Mit Gott unterwegs ins Abenteuer

Mit Gott unterwegs ins Abenteuer

Sie erinnern Sich: diesen Bibeltext hatten wir auch am letzten Sonntag zum Thema – aber aus einer anderen Perspektive heraus soll uns das alles heute interessieren. Dem Äthiopier sind wir am letzten Sonntag etwas näher gekommen. Heute wollen wir uns einer anderen Person zuwenden. Es kann nur Philippus sein, die zweite wichtige Gestalt in dieser schönen Schilderung vom Neubeginn eines Lebens durch die Hinwendung zu Jesus Christus. Und er möchte uns gewiss helfen, dabei zu sein und mitzumachen, wenn Gott Großes mit einem Menschen vorhat!

Geschätzte Lesezeit: 11 Minuten

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Mit Gott unterwegs ins Abenteuer
Reihe
Urlaubspredigten
Datum
19.08.2018
Länge
33:20
Bibelstelle
Apostelgeschichte 8, 26 – 40
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

26 Ein Engel des Herrn forderte Philippus auf: »Geh in Richtung Süden, und zwar auf der Straße, die von Jerusalem nach Gaza führt und nur selten genutzt wird.« 27-28 Philippus machte sich sofort auf den Weg. Zur selben Zeit war auf dieser Straße auch ein Mann aus Äthiopien mit seinem Wagen unterwegs. Er war ein Hofbeamter der Königin von Äthiopien, die den Titel Kandake führte, ein Eunuch, der ihr Vermögen verwaltete. Eben kehrte er von Jerusalem zurück, wo er als Pilger im Tempel Gott angebetet hatte. Während der Fahrt las er im Buch des Propheten Jesaja. 29 Da sprach der Heilige Geist zu Philippus: »Geh zu diesem Wagen und bleib in seiner Nähe.« 30 Philippus lief hin und hörte, dass der Mann laut aus dem Buch Jesaja las. Er fragte den Äthiopier: »Verstehst du eigentlich, was du da liest?« 31 »Nein«, erwiderte der Mann, »wie soll ich das denn verstehen, wenn es mir niemand erklärt!« Er bat Philippus, einzusteigen und sich neben ihn zu setzen. 32 Gerade hatte er die Stelle gelesen, wo es heißt: »Er war stumm wie ein Schaf, das man zur Schlachtung führt. Und wie ein Lamm, das sich nicht wehrt, wenn es geschoren wird, hat er alles widerspruchslos ertragen. 33 Er wurde gedemütigt, nicht einmal ein gerechtes Urteil war er seinen Peinigern wert. Niemand glaubte, dass er noch eine Zukunft haben würde. Denn man hat sein Leben auf dieser Erde ausgelöscht.« 34 Der Äthiopier fragte Philippus: »Von wem spricht hier der Prophet? Von sich selbst oder von einem anderen?« 35 Da begann Philippus, ihm die rettende Botschaft von Jesus ausgehend von diesem Prophetenwort zu erklären. 36 Als sie schließlich an einer Wasserstelle vorüberfuhren, sagte der äthiopische Hofbeamte: »Dort ist Wasser! Spricht etwas dagegen, dass ich jetzt gleich getauft werde?«3 38 Er ließ den Wagen anhalten. Gemeinsam stiegen sie ins Wasser, und Philippus taufte ihn. 39 Nachdem sie aus dem Wasser gestiegen waren, wurde Philippus vom Geist des Herrn an einen anderen Ort versetzt. Der Äthiopier sah ihn nicht mehr, aber er reiste mit frohem Herzen weiter.

Predigt

Wer war dieser Mann? Philippus (sein Name: Philos, Hippos) war nicht ein Jünger Jesu, sondern er gehörte zu den sieben Diakonen, die die Gemeinde von Jerusalem berufen hatte, um die Armen zu pflegen und zu betreuen – bezeugt in Apg 6,5:

5 Der Vorschlag fand den Beifall der ganzen Gemeinde, und sie wählten Stephanus, einen Mann, erfüllt vom Glauben und vom Heiligen Geist, ferner Philippus und Prochorus, Nikanor und Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia.

Nach dem Tod des Stephanus und der sich anschließenden Christenverfolgung durch Saulus musste auch Philippus flüchten. Er gelangte nach Samaria, wo er sofort seinen Glauben bezeugte und eine Gemeindearbeit aufbaute. Stark, nicht? So motiviert waren die Jünger damals!
Zu seiner Gemeinde gehörte auch der Zauberer Simon. Die Arbeit in Samaria war nicht leicht, aber ertragreich und frohmachend. Denn die Gemeinde wuchs. Petrus und Johannes werden nach Samaria gesandt, um den Gemeindegründer und die Gläubigen zu unterstützen und zu festigen. Und in diese Aufbauarbeit hinein sagt Gott zu Philippus: Geh! Also: der erste von diesmal 5 Punkten:

1. Wenn Gott ruft, ist alles andere zweitrangig! (Apg 8,26)

Gott schickt einen Engel zu Philippus, um ihm sagen zu lassen: “Steh auf und geh zur Mittagszeit auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt und einsam ist.“ (Apg 8,26)

Und vielleicht – so denke ich bei mir – hat Gott hier deshalb einen Engel geschickt, weil er wusste, was das in Philippus auslösen würde – dieser Befehl in die Wüste.
„Wie bitte?“, mag Philippus gedacht haben, „Herr, habe ich richtig gehört? Du willst mich aus dieser fruchtbaren Arbeit wegschicken, herausholen aus einer richtigen Erweckung, und in die Wüste schicken? In diese verlassene Gegend bei dem zerstörten Gaza, wohin sich kein Mensch verirrt? Und das in der Mittagszeit, wenn nicht einmal ein Esel sich in die Sonne stellt? Herr, habe ich Dich recht verstanden? Das kann doch wohl nicht sein, oder?“

Philippus mag sich verwundert und vielleicht auch ein bisschen geweigert haben. Vielleicht aber auch nicht. Anscheinend waren die Jünger Jesu damals folgsamer als heute. Denn dann heißt es (Apg. 8,27) „Und er stand sofort auf und ging.”

Wenn Gott ruft – das wird hier deutlich – dann ist alles andere zweitrangig – auch eine blühende missionarische Arbeit. Und ich folgere weiter – auch ein erfüllender Beruf, ein großer Freundeskreis, alle Hände voller Arbeit. Wenn Gott ruft, dann muss es schließlich auch von uns heißen: „Und er (sie) stand sofort auf und ging.“

Wenn wir also fragen: Was heißt das eigentlich: missionarisch leben? – dann können wir von hier aus sagen: Missionarisch leben heißt: Aufstehen und gehen, wenn Gott ruft. Egal, was vorher war. Jetzt ist Gott dran.

Frage: Haben wir Jesus gehört, als er uns anforderte? Sind wir gegangen? Oder sitzen wir noch fest? Hat er uns vielleicht gerufen – und wir sitzen immer noch?

2. Gott schickt in die Wüste, um sich von mir bezeugen zu lassen! (Apg 8,26a)

Gott schickt Philippus nicht in die Trockenheit, damit er darin umkomme. Gott braucht und gebraucht Philippus, um sich von ihm bezeugen zu lassen. Gott braucht Philippus ganz für sich. Jetzt. Denn gleich wird da ein Äthiopier kommen, der will wissen, wie man Christ wird.

Und ich frage wieder konkret: Kennen wir das Gefühl, in die Wüste geschickt zu werden? Zu spüren, wie es in unserem Leben um uns herum trocken und öde wird? Wie wir ausgedörrt werden von der Hitze des Lebens? Wenn uns Lebenssituationen so ganz sinnlos erscheinen, wenn wir uns fragen: Warum tut Gott das jetzt mit mir? Warum führt er mich diesen Weg? Warum fügt er mir das zu? Solch eine Situation gibt es ja immer wieder einmal, manchmal aus heiterem Himmel.

Wer in solch einem Gefühl lebt: —–Pssst – hören Sie einmal genau hin – hören Sie vielleicht das Knarren von Wagenrädern, das Schnauben von Pferdenüstern? Gott schickt in die Wüste, um sich bezeugen zu lassen. Du da, in der Wüste, jetzt bist Du dran! Jetzt verherrlicht Gott sich durch Dein Zeugnis.

Und was meinen Sie: ist es nicht viel besser, in der Wüste Zeuge und Mitarbeiter Christi zu sein, als in alter Sattsamkeit den falschen Platz zu haben? Wann begreift der Letzte von uns, dass Gott ihn durch Veränderungen im eigenen Leben ruft, um ihn zu gebrauchen und sich bezeugen zu lassen? Und dass er ruft – auch in die Wüste. Und die hat übrigens viele Gesichter: ein Aufenthalt im Krankenhaus, ein einsames Zuhause, eine Zeit der Arbeitslosigkeit, eine anhaltende Behinderung, seelische Labilität, aber auch ein Umzug und ein fremdes neues soziales Umfeld usw. Nur: kann Gott uns in all dem und durch das alles gebrauchen, um sich von uns bezeugen zu lassen? Kriegt er uns weg von unserem Fleck? Beharren wir – oder folgen wir?

3. Wo wir hinkommen, hat Gott schon längst angefangen! (Apg 8, 28)

Philippus also geht in die Wüste. Und auf einmal ist er nicht mehr so ganz allein auf diesem Stück Wüste. Langsam kommt ein Wagen auf der holperigen Straße näher. Und im Wagen sitzt ein Mann und liest – nicht die „Süddeutsche Zeitung“, nicht einen spannenden Krimi, sondern das Buch des Propheten Jesaja. Und als Philippus das hört, da weiß er plötzlich – und sicherlich hat ihn das frohgemacht: Gott hat schon längst angefangen.
Was also ist hier los? Dies ist los: als Gott Philippus an die Arbeit stellt, da sind schon 90% geleistet. Da hat ein Mann sich auf 2000 km Weg gemacht, im Tempel der Juden angebetet, da hat er gerade diese Rolle der Prophetischen Bücher, die Jesajarolle gekauft und sich darin selber voran gelesen. Da ist, wie wir noch sehen werden, ein Mann offen für ein Gespräch über den Glauben. Wo wir hinkommen, hat Gott schon längst begonnen. Sagen Sie, ist das nicht ungemein ermutigend? Wenn Gott uns braucht, sind 90% der Arbeit schon getan.

Und was sind wir oft ängstlich, wenn es darum geht, Gott zu gehorchen und um Jesu willen Missionare unserer Landstraße zu sein. Wie schwer ist es für uns, Grenzen zu überschreiten, uns auf den Weg zu machen und zu gehen. Wie sehr schrecken wir vor der Wüste zurück, haben Angst vor der Blamage oder gehen nicht, weil wir denken: “Gott kann doch nicht zu mir gesagt haben, ich soll in diese Einöde gehen? Da ist doch niemand, dem ich da mit meinem Christsein dienen kann.”
Und ich frage Sie: Wie viele Menschen gibt es vielleicht schon, und wie viele wird es noch geben, die uns zu einer Zeit vermissen mussten, wo sie offen waren für den Glauben, wo sie Fragen hatten – und wir konnten nicht antworten, weil wir ganz woanders waren. Vielleicht in einem frommen Schlupfwinkel. Aus Angst! Aus Angst nicht dabei, wenn wir dran waren. Nicht am Platze, nicht an der Tür des Nachbarn, um eine Frage zu beantworten; nicht an Ort und Stelle in der eigenen Familie.

Und dabei hatte Gott doch schon 90% getan. Wir leisten doch nur 10% Hilfsarbeit! 10%!

Aber – die ist wichtig. Gott konnte sich nicht selbst neben dem Äthiopier in den Wagen setzen. Und er wollte vor allen Dingen nicht. Er hatte doch Mitarbeiter. Er rief Philippus. Und der war Hilfsarbeiter und leistete 10%. Ob das auch den ängstlichsten unter uns ermutigen kann: 10% ist nicht schwer! Denn wo wir hinkommen, hat Gott schon längst angefangen. Und:

4. Gott schenkt unserem Zeugnis den Anknüpfungspunkt! (Apg 8,29-30)

“Wie soll ich das denn bloß machen – ein Gespräch über meinen Glauben führen? Bei meiner Bibelkenntnis; bei meiner langsamen Leitung; angesichts meiner Hemmungen?” – kennen Sie diese Fragen und die dahinter liegende Unsicherheit?

Philippus hört damals den Äthiopier lesen, so wie im Altertum laut gelesen wurde. Er hört und erkennt: Jesaja! Und er spürt genau: gleich wird´s spannend. Gleich kommt der andere zu Jesaja 53. Zu dieser wunderbaren Stelle, die da heißt:
Jes 53, 3ff…

3 Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, /
ein Mann voller Schmerzen, /
mit Krankheit vertraut. Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, /
war er verachtet; wir schätzten ihn nicht.
4 Aber er hat unsere Krankheit getragen /
und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, / von ihm getroffen und gebeugt.
5 Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, /
wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, /
durch seine Wunden sind wir geheilt.
6 Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, /
jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr lud auf ihn /
die Schuld von uns allen.
7 Er wurde misshandelt und niedergedrückt, /
aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, / und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, /
so tat auch er seinen Mund nicht auf.

Da nun spricht Philippus innerlich ein „Danke, lieber Herr, Du gibst mir das Stichwort.“ Und dann überwindet er seine Hemmungen diesem hochgestellten Minister gegenüber, tritt näher heran und beginnt das Gespräch. Und weil Gott schon 90% geleistet hat, ist der Äthiopier vorbereitet worden. Er ist interessiert; er will ja mehr wissen; er lädt diesen staubigen Mann ein, sich zu ihm zu setzen. Und dann: dann hält Philippus keinen dreistündigen Vortrag; nein, sondern dann hört er wissbegierige Fragen, und er versucht sie zu beantworten. Von Jesus und dem Evangelium ist da immer wieder die Rede, von einem Ja zu Gott und dem Leben nach den Weisungen Jesu. Und dass Taufe und Bekehrung zusammengehören. So klar kann Philippus sprechen, so gut ist Gottes Anknüpfungspunkt gewählt, dass der Kämmerer an dem ersten besten Wasserloch anhalten lässt, seine Kleider ablegt und sich taufen lässt. Und Philippus sagt ihm nicht: “Moment mal, nicht so schnell. Erst kommt eine Probezeit. Und wenn Du die zur Zufriedenheit aller Beobachter hinter Dir hast, dann kann gelegentlich vielleicht getauft werden.”

Für Philippus wird durch Gottes Geist deutlich: dieser Mann ist bestens vorbereitet. Dem ist glasklar, worum es jetzt zu gehen hat. Der hat sich wirklich bekehrt. Und der kann getauft werden. Das ist jetzt dran. Und das wird Gott segnen.

An dieser Stelle nur noch ein Satz dazu: wenn ein Mensch dem anderen glaubhaft bezeugt: “Ich glaube an Jesus Christus als den Herrn und Erlöser. Ich möchte, dass er mein Herr ist“ – dann darf – natürlich schon nach einer gründlichen Klärung – getauft werden. Denn bitte: es liegt nicht an einer verfrühten Taufe, wenn junge und ältere Menschen später ihre eigenen Wege gehen, sondern es liegt immer an ihrer Bereitschaft, sich den listigen Anschlägen des Satans trotz der Warnung der Gemeinde zu überlassen und die Warnungen Gottes bewusst zu überhören. Daran entscheidet sich, ob ein Mensch den Willen Gottes weiterlebt oder nicht.

Philippus hat den Kämmerer getauft, ohne ihm bis auf den tiefsten Grund seines Herzens schauen zu können. Und der Äthiopier hat wohl durchgehalten.

Philippus hat das also ganz deutlich erlebt: Gott schenkt unserem Zeugnis den Anknüpfungspunkt.

Und ich kann das selber so bezeugen: ich habe das immer wieder so erlebt, und ich bin sicher, das gilt für jeden, der den Mut aufbringt, von seinem Glauben zu reden – und das sollte jeder wiedergeborene Christ in diesem Raum sein: wo wir in dem Vertrauen darauf, dass Gott schon 90% getan hat, den Mut finden zum Zeugnis für Jesus, da wird Gott ganz gewiss immer wieder den Anknüpfungspunkt vermitteln; er wird uns gute Worte und ein Herz schenken, aus dem fröhlicher Glaube überzeugend heraus bricht und die Herzen anderer Menschen erreicht – zu deren Rettung und zum Lob Gottes, zu Buße und Bekehrung. Warum haben wir so oft so wenig Vertrauen und Mut? Warum entschuldigen wir mit findig – windigen Argumenten, dass wir nicht zwischen Gaza und Jerusalem marschieren, sondern unserer eigenen Wege gehen? Warum nur nehmen wir uns so oft die Möglichkeiten, die Freude der Engel über einen Sünder mitzuerleben, der Buße tut – und dem wir durch unsere 10% helfen durften? Es gibt in diesem Raum genug Menschen, die wissen, wie beglückend es ist, einem anderen Menschen zum Glauben zu helfen. Es gibt nichts beglückenderes auf dieser Welt – außer vielleicht diese dankbare Freude über die eigene Errettung.
Ich bete darum, dass wir durch den Philippus dazu ermutigt werden, ganz neu darauf zu vertrauen:

1. Wenn Gott ruft, ist alles andere zweitrangig!
2. Gott schickt in die Wüste, um sich von mir bezeugen zu
lassen!
3. Wo wir hinkommen, hat Gott schon längst angefangen! Und 4. Gott schenkt unserem Zeugnis den Anknüpfungspunkt!
Und dann noch letztens:

5. Gott bewahrt vor menschlichen Abhängigkeiten und beauftragt neu. (Apg 8,39-40)

Philippus wurde nicht der Haus – und Hofprediger des Äthiopiers. Nein, er hatte auch keine große Gelegenheit, sich am Ergehen und Glaubenswachstum seiner menschlichen “Glaubensfrucht” zu ergötzen. Er hat den Glauben des Äthiopiers auf Gottes Wort und auf Christus gestellt. Dieses Fundament war tragfähig genug. Christus würde als der Herr der Welt bei dem Mann aus Äthiopien bleiben. Er würde dessen Glaubenswachstum fördern – selbst ohne Gemeinde am Ort.

Philippus wird entrückt. Auf ihn warten neue Aufgaben in Caeserea. Auf ihn warten neue Menschen, bei denen Gott schon 90 % bereits getan hat.

Und schauen Sie: so sieht ein mündiges Verhältnis zwischen geistlichen Eltern und Kindern aus. Da wird ein Neubekehrter nicht an Menschen gebunden, sondern an Christus. Und nur, wo das gelingt, kann geistliches Wachsen gelingen. Nur da kann ein geistliches Baby zum starken Erwachsenen werden, der nicht von jeder Irrlehre umgeworfen wird.

Also: Gott selber bewahrt hier zwei Menschen davor, sich in ein zu enges geistliches Abhängigkeitsverhältnis zu begeben. Der Äthiopier soll sich an Jesus halten. Das genügt. Und Philippus wird woanders gebraucht.

Vielleicht ein Mut machendes Beispiel auch für uns, geistliche Geburtshelfer zu bleiben und uns nicht zu stark in die Rolle der geistlichen Väter und Mütter zu begeben. Die Gefahr der menschlichen Abhängigkeiten ist nicht gering an dieser Stelle.

Wichtig allerdings ist und bleibt, auch wirklich damit zu rechnen, dass Gott mich und Dich gebrauchen will und dass er uns gebrauchen kann – bei der Rettung von Menschen. Bekehrung in einem unserer normalen Gottesdienste??

Deshalb am Schluss eine kleine Geschichte von Charles Haddon Spurgeon, einem der großen Erweckungsprediger des letzten Jahrhunderts in England.

Zu ihm, dem großen Prediger, kam ein junger Vikar und schüttete ihm sein Herz aus. „Bei Ihnen, Herr Spurgeon, kommen ständig Menschen in ganz normalen Sonntagspredigten zum Glauben. Ich selber mache nie diese Erfahrung. Durch mich kann Gott ganz und gar nichts in Menschen bewegen!“ – “Ja, glauben Sie denn etwa, dass Gott auch nur durch eine Ihrer Predigten einen Menschen erretten könnte?“ fragte Spugeon den jungen Mann im Brustton der Anfrage. „Äh…nein, nein, natürlich nicht“, antwortete der Vikar verstört. „Sehen Sie,“ antwortete Spurgeon daraufhin. „das ist es. Das ist der Grund. Sie glauben es selber nicht. Deswegen bekehrt sich bei Ihnen auch keiner.“

Liebe Gemeinde, glaubt Ihr, dass sich in jedem unserer Gottesdienste ein Mensch bekehren kann? Ja oder Nein?
Kennt Ihr meine Befürchtung?

Gott hat bereits 90% getan, damit möglichst viele Menschen den Weg zum Leben finden. Er möchte Dich gebrauchen, um die restlichen 10% an Arbeit beizusteuern. Gott wollte Dich heute morgen durch diese Bibelstelle ermutigen: Rechne fest damit, dass Gott Dich gebrauchen kann und will – in jedem unserer Gottesdienste

Und dann rechne damit, dass Jesus Dir den richtigen Anknüpfungspunkt gibt – und freu Dich mit demjenigen, dem Du vielleicht durch Deine 10% hilfst zur Freude am neuen Leben.

Nur – Du könntest tatsächlich ein Problem haben jetzt: Du lädst niemanden hierher ein. Darum sitzen hier so wenige, die sich so richtig knackig bekehren können. Deshalb – sei bereit und mach den Mund auf. Es geht um die Rettung von Menschen in Deinem und meinem Lebensumfeld.
Und in jedem Gottesdienst in diesem Raum kann sich ein Mensch bekehren, weil Gott durch seinen Heiligen Geist anwesend ist und handelt!!

Gott segne dich – und mich – und uns alle mit ganz viel Mut zu den restlichen 10 %.
Amen!

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