Schatz in irdenen Gefäßen...

Schatz in irdenen Gefäßen…

Wir sind so zerbrechliche Boten eines großen Gottes. Man kann uns so schnell ängstigen und zum Schweigen bringen. Aber Gottes Botschaft läuft. Denn Gottes Kraft steckt darin.
Geschätzte Lesezeit: 9 Minuten

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Schatz in irdenen Gefäßen…
Reihe
Datum
11.11.2018
Länge
26:00
Bibelstelle
2. Korinther 4, 7
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit offenbar wird, dass die überschwängliche Kraft von Gott kommt und nicht von uns Menschen.

Predigt

Liebe Gemeinde,

heute predige ich – einmal abgesehen von den beiden Predigten am Heiligen Abend und am Jahresende, dies dann schon während meinem letzten Urlaub als Pastor – meine Abschiedspredigt an Euch, und es fällt nicht so leicht, an einem solchen Tag und zu diesem Anlass als Pastor vor der Gemeinde zu stehen, mit der ich 9 Jahre lang eine doch sehr enge Gemeinschaft gelebt habe. Zum letzten Mal vor der Gemeinde, die Sonntag für Sonntag von dem Mann auf der Kanzel Gottes Wort erwartete, in Reinkultur möglichst, ohne Klauen und Zähne – und die sich oft kaum bewusst gemacht hat, wie viel menschliche Gesichtspunkte zusammentreffen müssen oder aber nicht dürfen, damit Menschenwort zu Gotteswort und damit der Sünder zum Verkündiger wird. Was denkt Ihr, was hier heute Morgen passiert? Vielleicht so eine Art Endabrechnung? Jetzt noch mal so richtig die Leviten gelesen? Kann mir ja nichts mehr passieren! Denn spätestens ab dem 31. Dezember bin ich Pensionär und beziehe ab da eine Mordsrente, die Ihr mir nicht kürzen könnt.

Oder erwartet Ihr ein romantisch verträumtes Resümee‘ meines Dienstes hier in der Gemeinde – so etwas wie „Als wir damals…“

Ich möchte natürlich keines von beidem tun! Ich möchte heute nur eines: mit Euch zusammen ein weiteres Mal Jesus Christus bezeugen – und das in großer Dankbarkeit und Freude für das, was er getan hat. Ich wünsche mir, dass diese Predigt noch einmal ein freundlicher Gruß des Auferstandenen an Euch und mich ist, der uns den Weg zeigt in eine von ihm gestaltete und gesegnete Zukunft!

Das Wort, das diese Predigt in der FeG FFB bestimmen wird, steht in 2. Kor 4,7 – ein wirklich ernüchterndes Wort:

„Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit offenbar wird, dass die überschwängliche Kraft von Gott kommt und nicht von uns Menschen.“

Die Situation damals ist ja diese: Pls beschreibt die Leidensgemeinschaft der Gemeinde Jesu, vor allem aber die der Boten Gottes, mit Christus. „Wir sind ratlos, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um.“

Pls sagt: Wir sind so zerbrechliche Boten eines großen Gottes. Man kann uns so schnell ängstigen und zum Schweigen bringen. Aber Gottes Botschaft läuft. Denn Gottes Kraft steckt darin.

Es ist ein großer Satz, den Pls hier ausspricht. Und er kann diese Aussage nur begründen mit 2. Kor 4,7:
„Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit offenbar wird, dass die überschwängliche Kraft von Gott kommt und nicht von uns Menschen.“ – Was meint Pls genau?

1. Wir haben aber diesen Schatz!

Wir haben ihn. Das ist erst einmal eine Aussage. Wir brauchen kein Schiff wilder Gesellen anzuheuern, um eine Schatzinsel anzusteuern und nach alten Plänen Schätze zu suchen und zu bergen. Das wäre vielleicht abenteuerlich, so spannend wie der Film „Die Schatzinsel“ selber. Und mancher glaubt ja, er lebe auf diesem Planeten, nur um mit größter Mühe diesen seinen Lebensschatz zu finden – auf der Suche nach mehr Glauben, nach mehr Geist, nach mehr Christsein.

Pls sagt: Wir haben ihn! Der Schatz ist bereits gefunden und aufgedeckt. Und er beschreibt diesen Schatz mit herrlichen Worten (V. 6): „Denn Gott, der sprach: `Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten!‘, der ist als heller Schein in unseren Herzen aufgegangen, damit wir erleuchtet würden zur Erkenntnis der göttlichen Herrlichkeit auf dem Angesicht Jesu Christi.“ – Das ist der Schatz!

Auf dem Gesicht dessen, der als Gottes Sohn zur Welt, zu uns Menschen, kam, spiegelte sich alle Herrlichkeit Gottes wider. Gott selber ist als heller Schein in unseren Herzen aufgegangen. Es gibt wieder Herrlichkeit und Wärme in dieser kalten dunklen Welt. Wir Menschen brauchen nicht aneinander zu erfrieren. Wir haben diesen Schatz. Diesen Schatz Gottes in einer Welt, in der so vieles zum Scheitern verurteilt ist, in der keiner weiß, ob wir sie in zehn Jahren noch bewohnen können.

Das ist doch ein Schatz Christi: Wärme, Licht, Leben, Vergebung. Wenn Ihr jetzt eine Viertelstunde lang nur über das nachdenken würdet, wofür Ihr Gott dankbar sein, worüber Ihr Euch freuen könntet – und wenn Ihr das alles zusammenballtet, dann hättet Ihr solch einen Bruchteil dieses Schatzes. Wenn Ihr an die Jünger Jesu denkt, die Ihr kennengelernt habt oder von denen Ihr je gelesen habt als von Menschen des Lichtes, des Friedens und der brennenden Liebe – dann versteht Ihr etwas von diesem Schatz.

Das ist Evangelium: Gott kommt in uns Menschen hinein, um seinen hellen Schein leuchten zu lassen und uns zu Menschen des Lichtes zu machen. Jesus verändert Menschen, wandelt sündige Strukturen; er macht Krankes heil und Zerbrochenes wieder ganz; er macht Zerschundenes wieder brauchbar. Christus ist das Evangelium für alle; er gibt Antworten auf brennende Fragen, von denen wir spüren: wenn diese Fragen nicht beantwortet werden, dann – hat sich ein ganzes Leben nicht gelohnt!

„Wir haben aber diesen Schatz..“ sagt Pls. Lasst diese Worte auf der Zunge bzw. im Ohr zergehen. Und begreift ganz neu: Wir haben ihn – wir haben ihn…

2. …in irdenen Gefäßen

Dieser großartige, alles entscheidende Schatz Gottes, der wird uns nun nicht auf einem goldenen Tablett serviert. Dieser Schatz lebt in uns – und nun nicht so, dass wir blitzblanke Karaffen und Behältnisse seien – wir haben diesen Schatz – in irdenen Gefäßen. In ratlosen, bedrängten, verfolgten, vom Tode gekennzeichneten menschlichen Gefäßen. Wir selber sind das: Gefäße, die so gar nichts ausstrahlen wollen von dieser Herrlichkeit des Schatzes. Tongefäße. Das billigste, was es so auf dem Markte gibt. Wir – Ich, Du, Ihr alle.

Das nenne ich Nüchternheit. Pls ist ein Meister im Schildern von nüchternen Standpunkten! Und da sind wir dann wieder bei uns angekommen.

Ich kann das bis heute nicht begreifen, dass Gott mich allzu irdenes Gefäß gebraucht hat, um seinen Schatz zu vermehren. Dass er Heiligen Geist zu meinen stümperhaften Versuchen geschenkt hat – im Pastorendienst in fünf Gemeinden. Dass er trotzdem mit mir handelte – trotz mancher schlecht vorbereiteter Gottesdienste, trotz manch schwacher Predigten; trotz manch oberflächlichen und lieblosen Umgangs mit Menschen. Trotz hochmütiger Anwandlungen – eben: trotz der Sünde in meinem Leben. Irdenes Gefäß – Pls sagt an anderer Stelle noch Deutlicheres dazu, das ich mir und Euch heute morgen ersparen möchte.

In diesem Gefäß aber ist Gottes Schatz. Und in diesen Gefäßen möchte er zu anderen Menschen gelangen. Zum Beispiel auch in die Gemeinde. Und die ist ja nun auch nicht die strahlende Braut. Oh nein, das kommt erst noch. Wir sind ja wahrlich noch nicht im Himmel. Die Gemeinde Jesu hat Krallen, Klauen und Sporne. Sie kann auch hacken – sie kann es, weil es vielleicht das Erste ist, was Menschen lernen – die Hackordnung im Miteinander.

Gemeinde besteht nun einmal auch aus denen, die sich immer wichtiger vorkommen, als sie es eigentlich im wirklichen Leben sind; sie besteht aus denen, die so schnell über andere herfallen und doch selber verwerflich sind; aus denen auch, die so fromm tun und manchmal doch ein recht delikates Familienleben tarnen; und auch aus den vergeistigten Christen mit den ach so irdischen Phantasien. Gemeinde besteht weiterhin auch aus den Zweiflern, den Geängstigten, die lieber zehnmal den Mund halten, als einmal ihren Glauben zu bezeugen.

Das sind wir doch, wir als Gemeinde – alle miteinander. Wir irdenen Gefäße. Wir Ostraka, d.h. wir Splitterhaufen eigener Wünsche und auch Begierden, so wenig überzeugend oft und so wenig mutig.

Aber wir! Wir haben einen Schatz! Wir haben ihn. Trotzdem. Er wird von Gott nicht zurückgenommen. Gott schenkt seinen Schatz in unsere irdene Hülle hinein. Das ist doch auch so ein unaussprechliches Wunder – dass Gott das tut – trotzdem!

Und deshalb muss ich schon genauer, besser zweimal hinschauen, wenn ich Gottes Reichtum in seiner Gemeinde entdecken will. Er ist dort! Aber in irdenen Gefäßen. Und ich preise den Herrn Jesus Christus für all die irdenen Gefäße, die mich nicht nur manchmal irritiert oder gar geärgert haben, sondern aus denen mir Gottes herrlicher Schatz entgegengeleuchtet hat, immer wieder. Und um dieses Leuchtens willen müssen wir immer wieder den direkten Blick auf den anderen wagen – über dessen Grenzen und Fehler hinaus. Dann werden wir ihn wieder sehen – Gottes Schatz – in diesen irdenen Gefäßen. Die befreiende Botschaft Gottes – angewendet auf uns Menschen. Wer nur beim tönernen Äußeren hängenbleibt, der erfährt nichts über den wirklichen Reichtum der christlichen Gemeinde!

Aber warum ist das so? Warum so viel tönernes Scheppern, soviel Menschelei, soviel Unvollkommenes? Müssen – und dürfen wir den Blick nicht wagen – weg vom irdenen auf Gottes Schatz? Müssen wir dauernd auf den Scherbenhaufen blicken?
Also: „Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit, ja..

3. …damit offenbar wird, dass die überschwängliche Kraft von Gott kommt und nicht von uns Menschen.

Also, nochmals: müssen, dürfen wir den Blick nicht wagen weg vom irdenen auf Gottes Schatz? Müssen wir dauernd auf diesen Scherbenhaufen unserer selbst blicken?

Pls sagt: „Ja!“ Das muss unbedingt sein. Damit offenbar wird, dass die überschwängliche Kraft von Gott kommt und nicht von uns!

Die uns umgebenden Menschen müssen erkennen: Christen sind von ihrer Substanz her ja genauso wie wir – Ehebrecher, Lügner, Diebe – genau wie wir. Dass sie so nicht leben, nicht so zu leben brauchen, das muss an etwas anderem liegen. Das tut Gott. Denn seine Kraft ist in ihnen überschwänglich mächtig.

Gott hat sehr bewusst unseren tönernen Leib nicht verwandelt. Er hat wohl wissend kein goldenes Gefäß daraus gemacht.

Denn wir Menschen versuchen ja schon genug, uns selber und einander den tönernen Lebensanteil zu verkleiden. Der eine wird als Kalb Moses auf den Sockel gehoben, der andere wird beklatscht, einem dritten raubt man seine Demut durch Schmeichelei. Und hinter all dem verschwindet die überschwängliche Kraft Gottes. Sie wird dann zum Rinnsal gegenüber der überströmenden Potenz der ach so geistlichen Zeugen!

Ich glaube, es war der jüngere Bodelschwingh, der eine europäische Prinzessin durch seine Anstalt geleitete, um ihr den Gesamtkomplex zu veranschaulichen. Und die Prinzessin – sie lobte Bodelschwingh in den Himmel. Natürlich, Gott hatte das alles getan und dieses Werk aufgebaut! Aber was Pastor Bodelschwingh daraus gemacht hatte! Großartig, einfach großartig! Was für ein wunderbarer Mann er doch war! – Auf einmal verließ der Gastgeber seinen Gast und ward nicht mehr gesehen. Durch jemand anders ließ er der überraschten Prinzessin sagen, „…sie solle sich bitte von hinnen begeben. Sie hätte durch ihr Reden alles getan, um in Bodelschwingh den Satan zu stärken!“

Da hatte einer versucht, dem anderen die irdenen Bestandteile wegzuloben. Und der andere war – Gott sei Dank – nicht der Gefahr erlegen, das mitzumachen. Er hatte sich diskret seiner Vergoldung entzogen.

In jedem von uns steckt sicher dieser Speicher, der gefüllt werden will mit Lob und großen Sprüchen. Und dann hat der eine ein Gemeindezentrum gebaut, und der andere hat segensreich gewirkt, und der dritte war ein Großmeister der Seelsorge. Herrlich, wie wir jemanden hochjubeln können. Aber – wo bleibt das irdene Gefäß?

Damit wir uns richtig verstehen: ich halte, wie auch bekannt sein dürfte, nichts von gespielter Demut. Der Heilige Geist beschenkt uns oft erst, wenn wir selber hart arbeiten. Und niemand darf mir Faulheit in den 42 Jahren Dienst für Jesus vorwerfen.

Lob und Anerkennung brauchen wir alle immer wieder. Und gut, wenn wir sie über eine gemeinsame Lebenszeit verteilt auch bekommen. Wenn Gott Gaben schenkt – warum sollten wir uns nicht freuen, wenn er sie gerade uns geschenkt hat.

Aber es geht bei alle dem – und das will Paulus doch wohl auch deutlich machen – um den Mut, mich zu meiner Bestimmung als irdenes Gefäß zu bekennen. Es geht doch gerade darum, aufgrund meiner Grenzen, ja gerade mit ihnen, die überschwängliche Kraft Gottes herauszustellen und zu bezeugen. Es geht eben nicht um uns, es geht einzig und allein um Gott.

Und genau das wünsche ich Euch als FeG FFB weiterhin und in Zukunft: dass Ihr in der Anerkenntnis Eurer eigenen irdenen Gefässigkeit Euch nicht bange machen lasst von den eigenen Grenzen, von Zweifeln, Ängsten und Bedrängnissen; Euch auch nicht auf Eure Fähigkeiten oder auf die Förderung Eures Image konzentriert, sondern in allem die überschwängliche Kraft Gottes allen Menschen dieses Ortes und Landkreises weiter bezeugt – durch lebendige Gottesdienste, Veranstaltungsreihen, eine lebendige Kinder – und Hauskreisarbeit, durch Nachbarschaftsgespräche, vor allem aber durch lebendigen und überzeugenden Glauben. Der Herr segne seine irdenen Gefäße im Verteilen der Erkenntnis der göttlichen Herrlichkeit auf dem Angesicht Jesu.
Und uns, Annegret und mir, bleibt eine tiefe Dankbarkeit aus ehrlichem Herzen.

Danke, dass Ihr uns immer wieder unseren irdenen Charakter aufgezeigt habt. Wir wollen ihn nicht vergessen. – Danke, wenn Ihr uns spüren ließet, dass auch etwas von dem innewohnenden Schatz durch uns an Euch weitergelangen konnte. Das hat uns immer wieder Mut gemacht, unserer Berufung bei Euch zu folgen.
Danke aber vor allem, wenn Ihr die irgendwann berufbare neue Pastorenfamilie genauso herzlich aufnehmen und in Euer Herz schließen könnt und wollt, wie Ihr uns in zwei Wochen, am 25. November 2018, daraus verabschiedet. Es kann uns nichts Besseres passieren, als auf die Kontinuität der Liebe Gottes in dieser Gemeinde vertrauen zu können. Denn nochmals: wichtiger als Abschied und Begrüßung bleibt die Gegenwart und die Wirkung Gottes durch Euch irdene Gefäße hier vor Ort.

Gott segne also Euch alle als lebendige Steine, als irdene Gefäße, als betende Gemeinde, als Seilschaft hinter Jesus her, als Leib Christi, als Gottes Ackerfeld und Gottes Bau – und was es alles an Bildern geben mag. Jedenfalls: bleibt unterwegs – Jesus Christus hinterher. Das Ziel lohnt sich so sehr – und alle Anstrengung auch! Deshalb: Gelobt sei Jesus Christus in Ewigkeit.
Amen!

Kommentar verfassen