Warum hast du mich verlassen?

Gott ist nicht nirgendwo, – auch nicht irgendwo – sondern jetzt und hier! Wenn wir uns an ihn wenden, werden wir nicht enttäuscht und nicht allein gelassen. Jesus Christus, der am Kreuz so sehr gelitten hat, wie ein Mensch nur leiden kann, hat versprochen bei uns zu sein. Er hat versprochen zu hören, wenn wir nach ihm rufen und uns niemals allein zu lassen.

Geschätzte Lesezeit: 11 Minuten

Daten

PredigerDavid Schmidt
ThemaWarum hast du mich verlassen?
Reihe
Datum24.03.2019
Länge22:51
BibelstellePsalm 22
David Schmidt, Student der Theologischen Hochschule Ewersbach
David Schmidt, Student der Theologischen Hochschule Ewersbach

Lesungstext

1 Ein Psalm Davids, vorzusingen, nach der Weise »die Hirschkuh der Morgenröte«. 2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. 3 Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe. 4 Aber du bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels. 5 Unsere Väter hofften auf dich; und da sie hofften, halfst du ihnen heraus. 6 Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden. 7 Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet vom Volk. 8 Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf: 9 »Er klage es dem HERRN, der helfe ihm heraus und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.« 10 Du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen; du ließest mich geborgen sein an der Brust meiner Mutter. 11 Auf dich bin ich geworfen von Mutterleib an, du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an. 12 Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer. 13 Gewaltige Stiere haben mich umgeben, mächtige Büffel haben mich umringt. 14 Ihren Rachen sperren sie gegen mich auf wie ein brüllender und reißender Löwe. 15 Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, / alle meine Gebeine haben sich zertrennt; mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs. 16 Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, / und meine Zunge klebt mir am Gaumen, und du legst mich in des Todes Staub. 17 Denn Hunde haben mich umgeben, / und der Bösen Rotte hat mich umringt; sie haben meine Hände und Füße durchgraben. 18 Ich kann alle meine Gebeine zählen; sie aber schauen zu und weiden sich an mir. 19 Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand. 20 Aber du, HERR, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen! 21 Errette mein Leben vom Schwert, mein einziges Gut von den Hunden! 22 Hilf mir aus dem Rachen des Löwen / und vor den Hörnern der wilden Stiere – du hast mich erhört! 23 Ich will deinen Namen kundtun meinen Brüdern, ich will dich in der Gemeinde rühmen: 24 Rühmet den HERRN, die ihr ihn fürchtet; ehrt ihn, all ihr Nachkommen Jakobs, und scheut euch vor ihm, all ihr Nachkommen Israels! 25 Denn er hat nicht verachtet noch verschmäht das Elend des Armen und sein Antlitz vor ihm nicht verborgen; und da er zu ihm schrie, hörte er’s. 26 Dich will ich preisen in der großen Gemeinde, ich will mein Gelübde erfüllen vor denen, die ihn fürchten. 27 Die Elenden sollen essen, dass sie satt werden; / und die nach dem HERRN fragen, werden ihn preisen; euer Herz soll ewiglich leben. 28 Es werden gedenken und sich zum HERRN bekehren aller Welt Enden und vor ihm anbeten alle Geschlechter der Völker. 29 Denn des HERRN ist das Reich, und er herrscht unter den Völkern. 30 Ihn allein werden anbeten alle Großen auf Erden; vor ihm werden die Knie beugen alle, / die zum Staube hinabfuhren und ihr Leben nicht konnten erhalten. 31 Er wird Nachkommen haben, die ihm dienen; vom Herrn wird man verkündigen Kind und Kindeskind. 32 Sie werden kommen und seine Gerechtigkeit predigen dem Volk, das geboren wird. Denn er hat’s getan.

Predigt

„Same procedure as last year, Miss Sophie?”
“Same procedure as every year, James!”

„Derselbe Ablauf wie letztes Jahr, Fräulein Sophie?“
„Derselbe Ablauf wie jedes Jahr, James!“

Diese beiden Zeilen stammen aus der „am häufigsten wiederholten Sendung der Fernsehgeschichte“ so das Guinnessbuch der Rekorde. Es handelt sich um das alt bekannte Stück „Dinner For One“, das traditionell in der Neujahrsnacht gezeigt wird. – Für alle, denen Feuerwerkskörper zu laut und unkontrolliert sind, ich kann es nur empfehlen, das sind gut investierte Minuten! – In dem kleinen Stück geht es um Miss Sophie, eine in die Jahre gekommene Dame der gehobenen Gesellschaft Englands. Sie feiert ihren Geburtstag jedes Jahr mit vier engen Freunden bei einem Abendessen, ausgerichtet von ihrem treuen Hausdiener James. Das einzige Problem: Miss Sophie hat inzwischen so viele Geburtstage gefeiert, dass sie all ihre Freunde überlebt hat. Sie ist allein.

Doch das hält sie nicht davon ab, ihr traditionelles Geburtstagsessen mit James gemeinsam weiterzuführen, der bereitwillig die Rolle aller vier Freunde übernimmt. Der Charme des Stückes liegt vor allem darin, dass er nicht nur den Toast für jeden der Freunde ausspricht, sondern auch für sie alle mittrinkt und nach kürzester Zeit sturzbetrunken ist. Trotzdem ist Miss Sophie am Ende des Abends glücklich und zufrieden. Allein zu sein ist für sie nicht so schlimm.

Der Psychologe John Cacioppo hat sich intensiv mit dem Thema Einsamkeit beschäftigt und kam zu dem Schluss: Allein zu sein und einsam zu sein, das ist nicht dasselbe. Allein zu sein kann uns helfen aufzutanken uns zu sammeln und zu strukturieren und neue Kraft zu schöpfen. In Zeiten, in denen der „Burnout“ gefühlt hinter jeder Ecke lauert, fände ich es unverantwortlich die Vorteile des Allein-Seins unerwähnt zu lassen. Ob man aber für ein Stille-Wochenende im Kloster 150€ pro Person bezahlen muss oder ob man nicht auch auf dem heimischen Sofa Ruhe und bewusstes Allein-Sein genießen kann, lasse ich lieber offen.

Einsamkeit ist im Gegensatz zu allein sein – so John Cacioppo – nicht an die Abwesenheit von anderen Menschen gebunden. Sich einsam zu fühlen, das kann jedem von uns passieren; auch und vielleicht sogar besonders, wenn wir unter Menschen sind. Zum Beispiel auf einer Feier, auf der wir niemanden kennen, in einer neuen Schule oder auf einer neuen Arbeitsstelle. In seinen Studien fand Cacioppo sogar heraus, dass im menschlichen Gehirn beim Gefühl der Einsamkeit dieselben Regionen aktiviert werden wie bei körperlichem Schmerz. Psychologen halten das für eine gelungene Einrichtung und eine Hilfreiche Reaktion. Durch das Gefühl der Einsamkeit werden wir alarmiert und darauf hingewiesen, dass es an der Zeit ist, den Kontakt zu anderen zu suchen. Denn auch wenn uns das heute nicht mehr so bewusst sein mag wie früher – der Kontakt und die Kooperation mit anderen Menschen sind überlebenswichtig für uns.

Erst im August 2017 ergab nämlich eine Studie in den USA, dass unsere sozialen Kontakte unsere Gesundheit und Lebenserwartung negativ beeinflussen.

Dabei wurden Daten von mehr als 3 Millionen Teilnehmern ausgewertet. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass Einsamkeit ähnliche Folgen hat wie starkes Übergewicht. Oder: Wer ein unterversorgtes Sozialleben führt, belastet seine Gesundheit in vergleichbarer Weise, wie jemand der 15 Zigaretten am Tag raucht. In entsprechender Weise haben einsame Menschen eine verringerte Lebenserwartung.

Ich persönliche empfinde Einsamkeit als besonders schlimm, wenn ich sie im Kontrast zum Kontakt mit lieben Menschen erfahre. Viel schlimmer als das Allein-Sein ist für mich das Abschied-Nehmen. Im einen Moment haben wir noch die Gemeinschaft genossen, uns vielleicht in die Augen geschaut und im nächsten Moment sind wir allein. Plötzlich fühlen wir uns einsam – im schlimmsten Fall sogar verlassen.

Wahrscheinlich kennen wir das fast alle, wie es sich anfühlt, von Menschen verlassen zu werden. Ich erinnere mich noch lebhaft – vielleicht zu lebhaft – daran, wie es sich anfühlte, als meine erste feste Freundin mich „verließ“.

Aber es gibt mit Sicherheit auch ernsthaftere Gefühle von Verlassen-Sein. 2010 lebten fast 17% der Kinder in Deutschland mit einem alleinerziehenden Elternteil. Sie haben also erlebt, dass ein Elternteil die Familie verlassen hat. Unter welchen Umständen auch immer.

Der Autor unseres heutigen Predigttextes fühlt sich ebenfalls verlassen und allein. Nicht nur unter den Menschen hat er alle Freunde verloren auch seine Gottesbeziehung ist grade auf Eis, wie es scheint. Ich lese uns den Anfang des 22. Psalms bis Vers 22, nach der frisch revidierten Lutherbibel 2017:

2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. 3 Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
4 Aber du bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels. 5 Unsere Väter hofften auf dich; und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.
6 Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.

7 Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet vom Volk.
8 Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:
9 »Er klage es dem HERRN, der helfe ihm heraus und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.«
10 Du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen; du ließest mich geborgen sein an der Brust meiner Mutter. 11 Auf dich bin ich geworfen von Mutterleib an, du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.

12 Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer. 13 Gewaltige Stiere haben mich umgeben, mächtige Büffel haben mich umringt. 14 Ihren Rachen sperren sie gegen mich auf wie ein brüllender und reißender Löwe.
15 Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, / alle meine Gebeine haben sich zertrennt; mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs.
16 Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, / und meine Zunge klebt mir am Gaumen, und du legst mich in des Todes Staub.

17 Denn Hunde haben mich umgeben, / und der Bösen Rotte hat mich umringt; sie haben meine Hände und Füße durchgraben. 18 Ich kann alle meine Gebeine zählen; sie aber schauen zu und weiden sich an mir. 19 Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand.
20 Aber du, HERR, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen! 21 Errette mein Leben vom Schwert, mein einziges Gut von den Hunden!
22 Hilf mir aus dem Rachen des Löwen / und vor den Hörnern der wilden Stiere

GODISNOWHERE

David, der diesen Psalm schreibt und wohl auch betet, weiß nicht wo ihm der Kopf steht. Sein Leben läuft aus dem Ruder. Er ist in Not, fühlt sich von Feinden bedrängt, allein ja einsam, hilflos und verlassen. Er will irgendwie verstehen, was passiert und versucht sein Leben zu sortieren.

GOD IS NOWHERE

Was zunächst aussieht wie ein wilder Buchstabensalat, das ergibt tatsächlich Sinn. Wenn man die Augen zusammenkneift, den Kopf ein bisschen schief legt und an der richtigen Stelle zwei Leerzeichen einfügt, ergeben diese Buchstaben die folgenden drei Wörter:

God Is Nowhere – Gott ist nirgendwo. Gott ist irgendwie nicht nur furchtbar weit weg, er ist gar nicht da. Das ist es, was David fühlt, als er diesen Psalm schreibt. Obwohl er Tag und Nacht zu Gott ruft, ja nach ihm schreit, findet er doch scheinbar kein Gehör.

Er hat schon viel mit Gott erlebt und kennt die Geschichten seines Volkes. Aber selbst seine Volksgenossen haben nicht mehr allzu viel für David übrig. Sie verachten und verspotten ihn. Schließen ihn aus, drängen ihn in die Einsamkeit. Voller Hohn verweisen sie ihn auf Gott – soll DER ihm doch helfen, wenn sich David für so einen Gottesmann hält!

Und das ist er auch. Das war er schon immer. Seit seiner Kindheit war es stets Gott, dem er sich anvertraute und von dem er sich Führung und Bewahrung versprach.

Für David ist es, als hätte Gott ihn nicht nur geschaffen, sondern zur Welt gebracht. Doch diese Innige Beziehung ist jetzt kaum noch zu spüren. David sieht nichts mehr davon, dass Gott sein Leben in der Hand hält. Er scheint ihn verlassen zu haben. Davids Kraft reicht gerade noch aus, um verzweifelt zu rufen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?!“

Auch in unseren Leben mag es Situationen geben, in denen wir uns verlassen fühlen. Anfang August hatte mein guter Freund und Trauzeuge, Stefan Dreis, einen tödlichen Motorradunfall. Viel zu plötzlich und viel zu früh musste er uns verlassen. Obwohl wir uns als Semester jeden Morgen trafen um gemeinsam zu beten, zu trauern, zu weinen und zu klagen, fühlte ich mich allein und verlassen. In der Gemeinschaft mit den anderen Trauernden und mit Gott musste ich damit aber nicht hinterm Berg halten. Ich konnte all das rauslassen und zur Sprache bringen. Dieser Psalm macht deutlich, auch solche Gefühle sind in Ordnung. Wir dürfen auch Fragen: Gott wo bist du?! Warum geht bei mir gerade alles schief? Wieso kann ich in meinem Chaos, das sich Leben nennt, im Moment keine Spur von dir entdecken? Warum hast du mich verlassen?!

Wenn wir unser Leben im Vertrauen auf Gott gestalten wollen, dann spricht Gott uns durch die Bibel – sein Wort – vielfach zu, dass er bei uns sein wird. Aber wie oft kommt es vor, dass ich Gott nicht „spüre“. Dass ich das Gefühl habe, er sei unerreichbar weit weg. Oft scheint es mir dann, als würde alles immer schlimmer.

Auch Davids Situation in Psalm 22 wird immer finsterer. Während er am Anfang darüber klagt, dass er allein und verstoßen ist, spricht er später davon, dass seine Feinde ihn bedrängen wie wilde Tiere. Wie Raubtiere, die ihre Beute belauern, so umkreisen die Feinde ihn.

Und er ist matt und kraftlos. Ausgegossen wie Wasser, wie geschmolzenes Wachs und doch vertrocknet ja verdorrt, beinahe wie eine Leiche. Fast tot. Seinen Verfolgern hilflos ausgeliefert. Dann spitzt sich die Szene noch weiter zu:

An Händen und Füßen gefesselt. Entkleidet, sodass er an seiner abgemagerten Brust die Rippen zählen kann. Die Feinde teilen bereits ihre Beute – seine Kleidung – unter sich auf, als wäre er schon tot. Und auch wenn David sich sicher war, dass Gott ihn schon verlassen hat, ruft er doch weiter zu ihm um Hilfe.

Vielleicht fühlen auch wir uns manchmal hilflos und ausgeliefert. So als wäre die ganze Welt gegen uns. Statistiken lassen vermuten, dass fast 10 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland während ihrer Schullaufbahn Opfer von Mobbing werden. Doch auch im Beruf kann so etwas noch vorkommen. Menschen werden ins Abseits gedrängt, unterdrückt und regelrecht geistig misshandelt. Zu viele leiden darunter, dass sie zur Einsamkeit gezwungen werden und nicht wenige gehen sogar daran kaputt.

Dieser Psalm – dieses Gebet – will all diese Menschen ermutigen, sich in solcher Not an Gott zu wenden. Zu ihm um Hilfe zu rufen, selbst wenn wir das Gefühl haben, unser Gebet kommt nicht weiter als bis zur Decke.

Ich bin sicher, Gott hört solche Hilfeschreie und weiß genau, wie es sich anfühlt hilflos und ausgeliefert und von allen verlassen zu sein.

Warum ich mir da so sicher bin? Gott selbst, in Jesus von Nazareth auf diese Erde gekommen, hat diesen Psalm bereits gebetet. Als er auf Golgatha am Kreuz hing. Von allen, sogar von seinen engsten Freunden verlassen. Seinen Feinden hilflos ausgeliefert. Hände und Füße mit Nägeln durchbohrt und ans Kreuz geschlagen.

Nackt und ungeschützt, während die Soldaten um sein Gewand würfelten. Ja, Jesus weiß, wie sich das anfühlt, was David in seinem Psalm beschreibt.

Wenn wir also in unserer Not und unserem Leiden, unserer Hilflosigkeit und Verlassenheit zu Gott rufen, dann hört er uns. Wir sind mit all dem nicht allein, sondern dürfen wissen, dass Gott selbst mit uns leidet. Er identifiziert sich mit den Bedrängten und Hilflosen. Er stellt sich auf die Seite der Unterdrückten und Verlassenen. Er versteht und weiß genau, wie wir uns fühlen.

Man könnte hier aufhören. Ich finde, die Zusage der Solidarität Gottes mit uns und unserem Leid, kann in finsterster Nacht Trost spenden. Doch Psalm 22 ist noch nicht zu Ende. Ich lese weiter bis Vers 25:

– Du hast mich erhört!
23 Ich will deinen Namen kundtun meinen Brüdern, ich will dich in der Gemeinde rühmen:
24 Rühmet den HERRN, die ihr ihn fürchtet; ehrt ihn, all ihr Nachkommen Jakobs, und scheut euch vor ihm, all ihr Nachkommen Israels!
25 Denn er hat nicht verachtet noch verschmäht das Elend des Armen und sein Antlitz vor ihm nicht verborgen; und da er zu ihm schrie, hörte er’s.

Kehrtwende. 180 Grad. Eigentlich hatte David nicht mehr gefragt, ob sondern nur noch warum Gott ihn verlassen hat. Und doch kann er jetzt sagen: Du hast mich erhört! Eigentlich dachte David, Gott sei nirgendwo in seinem Leben. So wie wir das vorhin gesehen haben: „God is Nowhere“ – „Gott ist nirgendwo“.

Doch David verstummt nicht angesichts dieser düsteren Aussichten. Er ruft weiter zu Gott und fleht um Hilfe. Und er erkennt und erlebt, dass Gott ihn doch nicht verlassen hat. Im Gegenteil, Gott erhört sein Rufen und rettet ihn aus seiner Not.

Nicht “God is nowhere” – “God is now here”!

GOD IS NOW HERE

Gott ist nicht nirgendwo, – auch nicht irgendwo – sondern jetzt und hier! Wenn wir uns an ihn wenden, werden wir nicht enttäuscht und nicht allein gelassen. Jesus Christus, der am Kreuz so sehr gelitten hat, wie ein Mensch nur leiden kann, hat versprochen bei uns zu sein. Er hat versprochen zu hören, wenn wir nach ihm rufen und uns niemals allein zu lassen.

Wenn wir kein Land mehr sehen und uns auf das Chaos unseres Lebens keinen Reim mehr machen können, will er uns helfen, die Dinge zu sortieren.

Und wenn wir dem Irrtum erliegen, wir seien in unserem Leiden einsam und allein, ja gottverlassen

Dann können wir uns von Gott überraschen lassen: Er hört unser Schreien und er sieht unsere Not. Gott ist jetzt hier. Die Band „Koenige & Priester“ hat in ihrem Lied „Warum hast du mich verlassen“ diesen Psalm modern interpretiert. Wir hören es jetzt und können den Text an der Leinwand mitverfolgen. Währenddessen können wir den Psalm und das Gehörte auf uns wirken lassen.

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