Symbolbild Gebetserfahrungen

Gebetserfahrungen

Zunächst ein Zitat zum Thema Gebetserfahrungen. Es stammt von Ch. H. Spurgeon, Erweckungsprediger in England vor über 150 Jahren:

Wir können nicht immer die Hand Gottes in unserem Schicksal sehen; aber wir können stets sicher sein, dass sie da ist.

Diese Verse in Johannes 14 enthalten sehr viele Gedanken. Ich möchte mich heute Morgen beschränken auf drei. Und ich möchte eine Gedankenfolge schaffen, etwa so:

  • Jesus vor Augen haben, heißt: In Gott geborgen sein.
  • In Gott geborgen sein, heißt: Gebetserhörungen erfahren.
  • Gebetserhörungen erfahren, heißt: zur Verherrlichung Gottes leben.

Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Gebetserfahrungen
Reihe
Datum
30.09.2018
Länge
21:27
Bibelstelle
Johannes 14, 8-14
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

8 Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.
9 Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?
10 Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke.
11 Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke!
12 Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater.
13 Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird.
14 Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bittet, werde ich es tun.

Predigt

1. Jesus vor Augen haben, heißt: In Gott geborgen sein

Philippus hatte damals verstanden. Er spürte, aus welcher Geborgenheit heraus Jesus zu ihnen sprach: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als allein durch mich.“ So konnte nur einer sprechen, der sich seiner ummittelbaren Nähe zu Gott so ganz bewusst war. Und so wollte Philippus auch vertrauen können. Diese Geborgenheit suchte er. Aber: war es dazu nicht nötig, dass der lebendige Gott sich ihnen vorstellte? Durch ein großartiges Ereignis vielleicht, irgendwie bemerkenswert jedenfalls? Deshalb seine Bitte: „Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns!“ Gib uns letzte Gewissheit, Jesus, und unser Glaube steht felsenfest. -Das sagt Philippus.

Aber nun wir: Kennen wir nicht auch manchmal Situationen, in denen wir Gott gern hautnah miterleben würden, so nah vielleicht, dass uns vor Erschaudern die Haare zu Berge stünden? Und gerade dann, wenn wir in Not sind, in äußerer und physischer Not, wäre dann solch ein machtvolles Zeichen nicht eine große Glaubenshilfe? Wie gut würde das unserem Vertrauen tun! Es müsste ja nicht gerade eine Stimme vom Himmel ertönen. Aber ein Zeichen sollte es doch sein, unmissverständlich.

Die Frage nach dem klaren Zeichen ist nicht eine Frage nur der ungläubigen, nach Gott fragenden Menschen. Die Frage nach einem Gottesbeweis im eigenen Leben kann auch den glaubenden Menschen umtreiben. Denn darin liegt der Wunsch nach letztem Verstehen, Erkennen, nach dem Wegnehmen letzter Unsicherheit und Ängste. Ein durchaus verständlicher Wunsch.

Und Jesus? Jesus hat damals den Philippus angeschaut, und dann klang seine Stimme wahrscheinlich verwundert und ein bisschen enttäuscht: „So lange bin ich bei Euch, und Du kennst mich nicht, Philippus? Wer mich sieht, der sieht den Vater!“

„Philippus, spürst Du denn nicht, dass Deine Bitte schon lange erfüllt ist? Wer mir, Jesus, begegnet, wer an meiner Seite lebt, wer meine Wort hört und meine Erklärungen mitbekommt, wer meine Taten in dieser Welt sieht, wer auch im eigenen Leben meine Spuren entdeckt – der, Philippus, der hat doch schon alles! Er hat den Vater gezeigt bekommen. Er lebt im Bereich seiner Geborgenheit und Nähe! Ihm ist doch alles geschenkt!“

Jesus machte damals dem Philippus einen leisen, aber unüberhörbaren Vorwurf. Muss er ihn uns heute wiederholen?

Jesu Christus möchte vielleicht heute Morgen uns allen in Erinnerung rufen: “Wer mich sieht, der sieht den Vater!“ Wer meinem Ruf gefolgt ist, hat Gottes Ruf vernommen. Wer mein Wort liest und danach lebt, der tut den Willen des Vaters. Wer in meinem Wort Geborgenheit erlebt, der erlebt die Geborgenheit des Vaters hautnah.

Das heißt: ich, Gerd Ballon, sehe den Vater, wenn ich beginne, Jesus zu vertrauen. Ich sehe den Vater, wenn ich spüre: die Worte der Bibel sind aktuell und reden in mein Leben hinein. Ich sehe den Vater, wenn ich erfahre: in der Gemeinde Jesu bin ich angenommen, geborgen und geliebt.

Jesus sagt also auch mir und Dir: den Beweis väterlicher Güte und Liebe Gottes erlebst Du im Umgang mit mir! Ich, Jesus, bin der Beweis in Deinem Leben, dass Gott es gut meint mit Dir. Du, überlege einmal, wie lange wir zwei schon gemeinsam unterwegs sind! Wie viel Du schon erlebt hast mit mir. Brauchst Du da noch Gottesbeweise? Was helfen Dir da noch Bitten wie: „Zeig uns den Vater!“? Ich, Jesus, sage Dir: Du gehörst zu mir! Genügt dir das nicht?

Ja, genügt Dir das? Gott gebe es, dass das alle unsere unsicheren Fragen zur Ruhe bringt und uns froh macht im Glauben. Denn mehr hatten die Jünger damals auch nicht! Wer immer einen Beweis für den Vater im Himmel sucht, dem bietet Jesus seine Hand an. Und er möchte, dass wir sie, wieder oder zum ersten Mal, ergreifen und – gehen. Tun Sies! Und tun Sies dann auch in der Erfahrung:

2. In Gott geborgen sein heißt: Gebetserhörungen erfahren

Zum Christsein gehören Gebetserfahrungen dazu. Wie das Gespräch zu Ehepartnern dazugehört. Das heißt nicht, dass wir einen ständigen Anspruch auf Gebetserfahrungen hätten. Und das heißt auch nicht, dass Gott uns ständig unseren Willen tun müsste. Jesus nachfolgen das heißt: Warten können, bis Bitten erfüllt werden. Und Jesus nachfolgen heißt: seinen Willen tun – und auf seinen Willen hin bitten. Egoismus und ichbezogenes Gebet werden von Jesus sicherlich nicht beantwortet. Jesus wird niemals ein Automat sein, der uns unsere Gebetserhörungen ausspuckt und uns damit bei Laune hält.

Jesus möchte doch, dass wir immer mehr begreifen, und immer deutlicher sehen, was er und wohin er will – mit dieser Welt, mit unserem Leben; dass auch wir immer mehr wollen, was Jesus will. Und das kann ich lernen. Das Wort Gottes hilft mir dabei! Es macht mir Gottes Willen klar. Je mehr ich mit dem Wort Gottes und in der Gemeinde Jesu lebe, desto klarer werde ich erkennen, wofür ich im Willen und im Namen Jesu beten kann.

Das heißt: wenn ich Jesu gehorche; wenn ich ihn und meine Mitmenschen, auch meine Feinde, liebe; wenn ich mein Geld und mein Wohlergehen der Liebe Jesu unterordne – dann wird es genug und immer mehr Bitten geben, die ich im Namen Jesu aussprechen darf und – die ganz sicher seine Erhörung finden.

Gott wird antworten. Und er wird es tun, um uns zu ermutigen und – vor allem – um sich in seinem Sohn zu verherrlichen. Es soll in dieser Welt, in unserer Gemeinde und in meinem und Eurem Leben deutlich werden: die Worte Jesu haben alle Macht. Denn er ist der Sohn Gottes – und der Vater kann über Bitten und Verstehen schenken.

Gebete, die im Namen Jesu gesprochen sind, können lange Zeit auf Erfüllung warten. Es ist schon wahr, Geduld ist des Öfteren sehr nötig, wenn wir unsere Bitten äußern. Aber – sie werden sicherlich beantwortet. Jesus selber und sein Vater haften persönlich dafür. Deshalb liegt in erhörten Gebeten soviel Kraft und Hoffnung, soviel Stärkung von Vertrauen. Wir haben das erlebt, und wir erleben es immer wieder, weil das gilt: „Was Ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun!“

Also: Wer Jesus vor Augen hat, ist in Gott geborgen. Wer in Gott geborgen ist, erlebt Gebetserhörungen. Und weiter…

3. Gebetserhörungen erfahren heißt: zur Verherrlichung Gottes leben

Und hier, glaube ich, hören Christen leicht bei Punkt 2 auf. Wir freuen uns über Gebetserhörungen und wir geben sie im Kreis der Gemeinde, z.B. beim Abendmahl, weiter – dankbar weiter. Und das ist gut so. Schlimm, wenn wir das Danke vergäßen. Schlimm, wenn von 10 Menschen in der Gemeinde, denen Jesus eine Gebetserhörung geschenkt hätte, nur einer zurückkäme, um zu berichten und Gott zu danken.

Aber – und hier frage ich konsequent weiter – aber: ist uns immer klar, dass Gott sich auch im Weiteren in dieser Gebetserhörung verherrlichen will?

Mich hat der Vers 13 in unserer Bibelstelle nachdenklich gemacht. Und ich erinnere mich schon an Erfahrungen in meinem Leben und im Leben anderer Christen, die diese Nachdenklichkeit verstärken:

Wie oft beten Menschen um den richtigen Partner und bejubeln Gottes Gebetserhörung. Und dann passieren schon bei den ersten Weichenstellungen der Partnerbeziehungen Dinge, die die Gebetserhörung ad absurdum führen. Und schuldhaftes Verhalten verdreht alles ins Gegenteil.

Wie oft werden gerade auf diesem Gebiet eigene Wünsche und Hoffnungen und Vorstellungen in Gebetserhörungen aufgewertet, liebe Gemeinde. Auf dem Gebiet der Partnersuche und –wahl sind Christen herausgefordert, sehr sorgfältig zu hören und zu entscheiden.

Oder was wäre –

  • wenn das Haus im Grünen zum Drehen um mich selber führt;
  • wenn die von Gott geschenkte größere Wohnung zum Hort des Rückzugs in die Familie wird;
  • wenn die neue Arbeitsstelle mir die Fähigkeit raubt, Prioritäten verantwortungsvoll zu setzen und meine Zeit einzuteilen;
  • wenn das gottgeschenkte Anwesen mich jahrelang ganz und gar absorbiert und meine Gaben und meine Zeit dem Reich Gottes raubt?

Oder: wenn die von Gott vermittelte Einsicht mein Leben ganz und gar durcheinander wirft, in Unordnung versetzt und alles unklar macht, weil ich am Ende doch den falschen Schluss daraus ziehe?

Und was ist, wenn eine Gebetserhörung, die ich dankbar vor den anderen ausspreche, bei diesen anderen, die mich gut kennen, zu Äußerungen des Argwohns, der Sorge und sogar des Entsetzens führen und Gebete mit einer entgegenlaufenden Bitte in Gang setzen: Herr, gib, dass er jetzt nicht in die Irre läuft!

Wenn Gott mir gesunde Kinder geschenkt hat – das erste, zweite, dritte, xte, – ist die Familiensituation ein Ort der Verherrlichung Jesu – oder verändert dieses Geschenk die ganze geistliche Dynamik meines Lebens und führt in dem, was Gott wichtig ist, zu Entschuldigungen für das, was dann nach meiner Überzeugung nicht mehr möglich ist zu tun?
Liebe Gemeinde,

was ich mit all dem deutlich machen will: Gebetserhörungen, die mich der Liebe Gottes und der Geborgenheit meines himmlischen Vaters versichern, bleiben eingebunden in den Wunsch Jesu: damit der Vater verherrlicht werde im Sohn!

Gebetserhörungen schenkt Gott deshalb letztlich nicht nur, damit ich wieder froh werde und glücklich und meines Heils gewiss weiterleben kann. Das wäre eine sehr oberflächliche Sicht.

Rick Warren schreibt in seinem Buch „Leben mit Vision“, einen sehr herausfordernden Satz. Er heißt:

„Es geht nicht um Sie. Es geht in Ihrem Leben um weit mehr als um Selbsterfüllung, persönliche Zufriedenheit oder Glück. Es geht um mehr als um Ihre Familie, Ihre Karriere oder Ihre kühnsten Träume und Vorstellungen. Wenn Sie wirklich wissen wollen, warum Sie sich auf diesem Planeten befinden, müssen Sie mit Gott anfangen. Denn Sie sind von ihm aus voller Absicht und für sein Ziel erschaffen worden.“

Gebetserhörungen sollen, wie überhaupt alle Lebensäußerungen Gottes, zu allererst der Verherrlichung Gottes dienen. Und deshalb ist jede erbetene Gebetserhörung auch ein Stück Verantwortung für die Ehre Gottes, die Jesus in unsere Hände legt. Er möchte nämlich, dass wir mit jeder geschenkten Gebetserhörung seine Ehre, seine Herrlichkeit im Blickfeld behalten. Und das heißt:

Ich darf Gottes Geschenk nicht zu einer Beute machen, mit der ich umgehe, so wie ich das will: wenn ich sie einmal habe, dann gestalte ich sie ganz nach meinen Vorstellungen und frage immer weniger nach der Idee, die Gott dazu hatte.

Die Seelsorge untereinander und aneinander ist eine der schwierigsten Aufgaben in der Gemeindearbeit und im Gemeindealltag, wenn es um Gebetserhörung geht. Wir werden uns die Zukunft leichter gestalten, wenn wir dieses eine ganz fest im Blickfeld behalten: es geht Gott mit meinem Leben im Entscheidenden um seine Verherrlichung vor der Welt. Und alles, was er uns an Geschenken und Erhörungen unserer Gebete gibt, hat diese seine Verherrlichung ganz groß im Blickfeld!
Deshalb: Gott sollen wir groß machen, nicht uns und unseren Glauben.

Und wie gut, wenn wir gemeinsam ein Vorurteil über die Christen heute durch unser Leben immer wieder neu widerlegten, auch im Umgang mit Gebetserfahrungen – das Vorurteil nämlich: die größte Sorge der Christen heute gilt ihrem Leib und ihrem eigenen Wohlergehen – und nicht mehr ihrer Seele und dem Ansehen ihres Herrn.

Es ist unsere geistliche Lebensaufgabe, diesem Vorurteil zu widersprechen – durch unser Reden und unser Tun. Gott segne uns mit noch vielen wunderbaren Gebetserhörungen. Und er segne uns mit der Weisheit, dann immer noch zu fragen: Wie kann ich mithelfen, seinen Namen in dieser Welt zu verherrlichen?

Amen

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