„Ich will hier bei dir stehn!“ – Gedanken zu einem Passionslied von Paul Gerhardt

Krieg, Not, Pandemie – waren ihm vertraut. Von Kindheit an, lebte er damit. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb, wendet er sich dem Leiden des Messias Jesus zu. Beschreibend, nachdenklich, sich selbst ganz hineinnehmend. Und es entsteht ein tiefgehendes Passionslied. Seid bald 400 Jahren gehört Paul Gerhardts „O Haupt voll Blut und Wunden“ zu den bekanntesten ökumenischen Passionsliedern. Mit gutem Grund – wie wir entdecken werden.

PredigerTraugott Hopp
Thema„Ich will hier bei dir stehn!“ – Gedanken zu einem Passionslied von Paul Gerhardt
Reihe
Datum10.04.2022
Länge35:53
Bibelstelle
Pastor Traugott Hopp, FeG Fürstenfeldbruck
Pastor Traugott Hopp, FeG Fürstenfeldbruck

Liedtext

O Haupt voll Blut und Wunden,
Voll Schmerz und voller Hohn,
O Haupt, zum Spott gebunden
Mit einer Dornenkron;
O Haupt, sonst schön gezieret
Mit höchster Ehr‘ und Zier,
Jetzt aber höchst frech verhönet:
Gegrüßet sei’st du mir!

2 Du edles Angesichte,
Davor sonst schrickt und scheut
Das große Weltgewichte,
Wie bist du so bespeit!
Wie bist du so erbleichet!
Wer hat dein Augenlicht,
Dem sonst kein Licht nicht gleichet,
So schändlich zugericht?

3 Die Farbe deiner Wangen,
Der roten Lippen Pracht
Ist hin und ganz vergangen;
Des blassen Todes Macht
Hat alles hingenommen,
Hat alles hingerafft,
Und daher bist du kommen
Von deines Leibes Kraft.

4 Was du, Herr, hast erduldet,
Ist alles meine Last;
Ich, ich hab‘ es verschuldet,
Was du getragen hast.
Schau her, hier steh‘ ich Armer,
Der Zorn verdienet hat;
Gib mir, o mein Erbarmer,
Den Anblick deiner Gnad!

5 Ich will hier bei dir stehen,
Verachte mich doch nicht!
Von dir will ich nicht gehen,
Wenn dir dein Herze bricht;
Wenn dein Haupt wird erblassen
Im letzten Todesstoß,
Alsdann will ich dich fassen
In meinen Arm und Schoß.

6 Ich danke dir von Herzen,
O Jesu, liebster Freund,
Für deines Todes Schmerzen,
Da du’s so gut gemeint.
Ach gib, dass ich mich halte
Zu dir und deiner Treu‘
Und, wenn ich einst erkalte,
In dir mein Ende sei!

7 Wenn ich einmal soll scheiden,
So scheide nicht von mir;
Wenn ich den Tod soll leiden,
So tritt du dann herfür;
Wenn mir am allerbängsten
Wird um das Herze sein,
So reiß mich aus den Ängsten
Kraft deiner Angst und Pein!

8 Erscheine mir zum Schilde,
Zum Trost in meinem Tod,
Und lass mich sehn dein Bilde
In deiner Kreuzesnot!
Da will ich nach dir blicken,
Da will ich glaubensvoll
Dich fest an mein Herz drücken.
Wer so stirbt, der stirbt wohl.

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