Was ist Segen?

Segnungen sehen wir immer wieder im Gottesdienst. Wie sie ablaufen, ist klar. Aber, was passiert da eigentlich? Was ist denn Segen überhaupt? Diesen Fragen geht die Predigt nach.

PredigerThorsten Hegenscheidt
ThemaWas ist Segen?
Reihe
Datum12.05.2019
Länge15:14
Bibelstelle1. Mose 1, 22- 28

Predigtext

22 Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet das Wasser im Meer, und die Vögel sollen sich mehren auf Erden. 23 Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag. 24 Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendiges Getier, ein jedes nach seiner Art: Vieh, Gewürm und Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art. Und es geschah so.25 Und Gott machte die Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art und alles Gewürm des Erdbodens nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. 26 Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. 27 Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. 28 Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht. 

Predigt

Einleitung

Ein wichtiger Bestandteil des heutigen Gottesdienstes ist, dass wir die fünf Absolventen des biblischen Unterrichts segnen. Deshalb möchte ich genauer darauf eingehen, was da wirklich passiert.

Wir kennen viele ähnliche Begriffe: Segen, Segenswünsche; auch Fürbitten scheinen da mitzuspielen. Das taucht alles in unserem christlichen Leben auf. Der Klassiker ist die Geburtstagskarte mit „alles Gute und Gottes Segen, wobei ich dazu übergegangen bin Alles Gute, Komma, Gottes Segen. Es ist nichts zusätzliches wie man bei und meinen könnte, für mich ist es eine näherer, bessere Definition was alles Gute meint.

Wenn hier vorne eine Segnung geschieht, merke ich, Segen, Fürbitte, Gebet, irgendwie geht das alles ineinander über. Gibt es da Unterschiede oder ist das im Prinzip alles gleich? Heute will ich ein wenig Klarheit hineinbringen, damit ihr und ihr, wisst, was bei Eurer Segnung passiert.

Wann passiert der Segen?

Wir beginnen mal ganz behutsam mit etwas Anschaulichem: Dominik bitte verteile Schoko-Bons an unsere Absolventen. (Pause machen, der Gemeinde sich zuwenden) Dominik ist beschäftigt, das dauert ein bisschen bis er loslegt. Nutzen wir die Zeit, um ein Däumchen zu drehen. Alle mitmachen, alle vorwärts drehen. Da hat sich nichts getan. Dominik ratscht mit seiner Frau. Gut, dann warten ein wenig länger. Wir können ja mal rückwärts drehen. … Oh ja, jetzt passiert was (Dominik überschütte sie mit Schokolade). Danke, Dominik.

Ich kann anders vorgehen und selber unseren Absolventen Schokoladen schenken. Das sieht dann so aus: (hingehen, drüber schütten)

Das Ergebnis ist das selbe. Der Segen, hier die Schokolade, kam von oben über Euch, ist bei Euch angekommen. Es ist passiert. Aber auf deutlich unterschiedlichen Weisen. Einmal hat es Zeit gebraucht. Wir mussten warten, wir hofften, dass die Schokolade ankommt und Dominik sie nicht selber ist. Das ist der Weg bei einem Wunsch, bei der Fürbitte. Wir kommen mit einem Anliegen zu Gott und vertrauen darauf, dass er sich darum kümmert und dass etwas passieren wird.

Der Segen hingegen ist unmittelbar. Er geschieht jetzt. Es ist ein Realakt. Liebe Absolventen, wenn Ihr nachher von den Ältesten gesegnet werdet, dann passiert das genau in dem Moment. Das findet tatsächlich statt. Bitte merkt Euch das. Wenn ihr nachher rausgeht, dürft ihr sicher sein: Ihr seid gesegnet und habt den Segen Gottes.

Was ist Segen?

Die spannende Frage. Was ist Segen? Bei der Schokolade war klar, was es ist. Kakao+Zucker+Milchpulver+ Fett zusammen geklatscht. Steht ja auf der Packung. Aber beim Segen? Da haben wir keinen Beizettel.

Leichter tun wir uns, zu sagen, was er nicht ist: Wir orientieren uns am Ausschlussverfahren.Das hilft zum Verständnis, wenn genug weggestrichen werden kann. Der segen ist kein Schutzzauber, keine christliche Panzerhaut / Drachenhaut wie bei Siegfried. Es ist auch keine von Menschen herbeigerufene magische Aura, die sich um Euch legt und Reichtum, Frieden und Glück ansaugt. Es ist keine heile-Welt-Glaskuppel, die ihr übergestülpt bekommt. Schade, mögt ihr denken, aber das ist es nicht.

Nach der Ernüchterung, die positive Formulierung.

Segen kommt von Gott und ist seine heilvolle Kraft, die er uns schenkt . Aus der Physik wissen wir, Kräfte können wir nicht sehen, aber wir erkennen sie an ihrer Wirkung. Und so stellt sich die Frage: Was bewirkt diese Segenskraft?

Kurz gesagt: Sie stellt uns auf Gottes Weg.

Lang gesagt: Seit dem Anfang der Schöpfung hat Gott einen Plan, eine Vorstellung, wie sich seine Schöpfung entwickeln soll. Im Bibeltext hörten wir einen Auszug und den ersten Segen. Gott segnete, damit es in der Schöpfung richtig weiter geht. Dafür gab er Segen. Tieren und Menschen. Er setzte den Menschen ins Paradies. Aber der Mensch und die Menschin hielten sich nicht an Gottes Absicht, sondern handelten nach ihrem eigenen Kopf. Und so kam es, dass sie nicht mehr im Paradies leben konnten.

Gottes Ziel hat sich dabei nicht geändert. Wenn ich einen Fehler mache, schmeißt Gott nicht das Handtuch. Er will nach wie vor den Menschen als sein Gegenüber, er will ihn bei sich haben. Die ganze Geschichte im Alten und Neuen Testament zielt darauf ab, dass wir wieder zu Gott kommen. Immer wieder gibt er seinen Segen, dass die Entwicklung in die richtige Richtung läuft.

Quasi von alleine entsteht Unordnung (merk ich bei mir täglich), von alleine Fallen die Sachen auf den Boden. Das etwas „den Bach runter geht“ ist kein Problem. Kraft, Aufwand, Energie ist nötig, wenn Ordnung, Schönheit, Gutes, Liebes geschaffen werden soll. Um Menschen und Dinge nach oben zu bewegen.

Mit jeder Segnung bekommt ein Mensch diese kreative Schöpfungskraft, dass sich Gottes guter Wille erfüllt. Nein, dass die Welt, die Umwelt gestaltet wird, wie sich Gott das vorstellt.

Ich denke bei Segen natürlich auch an langes irdisches Leben, an Gesundheit und Erfolg. Das kombiniert oft mit Gottes Plan. Gott will ja das Gute für den Menschen, nicht nur im Himmel, auch auf der Erde. Er liebt dich hier und nicht erst spät. Die Erde ist kein Jammertal und die Religion vertröstet Menschen nicht erst auf die Zukunft nach dem Tod. Die Erde ist Schöpfung Gottes, jetzt immer noch. Gott liebt heute, Gott liebt jetzt und will gleichzeitig, dass eine Entwicklung Richtung Himmel vorangeht.

Gott hat Dich mit Fähigkeiten ausgestattet. Das, was Dich ausmacht, sprich was Gott sich überlegt hat, als er Dich erdachte, soll wirken. Gottes Segen lässt Dich die Erde – und du selber gehörst auch dazu – ein wenig himmlischer machen.

Was, wenn‘s dumm läuft?

Das ist die Theorie. In der Praxis werdet Ihr vermutlich auch Menschen kennen, die gesegnet wurden, und wo das alles nicht so ganz danach aussieht. Wenn das Unheil zupackt (C. vorzerren) und dich fest im Griff hat (Celina festhalten).

Ich denke an Situation, wie im Studium beim zweiten und damit letzten Versuch eine Prüfung zu bestehen. Wenn das nicht hinhaut, ist der Traum aus. Der Druck von außen ist groß und hält Dich gepackt. Oder wenn alle anderen Jungscharleiter schon auf der Osterfreizeit sind, und Du zu Hause krank im Bett liegst.

Das Thema gestalten, Gottes Plan voranbringen, scheint da gestorben. Da geht nichts mit Segen. Du meinst, dass Dich die Zwänge durch Dein Lebensweg stoßen. Wenn dir Geld fehlt, wird die Richtung hart auf Erwerb gesteuert. Wenig Zeit zum gestalten. Ist der Segen da weg? Vielleicht nur für glückliche Momente?

Vorneweg: Segen, kann man nicht verlieren. Er bleibt. Gott nimmt ihn nicht zurück. Und ganz klar: In der Not ist die Unterstützung und konkrete Fürbitte gefragt. Aber manchmal ist auch nur ein anderes Wahrnehmen gefragt.

Was habt Ihr hier gesehen? Ein Mädchen, festgehalten, eingeengt, herumgeschubst, ohne freien Willen? Ausgeliefert dem Geschehen? Wehrlos?

Die Wirklichkeit ist anders:

Hier war ein aufgeregter Prediger, voll Sorge über das große Fachpublikum. Befürchtend, dass ihn Unmutsäußerungen und Gebaren der wilden Gemeinde gefährden könnten. Und ein mutiges Mädchen meinte: Keine Angst. Du kannst Dich an mir festhalten. Wenn Dir die Kanzel zum verstecken fehlt, dann stelle dich hinter mich. Ich gebe Dir Sicherheit. Und falls irgendwo einer grimmiger oder vermeintlich grimmig schaut, dann nimm mich als Schutzschild. Ich lächel ihn freundlich an, bis er wieder friedlich ist.

Von außen, sehen die Vorgänge gleich aus. Aber es ist eine komplett andere Wirklichkeit.

(C. zum Platz schicken) Ich halte Paulus für einen gesegneten Mann, aber wenn ich sehe, wie es bei dem zuging, was er mitmachte, hinterfrage ich schon den Begriff des gesegneten Lebens.

Oder die Propheten, auch sie erlebten rauhe Zeiten. Die waren aber wichtig. Damit die Bibel so rauskam, wie sie jetzt ist. Dass Gott seine Geschichte bis Fürstenfeldbruck schrieb. Es waren viele blutige, grausame und traurige Ereignisse. Aber sie brachten mir den Glauben an Jesus. Mir und vielen anderen. Sie waren unglaublich segensreich, weil sie Gottes Plan voranbrachten und Menschen den Himmel zeigten,

Ich glaube, dass ihr sehr viel segensreiches bewirkt, in den Situationen, wo euch fast die Luft ausgeht. Mit dieser, mit Gottes heilvoller Kraft zum Durchstehen. Die ernsten, zerbrechlichen Situationen bei Christen, befeuern meine Sehnsucht nach der Ewigkeit. Wo Gewissheit des Himmels sich zeigt, wächst mein Glauben.

Wer darf wen segnen?

Bei uns segnen nachher die Ältesten die Absolventen. Damit wird deutlich, dass wir als Gemeinde hinter dieser Segnung stehen. Diese Segnung für Euch wollen. Die Ältesten, vertreten die Gemeinde, sie sind die Ausführenden der Gemeinde.

Ihr seht im Gottesdienst die „großen“ Ereignisse. Segnungen von BU-Absolventen, Mitarbeiter für ihren Dienst, Babys, Schulanfängern, …. . Ich wünsche mir für mich, dass ich viel mehr Mut habe, dass auch im Kleinen zu tun. Den grundsätzlich darf jeder Christ den Segen zusprechen und zwar jedem anderen Menschen. Unabhängig davon, was der andere kann, ist, geleistet oder sich geleistet hat. Mit dem lauten oder stillen Segnen, sprechen wir dem anderen die Kraft Gottes zu, die die Erde himmlischer werden lässt.

Wenn wir einem traurigen oder kaputten Menschen begegnen, und nicht wissen, wie damit umgehen. So wünsche ich mir für mich, zumindest innezuhalten, für einen stillen Segen. Die heilvolle Kraft Gottes aus der Schöpfung wirkt heute genauso.

Schluss

Statt drei habe ich heute vier Punkte in die Predigt geschmuggelt. Habt Ihr sie erkannt?

  1. Der Segen ist ein Realakt. Die Segnung geschieht im Jetzt. Ihr wisst, wenn sie durchgeführt wird: Ihr seid jetzt gesegnet.
  2. Der Segen ist die heilvolle Kraft Gottes. Sie stellt uns auf Gottes Weg und gibt uns die schöpferischen, gestalterischen Kräfte, damit Gottes Plan, seine geliebten Menschen zu ihm zu bringen, weitergeht. Damit verbunden ist auch, dass der liebende Gott, es heute mit uns gut meint.
  3. Manchmal sehen wir Situationen aus der Anschauung und dem eigenen Erfahrungshorizont heraus komplett anders als sie für Gott sind.
  4. Bleibt dran, Menschen zu segnen. Denn Gottes Kraft hat Kraft.

Amen

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