll ich das denn verstehen, wenn es mir niemand erklärt!« Er bat Philippus, einzusteigen und sich neben ihn zu setzen. 32 Gerade hatte er die Stelle gelesen, wo es heißt: »Er war stumm wie ein Schaf, das man zur Schlachtung führt. Und wie ein Lamm, das sich nicht wehrt, wenn es geschoren wird, hat er alles widerspruchslos ertragen. 33 Er wurde gedemütigt, nicht einmal ein gerechtes Urteil war er seinen Peinigern wert. Niemand glaubte, dass er noch eine Zukunft haben würde. Denn man hat sein Leben auf dieser Erde ausgelöscht.« 34 Der Äthiopier fragte Philippus: »Von wem spricht hier der Prophet? Von sich selbst oder von einem anderen?« 35 Da begann Philippus, ihm die rettende Botschaft von Jesus ausgehend von diesem Prophetenwort zu erklären. 36 Als sie schließlich an einer Wasserstelle vorüberfuhren, sagte der äthiopische Hofbeamte: »Dort ist Wasser! Spricht etwas dagegen, dass ich jetzt gleich getauft werde?«3 38 Er ließ den Wagen anhalten. Gemeinsam stiegen sie ins Wasser, und Philippus taufte ihn. 39 Nachdem sie aus dem Wasser gestiegen waren, wurde Philippus vom Geist des Herrn an einen anderen Ort versetzt. Der Äthiopier sah ihn nicht mehr, aber er reiste mit frohem Herzen weiter.

Predigt

Und deshalb bin ich sicher: zur Freude muss ein Mensch umkehren. Freude kann ich in unserer Gesellschaft nicht kaufen, gewinnen oder erspielen. Sie ist absolute Mangelware. Wo ich echte Freude kaufen möchte, sind die Regale leer. Freudlosigkeit lebt in den Herzen so vieler Menschen. Wer aber nicht umkehrt zur Freude, bleibt im Innersten unbefriedigt, lebt von dem, was er sich kaufen muss, um Freude zu empfinden – und braucht immer mehr und immer wertvolleres, das auch gleichzeitig immer unwichtiger wird.

Ich bin sicher, dass wir in einer Konsumgesellschaft leben, die kauft, um wegwerfen zu können, weil den Menschen die innere Zufriedenheit und Freude am Leben fehlt – eine Zufriedenheit und Freude, die ruhig machen und glücklich sein lassen kann auch mit wenigem. Diese Ruhe und Fröhlichkeit, die früher selbst in den Katen der Armen zu spüren war, ist verlorengegangen.
Lassen Sie uns deshalb heute Morgen einen Menschen ein wenig begleiten, der auf seinem Weg umkehrt zur Freude. Vielleicht ist die auch für uns ansteckend…

Der Name Äthiopien ist in den letzten Jahrzehnten immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Ein Volk – im Bürgerkrieg oder teilweise vom Hungertod bedroht, ein Krieg mit Eritrea mit über 100 000 Toten – und nun: der äthiopische Regierungschef Abiy Ahmed versöhnt sich mit Eritreas Präsident Issaias Afwerki – und die Menschen dort dürfen wieder hoffen – in dem Land mit der längsten christlichen Tradition der Welt.

Zur Zeit der Königin Kandake scheint es noch ein wenig geordnet zugegangen zu sein. Jedenfalls beobachten wir mit, wie der Schatzmeister dieser Königin, ein Minister also, auf dem Weg ist nach Jerusalem. Ein Mann, dessen Namen wir nicht kennen; ein dunkelhäutiger Äthiopier wohl, ein Mann seines Volkes. Einer, der so etwas war wie ein Superbanker seines Landes. Mit Geld konnte man ihm nicht imponieren, davon sah er jeden Tag genug. Und hatte wohl auch genug davon. Er verwaltete die Finanzen seiner Königin. Das ist der Punkt, an dem wir ihn kennenlernen. Also:

1. Umkehr zur Freude – an dem Punkt, an dem ich gerade stehe

Dieser Kämmerer, dieser Finanzminister also, macht sich auf einen nicht gerade kurzen Weg. Sein Ziel ist Jerusalem. Dazwischen liegen manche Gefahren. Aber er will hin. Der Grund ist ebenso ungewöhnlich wie dieser ganze Mann: er will Jahwe anbeten, den Gott der Juden. Wie er ihn kennengelernt hat, ist ungewiss. Aber er kennt ihn. Er kennt die Bedeutung des Tempels von Jerusalem. Denn genau dort will er anbeten. Nun sind unserer Phantasie keine Grenzen gesetzt, uns zu überlegen, warum er das wollte. So ganz ohne Grund setzt man sich als Minister doch nicht in einen holperigen Wagen und fährt hunderte von Kilometern zum jüdischen Tempel. Selbst heute machen Minister der Regierung keine Weltreise, ohne wenigstens ein politisches Konzept oder Scheinkonzept mitzunehmen – als Alibi.

Einfach Urlaub machen wollte der Äthiopier also wahrscheinlich nicht. Wir vermuten einmal: vielleicht war er den ganzen Reichtum um sich herum einfach satt. Oder waren es berufliche Probleme, die einen Abstand vom Hofe sinnvoll erscheinen ließen? Hatte er einen kranken Freund, mit dem es einfach nicht besser werden wollte? Vielleicht war dieser Minister auch ein unglücklicher Minister, weil er selbst irgendwo litt – am Leben, an Schmerzen, an Sorgen, an seinem Schicksal, ein Eunuch, ein Verschnittener zu sein; vielleicht auch an Sorgen über sein Land (gut, dass er nicht wusste, was sich dort in der Neuzeit abspielen würde)!

Wie gesagt – das alles wissen wir nicht. Jedenfalls wollte dieser Mann im Tempel beten. Und das heißt: er war zumindest religiös. Er glaubte an Gott. Und er nahm das so wichtig, dass er sich auf die weite Reise machte. Er ging in den Tempel beten. Dorthin natürlich, wo Fremde und Nichtjuden anbeten durften. Und dann kaufte er sich eine Jesajarolle. Diese Abschriften konnte man im Tempelbezirk kaufen. Nur – was dieser Mann nicht bemerkt: als er diese Rolle kauft, ist er auf dem Weg der Umkehr zur Freude. Er kauft interessiert, aber ahnungslos diese Rolle – und ist auf dem Weg zur Freude. Wie oft geht es Menschen so…

Und hier lässt sich noch etwas zur Religiosität dieses Mannes – und allgemein dazu – sagen: Seine Religiosität hat den Äthiopier bis in den Tempel, bis zum Gebet, geführt. Ja – sogar bis zum Kauf der Jesajarolle; ab da aber war die Religiosität keine Hilfe mehr auf dem Weg der Umkehr zur Freude. So weit konnte sie diesem Mann helfen. Und das war viel. Weiter aber nicht.
Religiosität – lassen Sie uns das einmal ganz deutlich sagen – ist kein lebendiger Glaube. Aber wenn sie wenigstens soweit bringt, dass ein Mensch das Wort Gottes in die Finger kriegt – dann ist das gut so. Von diesem Standpunkt aus gesehen ist es dann allerdings schlimm zu erleben, wie heute sogar die Religiosität unter unseren Zeitgenossen immer mehr abnimmt und verkommt. Wie sollen sie denn dann den Weg zur Freude finden?

Und dennoch – Umkehr zur Freude – an dem Punkt ist sie möglich, an dem ich gerade stehe. Ob traurig, nachdenklich, verzweifelt, am Ende, ohne Hoffnung, oder selbstzufrieden, im Gefühl trügerischer Sicherheit. An dem Punkt, an dem ich gerade stehe, will Gott mich mit seiner Freude erreichen.
Der Äthiopier kauft eine Schriftrolle – und ist auf dem Weg zur Freude.

2. Umkehr zur Freude – durch Gottes Wort!

Da hat der Äthiopier also eine Prophetenrolle, und er liest darin. Nur: er versteht bloß Bahnhof! Seine religiösen Vorstellungen reichen nicht aus, zu verstehen, was er da dauernd wiederholt liest und buchstabiert. Was aber nun? Gott selber macht mit diesem Mann weiter: er schickt ihm einen Interpreten, einen Übersetzer. Auf einmal ist da Philippus. Und der vermittelt diesem Mann Gottes Wort. Philippus bezieht sich auf diese bekannte Stelle in Jes 53,7-8, die so wunderbar auf das Leiden und Sterben Jesu zu beziehen ist. Was steht da:

7 Er wurde misshandelt und niedergedrückt, /
aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, /
und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, /
so tat auch er seinen Mund nicht auf.
8 Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft, /
doch wen kümmerte sein Geschick? Er wurde vom Land der Lebenden abgeschnitten /
und wegen der Verbrechen seines Volkes zu Tode getroffen.

Und da ist Gott mit dem Kämmerer auf den Punkt gekommen. Jetzt geht’s um die Freude. Jetzt geht’s um Jesus. Jetzt kann Philippus diesem Mann Frohe Botschaft, Evangelium, auslegen, die beste gute Nachricht der Welt. Und dieser Finanzminister, der auf dem Heimweg ist, der kehrt nun auch innerlich um. Er kehrt um zur Freude. Auf einmal fällt es ihm wie Schuppen – nicht aus den Haaren, sondern von den Augen, und er erkennt: Ja, Jesus Christus ist der Gottesknecht aus Jesaja 53. Er ist es, der auch für mich gestorben ist. Sein Leiden, seine Kreuzigung kann mich froh machen, denn ich bin durch sein Sterben und seine Auferstehung gerettet.

Überrascht werden von Freude – das ist es, was damals der Äthiopier erlebt haben muss, und was vor ihm und nach ihm immer wieder Menschen erfahren haben: Wer Jesus Christus vertraut, empfängt seine Freude, und sein Leben kann sich verändern. Wie das geschieht, ist in jedem Leben anders. Aber jeder kann umkehren zur Freude. Und dann?

Der Kämmerer hatte begriffen: Wenn Jesus mir seine Freude schenkt und sich zu mir, einem Äthiopier aus Afrika, bekennt, dann muss ich das festmachen in meinem Leben. Und dann bittet er um das damals und auch heute übliche Zeichen für eine klar umrissene Umkehr und einen Neubeginn: Er lässt sich taufen. Ohne Taufdiskussion. Ihm war das klar, was jetzt dran war. Jesus sollte sein Herr bleiben. Immer. Und das hat er, dieser erwachsene Mann, mit der Taufe festgemacht. Schön, wenn das auch heutzutage so klar und deutlich passiert. Und es passiert, Gott sei Dank, immer wieder. Aber dann? Was passierte dann?

3. Umkehr zur Freude – im altbekannten Alltag fröhlich sein können

Als beim Finanzminister der Königin Kandake alles klar ist, ist er auf einmal auch wieder allein. Sein Interpret, sein Übersetzer Philippus ist wieder fort. Und der Wagen des Kämmerers kommt mit jedem Meter der Hauptstadt seines Reiches näher; seiner Königin, seinen Aufgaben, seinen Mitarbeitern; seinen Sorgen, seinen Ängsten, die er vor Tagen verlassen hatte. Und nun? Nun musste sich in der Tat bewähren, ob die Freude an Jesus nur so etwas war wie die Droge während einer langen Wüstenreise, oder ob diese Freude Jesu mitkam in den Alltag dieses Mannes – und ob sie den Alltag verändern konnte.
Am Anfang dieser Predigt haben wir uns die Situation des Äthiopiers auszumalen versucht. Kehren wir nochmals dorthin zurück. Die Freude Jesu müsste jetzt ihre Kraft beweisen:

– vielleicht dadurch, dass ein veränderter Minister mit seiner Königin und seinen Mitarbeitern liebevoller umgehen könnte. Dadurch würden Spannungen weniger werden können. Veränderungen der Freude. –
– Und hätte er einen kranken Freund gehabt – ja, spielen wir diesen Fall einmal durch – er hätte vielleicht erleben müssen, dass dieser Freund immer kranker geworden wäre und schließlich gestorben wäre. Und wenn Gott ihm diese Gnade geschenkt hätte, dann hätte durch alle tiefe Trauer und allen Schmerz die Gewissheit hindurch scheinen können: Jesus gibt Freude in allem Leide. Dann wäre sein Glaube daran nicht zerbrochen, und die Freude wäre geläutert tiefer geworden.

Rückkehr zur Freude will heißen: im altbekannten, sorgenvollen Alltag fröhlich sein und bleiben können in dem Bewusstsein: Ich bin in Jesus Christus geborgen. Meine liebsten Menschen sind es. Meine Arbeit ist es. Alles in meinem Leben ruht auf Jesus – und auf seiner Freude. So kann eine Umkehr zur Freude bis ans Lebensende durchhalten – und Freude vermehren, auch im Leide.

Glaubst Du, dass das möglich ist? Hast Du das selber vielleicht schon erlebt – einmal, oder immer wieder?

Hast Du auch jemand anderem schon einmal davon erzählt? Oder mit ihm in der Bibel gelesen und ihm geholfen, Gottes Wort zu verstehen?
Eine solche Person gibt es ja auch hier in dieser Erzählung – den Philippus. Um ihn aber soll es am nächsten Sonntag gehen, wenn es wieder einmal heißt: derselbe Bibeltext, aber eine andere Perspektive!!

Bis dahin – freuen Sie sich / freu Dich über Gottes Wort, seine Freundlichkeit und Liebe, seine Vergebung und die Hoffnung, die er in jedes Leben hinein geben wird.

Amen

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