Haus mit Fensterläden

Ich aber und mein Haus – wir wollen dem Herrn dienen!

Josua hat alle hierher bestellt. Er wird nicht mehr lange der erste Mann im Volk sein. Er ist zu alt. Seine Kraft lässt nach. Aber heute ist er noch einmal stark. Gespannt wartet man. Josua erzählt. Er erzählt die Geschichte seines Hauses, seines Volkes. Und diese Geschichte ist gleichzeitig die Geschichte mit dem lebendigen Gott. Josua erinnert an die Heilstatsachen Gottes, als er Israel aus der Verbannung geholt hat. Josua malt das Bild des großen, starken und liebenden Gottes.

Geschätzte Lesezeit: 12 Minuten

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Ich aber und mein Haus – wir wollen dem Herrn dienen!
Reihe
Datum
04.11.2018
Länge
34:38
Bibelstelle
Josua 24, 1-2a.13-21
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

1 Josua versammelte alle Stämme Israels in Sichem; er rief die Ältesten Israels, seine Oberhäupter, Richter und Listenführer zusammen und sie traten vor Gott hin.
2 Josua sagte zum ganzen Volk: So spricht der Herr, der Gott Israels: Jenseits des Stroms wohnten eure Väter von Urzeiten an

13 Ich gab euch ein Land, um das ihr euch nicht bemüht hattet, und Städte, die ihr nicht erbaut hattet. Ihr habt in ihnen gewohnt und ihr habt von Weinbergen und Ölbäumen gegessen, die ihr nicht gepflanzt hattet.
14 Fürchtet also jetzt den Herrn und dient ihm in vollkommener Treue. Schafft die Götter fort, denen eure Väter jenseits des Stroms und in Ägypten gedient haben, und dient dem Herrn!
15 Wenn es euch aber nicht gefällt, dem Herrn zu dienen, dann entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt: den Göttern, denen eure Väter jenseits des Stroms dienten, oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt. Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen.
16 Das Volk antwortete: Das sei uns fern, dass wir den Herrn verlassen und anderen Göttern dienen.
17 Denn der Herr, unser Gott, war es, der uns und unsere Väter aus dem Sklavenhaus Ägypten herausgeführt hat und der vor unseren Augen alle die großen Wunder getan hat. Er hat uns beschützt auf dem ganzen Weg, den wir gegangen sind, und unter allen Völkern, durch deren Gebiet wir gezogen sind.
18 Der Herr hat alle Völker vertrieben, auch die Amoriter, die vor uns im Land wohnten. Auch wir wollen dem Herrn dienen; denn er ist unser Gott.
19 Da sagte Josua zum Volk: Ihr seid nicht imstande, dem Herrn zu dienen, denn er ist ein heiliger Gott, ein eifersüchtiger Gott; er wird euch eure Frevel und eure Sünden nicht verzeihen.
20 Wenn ihr den Herrn verlasst und fremden Göttern dient, dann wird er sich von euch abwenden, wird Unglück über euch bringen und euch ein Ende bereiten, obwohl er euch zuvor Gutes getan hat.
21 Das Volk aber sagte zu Josua: Nein, wir wollen dem Herrn dienen.

Predigt

Liebe Gemeinde,

vor zwei Wochen hatte meine Frau Annegret ihre Tagebücher vor sich liegen und las in einem von ihnen. Und irgendwann las sie mir daraus vor. – Denn es ging darin auch um mich. Wir hatten uns vor kurzem kennengelernt. Annegret war damals 16, ich etwa 19 Jahre.
Und was sie mir dann vorlas, hat mich zutiefst berührt. Ich habe vielleicht zum ersten Mal sehr bewusst ihre tiefe damalige Zuneigung zu mir gespürt – denn im Gegensatz zu einem bösen Buben, der vor 41 Jahren einmal ein solches Tagebuch von Annegret entwendet, gelesen und mit seinen Markierungen versehen hatte, habe ich nie eines diese Büchlein aufgeschlagen.

Ich war zutiefst berührt über diese Zuneigung, Wertschätzung und Liebe, die mir damals entgegen gebracht wurde. – Selbst nach 40 Jahren Ehe hat das noch einmal etwas in mir verändert, wofür ich sehr dankbar bin. Es hat meine Dankbarkeit und Liebe meiner Frau gegenüber neu gestärkt und herausgegraben aus so vielen Jahrzehnten Alltag.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich vor ein paar Wochen daran teilnehmen durfte. Sehr dankbar.

Ja, wir feiern am heutigen Tag unseren 40. Hochzeitstag.  – Und wir möchten ihn ein wenig auch mit Euch feiern. Deshalb bitten wir um ein wenig Zeit nachher im Foyer.

Annegret hatte mich vor einigen Wochen gebeten, als Predigttext für den heutigen Sonntag unseren Trauspruch zu wählen. Und das mache ich heute gern. Und nehme Euch mit hinein in eine Szene vor 2700 Jahren. Es ist Landtag zu Sichem, die Versammlung aller Verantwortungsträger und der wichtigsten Leute des Volkes Israel. Und irgendetwas liegt in der Luft. Derjenige, der jetzt das Wort hat, heißt Josua. Er ist der alte Führer des Volkes, der nach dem Tod des Mose die Verantwortung übernommen und die Landeinnahme geleitet hat.

Josua hat alle hierher bestellt. Er wird nicht mehr lange der erste Mann im Volk sein. Er ist zu alt. Seine Kraft lässt nach. Aber heute ist er noch einmal stark. Gespannt wartet man. Josua erzählt. Er erzählt die Geschichte seines Volkes. Und diese Geschichte ist gleichzeitig die Geschichte mit dem lebendigen Gott. Josua erinnert an die Heilstatsachen Gottes, als er Israel aus der Verbannung geholt hat. Josua malt das Bild des großen, starken und liebenden Gottes. Und dann, auf einmal jäh diese Sätze:

Dient deshalb dem Herrn von ganzem Herzen. Wendet Euch von den Göttern ab. Wollt Ihr das nicht, dann opfert bei anderen Kultstätten. Wie auch immer: Ich aber und mein Haus – wir wollen dem Herrn dienen.

Dieser Satz schlägt ein. Alle spüren: da wiegt jedes Wort. In diesem Satz liegt der ganze Wille, das ganze Leben des alten Josua umschlossen. Das ist sein Lebensvermächtnis.
Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen.

Danach herrscht einen Augenblick Ruhe. Nachdenkliche Ruhe.

„Ich aber und mein Haus – wir wollen dem Herrn dienen“ – dieses Wort ist nun auch ein Wort, dass schon sehr lange mit meiner Frau und mir mitgeht.
Ich lege es nun aus. Also – wieder ein paar Gesichtspunkte

1. Das Leiden an den alten neuen Göttern!

Landtag zu Sichem. Ein Volk hört Worte des greisen Führers Josua. Ein Volk mit zig Jahren Geschichte. Keine jung gegründete Gottesgemeinde. Allein 40 Jahre in der Wüste!

Nein, zig Jahre Geschichte! Und was für eine: Wunder über Wunder; machtvolle Tat Gottes auf machtvolle Tat. Jericho war ein solches Ereignis; die ganze Zeit der Landnahme war ein Wunder schlechthin. Ein solch kleines Volk besiegt mächtige Stadtstaaten hinter kampferprobten Mauern!

Aber eines schockiert mich hier – und Sie vielleicht auch: dieses Volk hatte offensichtlich seine Götzen nicht verbrannt. Es hatte sie stattdessen vererbt an die nachfolgende Generation. Und als Josua sein Vermächtnis spricht, da kann er eben nicht sagen: Bleibt so gottesfürchtig wie bisher! Nein, er muss diesem Gottesvolk sagen: „Entscheidet Euch: wem wollt Ihr dienen? Wollt Ihr meinem Beispiel folgen, oder Eure Götter weitervererben?“

Und dann? Dann ruft ein ganzes Volk: Ja, wir wollen so wie Du dem Herrn allein dienen! Toll, nicht? Da sollte doch das Herz eines Josua springen. Da sollte doch das Herz jedes Pastors hüpfen, wenn er nach einer markerschütternden Predigt dieses Zeugnis von seinen Zuhörern gesagt bekommt: „Ja, ich will auch dem Herrn von ganzem Herzen dienen!“

Nur: wie oft machen wir alle im Leben die Erfahrung, dass das, was wir wollen, nicht das ist, was wir tun. Wir wollen dem Herrn von ganzem Herzen dienen. Aber wir wollen das um einen zu geringen Preis. Denn da sind auch die Götter unserer Zeit. Und dass es diese Götzen gibt, ist nicht immer, aber meistens unsere Schuld.

Götzen werden uns ja oft auch einfach mitgegeben. Wir wachsen mit ihnen auf, vielleicht weil unsre Eltern sie schon im Herzen hatten. Wir leben mit ihnen zusammen, weil wir sie in unserer Gesellschaft so vorfinden und ihnen immer wieder begegnen.

Eigentlich sind diese Götzen heute nichts anderes als früher: Gebrauchsgegenstände. Dinge des täglichen Lebens, die man gebrauchen und benutzen kann.

Mit einem hölzernen Götzen konnten die Israeliten ein prächtiges Herdfeuer unterhalten – wenn sie’s auch taten, anstatt von einem solchen Holzstück ihr Heil zu erwarten.

Mit der Geldmasse heute, über die wir als Einzelne und Familien verfügen können, lässt sich viel Gutes tun. Wie viel Menschen kann ich zu mir nach Hause einladen, in wie viel Menschen kann ich investieren – wenn ich es nur tue und nicht mein irdisches Heil auf Geld aufbaue.

Mit den Freizeitmöglichkeiten heute kann ich meinen Körper innerlich und äußerlich gesund erhalten – wenn ich’s nur tue und mein Privatleben nicht für heilig erkläre.

Mein Grundstück, mein Haus, meine Veranda, meine Gartenlaube, mein Motorrad, mein Auto, mein Beruf – alles Dinge, die mich erfreuen sollen und meine Lebensfreude erhalten helfen, meine Mobilität, meine Verantwortlichkeit – wenn ich’s nur so anwende – und aus all dem nicht meinen sozialen Status errechne und meine Entschuldigungen für alles mögliche daran festmache!

Meine Gesundheit, die ich vielleicht sogar durch Vollwertkost sichere – wenn ich sie nur zum Lob des Schöpfers und Erhalters einsetze und daran nicht den Spruch festmache: „Hauptsache gesund!“

Götzen sind auch heute das, was sie immer waren und immer sein werden: Gebrauchsgegenstände. Und es gilt im Leben einen Satz zu beherzigen, der mich frei erhält:
Was ich benutze zur Ehre Gottes, gewinnt keine Macht über mich.
Wenn ich die Götzen benutze, können sie mich nicht so leicht benutzen. Was der Ehre Gottes dient, hat nichts mit meiner Ehrsucht zu tun.

Wie gehst Du mit dem um, was Macht über Dich gewinnen will? Es hört ja sich gut an: Wir wollen dem Herrn dienen“! Nur – bis heute zählen Taten. Bist Du frei? Benutzt Du die Bereiche Deines Lebens, um Menschen zu segnen und Gott zu loben? Oder benutzen die Bereiche Deines Lebens Dich?

Josua sagte damals: Überlegt selbst!
Ich sage Dir heute Morgen: Überlege selbst! Und dann tu das, was Du von ganzem Herzen willst!

2. Ich aber und mein Haus!

Josua sagt diesen Satz als Patriarch; er konnte damals dank seiner Autorität durchsetzen, dass seine ganze Familie sich dem Willen des Vaters anschloss. Dass das aber auch anders aussehen kann, zeigen die Beispiele aus dem AT: ich denke an die Kinder des Noah; ich denke an die Tragödien in den jüdischen Königshäusern seit David.
“Ich aber und mein Haus für Gott” – das ist bis heute, liebe Gemeinde, ein Geschenk Gottes, ein Gebetsanliegen, an das ich denken darf Tag für Tag
.
Meine Frau und ich haben in den letzten 40 Jahren Gemeindedienst sehr deutlich erfahren, dass eine fruchtbare Tätigkeit in der Gemeinde Jesu für einen Pastor eigentlich nur möglich ist, wenn der Rückhalt in der eigenen Familie voll da ist. Anders lassen sich Besuchs – Großaktionen nicht bewältigen. Anders bleiben Spannkraft und Freude am Dienst für Jesus nicht erhalten. Anders lassen sich Enttäuschungen nur sehr schlecht auffangen. Natürlich wissen wir als junge Eltern nie im Voraus, wie einmal unsere Kinder zu dem stehen werden, was ihre Eltern als das wichtigste im Leben bezeichnen. Wir dürfen und sollen aber darum beten, dass wir das auch einmal so sagen dürfen – vielleicht schon ergraut sagen dürfen: „Ich aber und mein Haus!“ Was für ein Segen wäre das – für uns und für Euch als Eltern!

Aber ich frage Dich, lieber Mann, liebe Frau: Wie wichtig ist nun Dir dieser Satz? Was tust Du, um Deinen Ehepartner und Deine Kinder zur fröhlichen Nachfolge zu motivieren? Das ist ja nicht immer so einfach!

Was glauben wir, wie es auf die Familie wirkt, wenn einer der Ehepartner ständig dem anderen in den Ohren liegt mit dem Satz: „Bist Du schon wieder für die Gemeinde unterwegs? Kann denn niemand anders das übernehmen?!“ Wenn einer durch sein Nörgeln den anderen demotiviert und sich dann auch noch wundert, wenn es dann auch in der Ehe nicht mehr klappt?

Kannst Du den Dienst Deines Mannes/ Deiner Frau nicht auch als Deinen Dienst ansehen? Wie soll der andere das fröhlich schaffen, dem Herrn zu dienen, wenn Du ihm die Energie raubst? Frag Dich das einmal!

Wie sollen Eure Kinder eine gute Meinung von Gott bekommen, wenn sie Euch ständig überfordert und stöhnend erleben, sobald das Wort Gemeinde fällt? Wie gibst du Deinen Glauben an Jesus weiter? Kannst du Deine Kinder überzeugen? Werden sie spüren, dass Jesus Christus bei Dir an erster, aber wirklich an erster Stelle steht – nicht nur in deinem Reden, sondern in Deinen Taten? Was überfordert Dich? Was musst Du abgeben, damit Deine Kinder Deine Freude an Deiner Gemeinde und am Glauben bleibend spüren?

Es ist ein Segen, wenn Eltern das so sagen dürfen: „Ich aber und mein Haus!“

Aber, liebe Gemeinde: es geht oft auch mit dem besten Bemühen nicht, seine Kinder auf die Spur des Lebens zu bringen. Wie wichtig aber ist dann das gute Vorbild und die letzte Ehrlichkeit!

Und es ist befreiend zu hören, was ältere Freunde uns über ihre Familienerfahrung mitgeteilt haben. Wenn der Vater nach einer langen ermüdenden und schwierigen Sitzung nach Hause kam und seiner Enttäuschung in ein paar Kraftausdrücken Luft machte, dann fragten die heranwachsenden Kinder manchmal: „Na, Vatter, haben die brüderlichen christlichen Doofköppe Dir wieder den letzten Nerv geraubt?“
Dann konnten die Eltern auch ihre Enttäuschung herauslassen, auch über die Gemeinde und die lieben Geschwister im Herrn. Aber eines spürten die Kinder dann trotzdem: wie lieb nämlich die Eltern diese brüderlichen Doofköppe dann doch hatten – und wie lieb vor allen Dingen den Herrn Jesus Christus.

Ich aber und mein Haus – nicht verkrampft, sondern in ganzer Ehrlichkeit und Liebe!

Aber ich möchte ganz ehrlich zu Ihnen sein: vor 40 Jahren habe ich dieses Wort leichter im Herzen getragen als heute. Ich bin so sehr dankbar für zwei Kinder, die Jesus Christus in ihrem Leben spürbar wirken lassen. Aber ich weiß: das hat Gott gemacht. Und das ist nicht selbstverständlich.

Es gibt ein Anbetungslied, das ich selber bis vor zwei Jahren sehr gern gesungen habe und das ich wunderschön finde: “My Jesus, my saviour, Lord, there is no one like You …” Dieses Lied hat mein ältester Sohn oft gesungen, als er gerade von einer Teenieefreizeit zurückkam und uns zu unserer Freude sagte: “Ich bin zusammen mit einigen anderen Christ geworden.” – Heute ist von dieser Entscheidung nicht mehr viel zu spüren. Und mir kommen regelmäßig die Tränen, wenn ich im Kreis von Menschen bin, die dieses Lied singen. Es tut so weh, zu erleben, dass dieser Satz zu Bruch geht – trotz intensiven Mühens: “Ich aber und mein Haus, meine Familie, wir wollen dem Herrn dienen!” Es gehört zu den Dingen, die glaubende Eltern am meisten verletzen können: ihre Kinder auf Abwegen zu entdecken – und nichts mehr tun zu können als zu beten. Manchmal denke ich: vielleicht wäre es mir einige Jahre meines eigenen Lebens wert, wenn ich das absichern könnte schon jetzt: dass alle meine Kinder den Weg mit Jesus Christus gehen und einmal im Himmel bei Christus ankommen würden. Aber das geht nicht. Auch nicht um diesen Preis. “Ich aber und mein Haus” – das ist Gnade. Wohl dem unter Euch älteren Eltern hier, der das so sagen kann. Und wehe dem, der glaubenden Eltern das auch nur entfernt vorwirft, dass ihre Kinder Jesus Christus nicht vertrauen. Ihr Eltern mit kleinen Kindern – tut alles in Eurer Macht stehende, um ihnen Jesus Christus lieb zu machen.

Betet, als ob Ihr nicht daran arbeiten könntet. Und arbeitet daran, als ob Ihr nicht beten könntet. Aber dahin führen, zu diesem “Ich aber und mein Haus” – das kann nur Gott allein. Und Gott sei Dank, dazu nimmt er sich unendlich viel Geduld und so viel Zeit und noch mehr Liebe. Gott sei Dank. Gott sei Dank!

3. Die Entscheidung

Wissen Sie, was ich großartig finde an diesem Landtag zu Sichem damals? Dass da keiner, kein einziger, überredet werden soll. Dass keiner unter Druck gesetzt wird. Josua lässt nicht eine Unterschriftenliste herumgehen. Er droht keine Sanktionen an für den Fall, dass einer nicht unterschreibt.

Josua lässt jedem offen, wie er sich entscheidet.
Nun sagt Josua das damals aber nicht zynisch und distanziert:

„Macht jetzt, was ihr wollt. Mir ist das doch egal. Ihr interessiert mich nicht wirklich. Ich jedenfalls diene Gott.“ Dann hätte er den Titel eines Leiters nicht verdient.

Nein, Josua sagt das alles werbend. Er hat manchmal, so wie sein Vorgänger, an diesem Volk, aber er hat noch viel mehr mit diesem Volk und für dieses Volk gelitten. Er liebt es sehr. Aber er übernimmt nicht die Verantwortung für die Entscheidung der anderen. Das finde ich so befreiend. Warum?

Weil das so auch heute Morgen gilt und immer, immer wieder: Meine Verantwortung für jeden von Ihnen heute Morgen endet in dem Augenblick, wo ich in aller Herzlichkeit und unter Aufbringung aller persönlichen Überzeugungskraft in der Kraft des Heiligen Geistes bezeugt habe: „Gott ist wunderbar. Und ich und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen. Von ganzem Herzen. Mit aller Kraft. Mit aller Liebe zu jedem Einzelnen hier; vielleicht manchmal unter Stöhnen oder sogar Tränen; mit aller Liebe zu Jesus, zu der ich fähig bin. In Demut, so wie Gott mir die schenkt. Und in ganzer Konsequenz. Am liebsten mit Euch allen zusammen. Aber wenn es nicht anders geht, dann notfalls auch ganz allein mit meiner Frau – und vielleicht mit meinen Kindern. Entscheidet nun Ihr selber, wem Ihr von ganzem Herzen dienen wollt!“

Das ist mein Zeugnis heute Morgen. Das war das Zeugnis von Annegret und mir in den letzten 40 Jahren – besonders unseren Kindern und der weiteren Familie gegenüber.

Das war mein Zeugnis über 41 Jahre Gemeindedienst. Aber hörst Du: Die Verantwortung für Deine Entscheidung trägst Du selber. Die brauche ich nicht für Dich zu tragen. Die trägst Du; und irgendwann einmal trägst Du die allein vor den Thron Gottes. In aller Ehrlichkeit; oder mit einer Lebenslüge. Mit Göttern im Rucksack – oder ohne. Aber Du allein.

Das finde ich – ganz ehrlich – für mich – befreiend. Denn anders kann ich und anders brauche ich nicht mehr zu leben.

Noch einmal: Josua hat damals alle Überzeugungskraft in seine Worte gelegt. Seine ganze Liebe zu seinem Volk. Er hat jedem ganz persönlich sagen wollen: Es geht eigentlich nur mit Gott und dem Dienst für ihn. Lasst Euch doch herausfordern und mitnehmen. Trennt Euch doch von allem, was Euch ausnutzt. Seid Herren der Götzen, indem ihr Diener Gottes bleibt. Sagt es doch auch aus Eurem Innersten heraus, immer wieder neu: Ich aber und mein Haus – wir wollen dem Herrn dienen. Und dann bleibt doch dabei! Nehmt Euch ein Beispiel an mir!“

Josua hat in aller Liebe geworben und im Heiligen Geist ermahnt. Nicht um Gewissen zu knechten, sondern um Gewissen zu retten.

Ich hab’s heute Morgen auch nur so tun wollen. Und ich halte hier auch fast die letzte Predigt als Pastor einer Gemeinde.

Vielleicht sagt ja jetzt jemand heute morgen hier: Pastor, ich habe Deine Beweggründe verstanden. Und ich wiederhole es Dir – oder ich sage es zum ersten Mal so konsequent und dabei froh: Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn auch dienen. Ja, ich will auch, ich will mit Dir zusammen!“ Das wäre so supertoll! Und derjenige sollte es mir nach dem Gottesdienst auch wirklich sagen. Und dann fröhlich loslegen mit der Nachfolge hinter Jesus her.

Nur: das hat ein ganzes Volk damals auch gesagt. Und auf dem Landtag zu Sichem sicherlich von ganzem Herzen. Und dann? Dann waren die Götzen irgendwann doch wieder stärker. Das ist doch das Kreuz mit uns und unseren Göttern. Wir wollen von ganzem Herzen. Aber nur für kurze Zeit. Wir sind so schwach. So schwach.

Deshalb schenke es Gott, dass wir alle einander einmal im Himmel wiedersehen, zusammen mit Josua und Mose und Abraham, zusammen mit Kindern, Ehepartnern, Eltern, die immer noch auf einem Weg weg von Gott sind und umkehren müssen – gebe Gott, dass sie es auch noch tun. Vor allem aber dermaleinst zusammen mit Jesus Christus. Gott segne Euch – er segne Annegret und mich und alle, die wir miteinander lieb haben, an die wir gerade denken und für die wir beten – an diesem heutigen Morgen!

Dient deshalb dem Herrn von ganzem Herzen. Wendet Euch von den Göttern ab. Wollt Ihr das nicht, dann opfert bei anderen Kultstätten. Wie auch immer: Ich aber und mein Haus – wir wollen dem Herrn dienen.

Amen

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