Samuels Berufung

… und was Eli richtig machte. Was brauchte Samuel, um Gott zu erkennen? Wie wuchs sein Glaube? Wer ist Dein Herr? Das sind die Fragen aus dem Text.

PredigerThorsten Hegenscheidt
ThemaSamuels Berufung
Reihe
Datum16.06.2019
Länge25:50
Bibelstelle1. Samuel 3, 1 – 10
Thorsten Hegenscheidt
Thorsten Hegenscheidt

Bibeltext

1 Und zu der Zeit, als der Knabe Samuel dem HERRN diente unter Eli, war des HERRN Wort selten, und es gab kaum noch Offenbarung. 2 Und es begab sich zur selben Zeit, dass Eli lag an seinem Ort, und seine Augen fingen an, schwach zu werden, sodass er nicht mehr sehen konnte. 3 Die Lampe Gottes war noch nicht verloschen. Und Samuel hatte sich gelegt im Tempel des HERRN, wo die Lade Gottes war. 4 Und der HERR rief Samuel. Er aber antwortete: Siehe, hier bin ich!, 5 und lief zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Er aber sprach: Ich habe nicht gerufen; geh wieder hin und lege dich schlafen. Und er ging hin und legte sich schlafen. 6 Der HERR rief abermals: Samuel! Und Samuel stand auf und ging zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Er aber sprach: Ich habe nicht gerufen, mein Sohn; geh wieder hin und lege dich schlafen. 7 Aber Samuel kannte den HERRN noch nicht, und des HERRN Wort war ihm noch nicht offenbart. 8 Und der HERR rief Samuel wieder, zum dritten Mal. Und er stand auf und ging zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Da merkte Eli, dass der HERR den Knaben rief. 9 Und Eli sprach zu Samuel: Geh wieder hin und lege dich schlafen; und wenn du gerufen wirst, so sprich: Rede, HERR, denn dein Knecht hört. Samuel ging hin und legte sich an seinen Ort. 10 Da kam der HERR und trat herzu und rief wie vorher: Samuel, Samuel! Und Samuel sprach: Rede, denn dein Knecht hört. 

Predigttext

Einleitung

Das ist eine sehr bekannte Geschichte. Viele kennen sie bestimmt. Habe ich auch gedacht. Aber in der Vorbereitung merkte ich schnell, dass mit schon ein paar einfache, allgemeine Punkte unbekannt waren Wie schaut das bei Euch aus?

Welches Buch ist das denn?

Allein die Frage, wo steht der Text in der Bibel ist nicht einfach zu beantworten. Für die Reihenfolge der Bücher gibt es zwar einen schönen Merkvers. Kennt ihr ihn?

In des Alten Bundes Schriften merke in der ersten Stell:

Mose, Josua und Richter, Ruth und zwei von Samuel.

Zwei der Könige, Chronik, Esra, Nehemia, Esther mit

Hiob, Psalter, dann die Sprüche, Prediger und Hoheslied. … .

Aber steht Samuel tatsächlich im ersten Samuel? Bei uns schon, aber das war nicht immer so:

Als Hieronymus so 400 n. Chr. die Bibel ins Lateinische übersetzte übersetzte, orientierte er sich für das alte Testament an der griechischen Übersetzung der hebräischen Bücher, der sogenannten Septuaginta. Dort gab es keinen Samuel sondern die 4 Bücher der Königreiche, basileion alpha – gamma. Das 1. und 2. war das ursprünglich eine Samuel-Buch, 3. und 4. sind unsere Buch der Könige 1 und 2. Wer in eine Vulgata-Bibel mal reinschaut wird sehen, dass nach Samuel direkt ein 3. und 4. Königreich-Buch kommt.

Das erzähle ich, weil mir diese Namen besser gefallen. Auch bei Samuel geht es Gott vorrangig nicht am Samuel, sondern um das ganze Volk Israel. Bei Saul, David und den folgenden Königen lag Gott dass ganze Königreich Herzen. Und auch heute geht es Gott um sein Königreich. Dort, wo sein Wille zählt und Menschen in Gottes Herrschaftsbereich leben möchte.

Zeit?

In welcher Zeit lebte Samuel? Ca 1.000 v. Chr. Das war die Eisenzeit (Mose Bronze Schlange = Bronzezeit, 333 Alexander Hellenismus, was lag dazwischen?). Wir sind also in einer technisch gut entwickelten Zeit, den Eisen kommt nicht in Rohform vor. Es ist aufwendig aus Erz herzustellen. In Europa haben wir 300 Jahre länger gebraucht, bis wir Eisen hatten. Politisch war die Landkarte vom starken Ägypten im Süden geprägt. Assyrien war gerade noch stark.

Ort? Silo.

Was ist das besondere an diesem Ort? Schon bei Josua und den Richtern ist er erwähnt:

Jos 18,1 Und es versammelte sich die ganze Gemeinde der Israeliten in Silo und richtete dort die Stiftshütte auf, und das Land war ihnen unterworfen.

Jos 18,10 Da warf Josua das Los für sie in Silo vor dem HERRN, und Josua verteilte dort das Land unter die Israeliten, einem jeden Stamm sein Teil.

Auch dass Leviten kein Land erhielten wurde hier beschlossen

Ri 21,19 Und sie sprachen: Siehe, jedes Jahr findet ein Fest des HERRN statt zu Silo.

Ihr seht, Silo ist keine Dorfkirche, sondern das religiöses Zentrum. Stiftshütte und Bundeslade waren hier. Jerusalem wurde erst von David zur Hauptstadt erhoben.

Berufung / Bekehrung des Samuel

Soweit zu den Rahmenbedingungen. Als ich mich inhaltlich mit der Bibelstelle auseinander setzte, sind mir drei Themenbereiche aufgefallen. Beim ersten geht es darum, wie ein Mensch zu Gott findet. Die Überschrift in meiner Bibel „Berufung des Samuel“ verstehe ich als Bekehrung des Samuel.

Samuel hatte gläubige Eltern. Das Gebet der Mutter aus der Lesung zeigt das exemplarisch. In seinen frühen Lebensjahren, gerade entwöhnt, kam er nach Silo. Er lernte das Priesterhandwerk. Er sah, wie geopfert wurde, hörte die Gebete, lernte die Rituale. Vielleicht durfte er schon früh Kindergottesdienst machen oder mitmachen. Traditionelles, kirchliches Leben war vorherrschend.

Beim genauen Hinsehen, merkt man, dass nicht alles so richtig gut war. „Das Wort des Herrn war selten heißt es in Vers 1.“ Die Söhne des Tempelchefs waren auf ihr eigenes Wohl bedacht. Der Vater Eli lies es bei Ermahnungen, handelte aber nicht. Man setzte weitestgehend die Regeln um, manchmal mit legerer Auslegung. Der Tempeldienst wurde mehr abgewickelt als abgehalten.

Samuel sah seine Eltern, zumindest einmal im Jahr, denn da brachten sie ihm neue Kleidung beim jährlichen Opferfest. Ansonsten war er mehr ein Rad, ein einfaches Rad im Tempeldienst-Getriebe.

In der Nacht der heutigen Bibelstelle hört Samuel, dass er gerufen wird. Er geht und meldet sich bei Eli. Vielleicht fragt man sich, warum? Wenn ich manchmal meine Mutter besuchen, und es ruft jemand aus der Küche „Thorsten“, dann weiß ich sofort, wer da ruft. Samuel liegt im Tempel. Im Haus Gottes und wird dort gerufen. Ja von wem denn sonst außer dem Hausherren soll das denn sein?

Ich gebe zu der Vergleich hinkt. Ich kenne die Stimme meiner Mutter. Samuel kannte Gottes Stimme nicht. Ein Priesterschüler, ein Levit, ein dem geistlichen Leben gewidmeter Mensch. Er kennt die Stimme Gottes nicht. Trotz des religiösen Außenrum, in dem er aufwuchs. Es reicht nicht, dass er Gottesdienste ohne Ende mitbekommen hat, um Gott zu erkennen. Immer wieder rennt er zu Eli. Wie viele Menschen kommen in die Kirchen, in die Gottesdienste, nehmen teil am christlichen Leben und merken nicht, dass Gott sie ruft? Ich kann mir vorstellen, dass ich wie Samuel, die Stimme nicht erkannt hätte. Egal wie christlich ein Alltagstrott ist, das allein ist kein Glaube.

Aber, und das war wichtig. Eli hat aufgepasst. Bei der dritten Störung in der Nacht, hat er Samuel nicht rausgeschmissen und ihn auf den nächsten Morgen vertröstet. Ich meine, als Eltern von kleinen Kindern war man ja hart im nehmen und einiges gewohnt. Der Samuel war schon ein wenig größer. Jetzt stand er zum dritten Mal in dieser Nacht bei Eli. „Hallo, Du hast mich gerufen, was gibt es?“ Mir wäre der Kragen geplatzt. „Jetzt bleibe bitte in Deinem Bett liegen und mach keinen Quatsch. Es ist Schlafenszeit!“ Aber Eli hat die Situation durchschaut. „Du, das ist Gott. Der ruft Dich.“

Wie schön ist es, wenn Christen diese Achtsamkeit für ihre Mitmenschen haben und, wenn sie es erkennen, den anderen erklären, es ist Gott der Dich ruft. Das wichtige sind nicht Menschen, die vorne predigen, sondern Menschen, die im Alltag verstehen, wo Gott am Werk ist und diese Beschreibung aussprechen. Ein Mensch findet nicht zu Gott, weil er schöne Zeremonien sieht. Ein Mensch findet zu Gott, wenn er Gottes Stimme in seinem Leben hört. Wenn er merkt, dass Gott im „normalen“ Leben da ist. Dass Gott ihn bei seinem Namen ruft. Bitte, haltet eure Augen offen und beschreibt die Wunder Gottes, damit Menschen mitbekommen, sie werden von Gott gerufen.

Das geht nicht mal so hoppla-hop. Das weiß Gott. Und für mich ist es schön zu lesen, dass Gott viermal Samuel rief. Unermüdlich ruft er. Gott gibt nicht auf. Er möchte es so sehr, dass Du ihn hörst. Gott war die treibende Kraft, dass Samuel ihn erkennt. Eli durfte mithelfen. Weil er Gott kannte, konnte er Samuel einen guten Vorschlag machen.

Wie reift unser Gehirn?

Ich habe mich gefragt, wie Samuel auf diese Glaubenserfahrung vorbereitet wurde. Vielleicht ist es ähnlich wie die Arbeitsweise unseres Gehirns. Wie arbeitet das Gehirn denn? Wie entwickelt und steigert es sich? Wir haben Sinnesorgane, da laufen die Informationen rein. Nase, Haut, Ohr, Auge sind die Klassiker. 100 Tausend Millionen pro Sekunde.

Das Gehirn filtert, entscheidet, sortiert. Und dann? Dann sollte es alles geordnet abspeichern, so dass die wichtigen Informationen leicht wiedergefunden werden. Dazu ist eines nötig: Ruhe. Der alte Ratschlag mit dem Buch unter dem Kopfkissen hat da seinen Ursprung. Man lernt, liest seine Bücher und Hefteinträge und gibt dem Kopf die Chance vernünftig alles zu speichern.

Man kann es sich auch wie beim Umzug vorstellen: Erst alles aus dem Möbelwagen in die neue Wohnung tragen und dann die Kisten auspacken. Solange die Kisten vom Umzugswagen herunter strömen, kann man nicht sauber einräumen.

Jetzt stelle ich mir vor, wie Samuel täglich im Tempel so viel mitbekommt. Er sieht Gutes, hört gute Worte von Eli. Er sieht aber auch die Fehler, das schlechte Verhalten von Elis Söhne. Er sieht die Menschen, die Opfergaben bringen und denen Gott wichtig ist, und und und … .Ganz viel unterschiedliches. Und abends legt er sich im Tempel schlafen. Dort, wo Gott wohnt, lässt er sein Gehirn das Gehörte und Gesehene verarbeiten. In Gottes Gegenwart werden alle Erlebnisse und Eindrücke sortiert, gefiltert und nach Wichtigkeit abgelegt.

Manchmal frage ich mich, wie das bei mir aussieht. Wie viel Zeit erlaube ich mir, dass sich meine Sinneswahrnehmungen in der Nähe zu Gott in meinem Gehirn gefiltert, sortiert und abgelegt werden. Was würde passieren, wenn ich wie Samuel, mit meinen Eindrücken des Tages mich einfach vor Gott zu Ruhe lege? Wenn neben Lob, Dank und Fürbitte eine Reifezeit kommt. Statt aktiv reden, statt passiv hören, bewusst „nur“ bei Gott sein, und ein echt stilles Gebet mit Stille-Halten eintritt.

Ich bin überzeugt, dass genau wie unser Gehirn Ruhe zum Wachsen braucht, unser Glaube wächst, wenn wir vor Gott eine echte stille Zeit halten.

Samuel hatte vor Gott geruht und das, so ist zumindest meine Meinung, ließ ihn nach ein paar Jahren Gottes Stimme hören.

Wer ist Dein Herr?

Den dritten Themenbereich im Text zeigte mir mein Hauskreis. Es ist die Frage: Wer ist Dein Herr? Samuel, der als kleines Kind im zu Eli gebracht wurde, war Gott gewidmet worden. Er diente im Tempel. Und erhielt vermutlich viele Aufträge von Eli. Eli war sein Herr geworden. Sonst wäre er kaum in dieser Nacht so diensteifrig zu Eli gelaufen. Erst Eli hat ihn an Gott verwiesen. Nicht Eli, der alte Priester, sondern Gott ist der Herr. Ihm sollte Samuel antworten mit „Dein Knecht hört.“.

Wer ist mein Herr? Die Frage darf ich mir schon öfter stellen. Sind es die äußeren Zwänge? Das, was man tut? Ich war die Woche in Niedersachsen bei meinem Onkel. Er feierte seinen 80. Geburtstag. Er sagte mir, er freut sich sehr, wenn ich komme und, ich solle ihm nichts schenken. Ist mir schwer gefallen, Das tut man doch nicht. So mit leeren Händen zu einem Ehrentag zu kommen. Kurz vor dem Eintreffen habe ich noch gezögert. Aber beim Verabschieden hat er noch mal gesagt. Es war gut so. Er löst gerade seinen großes Haus auf, weil er sich deutlich verkleinern will. Er hat nicht den Platz. Hier war es mal richtig, aber wie oft ist „das was man tut“ die Verpflichtung.

Mein Cousin hat ein knapp zweijähriges Kind. Das hat sich mit einem großen Plüsch-Löwen abgemüht, ihn aufzurichten. Als ein Erwachsener ihm helfen wollte, hat ihn mein Cousin gefragt: Willst Du nicht, dass er es selber lernt? Mir wäre das auch passiert. Manchmal tut man etwas in guter Absicht, hilft und merkt nicht, dass man dem anderen dadurch seine „Herrschaft“ aufdrückt. Ich finde es wichtig, sich zu helfen; aber bei diesem extremen Beispiel sieht man. Es ist ein schmaler Grat zwischen helfen und seinen Willen aufzwängen. Reden hilft da unheimlich. Fragen und sagen. Falsche Vorstellungen, falsche Sichten können so vermieden werden.

Wer ist Chef? Eli macht es beeindruckend gut. Gott ist der Herr. Nicht die Umstände, nicht die Menschen, sondern Gott. Wenn wir das nicht beachten, verbrauchen wir unserer Kraft dort, wo am lautesten oder am Mitleid erregendsten geschrien wird und fallen dann erschöpft aufs Bett. Gottes Auftrag können wir dann nicht noch zusätzlich erledigen. Zwei Herren kannst Du nicht dienen, das macht dich kaputt.

Wer bei Samuel weiterliest, sieht schnell, dass es bei Gott kein lange, sanfte Eingewöhnungsphase gibt. So wie beim Kindergarten. Mal eine Stunde mitmachen, mal zwei und sich dann langsam auf einen ganzen Tag steigern. Gott sagt Samuel vieles, auch vieles, das keinen Spaß macht.

Bei der 80er Feier stand ich mit meinem Cousin und anderen „Fremden“ die natürlich auch da waren. Zusammen. Irgendwie kam das Thema auf Religion. Und nach den ersten vielleicht nicht abfälligen, aber doch abwertenden Bemerkungen, war mir klar. Das will mein Herr nicht so stehen lassen. Ich nahm meinen Mut zusammen und sagte. Kommt am Sonntag, da predige ich. 700Km weg – die sind heute nicht gekommen. Aber das Gespräch veränderte sich. Es wurde feiner differenziert, zwischen Menschen, die enttäuscht haben und dem Glauben an Gott.

Unser Herr fordert uns, ob wir Lust haben oder nicht. Und deshalb möchte ich prüfen. Will es Gott, will es ein Mensch, will es „man tut es so“. Und nur, weil ich mich da immer wieder irre und Fehleinschätzung treffe, befreit es mich nicht von der Aufgabe nachzufragen. Wer ist jetzt mein Herr. Wer ist es wirklich, der da gerade was von mir will?

Zusammenfassung

Ich habe Euch heute meine Themenbereiche zu Samuel 3 geschildert. Sie alle haben etwas mit Gottes Königreich zu tun.

  • Wie wird ein Mensch teil dieses Königreichs? Das war das Beispiel von Samuels Bekehrung. Er lernte Gott kennen, weil Gott es hartnäckig wollte und weil ein Mensch auf ihn geachtet hat und ihm den entscheidenden Hinweis gab.
  • Wie wächst Glaube, wie wächst sein Herrschaftsbereich in mir? D mutmaßte ich, sehr frei und wenig theologisch fundiert, was Samuels Glauben wachsen ließ. Meiner Meinung nach ist es die dritte Gottesdienstzeit, nicht das aktive tun, nicht das passive Hören sondern vor Gott zu ruhen, so dass unserer Erfahrungen und Erlebnisse vor ihm gefiltert, sortiert und in einen sinnvollen Zusammenhang geknüpft werden.
  • zuletzt stellt ich mir die Frage. Wer ist mein Herr? Umstände, andere Menschen, Sitten oder ist es der König des Königreichs?

Amen.

Quellen

https://www.bibleserver.com/text/LUT/1.Samuel3%2C1-10

https://www.bibleserver.com/search/LUT/silo/1

https://www.wlb-stuttgart.de/fileadmin/user_upload/sammlungen/bibeln/Reihenfolge_Lutherbibel.pdf

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