Beten ist wie geistliches WLAN

Vor ein paar Wochen herrschte bei uns zu Hause der Ausnahmezustand. Wie jeden Freitagabend, hatte ich es mir gerade vor dem Laptop gemütlich gemacht, um den Speiseplan für die kommende Woche zu machen und dafür nach Rezepten im Internet suchen. Da kam die Fehlermeldung – „Sie sind nicht mit dem Internet verbunden“. Innerhalb weniger Sekunden, war meine Entspannung dahin. Wie kein Internet? Mein erster Gedanke, ok ich Google erstmal, woran es liegen könnte, dass das WLAN nicht geht. Ja, da merkt man mal, wie sehr man sich ans Internet gewöhnt hat.

Schlussendlich habe ich bei unserem Internetanbieter angerufen und das Ende vom Lied war, dass wir 3 Tage lang kein Internet hatten. Da merkt man erstmal was ohne Internet alles nicht geht und wie sehr man sich inzwischen ans Internet gewöhnt hat. Nicht mal eben den Wetterbericht Googlen, bei YouTube den Lieblings Kanal schauen oder bei Google Maps, nach dem Weg suchen. Vor allem aber waren wir 3 Tage lang quasi nicht erreichbar, denn das Telefon ging auch nicht. Wir haben uns so sehr an das Internet gewöhnt, dass wir, wenn es ausfällt, schon kaum noch ohne klarkommt. Wenn wir die Internetverbindung verlieren, kann das echt Stress bedeuten.

Aber wie sieht es mit unserem „geistlichen Internet“ aus, mit unserer Verbindung zu Gott? Wie sieht es mit deiner Verbindung zu Gott aus? Bist du für Gott immer „online“, immer erreichbar und in stetigem Kontakt mit ihm? Vermisst du etwas, wenn die Verbindung zu ihm mal eine Zeit lang unterbrochen ist, weil du schon länger nicht mehr gebetet hast? Fällt es dir auf und stört es dich?

Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten

Daten

Prediger
Stefanie Helzel
Thema
Beten ist wie geistliches WLAN
Reihe
Datum
28.10.2018
Länge
14:51
Bibelstelle
1. Thessalonicher 5, 17
Stefanie Judith Helzel, Theologin, Buchautorin, Referentin
Stefanie Judith Helzel, Theologin, Buchautorin, Referentin

Lesungstext

Betet ohne Unterlass. Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.

Predigt

Was sind deine ersten Gedanken, wenn du diese Aufforderung von Paulus hörst?

Betet ohne Unterlass.

Vielleicht denkst du:“ ach Mist, stimmt. Ich müsste in meinem Alltag wirklich mehr beten.“ und du bekommst ein schlechtes Gewissen, weil du diesem „Willen Gottes“ nicht ausreichend nachkommst. Und dann fällt dir ein, wofür du alles beten könntest z.B. für deine Familie, die Gemeinde, die Geschwister im Glauben, die Zeit ohne Pastor, unsere Stadt, die Politik, Katastrophen in der Welt, verfolgte Christen. Es gibt so viele wichtige Dinge für die wir beten können und vielleicht tust du es auch regelmäßig. Und trotzdem, kann dieser Vers schnell ein schlechtes Gewissen in uns auslösen: „Bete ohne Unterlass, das ist Gottes Wille“. Bei dieser Aufforderung ist man ja nie fertig. Dann gibt es kein „genug gebetet“.

Vielleicht denkst du aber auch genau deshalb: Paulus, das Ziel ist im Grunde ja sehr löblich. Es stimmt schon, es wäre gut, ständig im Gebet zu sein, aber hast du mal meinen vollen Terminkalender gesehen. Mal ehrlich, so gut das Ziel auch ist, das schafft man doch eh nicht. „Hört nicht auf zu beten“. Aber gut, ich bemühe mich halt, möglichst oft zu beten und irgendwann ist das Grenze erreicht, mehr geht nicht, daher wird Gott schon zufrieden mit mir.

Ich glaube, die Aufgabe beim Lesen und Verstehen dieses Verses ist, nicht nur den Appell herauszuhören: „Du musst mehr beten, weil das Gottes Wille ist.“ Wenn wir nur ihn hören, machen wir Gebet zu einer Pflicht und zu einem religiösen Ritual, dass wir notgedrungen abarbeiten.
Dieser eigentlich sehr kurze Vers enthält aber neben dem Appell noch weitere Aspekte, die das Bild erst komplett machen und die uns helfen, diese Aufforderung von Paulus richtig einzuordnen.

Gebet ist ein Privileg, das Jesus möglich macht

Paulus war ein gelehrter Jude. Bis zu seiner Bekehrung war er es gewöhnt, regelmäßig vorgegebene Gebetszeiten zu haben und einzuhalten. Er war es gewohnt liturgische Gebete an einem vorgegebenen Ort zu sprechen und darüber hinaus nicht frei zu Gott zu beten. Nun aber hat Gott es durch Jesus Christus möglich gemacht, dass wir zu jeder Zeit und an jedem Ort zu ihm reden können. Was wir heute für selbstverständlich halten, war für die damalige Zeit und vor allem für den Gelehrten Paulus radikal neu. Jesus hat die Trennung zwischen Gott und uns überwunden, der Weg zu Gott ist frei. Das bedeutet, dass wir nicht auf bestimmte Orte und Zeiten angewiesen sind. Die Gemeinde in Thessaloniki bestand zwar hauptsächlich aus Heidenchristen, aber auch sie waren es gewöhnt, heidnische Götter anzubeten und dabei zeitlich und örtlich begrenzt zu sein. Wenn man etwas von der Gottheit wollte, vollzog man an einem bestimmten Ort ein zeitlich begrenztes Ritual.

Wenn Paulus sagt: „Betet ohne Unterlass. Dies ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.“ heißt das nicht nur, dass Gott von uns will, dass wir zu ihm beten. Es heißt vor allem, dass es sein Wille ist, dass wir zu jeder Zeit und an jedem Ort zu ihm beten können. Und das ist nicht selbstverständlich. Es ist ein großes Privileg, dass er uns durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes Jesus Christus einräumt. Es ist ein Privileg, dass wir zu jeder Zeit zu Gott beten dürfen. Jesus hat uns so zusagen, eine geistliche Internetverbindung zu Gott ermöglicht. Gebet ist ein Privileg.

Daher macht Paulus Mut, von diesem Privileg Gebrauch zu machen. Bete ohne Unterlass! Oder mit anderen Worten –

Halte die Verbindung durch Gebet

Die NGÜ übersetzt diesen Vers über den wir gerade sprechen folgendermaßen:

Lasst euch durch nichts vom Gebet abbringen!

Lass nicht zu, dass die Verbindung zu Gott abbricht. Sei immer online, für Gott erreichbar. Halte die Verbindung!

Es gibt viele Dinge, die unser geistliches WLAN unsere Gebetsverbindung zu Gott stören können, allen voran, Stress und vermeintlicher Zeitmangel: Vielleicht hast du auch schon mal die Erfahrung gemacht, dass wenn es im Alltag stressig wird und man viel zu tun hat, dein Gebetsleben als erstes darunter leidet. Dann hat man Scheuklappen auf, ist im Arbeitsmodus und merkt manchmal gar nicht, dass man sich geistlich ausgeloggt hat. Man ist so im Tun, so im Stress, dass man auf Gott nicht mehr achtet, nicht mehr offen ist für sein Reden. Man versucht diese stressige Phase alleine zu überwinden und man merkt gar nicht, dass man mit Gott nicht mehr richtig im Gespräch ist.

Paulus sagt: Lasst euch durch nichts vom Gebet abbringen!
Zieh dich nicht zurück. Lass nicht zu, dass andere Dinge wichtiger werden, als diese Gesprächsbeziehung zu Gott.

Ein früherer Jugendleiter von mir hat immer gesagt. Wenn du meinst, dass du keine Zeit zum Gebet hast, dann nimm sie dir erstrecht. Wenn wir glauben, dass Gebet wirklich einen Unterschied macht, für uns ganz persönlich, für unsere Mitmenschen und unsere Beziehung zu Gott, dann ist es keine vergeudete Zeit und dann lohnt es sich ihr eine hohe Priorität im Alltag einzuräumen.

Wie aber kann das „Beten ohne Unterlass“ ganz praktisch aussehen?

Ich persönlich finde das Bild bei Gott online zu sein sehr hilfreich. So wie wir es gewohnt sind, das Smartphone immer in der Tasche zu haben und mit Hilfe von WLAN und mobilen Daten immer mit dem Internet verbunden zu sein, so können wir auch mit Gott stetig in Verbindung stehen und für ihn erreichbar sein. Das bedeutet nicht, dass wir 24h am Tag dasitzen und die Hände falten müssen. Zwar sind bewusste Gebetszeiten, in denen wir uns eine Auszeit vom Alltag nehmen und uns voll und ganz auf Gott konzentrieren, sicher gut und wichtig.

Diese Gebetsbeziehung zu Gott können wir aber vor allem auch durch viele kleine, spontane Stoßgebete im Alltag pflegen. Wenn du morgens aufstehst, danke Gott für den neuen Morgen. Wenn du auf die Uhr schaust und im Kalender prüfst, was für Termine du heute hast oder das Frühstück zubereitest, lege den Tag mit allem was er bringt in seine Hände. Segne deine Kinder, wenn ihr in den Kindergarten oder die Schule aufbrecht. Segnet euch als Ehepaar, bevor ihr für einige Stunden des Tages an verschiedenen Orten sein werdet. Dankt Gott, dass ihr einander habt. Dann geh mit Gott durch den Tag, danke ihm für das Gute das du erlebst und lege ihm die Situationen hin, die dir schwer zu schaffen machen. Trau dich auch, Gott Fragen zu stellen: Jesus, der tägliche Streit der Kinder am Essenstisch macht mich wahnsinnig. Was kann ich ändern, damit die Situation sich entspannt? Herr ich sehe, meine Nachbarin geht es nicht gut. Zeig mir ob und wie ich ihr helfen kann? Wie kann ich meinem Chef begegnen, der mir immer so wenig Wertschätzung entgegenbringt und nicht sieht was ich leiste? Welche Aufgabe könnte ich in der pastorenfreien Zeit übernehmen? Stell Gott fragen und rechne damit, dass er dir antworten wird, sei offen dafür.

Gebet ist kein Ritual und keine Pflicht ist, die wir notgedrungen vollziehen. Es geht nicht darum, ein bestimmtes Kontingent an Gebeten zu erreichen, um Gott gnädig und zufrieden zu stimmen. Gott selbst gibt uns durch Christus die Möglichkeit, zu jeder Zeit und an jedem Ort zu ihm zu beten und unsere Beziehung zu ihm zu pflegen und zu intensivieren.

Ausgehend von diesem Gedanken der Beziehung zu Gott, lässt sich auch der dritte Aspekt verstehen. Denn eine gute Beziehung zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht nur auf Bitten basiert, sondern dass man wertschätzt, was man aneinander hat. Paulus sagt:

Sei dankbar in allen Dingen

Im Stress des Alltags kann es schnell passieren, dass unsere Gebete einem Bestellprozess im Internet gleichen. Wir geben bei Gott nur unsere Bestellung ab und bringen ihm unsere Anliegen. Danach aber bricht die Kommunikation ab und wir gehen wieder unseren Alltagsbeschäftigungen nach. Je voller unser Alltag ist, desto mehr laufen wir Gefahr, dass andere Gebetsformen und insbesondere Dankbarkeit unter den Tisch fallen. Gott möchte aber kein Online-shop sein, der nur unsere Bestellungen entgegennimmt. Genauso wenig möchte er die Oma sein, die man
notgedrungen besucht, wenn man wieder mal sein Taschengeld aufbessern will.

Gott geht es um Beziehung. Diese können wir gerade dadurch pflegen, dass wir registrieren, was er uns alles schenkt und ihm dafür danken. Dabei geht es nicht darum, für jedes Bittanliegen, mindestens ein Dankanliegen vorbringen müssen. Wir müssen Gott nicht gnädig und zufrieden stimmen, indem wir unsere Bittanliegen mit Dankanliegen aufrechnen. Vielmehr geht es darum, den Blick immer wieder bewusst auf die Dinge zu lenken, die Gott schenkt und zu erkennen, dass er es ist, der uns versorgt.
Ob wir Gott gegenüber dankbar sind hängt dabei beeindruckend wenig davon ab, wie es uns gerade geht. „Dankbarkeit“ ist im Grunde immer umkämpft. Wenn wir schwere Zeiten erleben, kann es nachvollziehbarerweise schwerfallen, nicht nur das Negative zu sehen, sondern auch Gründe zum Danken zu finden. Aber auch gute Zeiten sind kein Garant dafür, dass wir Gott gegenüber dankbar sind. Denn dann besteht die Gefahr, dass wir gar nicht mehr wahrnehmen, wie gut es uns eigentlich geht und den Segen den Gott uns schenkt schnell für selbstverständlich zu nehmen.

Immer wieder bewusst dankbar zu sein, führt hingegen dazu, dass sich unser Vertrauen und unsere Beziehung zu Gott festigen, weil wir erkennen, wie gut er es mit uns meint.

Und auch hier ist es letztlich Jesus, der es uns ermöglicht, zu jeder Zeit dankbar zu sein, weil sein Tod und seine Auferstehung für uns immer ein Grund zum Danken sind. Er ist für unsere Schuld am Kreuz gestorben, um uns zu befreien. In guten Zeiten macht uns dieses Ereignis deutlich, dass wir das „Gute“ eigentlich nicht verdient haben. Unser Wohlstand und vor allem unsere Errettung sind nicht selbstverständlich, sondern Gottes Geschenk und daher ein Grund zum Danken. Und auch in schweren Zeiten, kann uns der Blick auf Jesus in die Dankbarkeit führen, weil wir daraus Hoffnung schöpfen können. Er ist für all unser Leid gestorben, um es für uns zu tragen und uns eines Tages davon zu befreien. Das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für uns. Durch ihn können wir zu jeder Zeit und an jedem Ort beten und sogar dankbar sein.

Paulus fordert uns auf

Betet ohne Unterlass!

Dass ist nicht nur ein Appell, sondern ein Privileg. Wir dürfen zu jeder Zeit an jedem Ort zu Gott beten. Bist du dir dieser Tatsache bewusst und machst daher so oft du kannst von diesem Privileg Gebrauch?

Die Aufgabe besteht darin, dem eigenen Gebetsleben eine so hohe Priorität im Leben einzuräumen, dass wir diese Gesprächsbeziehung zu Gott nicht abreißen lassen. Lass nicht zu, dass deine Verbindung zu Gott durch Stress und andere Faktoren gestört wird. Bleib online, sprich mit Gott, rechne damit, dass er redet und sei bereit zu hören was er sagt.

Dieses kontinuierliche Gebet und die Haltung der Dankbarkeit kann man üben. Stell dir mal vor, du würdest jedes Mal, wenn du dein Smartphone in die Hand nimmst oder vor hast ins Internet zu gehen mit Gott sprechen oder jedes Mal, wenn du in deinen Kalender schaust oder ein Glas Wasser trinkst, deine Jacke anziehst oder auf die Uhr schaust. Überleg dir doch mal eine Sache, die du oft am Tag machst und dann nimm dir vor immer dann auch kurz mit Gott zu sprechen.

Probier’s doch aus!

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