Anker – fest verbunden mit dem Fundament

Anker – fest verbunden mit dem Fundament

Für eine Landratte ist ein Anker ein Anker. Dass das aber ganz und gar nicht stimmt, habe ich schon während meiner Pastorenzeit in Duisburg- Homberg am Rhein gelernt, als wir uns mit den Kindern im „Museum der Deutschen Binnenschifffahrt“ umgesehen haben. Dort konnte man Anker aus ganz verschiedenen Epochen und von ganz unterschiedlicher Machart bewundern. Eines aber haben wohl alle diese Anker gemeinsam: sie sollten im richtigen Augenblick für eine feste Verbindung zum Grund sorgen.

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Anker – fest verbunden mit dem Fundament
Reihe
Urlaubspredigten
Datum
26.08.2018
Länge
14:43
Bibelstelle
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Predigt

Liebe Gemeinde,

wir sind gemeindlich weiterhin im Urlaubsmodus. Und wir springen auch heute wieder. Kürzlich von der Nordsee nach Kleinasien; heute wieder zurück ans Meer.

Das Thema ist im Lied vorhin ja schon thematisiert worden. Lassen Sie uns in dieser kurzen Predigt nachdenken über einen Anker.

Für eine Landratte ist ein Anker ein Anker. Dass das aber ganz und gar nicht stimmt, habe ich schon während meiner Pastorenzeit in Duisburg- Homberg am Rhein gelernt, als wir uns mit den Kindern im „Museum der Deutschen Binnenschifffahrt“ umgesehen haben. Dort konnte man Anker
Aus ganz verschiedenen Epochen und von ganz unterschiedlicher Machart bewundern. Eines aber haben wohl alle diese Anker gemeinsam: sie sollten im richtigen Augenblick für eine feste Verbindung zum Grund sorgen.

Dann nämlich, wenn das Schiff sicher am Ufer liegt. Dann, wenn es der Gefahr des Abgetriebenwerdens entgehen will.
Aber wie können wir hier heute Morgen einen geistlichen Vergleich ziehen?

Ein Anker ist ja nicht immer im Gebrauch, denn auf großer Fahrt hängt er nutzlos an der Kette. Aber er muss beweglich bleiben! Denn ein Anker, der bei neuerlichem Fahrtantritt im Boden fest hängt und nicht mehr lösbar ist, ist das ein echtes Problem, dann muss er vielleicht sogar durch die Sprengung der Ankerkette aufgegeben werden.

Und doch ist der Anker ein gutes Beispiel für das, was wir Menschen – ganz allgemein und gerade auch im Leben mit Gott – brauchen – und was vielen von uns viel zu oft fehlt.

An unserer Haustür standen, solange wir noch in einem Gemeindezentrum lebten, vor allem in GAP, oft Menschen, die ihr Leben so dahin treiben ließen – ohne Ziel, ohne große Hoffnung, ohne Verbindung zu etwas Festem. Haltlose Menschen. – Ich habe kürzlich ein Buch gelesen mit dem Titel „Kein Dach über dem Leben“. Darin schildert ein Mensch, wie es dazu kam, dass er Jahrzehnte auf der Straße gelebt hat und wie es ihm dabei gegangen ist. Ein Mensch ohne einen Lebenshafen und ohne Anker im Leben.

Und das ist, wie ich beim Lesen gelernt habe, kein Problem der sozialen Stufe, auch nicht bei echter Nichtsesshaftigkeit. Und viele Gespräche mit Menschen, denen es äußerlich gut geht und die durchaus ein „Dach über dem Leben„ haben, machen deutlich: Da ist einer haltlos geworden. Da wird einer hilflos von Meinungen und Trends hin- und hergeworfen, ohne sich wehren zu können. Weil er nicht fest verankert ist in einem Grund, der sein Leben halten und prägen müsste. Weil er gar auf Fake News mehr vertraut als auf belastbare Fakten.

Und je brüchiger Fundamente werden, je zweifelhafter der geistige Bodengrund in unserer Gesellschaft wird, desto mehr Menschen werden zu geistigen Herumtreibern, zu Menschen ohne Ankerplatz und Halt.

Wo gibt es noch Fundamente, Grundlagen im Leben, an denen festzumachen sich lohnen würde? Was gibt mir und Dir Halt?

Da gibt es dieses alte Lied im alten Gemeindeliederbuch: „Ich habe nun den Grund gefunden, der meinen Anker ewig hält.“ – Da ist es, liebe Gemeinde: das Halt gebende Fundament, auf dem man festmachen kann.

Aber schaut man sich manches unter den Christen und in der christlichen Gemeinde an, dann wird auch hier manchmal spürbar, wie schwer es heute zu sein scheint, irgendwo festzumachen, sich festzulegen und den Standort zu bewahren.

Die Gegenströmungen unsere Gesellschaft machen es auch in unserer Zeit schwer, Christ zu sein und zu bleiben. Wenn so viele um mich herum die Anker lichten, warum soll dann gerade ich auf meinem Standpunkt verharren?

Da sagen andere mir: „Ja, so darfst du das heute nicht mehr sehen! Das war auch damals schon anders gemeint.“ „Was, auf diesem ethischen Standpunkt willst Du beharren? Wie kann man noch solche Vorstellungen von Ehe und Familie, ungeborenem Leben und Moral haben? Da gibt es doch ganz andere Strömungen. Auch christliche!“

Gar nicht so einfach, seinen Anker dann nicht auch einzuholen und sich in Gefilde treiben zu lassen, in denen man nicht so einsam vor Anker liegt. – Wenn andere sich distanzieren. Wenn man den kalten Gegenwind spürt.

Und bedeutet es nicht stattdessen Freiheit, so einfach getrieben zu werden, sich offenzuhalten für persönliche Veränderungen sowie für andere Gedanken und Überzeugungen? Wer kann denn schon ganz fest behaupten, dass sein Ankerplatz der richtige sei? Das ist doch vermessen, sagen da viele! Das ist sogar überheblich! Kleinkariert! – Und all diese Fragestellungen machen manchen Christen heute sehr unsicher!

Ja, aber wer kann das denn behaupten: Mein Ankerplatz ist der richtige!? Eigentlich nur der, der die Überzeugung von Johann Andreas Rothe gewonnen hat, eben dem, der Dichter dieses Liedes ist:

„Ich habe nun den Grund gefunden, der meinen Anker ewig hält! Woanders als in Jesu Wunden!? Da lag er vor der Zeit der Welt. Der Grund, der unbeweglich steht, wenn Erd und Himmel untergeht.“

Da sagt einer klipp und klar: Ich weiß, wo ich hingehöre. Ich kenne meinen Ankerplatz. Und der Dichter macht das fest an der Person Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Immer wieder kommt der Glaube auf ihn zu sprechen. Das Leben, das Jesus uns durch seine Wunden, durch sein Sterben, nicht nur verheißen hat, sondern schenken will – oder schon geschenkt hat – dieses Leben lässt zur Ruhe kommen, seinen Anker auswerfen und festmachen.
Und eigentlich ist jeder Mensch auf der Suche nach diesem festen Grund, nach Geborgenheit und Sinn. Deswegen sind ja so viele Menschen unterwegs – eben weil sie diesen Ankerplatz brauchen und im tiefsten Grunde ihres Herzens suchen.

Bei Jesus Christus kann ich ihn finden, meinen Ankerplatz. Da kann ich festmachen. Da wird mein Lebenssegelschiff zum Hausboot. Weil ich da bleiben darf und kann – und will, mit jeder Faser meines Lebens hängen bleiben will – bei dem Christus.

Anker – fest verbunden mit dem Fundament – ein geistliches, ein biblisches Thema ist das. „Ich habe nun den Grund gefunden, der meinen Anker ewig hält. Wo anders als in Jesu Wunden, da lag er vor der Zeit der Welt. Der Grund, der unbeweglich steht, wenn Erd und Himmel untergeht.“

Gott schenke es, dass wir alle diesen Grund finden und dort festmachen; dass wir unser Schiff, um das Bild zu gebrauchen, zu einem Hausboot umbauen, um immer und ewig hier zu bleiben, bei Jesus. Auch wenn der kalte Gegenwind stärker wird und uns loszureißen versucht. Auch wenn andere ihren Anker einholen und sich von diesem Wind forttreiben lassen. Auch wenn mancher einsam wird auf seinem Ankerplatz, weil menschliche Verbindungen abreißen. Auch wenn manche noch im Sich-Treiben-Lassen herüber rufen, dass nur im Sich-Treiben-Lassen, im Vertrauen auf Strömungen und Winde die große Freiheit unserer Generation liege.

Dann dennoch sagen und glauben zu können: Hierher, ganz fest mit Jesus verbunden, dorthin gehöre ich. Fest verbunden mit meinem Lebensfundament.

Gott segne uns mit einem Ankerplatz – und mit dem Vertrauen auf die Zusagen unseres Herrn Jesus Christus. – Amen

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